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4 Islam als gesellschaftliche und politische Kraft

[47-L] Abu Zaid, Nasr Hamid:

Islam und Politik: Kritik des religiösen Diskurses, Frankfurt am Main: dipa-Verl. 1996, 223 S., ISBN: 3-7638-0335-1

INHALT: Abu Zaid gilt als der gegenwärtig meistdiskutierte arabische Gelehrte sowie als einer der international anerkanntesten Literatur- und Koranwissenschaftler. Sein erstes Buch in deutscher Übersetzung ist eines der wenigen Originalquellen, die einem westlichen Lesepublikum zugänglich wird; und dies nicht zuletzt auf Grund des Skandals, den es auslöste, sowie der nachfolgenden Bedrohung des Autors. In der einleitenden Darstellung der 'Affäre Abu Zaid' verweist Kermani auf jenes 'zweifelhafte Glück' (10) einiger prominenter Intellektueller des Orients, welches gleichzeitig auf 'die denkbar schlechteste Perspektive' (11) einer unvorbelasteten wissenschaftlichen Auseinandersetzung hindeute. Die Kritik des religiösen Diskurses liefert keineswegs vordergründig revolutionäre Thesen oder eine Neuinterpretation des Korans. Vielmehr knüpft der Autor mit seiner Forderung, religiöse Texte mit den Methoden der modernen Linguistik und Hermeneutik zu untersuchen, an die lange Tradition eines Interpretationspluralismus an. Während sich islamische Gelehrte seit dem 10. Jahrhundert bereits eines sprachwissenschaftlichen Instrumentariums bedienten, leugnet der aktuelle 'religiöse Diskurs' jede Historizität religiöser Texte sowie deren Interpretationen und beansprucht die absolute Gültigkeit eines Wissens, über das nur 'Gott allein verfüge' (17). Die politische Brisanz der Studie erklärt sich nicht nur aus der Kritik sowohl des konservativen Diskurses als auch des Projekts der islamischen Linken. Abu Zaid analysiert ebenso die Mitverantwortung des ägyptischen Staates für religiösen Fanatismus und Terrorismus. Mit seiner historisch-kritischen Annäherung an den Koran wendet er sich gegen jeden Mißbrauch religiöser Vorstellungen sowie deren Übertragung auf die heutige Politik. Inhaltsübersicht: 1. Der zeitgenössische religiöse Diskurs, seine Mechanismen und Denkansätze; 2. Das religiöse Erbe zwischen Interpretation und Verzeichnung; 3. Die Lektüre der religiösen Texte - Untersuchung zur Erkundung der Bedeutungsarten. (ZPol, NOMOS)

[48-L] Adatepe, Sabine:

Die permanente Intervention: türkische Verhältnisse nach Erbakan und Ciller, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Jg. 42/1997, H. 8, S. 956-963 (Standort: UuStB Köln(38)-FHM XE00157; UB Bonn(5)-Z59/69; Kopie über Literaturdienst erhältlich)

INHALT: In einem Land mit einer realen Inflationsrate von über 80 Prozent, in dem 4,5 Mio. Arbeiter schwarz arbeiten, das jährlich mindestens 15 Mrd. Dollar aus dem "Kofferhandel" von GUS-Angehörigen einnimmt, ist für die Bevölkerungsmasse das dringendste Problem die Dauerwirtschaftskrise. Das organisierte Verbrechen, die Menschenrechtsfrage, das Kurdenproblem, das sich durch den milliardenverschlingenden Krieg gegen die PKK und die bedrohlich anschwellende Binnenmigration längst auf alle Bereiche des Lebens in der gesamten Türkei ausgedehnt hat, der außenpolitische Kurs, der verfilzte Zentralismus im Inneren, Islamismus und rasant zunehmender Nationalismus sind Problemberge, die es abzutragen gilt. Aus der Sicht der Autorin steht die politische Gesellschaft der Türkei an einem Wendepunkt, an deren Spitze noch immer die undurchschaubaren Eliten aus Wirtschaft und Politik und nicht zuletzt das Militär stehen. (ICE)

[49-L] Aguicenoglu, Hüseyin:

Genese der türkischen und kurdischen Nationalismen im Vergleich: vom islamisch-osmanischen Universalismus zum nationalen Konflikt, (Heidelberger Studien zur internationalen Politik, Bd. 5), Münster: Lit Verl. 1997, 272 S., ISBN: 3-8258-3335-6 (Standort: UB Paderborn(466)-P31PFG1566)

INHALT: "Tagtäglich erreichen uns über die Massenmedien neue Nachrichten über die gewalttätigen Auseinandersetzungen im Kurdenkonflikt. Die Auswirkungen dieses Konfliktes bleiben jedoch nicht nur auf die Staaten beschränkt, in denen die Kurden ursprünglich leben, sondern haben mittlerweile auch Deutschland erreicht. Schätzungsweise leben eine halbe Millionen kurdische Einwanderer in Deutschland, die von den blutigen Auseinandersetzungen in ihrem Heimatland betroffen sind und durch ihre zum Teil gewalttätigen Aktionen Einfluß auf Deutschlands Kurdenpolitik ausüben. Obwohl die Medien in den letzten Jahren das deutsche Publikum mit zahlreichen Informationen über die Kurdenfrage versorgt haben, fehlt es nach wie vor an wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema. Die vorliegende Studie leistet einen wichtigen Beitrag zu diesem wenig bearbeiteten Gebiet der internationalen Konfliktforschung. In der Arbeit wird zunächst die Entstehung und Entwicklung der türkischen und kurdischen Nationalismen im Lichte der westlichen Nationalismusforschung untersucht und anschließend vor diesem theoretischen und historischen Hintergrund ein Erklärungsmodell für die Entstehung der Kurdenfrage in der Türkei herausgearbeitet. Dabei gelingt es dem Autor bei der Erforschung solch eines emotional aufgeladenen Themas, von dem er direkt betroffen ist, die wissenschaftliche Objektivität zu wahren. Dieses Buch richtet sich sowohl an das Fachpublikum aus den Bereichen internationale Konfliktforschung und Orientalistik wie auch an eine breitere Öffentlichkeit." (Autorenreferat)

