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1 Fundamentalismus

[1-L] Antes, Peter:

Gibt es christlichen und islamischen Fundamentalismus?, in: hrsg. im Auftrag des Religionswissenschaftlichen Medien- und Informationsdienstes e.V. REMID von Gritt Maria Klinkhammer, Steffen Rink und Tobias Frick: Kritik an Religionen: Religionswissenschaft und der kritische Umgang mit Religionen, Marburg: Diagonal-Verl. 1997, S. 199-206, ISBN: 3-927165-49-2 (Standort: UB Passau(739)-BE3300K65)

INHALT: Der Autor thematisiert vor allem den unkritischen Umgang mit bestimmten Begriffen und weist anhand der Begriffe des "christlichen" und "islamischen Fundamentalismus" die ursprüngliche Nichtexistenz eines Phänomens nach, das üblicherweise unter diese Sammelbezeichnung gefaßt wird. Selbst die wissenschaftlichen Fundamentalismuskonzepte entsprechen nicht den Tatsachen, unterschiedliche Phänomene werden nebeneinandergestellt und als einheitlicher Trend ausgegeben, was zu einer recht selektiven Wahrnehmung beiträgt und den westlichen Modernisierungsweg ideologisch absichert: "So gesehen, sagt die Rede vom Fundamentalismus viel über die Verfechter des Modernisierungsweges aus, zur Analyse der sog. Fundamentalisten und ihrer Welt ist sie dagegen kaum geeignet. Zu unterschiedlich sind die Tendenzen zwischen den einzelnen Gruppen wie auch hinsichtlich der Lösungsvorschläge gegenüber den Herausforderungen durch die Moderne, als daß man von einem einheitlichen religiösen Fundamentalismus reden könnte." (pra)

[2-L] Bielefeldt, Heiner; Heitmeyer, Wilhelm (Hrsg.):

Politisierte Religion: Ursachen und Erscheinungsformen des modernen Fundamentalismus, (Edition Suhrkamp, 2073), (Tagung "Politisierte Religion. Ursachen und Erscheinungsformen des modernen Fundamentalismus", 1996, Bielefeld), Frankfurt am Main: Suhrkamp 1998, 492 S., ISBN: 3-518-12073-5 (Standort: FHB Dortmund(Dm13)-OQC10)

