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FAQs zum Mikrozensus

Die folgenden Seiten enthalten eine nach Themengebieten geordnete Sammlung von Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Mikrozensus und zum Mikrozenus Scientific Use File.


Vergleichende Analysen mit dem Mikrozensus

Sind Vergleiche zwischen Labour-Force Survey und Mikrozensus möglich?
Welche Bevölkerungskonzepte müssen verwendet werden, um die Daten des MZ 1973-87 (ZUMA-Files) mit den Daten des MZ1989 ff. zu vergleichen?
Wie müssen die einzelnen Stichproben der Mikrozensen gewichtet werden, um vergleichend auszuwerten?



Sind Vergleiche zwischen Labour-Force Survey und Mikrozensus möglich?

Grundsätzlich sind Vergleiche zwischen Labour Force Survey und Mikrozensus möglich. In Deutschland werden die Angaben des Labour Force Survey der EU (Arbeitskräfteerhebung) als Unterstichprobe des Mikrozensus erhoben. Im Erhebungsprogramm des Mikrozensus ab 1996 wird die Erwerbstätigkeit nach dem Labour-Force-Konzept durch vier Leitfragen zur Erwerbstätigkeit erfasst. Die Bevölkerung wird danach basierend auf den ILO-Standards in Erwerbstätige, Erwerbslose und Nichterwerbspersonen unterteilt. In Übereinstimmung mit den internationalen Standards der Definition von Erwerbslosigkeit der International Labour Organization (ILO) gelten im Mikrozensus Personen als erwerbslos, die in der Berichtswoche nicht mindestens eine einzige Stunde beschäftigt waren und zusätzlich eine Tätigkeit suchten. Während jedoch nach der ILO-Definition von Erwerbslosigkeit darüber hinaus das Kriterium der Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt eine ausschlaggebende Rolle spielt, wurde in den Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes zur Erwerbslosigkeit auf Basis des Mikrozensus bis 1996 dieses Kriterium nicht berücksichtigt. Erst ab 1996 wird die Verfügbarkeit zusätzlich ausgewiesen. Die entsprechende Variable (EF68) zur Umsetzung der ILO-Definition ist jedoch in den Mikrozensus-Files 1989 bis 1995 sowie im Scientific Use File des Mikrozensus 1996 (EF237, s.a. EF504) enthalten.

Weitere Informationen:

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Welche Bevölkerungskonzepte müssen verwendet werden, um die Daten des MZ 1973-87 (ZUMA-Files) mit den Daten des MZ1989 ff. zu vergleichen?

Mikrozensus Scientific Use Files: 1973, 1976, 1982, 1989ff.

In den Scientific Use Files der Mikrozensen 1973, 76, 82, 89ff. liegen Informationen zu den einzelnen Bevölkerungskonzepten der amtlichen Statistik (Wohnbevölkerung, Bevölkerung in Privathaushalten, Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung, Bevölkerung am Familienwohnsitz) für jede Person und jeden Haushalt vor (Individualdatensatz).

Mikrozensus ZUMA-Files: 1973, 76, 80, 82, 85, 87

Die Daten der ZUMA-Files der Mikrozensen der Jahre 1973, 76, 80, 82, 85 und 87 liegen als Aggregatdaten in Form mehrdimensionaler Tabellen (Merkmalskombinationen von 30 bzw. 40 Variablen) vor. Die Variable Gewicht enthält die Fallzahlen pro Merkmalskombination. Diese Fallzahlen sind bereits an die Ergebnisse der laufenden Bevölkerungsfortschreibung angepasst. Die Anpassung der Fallzahlen erfolgte bis einschließlich 1982 auf der Basis des Konzepts "Wohnbevölkerung" und ab 1985 auf der Basis des äquivalenten Konzepts "Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung". 

Um vergleichende Auswertungen der Scientific Use Files mit den ZUMA-Files durchzuführen, ist in den MZ ab 1989 eine Fallselektion nach der Eigenschaft "Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung" (Mikrozensen 1989-1995: EF26<>3 ; Mikrozensen 1996ff: EF505<>3) bzw. "Wohnbevölkerung" (MZ73, 76, 82: EF58<>2) vorzunehmen.