[50-L] Amineh, Mehdi Parvizi:

Der Islam und die Iranische Revolution von 1979, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 1999, B 19, S. 14-26 (Standort: UuStB Köln(38)-Ztg00926-a; Kopie über Literaturdienst erhältlich)

INHALT: "Seit Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Islam in Iran langsam als politische Ideologie. Diese Entwicklung resultierte aus dem Zusammenstoß zwischen der orientalischen und der westlichen Welt. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Islamischen Revolution äußerte sich die islamische politische Ideologie in Iran in zwei verschiedenen nationalistischen Projekten: 1. in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Reaktion auf die schnelle sozioökonomische Modernisierung und die Veränderungen, die von der Expansion des europäischen Kapitalismus und seiner Zivilisation in Iran hervorgerufen worden waren, und 2. in den sechziger und besonders in den siebziger Jahren unseres Jahrhunderts als Reaktion auf die ökonomischen und kulturellen Veränderungen, die Modernisierung von oben und als Reaktion auf den sozial repressiven Staat. In diesen zwei historischen Perioden entwickelten sich zwei nationalistisch-politisch-ideologische Alternativen. Die erste äußerte sich in der (liberalen) Ideologie der Konstitutionellen Revolution (1905-1911) und die zweite in der Revolutionsideologie der Islamischen Revolution. Die schnelle sozioökonomische Modernisierung und die extrem ungleiche Entwicklung unter dem autoritären Regime des Schah zwischen 1961 und 1977 - verkörpert in einer Bodenreform und in einer schnellen Industrialisierung - hatten demographische und soziale Spannungen zur Folge, was wiederum in einer strukturellen ökonomischen und politischen Krise gipfelte, die schließlich zur Iranischen Islamischen Revolution unter Ajatollah Khomeini und den ulama (Geistlichkeit) führte. Die islamische politische Ideologie wurde von verschiedenen Gruppen und Ideologen entwickelt, wie z. B. von Bazargan, von den 'Mudschahedin Khalq', der militanten Pro-Khomeini-Gruppe der ulama und schließlich von der modernen Intelligenzia wie Shari'ati. Trotz ihrer fundamentalen ideologischen Unterschiede waren diese vier Strömungen in den drei Jahrzehnten vor der Revolution in der Lage, den Islam in eine neue politische Ideologie zu fassen. Die postrevolutionären sozialen, politischen, ökonomischen und kulturellen Probleme und Hindernisse schufen besondere Umstände, die es einem Teil der ulama und der islamischen Intelligenzia ermöglichte, den islamischen Staat und seine politische Ideologie zu kritisieren. Kern dieser islamischen intellektuellen Bewegung war ein neuer Trend innerhalb der islamischen Bewegung in Iran und ein Versuch, den Islam als politische Ideologie neu zu durchdenken." (Autorenreferat)

[51-L] Balic, Smail:

Die Bosniaken, in: hrsg. von Eggert Hardten, Andre Stanisavljevic u. Dimitris Tsakiris: Der Balkan in Europa, Frankfurt am Main: P. Lang 1996, S. 63-75, ISBN: 3-631-30384-X

INHALT: Im vorliegenden Beitrag wird versucht, die eigenständige kulturelle Identität der Bosniaken darzustellen. Der Ansatz des Autors, der in einer Autochthonie- und Kontinuitätstheorie besteht, befindet sich im Konflikt mit serbischen wissenschaftlichen Publikationen, die im Unabhängigkeitsstreben Bosnien-Herzegowinas das Wirken islamisch-fundamentalistischer Kräfte zu erkennen glauben. Hier zeigt sich die Instrumentalisierung der Wissenschaft im Namen nationaler Kategorien. (SH2)

[52-F] Bohmann, Gerda, Mag.Dr. (Bearbeitung):

Sozialer Wandel und Staatsentwicklung in modernen islamischen Gesellschaften - am Beispiel Nordafrika

INHALT: Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung markanter Veränderungen (insbesondere Politik und Gesellschaft) in den Maghreb-Staaten des 20. Jahrhunderts. Veränderungen in der Sozialstruktur werden mit dem politischen und religiösen Diskurs sowie dessen konkreten Auswirkungen auf die Gesellschaftsverfassung konfrontiert. Von besonderem Interesse ist dabei die Entwicklung der politischen Systeme im Spannungsverhältnis von Traditionalismus, Modernisierung, Fundamentalismus und "Postmoderne". ZEITRAUM: insb. 20. Jahrhundert GEOGRAPHISCHER RAUM: Marokko, Tunesien, Algerien

METHODE: historisch-genetisch.

ART: Habilitation BEGINN: 199607 ENDE: 199912 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Universität Bielefeld, Zentrum für interdisziplinäre Forschung -ZiF-

INSTITUTION: Wirtschaftsuniversität Wien, Institut für Allgemeine Soziologie und Wirtschaftssoziologie (Augasse 2-6, A-1090 Wien)

KONTAKT: Bearbeiterin (Tel. 01-31336-4744, Fax. -707, e-mail: gerda.bohmann:wu-wien.ac.at)

[53-L] Buchta, Wilfried:

Krise von Staat und Gesellschaft in Pakistan, in: KAS-Auslands-Informationen, Jg. 14/1998, H. 2, S. 42-97 (Standort: UuStB Köln(38)-M XE 00681; Kopie über Literaturdienst erhältlich)

INHALT: "Die nach der Ermordung Liaqat Ali Khans (1951) erfolgte systematische Aufgabe des demokratisch-liberalen Grundgedankens der Verfassung sowie die Umwandlung des Landes in einen islamistischen Staat verhindert seit Jahrzehnten die Herausbildung einer von allen Provinzen und Ethnien akzeptierten nationalen Identität. Auch die Diktatur Zia ul-Haqs mit ihrer Politik einer forcierten Islamisierung der Gesellschaft führte lediglich zur Radikalisierung der miteinander rivlisierenden islamistischen und antidemokratischen Strömungen im Land. Korrupte, feudalistische Elitefraktionen in der Militär- und Verwaltungshierarchie tragen darüber hinaus zum Autoritätsverfall des Staates und zur Verelendung der Massen bei. Schließlich gab auch die Regierungsübernahme durch Nawaz Sharif 1997 kaum Anlaß zu Optimismus: Seine Entmachtung des Präsidenten und der Judikative offenbart den bedenklichen Demokratiebegriff des neuen starken Mannes, der auch in Zukunft wohl kaum dazu beitragen wird, den Ruf Pakistans als 'gescheitertes Land' zu entkräften." (Autorenreferat)

