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Soziologische Themen

Lebensstile

Ein seit längerem laufendes Projekt beinhaltet die empirische Analyse von Lebensstilen. Nachdem bereits in den späten sechziger Jahren festgestellt wurde, daß die klassischen Schichtungsmerkmale zur Beschreibung von Bevölkerungsgruppen nicht mehr ausreichen (Stichwort: Statusinkonsistenz), wird nach alternativen Möglichkeiten gesucht. Die erfolgversprechendsten Ansätze scheinen dabei die empirischen Arbeiten des französischen Soziologen Pierre Bourdieu zu sein.

Ausgewählte Literatur:

  • Jörg Blasius und Joachim Winkler: Gibt es die "feinen Unterschiede"? Eine empirische Überprüfung der Bourdieuschen Theorie. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 41, 1989, S. 72-94.
  • Jörg Blasius: Gentrification und Lebensstile. Eine empirische Untersuchung. Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag, 1993, 290 Seiten (zugleich Dissertation, Universität Hamburg, 1991).
  • Jörg Blasius: Empirische Lebensstilforschung. In: Jens Dangschat und Jörg Blasius (Hrsg.), Lebensstile in den Städten. Opladen: Leske + Budrich, 1994, S. 237-254.
  • Jörg Blasius: Neue Lebensstile und Wohnformen. Der Wandel von innenstadtnahen Wohngebieten infolge der Wiederaufwertung. In: Bernhard Schäfers und Göttrik Wewer (Hrsg.), Die Stadt in Deutschland. Soziale, politische und kulturelle Lebenswelt. Sonderheft 9 der Zeitschrift Gegenwartskunde. Opladen: Leske + Budrich, 1996, S. 183-199.
© GESIS Jörg Blasius 08.03.2001

Wahlforschung

Die empirische Wahlforschung ist seit jeher ein Schwerpunkt der inhaltlichen Forschung im GESIS-ZA. Gegenwärtig konzentrieren sich die Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet auf die Untersuchung der sog. "Personalisierung von Politik", d.h. der steigenden Bedeutung politischer Kandidaten für das Wahlverhalten. In diesem Zusammenhang wurde am GESIS-ZA ein Modul zur differenzierten Erfassung von Kandidateneigenschaften entwickelt, das in die Deutsche Nationale Wahlstudie zur Bundestagswahl 1998 eingeschaltet wurde. Diese Modul wurde zudem in Zusammenarbeit mit einem kommerziellen Meinungsforschungsinstitut weiterentwickelt und bei mehreren Landtagswahlen getestet. Darüber hinaus wird am GESIS-ZA gegenwärtig ein Forschungsprojekt durchgeführt, daß sich mit der Übertragung der Conjoint-Analyse auf Fragestellungen der Empirischen Wahlforschung beschäftigt.

Ausgewählte Publikationen:

  • Bürklin, Wilhelm / Markus Klein (1998): Wahlen und Wählerverhalten. Eine Einführung. Opladen: Leske und Budrich.

  • Bürklin, Wilhelm in Zusammenarbeit mit Markus Klein (1998): Wahlverhalten und Wertewandel. Kurseinheiten 1 bis 3. Hagen: Fernuniversität-Gesamthochschule Hagen. Fachbereich Erziehungs- und Sozialwissenschaften.

  • Klein, Markus / Jagodzinski, Wolfgang / Mochmann, Ekkehard / Ohr, Dieter (Hrsg.), (2000): 50 Jahre Empirische Wahlforschung in Deutschland. Entwicklung, Befunde, Perspektiven, Daten. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag.

  • Klein, Markus / Ohr, Dieter (2000a): Gerhard oder Helmut. 'Unpolitische' Kandidateneigenschaften und ihr Einfluß auf die Wahlentscheidung bei der Bundestagswahl 1998. In: Politische Vierteljahresschrift, 41, S. 199-224.

  • Klein, Markus / Ohr, Dieter (2000b): Der Kandidat als Politiker, Mensch und Mann: Ein Instrument zur differenzierten Erfassung von Kandidatenorientierungen und seine Anwendung auf die Analyse des Wählerverhaltens bei der Bundestagswahl 1998. In: ZA-Information, 46, S. 6-25.

Die Conjoint Analyse als Instrument der Wahlforschung.
Eine Analyse der Hamburger Bürgerschaftswahl 1997 mittels einer schriftlichen Befragung gemäß der Dillmanschen Total-Design-Method

  • Von der DFG gefördertes Projekt, Projektleiter: Prof. Dr. Jürgen W. Falter

Das Rational-Choice-Paradigma gewinnt in den Sozialwissenschaften immer mehr an Bedeutung. Um den Anschluß an diese Entwicklung herzustellen, wird in der Wahlforschung diskutiert, ob das bislang dominierende sozialpsychologische Modell des Wählerverhaltens durch eine Theorie der rationalen Wahl ersetzt werden kann. Während die theoretische Debatte ein hohes Niveau aufweist, herrscht bis heute ein Mangel an einschlägigen empirischen Untersuchungen. Dies ist im wesentlichen der Tatsache geschuldet, daß in den Mainstream-Wahlstudien kaum Indikatoren erhoben werden, die geeignet wären, rationalistische Theorien des Wählerverhaltens adäquat empirisch zu überprüfen. Infolgedessen werden Rational-Choice-Theorien häufig mit dem Instrumentarium der klassischen, sozialpsychologisch orientierten Wahlforschung getestet. Vor diesem Hintergrund zielte dieses Projekt auf die Durchführung einer eigenständigen Wahlstudie zur Hamburger Bürgerschaftswahl im Jahr 1997, die auf den Einsatz der Conjoint Analyse zugeschnitten ist.