INHALT: "Die Politisierung der Religion in unterschiedlichen Ausprägungen des religiösen Fundamentalismus stellt ein Phänomen der Moderne dar. Denn erst in der Moderne entstehen Möglichkeit und Anspruch einer durchgreifenden Gesellschaftspolitik, die sich zwischen den Polen eines technokratischen 'social engineering' einerseits und republikanischer Willensbildung andererseits bewege. Hinzu komme, daß mit der modernen Infragestellung religiöser Wahrheitsansprüche diese paradoxerweise zugleich zur 'handhabbaren' Ressource politischer Mobilisierung werden können und insbesondere solche Menschen anziehen, die sich durch die modernen Zumutungen eigenständiger Lebensführung, gesellschaftlicher Kritik und politischen Diskurses überfordert fühlen oder die Postulate von Aufklärung und Emanzipation als Irrweg ablehnen. Der interdisziplinäre Band enthält Beiträge zur Theorie des religiösen Fundamentalismus, beschäftigt sich exemplarisch mit den Erscheinungsformen von Fundamentalismus im Christentum und im Islam und umfaßt eine Reihe von Fallstudien. Andere Artikel untersuchen die Gefahren gewaltsamer Eskalation, die durch religiösen Fundamentalismus bzw. durch Fehlwahrnehmungen in bestimmten Teilen der Gesellschaft entstehen können." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Heiner Bielefeld/ Wilhelm Heitmeyer: Einleitung: Politisierte Religion in der Moderne (11-33); Thomas Meyer: Die Politisierung kultureller Differenz. Fundamentalismus, Kultur und Politik (37-66); Martin Riesebrodt: Fundamentalismus, Säkularisierung und die Risiken der Moderne (67-90); Ahmed Cigdem: Religiöser Fundamentalismus als Entprivatisierung der Religion (91-108); Levent Tezcan: Der Westen im türkischen Islamismus (109-129); Otto Kallscheurer: Intransigenz und Postmoderne. Gibt es einen katholischen Fundamentalismus? (133-156); Berndt Ostendorf: Conspiracy Nation. Verschwörungstheorien und evangelikaler Fundamentalismus: Marion G. (Pat) Robertsons 'Neue Weltordnung' (157-187); Friedemann Büttner: Islamischer Fundamentalismus: Politischer Traditionalismus oder revolutionärer Messianismus? (188-210); Yvonne Yazbeck Haddad: 'The Nation Shall Rise': Islam als 'Empowerment', Würde und Erlösung im afroamerikanischen Kontext (213-231); Berit Bretthauer: Geschäftsmänner Gottes auf Erden: Fundamentalismus und Medien in den USA (232-255); Wilhelm Heitmeyer/ Joachim Müller/ Helmut Schröder: Islamistische Expansionspropaganda. Mediennutzung und religiös begründete Machtansprüche bei türkischen Jugendlichen (256-279); Jocelyne Cesari: Ausbildung und Wandel islamischer Identitäten in Frankreich (280-297); Susan Zickmund: Religiöse Verschwörungstheorien und die Milizen in den USA (301-319); Werner Ruf: Gewalt und Gegengewalt in Algerien (320-336); Marie-Janine Calic: Religion und Nationalismus im jugoslawischen Krieg (337-359); Günter Seufert: Das Gewaltpotential im türkischen Kulturkampf (360-392); Reinhard Hocker: Islamistische Einflüsse in den Ausländerbeiräten des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen (395-417); Werner Schiffauer: Ausbau von Partizipationschancen islamischer Minderheiten als Weg zur Überwindung des islamischen Fundamentalismus? (418-437); Assia Maria Harwazinski: Fanatismus, Fundamentalismus, Frauen: Zur Kritik kulturalistischer Interpretationsmuster in der gegenwärtigen Islamdebatte (438-449); Yasmin Karakasoglu-Aydin: 'Kopftuch-Studentinnen' türkischer Herkunft an deutschen Universitäten. Impliziter Islamismusvorwurf und Diskriminierungserfahrungen (450-473); Heiner Bielefeld: Zwischen laizistischem Kulturkampf und religiösem Integralismus: Der säkulare Rechtsstaat in der modernen Gesellschaft (474-492).

[3-L] Bohlen, Gerd:

Fundamentalismus - Weltbilder und soziale Bewegungen, (Uni-Taschenbücher, Bd. 1854), 1996, ISBN: 3-8100-1404-4 (Standort: UB Bonn(5)-97-13902)

INHALT: Der Fundamentalismusbegriff steht im Verdacht, ein dramatisierender aber wenig differenzierter Oberflächenbegriff zu sein. Um diese Vorbehalte zu zerstreuen werden zunächst einige Hinweise auf seine Begriffsgeschichte gegeben, sodann einige religiöse fundamentalistische Strömungen erörtert und (soweit vorhanden) auch Theorien der Erklärung vorgestellt. Diskutiert werden dabei folgende Themenkomplexe: (1) Der islamische Fundamentalismus; (2) Fundamentalismus in christlichen Religionen in Deutschland; (3) Fundamentalismus im Judentum; (4) Fundamentalismus im Hinduismus; (5) Fundamentalismus in Philosophie und Sozialwissenschaften. (pre)

[4-L] Butterwegge, Christoph:

Fundamentalismus und Gewalt als Grundmuster der Weltpolitik?: zur Kritik an Samuel P. Huntingtons These vom "Kampf der Kulturen", in: Wolf-Dietrich Bukow / Markus Ottersbach <Hrsg.>: Fundamentalismusverdacht: Plädoyer für eine Neuorientierung der Forschung im Umgang mit allochthonen Jugendlichen, Opladen: Leske u. Budrich 1999, S. 36-49, ISBN: 3-8100-2500-3