[54-L] Buchta, Wilfried:

Liberale Epochenwende im Teheraner Gottesstaat?: die iranischen Präsidentschaftswahlen vom 23. Mai 1997 und die neue Regierung, in: KAS-Auslands-Informationen, Jg. 13/1997, H. 9, S. 28-74 (Standort: UuStB Köln(38)-M XE 00681; Kopie über Literaturdienst erhältlich)

INHALT: "Mit der Kandidatur Khatamis, eines liberalen, reformwilligen Außenseiters innerhalb der islamischen Nomenklatura des Iran, hatten die iranischen Wähler in den diesjährigen Präsidentschaftswahlen zum erstenmal seit Gründung der Islamischen Republik 1979 eine echte Alternative. Der überraschend deutliche Erdrutschsieg Khatamis, der die Pläne des siegessicheren rechtstraditionalistischen Establishments durchkreuzte, verdeutlichte den Wunsch der großen Bevölkerungsmehheit nach Veränderungen des bestehenden, durchaus entwicklungsfähigen Systems. Ob sich allerdings Khatami mit seinen Forderungen nach größerer Meinungs- und Pressefreiheit, Zulassung von Parteien und Stärkung des Rechtsstaates gegen die Phalanx seiner Gegner innerhalb und außerhalb von Staat und Regierung wird durchsetzten können, ist noch längst nicht entschieden. Die erste Kraftprobe, die notwendige Bestättigung seiner Kabinettsminister durch eine gegnerische Parlamentsmehrheit, hat Khatami, der sich seiner Grenzen innerhalb des Machtgefüges bewußt ist, im August erfolgreich bestehen können. Weitere Kraftproben werden folgen." (Autorenreferat)

[55-L] Chehabi, Houchang E.:

Das politische Regime der Islamischen Republik Iran: eine vergleichende Studie, in: WeltTrends, 1997, Nr. 15, S. 124-141

INHALT: Das post-revolutionäre Regime Irans hat eineinhalb Jahrzehnte nach der Konsolidierung der islamischen Herrschaft totalitäre, autoritäre, und post-traditional theokratische Züge, ist nicht-demokratisch, hat aber keine Einparteienherrschaft, und läßt sich deshalb schwer einordnen. Die verschiedenen Merkmale totalitärer Regime - offizielle Ideologie, einzige Massenpartei, nahezu totale Kontrolle in allen wichtigen Bereichen usw. - werden am Iran überprüft. Dabei zeigt sich, daß "der Totalitarismus im Iran tatsächlich angestrebt wurde, aber aufgrund des inhärenten Pluralismus im politisierten Teil des Klerus das Regime zunehmend posttotalitäre Charakteristiken zu zeigen begann und heute viel näher am autoritären Modell ist". Entsprechend werden die Merkmale des Autoritarismus - begrenzter Pluralismus, "Mentalität", religiöser Bezug usw. - am Iran überprüft. Das Fehlen eines monolithischen Machtzentrums wird u.a. mit der Offenheit des Islam für unterschiedliche Interpretationen erklärt. Innerhalb des begrenzten Pluralismus in der dualen iranischen Gesellschaft "gibt es erste Anzeichen für eine Annäherung zwischen säkularen Elementen und desillusionierten ehemaligen Regimeanhängern". (prf)

[56-L] El-Maneie, Juliane:

Zum Einfluß der islamistischen Bewegung auf die palästinensische Gesellschaft in den besetzten Gebieten 1986-1996, (Ethno-Islamica, Bd. 8), Würzburg: Ergon Verl. 1997, 174 S., ISBN: 3-932004-44-2 (Standort: UB Paderborn(466)-P31PFG1540)

INHALT: Die Arbeit bietet durch ihre Kombination der theoretischen Ausführungen zum Einfluß der islamistischen Bewegung der von Israel besetzten Gebiete auf die Politik und Gesellschaft mit einer empirischen Studie über den Einfluß der Islamisten auf palästinensische Frauen die Möglichkeit, Hypothesen und mögliche Erklärungen für das Phänomen Islamismus an einem praktischen Beispiel zu prüfen. Der erste Teil beschäftigt sich mit der islamischen Bewegung in den besetzten Gebieten. Ausgehend von einer Bestimmung des Begriffs "islamischer Fundamentalismus" werden die besonderen historischen Bedingungen in Palästina seit 1948 betrachtet und es wird ein Überblick über die politische Geschichte der islamischen Bewegung der besetzten Gebiete von ihrer Entstehung bis 1996 gegeben. Es zeigt sich, daß die Politik eine wichtige Einflußebene islamischer Bewegungen ist. Das Bekenntnis zum Nationalismus und die aktive Teilnahme an der Intifada waren die Voraussetzung für eine Einflußnahme auf die Politik und eine anerkannte Rolle in der politischen Arena des Nahostkonflikts. Der zweite Teil beinhaltet eine empirische Studie, die sich mit der Frage beschäftigt, welchen Einfluß die Islamisten auf Frauen haben, wie sie von palästinensischen Frauen gesehen werden und ob es einen Einfluß auf die Religiosität der Frauen gibt. Hierzu wurden Interviews mit 16 Frauen geführt. Es wurde deutlich, daß der Islam als Religion für diese Frauen von zentraler Bedeutung für ihr Weltbild und ihren Alltag ist. Deshalb sind sie nicht so empfänglich für die Forderungen und die Politik der Islamisten. Ihre religiösen Vorstellungen sind klar und haben keinen Zusammenhag zu politischen Zielen. Sie sind auch weniger politisch engagiert als Männer und deshalb nicht stark an eine politische Bewegung interessiert, auch wenn diese mit religiösen Begriffen und Attributen arbeitet. (prb)