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Wie müssen die einzelnen Stichproben der Mikrozensen gewichtet werden, um vergleichend auszuwerten?

Mikrozensus: Scientific Use Files

SUF 1973, 1976, 1982
Die Daten der Scientific Use Files von 1973, 76 und 82 entsprechen einer 70% Substichprobe des Mikrozensus.
Die Anpassung der Mikrozensusergebnisse an die laufende Bevölkerungsfortschreibung erfolgte nicht -wie bei den neueren Mikrozensen- durch eine Gewichtung, sondern durch das Doppeln und Streichen von Personen (Personenebene) (EF76). Die sog. Eckwerte, an welche der Mikrozensus angepasst wird, sind die aus der Bevölkerungsfortschreibung gewonnene Zahl von Personen, gegliedert nach Deutschen/Ausländern, Geschlecht und Regierungsbezirk. Ergibt sich in der Stichprobe des MZ nach der Gliederung nach diesen Merkmalen in einem Gliederungssegment z.B. eine Untererfassung gegenüber dem Eckwert der Bevölkerungsforschreibung, d.h. wenn der Stichprobenwert weniger als 1% des Eckwertes beträgt, werden zufällig ausgewählte Stichprobenfälle so lange gedoppelt, bis der Stichprobenwert dem Eckwert entspricht. Das umgekehrte Prinzip, nämlich die Streichung von Fällen, erfolgt bei einer Übererfassung von Fällen in einem Gliederungssegment (Stichprobenumfang größer als 1% des entsprechenden Eckwertes).  Das Verfahren des Doppelns und Streichens ist ausführlich beschrieben in Krug/Nourney: Wirtschafts- und Sozialstatistik, 2. Auflage. München: Oldenbourg, 1987 (S. 145-146). Ab der 3. Auflage wird das Verfahren nur noch knapp erwähnt.

SUF 1989ff. 
Die Mikrozensusdaten der Scientific Use Files ab 1989ff. entsprechen ebenfalls einer 70% Substichprobe.

Für die Daten 1989-1995 liegt lediglich ein Hochrechungsfaktor auf Haushaltsebene vor (MZ 1989: EF257U4; Ergebnis der Soll-durch-Ist-Anpassung). Die Anpassung der Mikrozensus-Ergebnisse an die laufende Bevölkerungsfortschreibung geschieht auf Haushaltsebene, so dass für die Personenebene in den Scientific Use Files 1989-1995 kein entsprechender Hochrechnungsfaktor bereitsteht. Testauswertungen haben jedoch gezeigt, dass die Verwendung des Haushalts-Hochrechungsfaktors für Auswertungen auf Personenebene zu keinen wesentlich anderen Ergebnissen führt als die Verwendung des korrekten Personen-Hochrechungsfaktors. 

Ab dem Mikrozensus 1996 kann neben dem Haushalts-Hochrechungsfaktor auch auf Hochrechnungsfaktoren für Personen zurückgegriffen werden.

Mikrozensus: ZUMA-Files

1973, 1976, 1980, 1982, 1985, 1987

Die Daten der ZUMA-Files der Mikrozensen der Jahre 1973, 76, 80, 82, 85 und 87 liegen als Aggregatdaten in Form mehrdimensionaler Tabellen (Merkmalskombinationen von 30 bzw. 40 Variablen) vor. Die Daten entsprechen einer 98% Substichprobe. Die Variable Gewicht enthält die Fallzahlen pro Merkmalskombination. Diese Fallzahlen sind an die Ergebnisse der laufenden Bevölkerungsfortschreibung angepasst. 