INHALT: Anhand der Thesen des amerikanischen Politikwissenschaftlers Huntington von 1996 wird die gegenwärtige Bedeutung des Kulturellen hinterfragt. Die allgemeine Diskussion um Huntingtons Thesen wird durch zahlreiche Zitate belegt. Es wird gezeigt, wie Huntingtons Hauptthese auf gängigen Vorurteilen gegenüber dem Islam basiert. Am Beispiel des Umgangs mit Fundamentalismus und Gewalt wird ein neues Grundmuster der Weltpolitik dokumentiert. Dabei wird deutlich, daß die Überbetonung kultureller Unterschiede keine Realitätsbeschreibung, sondern konstruiert ist. So wird durch den Wegfall des alten Feindbilds des Kommunismus seit 1989 der Islam als ein neues Feindbild aufgebaut, u.a. um sozioökonomische Differenzen zu verschleiern. (prf)

[5-L] Ferdowsi, Mir A.:

Islamischer Fundamentalismus: im Kampf der Kulturen oder Krise der Entwicklung?, in: Journal für Entwicklungspolitik, Jg. 11/1995, H. 4, S. 481-500

INHALT: "Angesichts der Tatsache, daß seit dem Ende des Ost-West-Konfliktes und dem Zerfall des Kommunismus allenthalben kräftig an der Schaffung eines neuen Feindbildes in Gestalt des 'Islamischen Fundamentalismus' gebastelt wird, zielt der Beitrag darauf ab, die geläufigen Erklärungen zum Aufstieg des islamischen Fundamentalismus als 'Aufstand gegen die Moderne' in drei Thesen zu problematisieren: Erstens wird unterschieden zwischen 'Islamismus' und der 'Revitalisierung' des Islams. Zweitens wird verdeutlicht, wie sehr diese eher der Ausdruck der Krise der Entwicklung dieser Staaten ist als ein 'Rückfall in das Mittelalter'. Drittens schließlich wird am Beispiel der iranischen Entwicklung zu verdeutlichen versucht, daß der Fundamentalismus langfristig an Resonanz verlieren und daher scheitern wird, weil er nicht in der Lage ist, Lösungsvorschläge für jene sozio-ökonomsichen Krisen zu erarbeiten, die für die Entstehung dieser Bewegungen ursächlich waren." (Autorenreferat)

[6-L] Fritsch-Oppermann, Sybille (Hrsg.):

Fundamentalismus der Moderne?: Christen und Muslime im Dialog, (Loccumer Protokolle, 57/94), (Kolloquium "Fundamentalismus der Moderne? Christen und Muslime im Dialog", 1993, Rehburg-Loccum), Rehburg-Loccum: Evang. Akad. Loccum 1996, 372 S., ISBN: 3-8172-5393-1

INHALT: Die Dokumentation des Kolloquiums enthält folgende Beiträge: 1) Der fundamentalistische Impuls und das Projekt Moderne. 2) Religiöser Fundamentalismus und der moderne Staat. 3) Fundamentalistische Tendenzen in westlichen und muslimischen Gesellschaften. 4) Christen und Muslime im Gespräch. 5) Understanding islamic fundamentalism as a revolt against modernity. 6) Linguistic exposition of god in quran. 7) Islam und Moderne - Universalität der Menschenrechte. 8) Islam und Menschenrechte. 9) Das Verhältnis zwischen Islam und Demokratie in der Türkei. 10) Geraten die USA auf den geraden Weg? Nichts wächst so schnell wie der Islam. 11) Fundamentalismus im Islam - Demokratie im Nahen Osten. 12) Realität und Fiktion: Das multikulturelle Spanien und sein Widerhall in der Literatur. 13) Islamischer Fundamentalismus in Indonesien. 14) Fundamentalism of modernity? 15) Religion and politics and modernity. 16) Demokratie und Islam. 17) "Aufklärung über die Aufklärung". 18) Women and Islam in Egypt. 19) Über den Dialog zwischen Christen und Muslimen - eine unzeitgemäße Betrachtung. 20) Religiöser Fundamentalismus und der moderne Staat. 21) Der interkulturelle Dialog unter dem Druck des Fundamentalismus-Paradigmas. (BL2)