[57-L] Fürtig, Henner:

Liberalisierung als Herausforderung: wie stabil ist die Islamische Republik Iran?, (Arbeitshefte / Forschungsschwerpunkt Moderner Orient, Forschungsgesellschaft Wissenschaftliche Neuvorhaben mbH, Nr. 12), Berlin: Das Arabische Buch 1996, 144 S., ISBN: 3-86093-109-1 (Standort: Stadtbibl. Berlin(109)-Fb3100)

INHALT: "Die iranische Revolution von 1978/79 und ihre Folgen üben nach wie vor eine ungebrochene Faszination auf Politik und Wissenschaft aus. Dabei scheint die Bandbreite der Einschätzungen, Bewertungen und Erwartungen seit dem Jahr der Gründung der Islamischen Republik Iran (IRI), 1979, eher gewachsen als geschrumpft zu sein. Sie reicht in der Gegenwart von der stetig abnehmenden Zahl derer, die ihr von Beginn an nur eine kurze Lebensdauer attestierten, bis hin zu jenen etwa gleich starken Lagern, die ihr zwar Perspektive zugestehen, diese aber in diametral entgegengesetzter Richtung vermuten. Eine Strömung, politisch angeführt durch die Administration Präsident Clintons und wissenschaftlich assistiert von einer Reihe namhafter internationaler Iranexperten, bewertet die Islamische Republik Iran als den Ausgangspunkt der latent weltbedrohenden islamistischen Offensive. Das iranische Regime ist für sie eine nach außen und innen Terror praktizierende theokratische Diktatur, die alles daransetzt, die Revolution zu exportieren, und dabei sogar nach dem Besitz von Nuklearwaffen trachtet. Derartige Bestrebungen müßten daher schon im Keim politisch eingedämmt (gemeinsam mit denen des Aggressorstaates Irak im 2. Golfkrieg - dual containment) und wirtschaftlich isoliert werden. Die andere Strömung war - wenn auch nie einheitlich - bestenfalls bis zum Tod von Revolutionsführer Chomeini (1989) bereit, einigen dieser Argumente Berechtigung zuzugestehen. Danach vertrat sie eine diametral entgegengesetzte Auffassung. Für sie ist in Iran nach 1989 eine 'Zweite Islamische Republik' entstanden, in der wirtschaftlich und politisch vor allem Vernunft, Augenmaß, Pragmatismus und das nationale Interesse des Landes walten. Die Revolution sei beendet und Iran zur 'Normalität' zurückgekehrt. Beide Denkrichtungen zeichnet allerdings aus, weitreichende Überlegungen über die Stabilität des von ihnen unterschiedlich bewerteten iranischen Regimes der Gegenwart anzustellen. Die eigenen Hypothesen stehen und fallen mit der Frage, ob der Islamischen Republik Dauer beschieden ist. Für ihre Beantwortung kommen in erster Linie Untersuchungen der ökonomischen und politischen Struktur Irans in Betracht, wobei sich der Schwerpunkt auf Grund der prekären Wirtschaftslage stetig auf das Gebiet der Ökonomie verlagert." (Autorenreferat)

[58-L] Gholamasad, Dawud:

Zu Demokratisierungsproblemen der islamisch geprägten Gesellschaften, in: Eva Barlösius ; Elcin Kürsat-Ahlers ; Hans-Peter Waldhoff <Hg.>: Distanzierte Verstrickungen: die ambivalente Bindung soziologisch Forschender an ihren Gegenstand ; Festschrift für Peter Gleichmann zum 65. Geburtstag, Berlin: Ed. Sigma 1997, S. 357-374, ISBN: 3-89404-433-0

INHALT: Der vorliegende Beitrag setzt sich am Beispiel der islamischen Gesellschaften mit der These auseinander, daß die Modernisierung der weniger entwickelten Gesellschaften gleichzeitig ihre Demokratisierung hervorrufen wird. Was wir jedoch gegenwärtig in den islamisch geprägten Staatsgesellschaften wahrnehmen, sind soziale Bewegungen, die im Namen des Islam eine institutionelle Entdemokratisierung der Staatsgesellschaften anstreben bzw. wie im Falle Iran verfassungsmäßig verankert haben. Insgesamt versucht der Autor folgende Fragen zu klären: welches sind jene Aspekte der Soziogenese und Psychogenese des "islamischen Fundamentalismus", die zu einer institutionellen Entdemokratisierung der sozialen Kontrolle führen, und zwar angesichts einer funktionalen Demokratisierung als Ergebnis der "Modernisierung". (ICE)

[59-L] Institut für praxisorientierte Forschung und Bildung e.V. -IFB- (Hrsg.):

Frieden für Kurdistan - Demokratie für die Türkei, München: Marino Verl. 1996, 280 S., ISBN: 3-927527-71-8

INHALT: Der durchgängig zweisprachige (deutsch-türkische) Sammelband dokumentiert die Referate einer 'Türkei-Kurdistan-Woche' im Juni 1995 in Hannover. Den Ausgangspunkt bildet 'die Überzeugung der Herausgeber, daß es in der Türkei keine Demokratie geben wird, solange die kurdische Frage nicht demokratisch gelöst wird' (6 f.). Aus dem Inhaltsverzeichnis: Frieden für Kurdistan: Kemal Burkay: Für eine friedliche und politische Lösung der kurdischen Frage (12-25); Zübeyir Aydar: Wir treten für ein Zusammenleben mit dem türkischen Volk ein! (38-46); Sehmus Güzel: Staatsnationen können nicht die einzige Lösung sein (56-68). Soziale Bewegungen in der Türkei: Sadun Aren: Entwicklung in der sozialistischen Bewegung (84-95); Vicdan Baykara: Die Angestellten werden die Straßen Ankaras besetzen (106-112); Ertugrul Kürkcü: Das kemalistische Modernisierungsprojekt ist gescheitert (121-131). Frauenbewegung in der Türkei und Kurdistan: Meltem Ahiska: Frauen, Feministinnen und Politik in der Türkei (143-170); Hatice Yasar: Die kurdische Frau und der Feminismus (198-218). Islamischer Fundamentalismus und staatlich verordneter Laizismus in der Türkei: Gazi Caglar: Islamischer Fundamentalismus in der Türkei (241-256); Reha Camuroglu: Laizismus und Alewitentum (257-265). (ZPol, NOMOS)