Bei der Conjoint Analyse handelt es sich um ein in der empirischen Marktforschung bewährtes statistisches Analyseverfahren, das explizit zur Modellierung von rationalen Entscheidungen entwickelt wurde. Mithilfe der Conjoint Analyse wird es möglich, die Wahlentscheidung als Abwägungsprozeß zwischen den programmatischen Aussagen der Parteien in den verschiedenen Politikfeldern zu rekonstruieren.
Gewählt wird in dieser Perspektive diejenige Partei, deren Programm den politischen Präferenzen der Menschen am besten entspricht. Damit entspricht die Logik dieses Verfahrens -wenn man vom "Problem der Unsicherheit" zunächst abstrahiert- weitgehend dem Grundgedanken der Rational-Choice-Theorie. Darüber hinaus ist es möglich, wahlentscheidende Unterschiede zwischen den Programmen aufzuspüren und Simulationen des politischen Marktes durchzuführen, so daß sich der wissenschaftlichen Politikberatung neue Perspektiven eröffnen.

© GESIS Markus Klein 08.03.2001

Werteforschung

Einen weiteren Schwerpunkt der inhaltlichen Forschung am GESIS-ZA bildet die Werteforschung. Hier wird in kritischer Auseinandersetzung mit den Forschungsarbeiten von Ronald Inglehart untersucht, auf welche Art und Weise gesellschaftliche Wertorientierungen angemessen operationalisiert werden können und ob ein Wertewandel in der von Inglehart behaupteten Form tatsächlich existiert. Gegenwärtig wird im GESIS-ZA an einer zusammenfassenden Darstellung der verschiedenen Theorien des Wertewandels sowie der bislang vorliegenden empirischen Befunde gearbeitet. Darüber hinaus wird gegenwärtig ein Forschungsprojekt durchgeführt, daß sich mit neuen Möglichkeiten der Operationalisierung von Wertorientierungen beschäftigt.

Ausgewählte Publikationen:

  • Bürklin, Wilhelm/Klein, Markus/Ruß, Achim (1994): Dimensionen des Wertewandels. Eine empirische Längsschnittanalyse zur Dimensionalität und der Wandlungsdynamik gesellschaftlicher Wertorientierungen. Politische Vierteljahresschrift, 35, S. 579-606.
  • Bürklin, Wilhelm/Klein, Markus/Ruß, Achim (1996): Postmaterieller oder anthropozentrischer Wertewandel? Eine Erwiderung auf Ronald Inglehart und Hans-Dieter Klingemann. Politische Vierteljahresschrift, 37, S. 517-536.
  • Klein, Markus (1995): Wieviel Platz bleibt im Prokrustesbett? Wertewandel in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1973 und 1992 gemessen anhand des Inglehart-Index. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 47, S. 207-230.
  • Klein, Markus (1998): A Postmaterial Realignment? Value Change and Electoral Behavior in Unified Germany. In: Christopher J. Anderson/Carsten Zelle (Hrsg.): Stability and Change in German Elections. How Electorates Merge, Converge, or Collide, Westport, CT, S. 153-172.

  • Klein, Markus/Arzheimer, Kai (1999): Ranking- und Rating-Verfahren zur Messung von Wertorientierungen, untersucht am Beispiel des Inglehart-Index. Empirische Befunde eines Methodenexperiments. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 51, S. 550-564.
  • Klein, Markus/Arzheimer, Kai (2000): Einmal mehr: Ranking oder Rating? Über die adäquate Messung von gesellschaftlichen Wertorientierungen. Eine Erwiderung auf Stefan Sacchi. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 52, (i.E.).
  • Klein, Markus/Pötschke, Manuela (2000): Gibt es einen Wertewandel hin zum "reinen" Postmaterialismus? Eine Zeitreihenanalyse der Wertorientierungen der westdeutschen Bevölkerung zwischen 1970 und 1997. Zeitschrift für Soziologie, 29, S. 202-216.