[7-L] Gehl, Günter (Hrsg.):

Fundamentalismus contra Weltfriede?, (Historie und Politik, Bd. 5), Weimar: Dadder 1996, 98 S., ISBN: 3-926406-92-5 (Standort: StB Hamm(229)-14665)

INHALT: Reinhold Bernhardt stellt in seinem Beitrag die Genese des Begriffs "Fundamentalismus" aus dem nordamerikanischen Protestantismus dar. Für ihn ist Fundamentalismus eine moderne Antwort auf die durch die Moderne aufgeworfenen Existenzängste durch eine rückwärts gewandte Utopie. In einem weiteren Beitrag untersucht er fundamentalistische Strömungen im Christentum. Winand Gellner untersucht den Einfluß christlich- fundamentalistischer Gruppierungen auf die amerikanische Politik. Munir D. Ahmed behandelt in seinem Beitrag über den Islamischen Fundamentalismus dessen Ursprünge und Entstehungsbedingungen. Johannes Heil geht in seiner Abhandlung über die Politik und Parteien in Israel auf die politische Bedeutung religiös-fundamentalistischer Strömungen ein. Insgesamt verdeutlichen die Abhandlungen, daß die fundamentalistischen Strömungen eher nach innen als nach außen gerichtet sind. Es bedarf jedoch eines Dialoges, um Feinbilder abzubauen und die Entstehung neuer zu verhindern. (ICB)

[8-L] Golombek, Renate:

Der Islam: Anatomie einer unbarmherzigen Religion, Frankfurt am Main: Haag u. Herchen 1998, 204 S., ISBN: 3-86137-441-2

INHALT: In ihrer von persönlichen Eindrücken stark durchsetzten Abhandlung versucht die Autorin zu zeigen, 'daß der Islam eine Gefahr für die Zivilisation darstellt, und zwar nicht nur für die westliche, sondern für jede Zivilisation' (6). Nach einer einführenden Erläuterung der wichtigsten mit dem Islam verbundenen Begriffe, bei der die Bedeutung des Propheten Mohammed im Mittelpunkt steht, werden dazu zum einen das Verhältnis des Islam zur Toleranz, zum anderen das Wesen der islamischen Rechtsordnung (Scharia) eingehend 'gewürdigt'. Golombek kritisiert die weitverbreitete Ansicht, wonach zwischen gemäßigtem und fundamentalistischem Islam eine Trennlinie gezogen werden könne und wendet sich entschieden gegen die ihrer Meinung nach relativistischen Tendenzen der heutigen Multikulturalismus-Debatte. 'Die strenggläubigen Moslems lassen sich nirgendwo in eine multikulturelle Gesellschaft integrieren, für sie sind die 'Ungläubigen' minderwertige Wesen, mit denen man sich nie freiwillig, sondern höchstens gezwungenermaßen arrangiert.' (12) (ZPol, NOMOS)

[9-L] Kienzler, Klaus:

Der religiöse Fundamentalismus: Christentum, Judentum, Islam, München: Beck 1996, 120 S., ISBN: 3-406-40331-X

INHALT: Dieser kleine Band des Augsburger Theologen bietet einen knappen Überblick über fundamentalistische Strömungen in verschiedenen Weltreligionen. Die Perspektive ist überwiegend theologisch, und auch da, wo Aussagen über politische Folgen fundamentalistischer Einstellungen gemacht werden (etwa bei der amerikanischen Spielart, 28 ff.), bleibt die Darstellung sehr allgemein. Aber das ist natürlich auch bereits in der Reihenkonzeption angelegt. Als erste Information ist der Band allemal brauchbar. Inhaltsübersicht: I. Fundamentalismus, Fundamentalismen - schillernde Zeiterscheinungen; II. Religiöser Fundamentalismus - einige grundsätzliche Überlegungen; III. Der klassische religiöse Fundamentalismus in den USA; IV. Fundamentalismus in den protestantischen Kirchen Europas; V. Katholische Variante des Fundamentalismus; VI. Islam und Fundamentalismus; VII. Fundamentalismus im Judentum. (ZPol, NOMOS)