[60-F] Jünemann, Annette, Dr. (Bearbeitung); Ullrich, Hartmut, Prof.Dr. (Betreuung):

Die europäische Mittelmeerpolitik im globalen Wandel. Entscheidungsprozesse im Spannungsfeld zwischen nationaler Souveränität und europäischer Supranationalität

INHALT: Europa nimmt die seit Ende des Ost-West-Konflikts zunehmende Destabilisierung des Mittelmeerraumes als Bedrohung seiner Wohlfahrts- und Sicherheitsinteressen wahr (Ausbreitung des politischen Islamismus, Drogenhandel, organisierte Kriminalität, internationaler Terrorismus, Umweltprobleme und nicht zuletzt steigende Migrantenzahlen). Auf einer Mittelmeerkonferenz in Barcelona wurde im November 1995 beschlossen, diese Probleme an ihrer Wurzel zu packen, nämlich der wirtschaftlichen Unterentwicklung der Mittelmeerdrittländer (MDL). Bis zum Jahre 2010 sollen sie durch die Schaffung einer Freihandelszone sowohl untereinander als auch mit der EU verbunden werden. Innen- und außenpolitische Stabilität verspricht man sich durch eine enge Vernetzung der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen aller Küstenanrainer. Die praktische Umsetzung dieses umfassenden Partnerschaftskonzeptes steht angesichts zahlreicher, vorwiegend nationaler Widerstände allerdings noch aus. Das Forschungsinteresse richtet sich auf die ungeklärte Frage nach den komplexen Bedingungsfaktoren, die eine integrative Mittelmeerpolitik begünstigen bzw. blockieren. Aus den Forschungsergebnissen sollen Erklärungen für die Defizite der bisherigen europäischen Mittelmeerpolitik sowie Strategien für ihre künftige Entwicklung abgeleitet werden. ZEITRAUM: ab 1989 GEOGRAPHISCHER RAUM: Europäische Union, Mittelmeerraum bzw. Algerien, Marokko, Tunesien

METHODE: Situationsstruktureller Ansatz nach Zürn; empirische Methode: unstrukturierte Interviews, Leitfadengespräche u.a. Untersuchungsdesign: Querschnitt. DATENGEWINNUNG: Inhaltsanalyse, offen; Aktenanalyse, offen; Qualitatives Interview. Feldarbeit durch Mitarbeiter/-innen des Projekts.

VERöFFENTLICHUNGEN: Jünemann, Annette: Die Algerienpolitik der Europäischen Union: Demokratischer Beistand oder Angst vor dem islamistsichen Nachbarn? in: Hafez, Kai (Hrsg.): Der Islam und der Westen. Frankfurt a.M.: Fischer Taschenbuch Verl. 1996.+++Dies.: Europe's Interrelations with North Africa in the new framework of Euro-Mediterranean partnership - provisional assessments of the "Barcelona Concept". 3rd Esca-World Conference, Brussels, 19 and 20 September 1996 (im Druck).

ART: gefördert BEGINN: 199312 ENDE: 199912 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Institution

INSTITUTION: Universität-Gesamthochschule Kassel, FB 08 Anglistik-Romanistik, Fach Europawissenschaften Prof.Dr. Ullrich (Georg-Forster-Straße 3, D-34127 Kassel)

KONTAKT: Bearbeiterin (Tel. 0561-804-3369-67, e-mail: junemann:hrz.uni-kassel.de)

[61-L] Kapuscinski, Ryszard:

Schah-in-schah: eine Reportage über die Mechanismen der Macht, der Revolution und des Fundamentalismus, Frankfurt am Main: Eichborn 1997, 213 S., ISBN: 3-8218-0961-2

INHALT: Nachdem der Schah geflohen war und die revolutionären Kräfte die Macht im Iran übernommen hatten, machte sich einer der letzten verbliebenen westlichen Reporter in einem Teheraner Hotel daran, das Geschehene aus seinen Photographien, Notizen und Tonbandaufnahmen zu rekonstruieren und dadurch zu verstehen. Dies die Ausgangssituation, mit der der Autor seine Analyse des Sturzes des Regimes Reza Pahlavis und der iranischen Revolution einleitet. Was folgt, sind detailgenaue Momentaufnahmen der iranischen Gesellschaft und Politik von der Machtergreifung des Vaters von Reza Pahlavi über dessen Abdankung zugunsten seines Sohnes bis zu den Krisenjahren der Herrschaft des letzten Schahs. An die mit einem Schlaglicht beleuchteten Szenen des Alltags, die Schilderungen persönlicher Erfahrungen sowie die Darstellungen einzelner Ereignisse des politischen Lebens knüpft der Autor immer wieder allgemeine Betrachtungen an, die über den konkreten historischen Rahmen hinausweisen. Durch Rückblicke in die Geschichte des Irans, die der Erhellung der traditionellen gesellschaftlichen Strukturen, Sitten und Gewohnheiten sowie der schiitischen Religion dienen, zeigt er die besonderen Merkmale der iranischen Revolution auf. Dahinter aber werden die generellen Probleme eines Landes sichtbar, dessen technologischer Entwicklungsprozeß zu seiner gesellschaftlichen und politischen Rückständigkeit in starkem Kontrast steht. Zum Schluß bleibt der Leser jedoch mit der Frage zurück, weshalb es 15 Jahre gedauert hat, die polnische Erstausgabe ins Deutsche zu übertragen. So interessant dieser 'Klassiker der Reportageliteratur' - so die Bezeichnung in der Verlagswerbung - auch ist, diese Zeitspanne war für ihn aufgrund des veränderten zeitgeschichtlichen Interesses und der weiteren Entwicklung im Iran nicht von Vorteil. (ZPol, NOMOS)

