zurück zur Übersicht ¬ Abschied von der D-Mark - Euro willkommen?

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Vorwort

Die vorliegende Dokumentation von wissenschaftlicher Forschung und Literatur bezieht sich auf den gesellschaftspolitischen Aspekt der Einführung des Euro. Sie basiert auf den sozialwissenschaftlichen Datenbanken des IZ Sozialwissenschaften und beschäftigt sich vornehmlich mit den politischen Dimensionen dieses Währungsumstellungsprozesses. Volkswirtschaftliche Überlegungen und Auswirkungen sind nur teilweise Bestandteil dieser Übersicht, Interessenten sollten sich dazu in den volkswirtschaftlichen Datenbanken des HWWA, Hamburg, und des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, München, informieren.

Bereits 1992 unterzeichneten die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union den Vertrag zur Einrichtung einer europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Nach Artikel 2 des Vertrages soll sie "ein beständiges, nicht inflationäres und umweltverträgliches Wachstum, einen hohen Grad an Konvergenz der Wirtschaftsleistungen, ein hohes Beschäftigungsniveau und ein hohes Maß an sozialem Schutz" sichern. Grundsätzlich wird von der deutschen Bevölkerung die Europäische Union als positiv empfunden. Deshalb stieß dieses Vorhaben zunächst auch auf wenig Ablehnung, ja insgesamt auf relativ wenig Öffentlichkeit - diese war damals noch weitgehend von der Wiedervereinigungsproblematik bestimmt.

Um Annäherung der Wirtschafts- und Finanzpolitik der Mitgliedsstaaten zu erreichen, wurde ein Stufenplan festgelegt. Die ersten Stufen - eine Gründung der Währungsunion zum 1.1.1994 und Fixierung der Wechselkurse zum 1.1.1999 - wurden bereits durchgeführt. Dies geschah mit noch relativ geringer öffentlicher Anteilnahme, dagegen stößt die für den 1.1.2002 vorgesehene Einführung der Europäischen Währung auf heftige Diskussionen und emotionale Vorbehalte.

Andere Länder waren schon früher sensibel. In Dänemark hatte eine Volksabstimmung über den Maastrichter Vertrag die Regierung gezwungen, eine Ausnahmeregelung auszuhandeln, die es dem Land erlaubt, erst später an der Währungsunion teilzunehmen, obwohl es alle Bedingungen dafür 1997 erfüllt hatte. Bei einer erneuten Volksabstimmung im Herbst 2000 hat eine knappe Mehrheit gegen die Einführung des Euro votiert. In Großbritannien entscheidet die Regierung, ob und wann der Inselstaat der Euro-Zone beitritt, sie muss dem Aufnahmeantrag aber einen Volksentscheid voran stellen. Für Schweden gibt es keine Ausnahmeregelung. Es ist deshalb grundsätzlich verpflichtet, der Währungsunion beizutreten, wenn die Konvergenzkriterien erfüllt sind (so das Europaparlament bei der Beantwortung der 20 wichtigsten Fragen).

Zu den einzelnen Kapiteln:

Kapitel 1 geht der Frage nach: Wie nimmt der Deutsche Abschied von der D-Mark? Untersuchungen zu den Einstellungen zur Aufgabe der währungspolitischen Oberhoheit und zum Abschied von der liebgewonnenen Mark stehen hier im Mittelpunkt. Die Deutschen haben aufgrund ihrer Geschichte ein besonderes, Leid geprägtes Verhältnis zu ihrem Geld. Ihr Vertrauen ins Geld ist teilweise erst aus jüngster Zeit, nur ungern geben sie diese starke Mark nun auf.

"Vom Euro geht eine Dynamik aus für die weitere politische Einigung Europas," so hofft das Europäische Parlament in seinen Stellungnahmen. Dies war auch die Hauptzielrichtung der Bundesrepublik für die rasche Ratifizierung der Verträge ohne direkte Volksbeteiligung. Die Unumkehrbarkeit der europäischen Union ist beabsichtigt. Sie geht jedoch mit dem Verlust des Prestiges einer eigenen Münze einher, einer prägenden Einrichtung auch für die Volksidentität. Die eigene Münze, so wurden auch die alten Prägestätten genannt, war immer ein Zeichen von Souveränität und autonomer Herrschaft. Sie ist nun auf die Gestaltung der einen nationalen Seite der Euro-Münzen geschrumpft. Die politischen Motive für und gegen eine Währungsunion, die Reaktionen des Auslands, auch die Wünsche weiterer Mitglieder der Union beizutreten, spiegeln sich im Kapitel 2 wider.