[10-L] Küenzlen, Gottfried:

Religiöser Fundamentalismus - Aufstand gegen die Moderne?, in: Hans-Joachim Höhn (Hg.): Krise der Immanenz: Religion an den Grenzen der Moderne, Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verl. 1996, S. 50-71, ISBN: 3-596-12960-5 (Standort: StB Krefeld(72)-Kbk-Kris)

INHALT: Fundamentalismus - so fremd oder bedrohlich sein Geltungsanspruch manchmal erscheinen mag - ist immer auch - so der Autor im vorliegenden Beitrag - eine Herausforderung und Anfrage. Im Kontext "postmoderner" Beliebigkeit und Gleich-Gültigkeiten stellt der Fundamentalismus die Frage nach der Wahrheit. Mit der Tatsache fundamentalistischer Bewegungen, wie mächtig oder auch nur marginal sie seien mögen, drängt sich der gegenwärtigen säkularen Kultur der Moderne die Frage auf, auf welche Fundamente sie sich selbst gestellt weiß; so vor allem die Frage, ob eine auf Hypothetisierung aller Wahrheitsansprüche gestellte Kultur auf Dauer wird bestehen können. In diesem Sinn zwingt z. B. die politische Militanz islamischer Fundamentalisten die liberalen Gesellschaften Europas zu eigener kultureller Selbstvergewisserung und -besinnung. Das erstrebte Zusammenwachsen Europas wird - soll es auf Dauer gestellt sein - auch davon abhängen, ob dieses Europa noch von eigenen geistig-kulturellen Fundamenten weiß. (ICE)

[11-L] Meyer, Thomas:

Fundamentalismus: Kehrseite der Moderne, in: Ansgar Klein ; Frank Nullmeier <Hrsg.>: Masse - Macht - Emotionen: zu einer politischen Soziologie der Emotionen, Opladen: Westdt. Verl. 1999, S. 66-85, ISBN: 3-531-13263-6

INHALT: "Den Ursachen und Entstehungsbedingungen des gegenwärtigen Fundamentalismus als einem immanenten Reaktionsmechanismus auf die konstitutiven Krisen in den Prozessen der Modernisierung geht der Beitrag von Thomas Meyer nach. Das Projekt der Moderne hat in seiner Etablierung säkularer Vernunftnormen und der rationalen Legitimierung von Herrschaft sowohl auf lebensweltlich-kultureller wie auf öffentlich-politischer Ebene zu Phänomenen einer generalisierten Ungewissheit, einer normativen Orientierungslosigkeit und schließlich zu einer krisenhaften Zuspitzung kultureller wie sozio-ökonomischer Deprivationen geführt. In dieses Vakuum metaphysischer Heimatlosigkeit stößt der Fundamentalismus, je nach Intensität der Krisensymptome mal als minoritäre Kulturströmung, als sektiererische Bewegung oder als nach politischer Macht strebende Massenbewegung. Fundamentalismus ist so stets eine Gegenreaktion auf die Erfolge kultureller Modernisierung, auf beginnende oder vollzogene Aufklärung und auf die krisenhaften Folgen, die sie auf kulturellem und sozialem Gebiet zeitigen. Das Wissen, welches im Projekt der Moderne akkumuliert worden ist, kann in den Aggregatzustand des Fundamentalismus übergehen: Dieser bietet auf kultureller Ebene Selbstimmunisierung und Bevormundung als Gegenbewegung zu normativer Verunsicherung und auf politischer Ebene die konsequente Ausnutzung der Macht für eigene Ordnungsansprüche unter Verwendung der technisch-organisatorischen Errungenschaften der Moderne. Demagogie und Instrumentalisierung der Massen werden so für die fundamentalistischen Strömungen der Gegenwart, gleich ob den christlichen Fundamentalismus in den USA oder den islamistischen im Iran, ebenso zu Strukturmerkmalen wie die emotionalisierte und vermachtete Verbreitung der fundamentalistischen Botschaften mittels moderner Massenmedien. Trotz der Gegenmittel konsequenter Aufklärungsarbeit und Bekämpfung sozio-kultureller wie sozio-ökonomischer interner Krisen wird der Fundamentalismus als Massenbewegung eine sichtbare Kehrseite der Moderne bleiben." (Textauszug)