[62-L] Kooroshy, Javad:

Zwischen Theokratie und Moderne: politische Kräfteverhältnisse im Iran, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Jg. 41/1996, H. 10, S. 1242-1251 (Standort: UuStB Köln(38)-FHM XE00157; UB Bonn(5)-Z59/69; Kopie über Literaturdienst erhältlich)

INHALT: Der Beitrag gibt einen historischen Überblick über das politische Kräfteverhältnis im Iran seit der Revolution von 1979. Der damals ausgelöste Prozeß der politischen, sozialen und ökonomischen Umwälzungen in der iranischen Gesellschaft ist noch nicht abgeschlossen. Die andauernden politischen und sozialen Turbulenzen zeigen, daß der Weg in einen stabilen Zustand ohne revolutionäre Emotionen noch nicht zu Ende ist. Eine Betrachtung des Ablaufs früherer Wahlen und der Zusammensetzung der aus ihnen hervorgegangenen Parlamente bis hin zur fünften Parlamentswahl vom März 1996 ergibt, daß jede dieser Legislaturperioden einen bestimmten historischen Zeitabschnitt markiert. Zunehmend wurden im Laufe der Zeit politische Kräfte in Randbezirke der politischen Hierarchie abgedrängt. Auch bei den Wahlen zum fünften Parlament fand ein weiterer Zersetzungsprozeß statt. Die Wahl 1996 markiert nämlich den Beginn einer wichtigen Phase im Kampf der modernen Islamisten gegen ihre traditionalistischen Kontrahenten. (ICH)

[63-L] Lewis, Bernard:

Demokratie und Religion im Nahen Osten, in: Transit, 1997, H. 14, S. 118-131

INHALT: Während eines Großteils des 20. Jahrhunderts prägten zwei Ideen die politische Diskussion im Nahen Osten: Nationalismus und Sozialismus. Heute jedoch, da das Jahrhundert sich seinem Ende zuneigt, haben beide Ideen an Attraktivität eingebüßt. Den stärksten Glaubwürdigkeitsverlust mußte dabei der Sozialismus hinnehmen. Inzwischen ist der islamische Fundamentalismus eine starke und in manchen Gebieten weiter erstarkende Kraft. Dabei handelt es sich nicht, wie manche westliche Beobachter zu glauben scheinen, um eine einheitliche, geeinte und zentral gesteuerte Organisation oder Bewegung. Die fundamentalistischen Gruppen unterscheiden sich nicht nur je nach Land, sondern mitunter auch innerhalb einzelner Länder. Der Autor liefert eine Typologie der Regierungsformen, die in den islamischen Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas derzeit anzutreffen sind. Folgende Klassifizierung bietet sich dazu an: (1) Traditionelle Autokratien, (2) Autokratien auf dem Weg der Liberalisierung, (3) Diktaturen, (4) Die ehemaligen Sowjetrepubliken, (5) Revolutionäre islamische Regime. (pre)

[64-F] Ludwig, Georg, M.A. (Bearbeitung); Domes, Jürgen, Prof.Dr. (Betreuung):

Militär, islamischer Fundamentalismus und Demokratie in Algerien, von 1985 bis 1995

INHALT: Zusammenfassung der Entwicklung des politischen Systems Algeriens von 1962 bis 1985; Analyse und Darstellung der Entwicklung von 1985 bis 1995: Der Zerfall des Einparteiensystems; Ursachen, Auslöser und Verlauf des Systemwandels von 1988 bis 1991; der Konflikt zwischen den Militärmachthabern, islamischen Fundamentalisten und demokratischen Kräften seit Ende 1991; die Vielfalt der Konfliktebenen (Islam -laizistischer Nationalstaat; Arabo-, Berbero- und Francophone; Nutznießer von FLN- und Militärherrschaft - sozial Benachteiligte; Konflikt der Konzepte: Diktatur - islamischer Gottesstaat - Demokratie. ZEITRAUM: 1985-1995 GEOGRAPHISCHER RAUM: Algerien

METHODE: Untersuchungsdesign: Methodenforschung; Fallstudie; Trend, Zeitreihen; retrospektive Daten. DATENGEWINNUNG: Sekundäranalyse bereits vorhandener maschinenlesbarer Datensätze; Datenerstellung auf der Basis von bereits vorliegenden Materialien wie Texten, Akten, Statistiken. AUSWERTUNG: Datenaufbereitung: Datenedition (z.B.Aufbau von Datenbanken); Aggregierung oder Disaggregierung; Zeitreihe(n); Verlaufsdaten (event history data); Verknüpfung verschiedener Datensätze (record linkage).

ART: Dissertation BEGINN: 199410 ENDE: 199712 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Wissenschaftler

INSTITUTION: Universität Saarbrücken, FB 02 Wirtschaftswissenschaft, Fachrichtung Politikwissenschaft (Im Stadtwald Bau 31, D-66041 Saarbrücken)

KONTAKT: Betreuer (Tel. 0681-302-2126)

[65-L] Ludwig, Georg:

Militär, Islamismus und Demokratie in Algerien (1978 bis 1995), (DUV : Sozialwissenschaft), Wiesbaden: Dt. Univ.-Verl. 1998, XIV, 327 S., ISBN: 3-8244-4289-2