Die Messung gesellschaftlicher Wertorientierungen via Conjoint- und Vignetten-Analyse.
Ein Ansatz zur adäquaten Operationalisierung von Ingleharts materialistischen und postmaterialistischen Wertorientierungen

  • Von der Fritz-Thyssen-Stiftung gefördertes Projekt, Projektleiter: Dr. Hermann Dülmer / Markus Klein

Die Messung gesellschaftlicher Wertorientierungen über den so genannten Inglehart-Index ist in den letzten Jahren wieder verstärkt in die wissenschaftliche Kritik geraten. Im Rahmen dieses Forschungsprojektes wird mit der Vignetten- bzw. Conjoint-Analyse eine alternative Möglichkeit der Operationalisierung gesellschaftlicher Wertorientierungen vorgestellt, die die mit dem Inglehart-Index verbundenen theoretischen und methodischen Probleme zu vermeiden hilft.

Dieses neuentwickelte Messinstrument wird im Rahmen einer schriftlichen Befragung an einer repräsentativen Stichprobe Kölner Bürgerinnen und Bürger erprobt und umfassend validiert. Darüber hinaus werden die Vignetten- und die Conjoint-Analyse verglichen und auf ihre je spezifischen Vor- und Nachteile hin untersucht. Außerdem wird mittels eines Split-half-Methodenexperiments untersucht, ob im Rahmen der Vignetten- bzw. Conjoint-Analyse reduzierte Versuchspläne einen Einfluss auf die Qualität der empirischen Befunde besitzen.

© GESIS Markus Klein 08.03.2001

Armutsforschung

Zur Zeit wird von Jürgen Friedrichs (Köln) und Jörg Blasius in vier Kölner Wohngebieten eine von der DFG finanzierte Studie zur "städtischen Armut" durchgeführt. Die Frage ist hierbei u.a., wie sich unter den Bedingungen von "Armut" Nachbarschaftsstrukturen entwickeln und welche Bedeutung soziale Netzwerke haben. Eine weitere Frage ist, ob sich die Armutbewältigungsstrukturen von Ausländern - in der Studie werden vorerst nur Angehörige der türkischen Wohnbevölkerung berücksichtigt - und Deutschen unterscheiden.

© GESIS Jörg Blasius 02.10.1996

Stadtforschung: Gentrification

In einer empirischen Studie in einem innenstadtnahen Wohngebiet von Köln wurden die Lebensstile von neuen und alten Bewohnern analysiert. So konnte gezeigt werden, daß es im Verlauf der Gentrifizierung zu Veränderungen der Nachbarschaft kommt; die neuen Bewohner haben andere Einstellungen zum Wohnen und Leben, und sie haben andere Präferenzen. Des weiteren wurden die mit der Wiederaufwertung verbundenen Veränderungen des Wohngebietes beschrieben, so z.B. der Wandel der Geschäfte im Einzugsbereich und deren neue Angebote, mit denen die (neue) Nachfrage der neuen Bewohner abgedeckt werden kann. Im Rahmen der Studie wurde auch geprüft, ob die Bewohner, die während der Gentrifizierung des Gebietes migrierten, sich von jenen unterscheiden, die im Gebiet verblieben, und ob es zu einer Verdrängung der Alteingesessenen kam. Die von Jörg Blasius und Maria Rohlinger durchgeführte Studie wurde in unterschiedlichen Phasen von der Bundesanstalt für Landeskunde und Raumordnung in Bonn, der Thyssen-Stiftung und dem Amt für Statistik und Einwohnerwesen der Stadt Köln finanziell unterstützt.

© GESIS Jörg Blasius 24.11.1998

Umweltforschung

Auf der Basis von Daten der allgemeinen Bevölkerungsumfrage (ALLBUS) untersucht Jörg Blasius, wie die Wahrnehmung der deutschen Wohnbevölkerung in bezug auf verschiedene Umweltrisiken, z.B. "Autoabgase, Verkehrslärm" und "Kernkraftwerke" ist. Welche Personen bewerten wie welche Risiken - gibt es z.B. Unterschiede in den Wahrnehmungen zwischen den Bewohnern der alten und denen der neuen Bundesländer?

Ausgewählte Literatur:

  • Jörg Blasius: Subjektive Umweltwahrnehmung - eine Trendbeschreibung. In: Michael Braun und Peter Mohler (Hrsg.), Blickpunkt Gesellschaft 3. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1994, S. 107-132.

  • Jörg Blasius: Die Wahrnehmung von Umweltbelastungen in den alten und neuen Bundesländern. In: Lars Clausen (Hrsg.), Gesellschaften im Umbruch. Verhandlungen des 27. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Halle an der Saale. Frankfurt/Main: Campus, 1996, S. 505-519.

  • Jörg Blasius: Umweltwahrnehmungen. In: Otto Fränzle, Fritz Müller und Winfried Schröder (Hrsg.), Handbuch der Umweltwissenschaften, Abschnitt V "Erhebung und Verwendung von Umweltdaten", Kapitel 1.8. Landsberg: ECOMED-Verlagsgesellschaft, 1997, S. 1-10.

  • Jörg Blasius: Zur Messung von Umweltverhalten. In: Gerd Wagner und Jürgen Schupp (Hrsg.), Umwelt und empirische Sozial- und Wirtschaftsforschung. Berlin: Duncker und Humblot, 1998, S. 17-25.

© GESIS Jörg Blasius 08.03.2001