[12-L] Roy, Olivier:

Reislamisierung und Radikalisierung: die Entwicklung der neunziger Jahre, in: Internationale Politik, Jg. 54/1999, Nr. 2/3, S. 47-53

INHALT: "Die großen überstaatlichen Islamisierungsbestrebungen der achtziger Jahre, wie beispielsweise die islamische Revolution in Iran, sind eingeschlafen. Dies bedeutet jedoch nicht, daß es keine Reislamisierung, d.h. eine stärkere Berücksichtigung des islamischen Rechtes und islamischer Wirtschaftsvorstellungen, mehr gibt. Der Autor meint, die Reislamisierung sei erstarkt und habe sich ausgebreitet. Im Unterschied zu den achtziger Jahren operiere sie jedoch vornehmlich im jeweiligen nationalen Rahmen, sei es als Bewegung von unten oder als autoritär von oben verordnete Politik." (Autorenreferat)

[13-L] Senghaas, Dieter:

Schluß mit der Fundamentalismus-Debatte!: Plädoyer für eine Reorientierung des interkulturellen Dialogs, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Jg. 40/1995, H. 2, S. 180-191 (Standort: UuStB Köln(38)-FHM XE00157; UB Bonn(5)-Z59/69; Kopie über Literaturdienst erhältlich)

INHALT: Die These (und die Angst) vor einem drohenden "Zusammenstoß der Zivilisationen" ist nach wie vor weit verbreitet. Selbst wenn man die These für wenig gehaltvoll hält, ist jedoch eine Diskussion in der Sache notwendig. Aus europäischer Sicht liegt hier eine Auseinandersetzung mit den Vorgängen im arabisch-islamischen Bereich und im Iran nahe. Der vorliegende Beitrag wählt die Region zum Ausgangspunkt, um für eine sowohl historische als auch vergleichende Grundlegung des erforderlichen "interkulturellen Dialogs" zu plädieren. Nur so ist die "Sackgasse" zu überwinden, in der zwei "Gesprächspartner" aufeinandertreffen, wobei die einen - die Muslime - um Verständnis für Positionen werben, die gar nicht dem Selbstverständnis des orthodoxen Islam entsprechen, während die anderen, die "Westler guten Willens", kaum anderes zu bieten haben als (historisch verständliche) Selbstanklagen. (pmb)

[14-L] Stauth, Georg:

Orthodoxism, Fundamentalism, "Renaissance", (Working Paper / Universität Bielefeld, Fakultät für Soziologie, Forschungsschwerpunkt Entwicklungssoziologie, No. 264), Bielefeld: 1997, 16 S. (Standort: UuStB Köln(38)-970106290; Graue Literatur)

INHALT: Auf dem Hintergrund, dass traditionelle Lehrer der klassisch-orthodoxen islamischen Lehre in den letzten Jahren wieder vermehrt politischen und gesellschaftlichen Einfluss gewonnen haben, befasst sich der Beitrag mit den Transformationen und Veränderungen des Einflusses von Religion und religiösem Intellekt in der modernen Welt, vor allem angesichts zunehmender kultureller Globalisierung und westlichen Einflusses. Dabei wird auf der Basis von Eisenstadts Theorie des Fundamentalismus (1996) und Grunebaums Theorie des kulturellen Klassizismus aufgezeigt, dass die islamische Orthodoxie vor allem durch die Totalität des Glaubens in der moslemischen Gesellschaft an Stoßkraft gewinnt und so eine relative intellektuelle Autonomie gegenüber Staat und Gesellschaft beibehält. (ICH)