INHALT: Das politische System Algeriens sowie die 'Ausprägungen und Auswirkungen der Militärherrschaft, des Islamismus und der Demokratie' (6) systematisch zu untersuchen, stellt das wesentliche Forschungsinteresse dieser Studie dar. Zunächst erläutert Ludwig die grundlegenden ideengeschichtlichen Traditionen Algeriens, um dann vor diesem Hintergrund näher auf die Rekrutierungsmechanismen und Funktionsweisen der politischen Eliten dieses Landes einzugehen. Anhand eines historischen Phasenvergleichs wird anschließend die Entwicklung des politischen Systems Algeriens von 1978 bis 1995 nachvollzogen. Ludwig kommt zunächst zu dem - angesichts der aktuellen Krisenlage in Algerien - erstaunlich optimistischen Schluß, daß 'eine erfolgreiche Fortsetzung der Demokratisierung Algeriens (...) angesichts eines erwachenden politischen Bewußtseins der Bevölkerung keineswegs ausgeschlossen' sei (265). Allerdings müsse hierfür, so der Autor weiter, auch eine wesentliche Verbesserung der wirtschaftlichen Ausgangssituation eintreten, um das Potential an Unzufriedenheit im Land und damit den Zulauf der gewaltbereiten Extremisten zu verringern. Die Staatsführung müsse die Kooperationsbasis mit den dialogbereiten politischen Kräften erweitern, um die schwere Krise überwinden zu können, die das Land seit 1992 erschüttert. Formale Mängel, insbesondere im ersten Teil der Arbeit, erschweren dem Leser teilweise den Zugang zu den verwendeten Quellen. Inhaltsübersicht: 1. Ideengeschichtliche Grundlagen des Islamismus; 2. Die algerischen Islamisten; 3. Die politischen Eliten Algeriens: Rekrutierung, Zusammensetzung, Funktionsweise; 4. Vorphase: Die Entwicklung des politischen Systems Algeriens von 1962 bis 1978; 5. I. Phase: Das Wendejahr 1978 und die erste Amtszeit Chadli Bendjedids (1979-84): Modernisierung und Reformen als Wege zur internen Stabilisierung; 6. II. Phase: Die zweite Amtszeit Bendjedids (1984-88) im Zeichen des Stabilitätsverlustes; 7. III. Phase: Von der dritten Amtszeit Bendjedids (1989-92) bis zu den Präsidentschaftswahlen von 1995: Auflösung des Einparteisystems, Demokratisierung und Militärherrschaft. (ZPol, NOMOS)

[66-F] Mahrad, Ahmad, Prof.Dr. (Bearbeitung):

Probleme des Managements der Staatsführung theokratischer Gesellschaften

INHALT: Martin Riesebrodt hat als einer der ersten Wissenschaftler religiösen Fanatismus unter dem Aspekt einer politischen Protestbewegung einer kritischen soziologischen Betrachtung unterzogen. Im Ergebnis seiner Untersuchung kommt Riesebrodt - bezogen auf den islamischen Fundamentalismus - zu dem Ergebnis, daß dieser Fundamentalismus zum einen aufgrund dramatisch empfundener sozialer Umwälzungsprozesse entstanden ist, daß er in der Gesellschaft mehrheitsfähig ist, daß er städtisch geprägt und nicht pauschal fortschrittsfeindlich ist; außerdem vermag er "gezielte Bündnisse mit kapitalistischer Marktwirtschaft und moderner Technik einzugehen; ist nicht allein Folge der Propaganda fanatischer Mullahs". Im folgenden soll aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung Irans nach 1979 das Einwirken des islamischen Fundamentalismus aufgezeigt werden. Dabei wird verdeutlicht, daß wir es im Iran nicht nur mit einem islamischen Umwälzungsprozeß zu tun haben, sondern daß bis zum Untergang der Sowjetunion stets auch der Ost-West-Konflikt in die iranische Gesellschaft hineingewirkt hat, oft sogar die Weichenstellung für eine religiöse Radikalisierung gewesen ist. ZEITRAUM: 1983-1994 GEOGRAPHISCHER RAUM: Iran

METHODE: Untersuchungsdesign: Fallstudie. DATENGEWINNUNG: Datenerstellung auf der Basis von bereits vorliegenden Materialien wie Texten, Akten, Statistiken.

VERöFFENTLICHUNGEN: Riesebrodt, Martin: Fundamentalismus als patriarchaische Protestbewegung. Amerikanische Protestanten (1910-28) und iranische Schiiten (1961-1979) im Vergleich. Tübingen 1990.+++Lohauß, Peter: Fundamentalismus und moderne Identität. Zur Martin Riesebrodts Analyse des Fundamentalismus als soziale Protestbewegung. in: PROKLA 96, Fundamentalismus und neue Religiösität, 1994, 3, H. 96, S. 477-478.+++Mahrad, A.: Probleme des Managements der Gesellschaft und der Ökonomie nach der islamischen Revolution im Iran. in: Elsenhans, H. (Hrsg.): Ökonomische Liberalisierung und politischer Fundamentalismus. Leipziger Beiträge zur Universalgeschichte und vergleichenden Gesellschaftsforschung, H. 6. Leipzig: Universitätsverl. 1994. ARBEITSPAPIERE: Mahrad, Ahmad: Probleme des Managements der Gesellschaft und Ökonomie nach der islamischen Revolution im Iran.

ART: Eigenprojekt BEGINN: 199401 ENDE: 199502 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Wissenschaftler

INSTITUTION: Hannoversche Studien- und Forschungsgesellschaft Naher und Mittlerer Osten e.V. (Spannhagengarten 11, D-30655 Hannover)

KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 0511-6965189)

[67-L] Mattes, Hanspeter:

Qaddafi und die islamistische Opposition in Libyen: zum Verlauf eines Konflikts, (Mitteilungen des Deutschen Orient-Instituts, 51), Hamburg: Dt. Orient-Inst. 1995, 147 S., ISBN: 3-89173-039-X

INHALT: Die knappe Studie erörtert den krassen Gegensatz zwischen dem antiislamischen Diskurs des Revolutionsführers Qaddafi mit harten Repressionen gegenüber islamistischen Aktivitäten und gleichzeitiger Teilislamisierung des Strafrechts. Im Zentrum steht der Versuch, eine kohärente Erklärung für diese scheinbar widersprüchliche Religionspolitik zu finden. Als Ergebnis verweist der Autor auf einen bis zur Septemberrevolution 1969 zurückreichenden Interessenkonflikt zwischen Qaddafi und den Islamisten. Dem 'unverkennbaren Streben der Revolutionsführung nach einem islamistisch legitimierten, aber säkularen Staat, dessen Modernisierung und Transformation nicht durch religiöse Vorschriften eingeengt werden soll,' stehen Kräfte entgegen, die eine 'weitgehend unreflektierte Übernahme orthodoxer Rechtsauffassungen' (78) fordern. In Anbetracht der schwierigen Informationslage zur aktuellen Situation in Libyen bieten der umfassende Anmerkungsapparat und ein Dokumentenanhang wertvolle Ansatzpunkte für weiterführende Studien. Inhaltsübersicht: I. Die Islampolitik Qaddafis und ihre Auswirkungen; II. Die Konfrontation mit den Islamisten; III. Die staatliche Reaktion auf die islamische Herausforderung; IV. Qaddafi und die nordafrikanischen Islamisten; V. Anhang. (ZPol, NOMOS)