Zwölf von fünfzehn Ländern der Europäischen Union sind zu Beginn des Jahres 2001 im Euroland vereinigt: Österreich, Belgien, Finnland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Portugal, Spanien. Es ist möglich, dass in den nächsten Jahren auch die heute nicht beteiligten drei Länder Dänemark, Schweden, Großbritannien hinzukommen werden. Außerdem wird im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends die Europäische Union in mehreren Etappen erweitert. In der ersten Runde erfolgt die Aufnahme der Beitrittskandidaten in die Europäische Union. Später wird auch die Konvergenzprüfung nach dem Eintritt in die Europäische Union für ihre Teilnahme am Euro qualifizieren. Es ist also noch viel zu steuern im Bereich der gemeinsamen Währungs- und Geldpolitik. Diesen Themenbereich, die Geldpolitik in der EU und die Rolle der Europäischen Zentralbank, beleuchten Forschungsarbeiten und Literaturhinweise im Kapitel 3.

Tatsächlich geht es vor allem um die künftige wirtschaftliche und politische Gestaltung Europas und um ihre Unumkehrbarkeit. Großer Einfluss und Zukunftsimpulse auf das Wirtschaftswachstum werden von der Währungsunion erwartet. Unüberschaubar sind für viele die Auswirkungen der gemeinsamen Geldpolitik auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt und damit letztlich auch auf den eigenen Arbeitsplatz, auf die eigene Existenz. Hier ist die Unsicherheit groß und Argwohn berechtigt, trifft er doch den Einzelnen direkt und fundamental (Kapitel 4).

Von geringerer Bedeutung sind technische und wirtschaftliche Schwierigkeiten der Währungsumstellung. Doch zeigen sie die weitreichenden Wirkungen dieses Vorhabens und sind für jedermann sofort spürbar. Wie gut die Umstellung gelingt, wird für die Akzeptanz entscheidend sein und damit auch für die Bewertung der neuen Währung. Mit diesem Komplex sowie mit vorbereitenden Maßnahmen der Öffentlichkeitswerbung für den Euro beschäftigen sich die Beschreibungen in Kapitel 5.

Nicht zu unterschätzen ist die emotionale Bindung an die D-Mark. Denn während die Vorteile der neuen einheitlichen Währung für den Bürger kaum erkennbar waren, allenfalls für den Urlaub, so liegen die Nachteile auf der Hand: Abschied von der Währung, mit der man groß geworden war. Denn die DM war stabil, sie galt viel, ja war teilweise sogar "heimliche" Währung. Gästen, die mit D-Mark zahlten, bekamen insbesondere im ehemaligen Ostblock Privilegien eingeräumt. Die emotionale Bindung an Deutschland war bislang vor allem mit dem deutschen Geld, der Mark, verbunden. Dieses wichtige Symbol der nationalen Identität soll nun entfallen? Dabei hatte doch nicht zuletzt auch die innerdeutsche Währungsunion, die Erlangung der D-Mark auch für die neuen Bundesländer, eine wichtige Rolle im Einigungsprozess gespielt. Und diese Erfahrungen wirken noch bis heute nach, wie Kapitel 6 zeigt.

Dass Geld nur eine Illusion, oder, wenn man will, eine Vereinbarung unter den Menschen ist, kann man erkennen an den anderen Formen von Bezahlungen: den alten wie Gold oder auch Kaurimuscheln, dem neuen wie "Plastik-Geld", wo private Kreditinstitute fast einen eigenen Währungskreislauf geschaffen haben. Und das Cybergeld im virtuellen Raum sucht noch nach akzeptablen - und sicheren - Wegen und Ausprägungen. Erste Überlegungen hierzu finden sich in Kapitel 7

Hinweis

Quelle der in diesem Band enthaltenen Informationen sind die IZ-Datenbanken SOLIS (Sozialwissenschaftliches Informationssystem) und SOFIS (Sozialwissenschaftliches Forschungsinformationssystem).

Die Datenbank SOLIS stützt sich vorwiegend auf deutschsprachige Veröffentlichungen, d.h. Zeitschriftenaufsätze, Monographien, Beiträge in Sammelwerken sowie auf graue Literatur in den zentralen sozialwissenschaftlichen Disziplinen. Wesentliche Quellen zur Informationsgewinnung für SOFIS sind Erhebungen in den deutschsprachigen Ländern bei Institutionen, die sozialwissenschaftliche Forschung betreiben. Der Fragebogen zur Meldung neuer Projekte steht permanent im Internet zur Verfügung

Literaturhinweise sind durch ein "-L" nach der laufenden Nummer gekennzeichnet, Forschungsnachweise durch ein "-F". Alle Zahlenangaben in den Registern beziehen sich auf diese laufenden Nummern der Eintragungen, nicht auf Seitenzahlen.


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