[15-L] Tibi, Bassam:

Der religiöse Fundamentalismus: im Übergang zum 21. Jahrhundert, (Meyers Forum, Bd. 34), Mannheim: B.I.-Taschenbuchverl. 1995, 128 S., ISBN: 3-411-10501-1

INHALT: Der Autor bezieht sich auf Ergebnisse seiner Forschung im Rahmen eines "Fundamentalismus-Projektes" an der American Academy of Arts and Sciences (1989-1993) und skizziert eingangs, was "religiöser Fundamentalismus" bedeutet. Fundamentalismus ist danach u.a. ein "globales Phänomen" das jede der Hauptreligionen betrifft. Im Anschluß erläutert er den Fundamentalismus als politische Opposition und als neue soziale Bewegung: "Gegen Demokratie und für eine Halbierung der Moderne". Er geht ein auf das Verhältnis von islamischen und religiösem Fundamentalismus zu Moderne und Demokratie. Dann skizziert er die "islamische Spielart" des islamischen Fundamentalismus nicht nur als "Terrorismus über die Grenzen hinweg" sondern auch als "Weltanschauung und Herausforderung an die westliche Zivilisation". In vier Fallstudien beschreibt er abschließend die Vielfalt von Fundamentalismen (ethnische Konflikte auf dem Balkan, jüdische und islamische Fundamentalisten, Hindu-Fundamentalismus in Südasien und das Erziehungssystem als fundamentalistisches Instrument in der Türkei). (rk)

[16-L] Tibi, Bassam:

Politisierung der Religion: Sicherheitspolitik im Zeichen des islamischen Fundamentalismus, in: Internationale Politik, Jr. 55/2000, Nr. 2, S. 27-34

INHALT: "Der Göttinger Politikwissenschaftler stellt am Beispiel des Islam und des islamischen Fundamentalismus Überlegungen zur Politisierung der Religion an. Für ihn ist Fundamentalismus eine globale Erscheinung, die in fast allen Weltreligionen anzutreffen ist und der nur mit einer neuen Sicherheitspolitik begegnet werden kann." (Autorenreferat)

[17-L] Weiß, Christian; Weichert, Tom; Hust, Evelin; Fischer-Tine, Harald (Hrsg.):

Religion - Macht - Gewalt: religiöser "Fundamentalismus" und Hindu-Moslem-Konflikte in Südasien, Frankfurt am Main: IKO-Verl. f. Interkulturelle Kommunikation 1996, IV, 237 S., ISBN: 3-88939-398-5 (Standort: UB Fernuniv. Hagen(708)-ILM-WEI)

INHALT: "Zu den einschneidenden Ereignissen der neueren Geschichte Südasiens gehört zweifelsohne die Zerstörung der Babri-Moschee in der nordindischen Stadt Ayodhya durch fanatisierte Hindus im Dezember 1992. Diese spektakuläre Tat zog für kurze Zeit die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf einen Konflikt, dem sonst wenig Beachtung geschenkt wird: dem Konflikt zwischen Hindus und Moslems in Indien. Das vorliegende Buch bietet den interessierten Leserinnen und Lesern fundierte Hintergrundinformationen und aktuelle Analysen zum Verständnis der komplexen Zusammenhänge. Die einzelnen Beiträge, die von WissenschaftlerInnen unterschiedlicher Disziplinen, AktivistInnen und JournalistInnen aus dem In- und Ausland für ein Seminar zum Thema in Heidelberg verfaßt und für diesen Sammelband überarbeitet wurden, befassen sich dabei mit der historischen Entwicklung der Hindu-Moslem-Beziehungen vom Mittelalter bis zur Gegenwart, mit den Anfängen der kommunalistischen Ideologie im ausgehenden 19. Jahrhundert und der gegenwärtigen Situation auf dem indischen Subkontinent." (Autorenreferat)


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