Vergleichende Auswertungen

Vor dem Hintergrund, dass es sich bei den oben beschriebenen Mikrozensen einerseits um Aggregat- bzw. Einzeldaten handelt, denen andererseits verschiedene Auswahlsätze und Anpassungsverfahren zugrunde liegen, sind folgende Vorgehensweisen zu empfehlen:

a) Auswertungen bei Populationsschätzungen, wenn  (näherungsweise) veröffentlichte oder "amtliche" Ergebnisse erzielt werden

MZ 1973, 1976, 1982 (Scientific Use File)
select if (EF76=1 or EF76=3 or EF76=0)
and (EF38=1 or EF38=0)
 
compute gewicht = 100/70
weight by gewicht
MZ 1989 - 1995 (Scientific Use File)
weight by ef257u4 / 0.70
MZ 1973-1985 (ZUMA-File)
weight by v31 / 0.98
MZ1987 (ZUMA File)
weight by v40 / 0.70

Für eine Hochrechnung auf die Gesamtpopulation (100%) sind die gewichteten Ergebnisse mit 100 zu multiplizieren.

b) Auswertung bei Schätzung von statistischen Modellen 

Bei der Schätzung von statistischen Modellen empfiehlt sich die ungewichtete Auswertung.

Um die Daten der Scientific Use Files der MZ 1973, 76 und 82 völlig ungewichtet (d.h. ohne Anpassung an die Bevölkerungsfortschreibung und ohne Berücksichtigung des SUF-Auswahlsatzes von 70%) und vergleichbar zu einer ungewichteten Auszählung von MZ-Daten ab 1989ff. auszuwerten, empfiehlt es sich, die "Originalsätze" befragter Personen in den MZ-Daten 73, 76 und 82 abzugrenzen. Dies geschieht, indem man (z.B. nach Abgrenzung der Wohnbevölkerung: ef58=1, ef58=2, ef58=4), nur die entsprechenden "Originalsätze" auswertet (ef76=0, ef38>=0&ef38<=1). 

MZ 1973, 1976, 1982 (Scientific Use File) a) Selektion: Wohnbevölkerung  [oder andere Bevölkerungsgruppen] (ef58=1,2,4)
b) Selektion (Originalsätze): (ef76=0 & ef38>=0&ef38<=1)
c) keine Hochrechnung
MZ 1989 - 1995 (Scientific Use File): a) Selektion: Bevölkerung am Hauptwohnsitz [oder andere Bevölkerungsgruppen]
b) keine Gewichtung/Hochrechnung

In Bezug auf die Hochrechnungsfaktoren bei der Schätzung von Gesamt-, Anteils- und Mittelwerten sowie zur Anpassung an die Bevölkerungsfortschreibung enthält der folgende Aufsatz weitere Informationen: Rendtel, U./Schimpl-Neimanns, B., 2001: Die Berechnung der Varianz von Populationsschätzern im Scientific Use File des Mikrozensus ab 1996. ZUMA-Nachrichten 48: 85-116.

0,45% Substichprobe ab MZ 1996

Bei Verwendung der 0,45%-Substichprobe ist das besondere Hochrechnungsverfahren mit der Variablen EF755 (Mikrozensus ab 1996) zu berücksichtigen, das vom Statistischen Bundesamt wie folgt beschrieben wird: "(...) Für die Festlegung eines Anpassungsfaktors für Merkmale der 0,45%-Unterstichprobe werden die Ergebnisse der 1%-Stichprobe und dieser Unterstichprobe innerhalb eines Regierungsbezirks in der Differenzierung nach Erwerbstätigen, Erwerbslosen und Nichterwerbspersonen kombiniert mit dem Merkmal Deutsche/Ausländer und dem Geschlecht mit dem bereits ermittelten Anpassungsfaktor für die 1%-Stichprobe hochgerechnet. Der Anpassungsfaktor für die 0,45%-Stichprobe [siehe Variable EF755] ergibt sich dann aus der Relation der Ergebnisse aus der 1%-Stichprobe (= "Sollzahl") und den Ergebnissen der 0,45%-Unterstichprobe (= "Istzahl"). (...)".

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© GESIS Yvonne Lechert 23. Mai 2007