[68-L] Motabaher, Hossein:

Vom Nationalstaat zum Gottesstaat: Islam und sozialer Wandel im Nahen und Mittleren Osten, Stuttgart: Kohlhammer 1995, 195 S., ISBN: 3-17-013222-9 (Standort: UuStB Köln(38)-19A7233)

INHALT: "Die Unterentwicklung und gesellschaftliche Stagnation im islamischen Orient ist nicht einfach ein Ergebnis der von außen kommenden 'westlichen' Modernisierung. Sie ist vor allem eine Folge der vorkapitalistischen Strukturen islamischer Gesellschaften. Gleichwohl ist ein gesellschaftlicher Prozeß festzustellen. Zu diesem Prozeß gehören kulturelle, religiöse, wirtschaftliche Reformprogramme. Enttäuschungen über gescheiterte Reformen und Frustationen angesichts gebrochener Traditionen verhindern aber weitgehend ein Engagement für die neue gesellschaftliche Dynamik. So hat sich ein ausgeprägtes Bedürfnis nach einer eigenen kulturellen Welt herausgebildet, nach einer nativistischen Ideologie. Dieses Bedürfnis befriedigt der Islam mit dem Ziel der Wiederentstehung eines Gottesstaates sowie der Errichtung eines islamischen Gottesreiches." (Autorenreferat)

[69-F] Müller, Herta, Dr. (Bearbeitung); Elsenhans, Hartmut, Prof.Dr. (Leitung):

Wirtschaftspolitische Strategien der islamistischen Bewegungen in Algerien und Ägypten

INHALT: Bedeutung wirtschaftspolitischer Konzeptionen islamistischer Gruppierungen im Transformationsprozeß. Untersuchung islamistischer Wirtschaftsmodelle in Theorie und Praxis. Wirtschaftsethik und ökonomisches Handeln (Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Staatsislam, politischem Islam und Volksislam in beiden Ländern). ZEITRAUM: seit 1980 GEOGRAPHISCHER RAUM: Algerien, Ägypten

METHODE: Das Forschungsprojekt geht von grundlegenden Fragestellungen der Transformationstheorie aus und verbindet sie mit konkreten entwicklungstheoretischen Problembereichen.

ART: gefördert BEGINN: 199509 ENDE: 199809 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche Forschungsgemeinschaft

INSTITUTION: Universität Leipzig, Fak. für Sozialwissenschaften und Philosophie, Institut für Politikwissenschaft (Augustusplatz 9, D-04109 Leipzig)

KONTAKT: Bearbeiterin (Tel. 0341-973-5628)

[70-L] Müller, Joachim:

Islamischer Weg und islamistische Sackgasse: die Debatte um Islam, islamische Wirtschaft und moderne Gesellschaft in Ägypten, (Demokratie und Entwicklung, Bd. 23), Münster: Lit Verl. 1996, II, 168 S., ISBN: 3-8258-2481-0 (Standort: UuStB Köln(38)-12Y2494)

INHALT: "islam und moderne Gesellschaft gelten vielen als unvereinbar. Noch mehr gilt dieses Postulat für das Verhältnis der politischen Ideologie des Islamismus zur Modernisierung. Die vorliegende Untersuchung zeigt, wie wenig diese Urteile den Kern des politischen Geschehens in den sogenannten 'islamischen' Gesellschaften berühren. In einer auch dem Laien verständlichen Form skizziert der Autor Hintergründe von gesellschaftlicher Islamisierung und Islamismus und beschreibt mit der Islamischen Wirtschaftsordnung eines der wenigen überhaupt greifbaren Konzepte von Islamisten für eine Ordnung der modernen Gesellschaft. Es wird deutlich, wie Islamisten - obwohl sie die Orginalität eines 'islamischen' Weges propagieren - an einer modernen bürgerlichen Gesellschafts- und kapitalistischen Wirtschaftsordnung festhalten. Die in Ägypten intensiv geführte Debatte um die 'islamische' Wirtschaft zeigt, daß die äußerliche Islamisierung des politischen Diskurses von allen gesellschaftlichen Akteuren getragen wird. Diese verfolgen damit aber unterschiedliche Positionen und Strategien. Der Islam wird von ihnen im Kampf um kulturelle Hegemonie und politische Macht eingesetzt. In diesem Kampf sind es die konkreten politischen Auseinandersetzungen, wie diejenige um die 'islamische' Wirtschaft, in denen sich abzeichnet, in welcher Form Islam und moderne Gesellschaft zukünftig verbunden werden könnten - pluralistisch oder totalitär." (Autorenreferat)

[71-L] Rawan, Shir M.:

Zur gegenwärtigen Medienpolitik im Iran: Meinungs- und Pressefreiheit aus Sicht des religiösen und politischen Establishments, in: Rundfunk und Fernsehen, Jg. 46/1998, Nr. 4, S. 498-514 (Standort: UuStB Köln(38)-FHM AP11500; Kopie über Literaturdienst erhältlich)

INHALT: "Der Beitrag beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Interpretationen und Anwendungen der Meinungs- und Pressefreiheit im Iran durch die herrschenden Eliten seit der Islamischen Revolution vor 19 Jahren. Der Fokus liegt dabei auf den kommunikationspolitischen Auseinandersetzungen, die seit dem Tod von Ajatollah Khomeini im Jahr 1989 in immer deutlicherer Form in der Öffentlichkeit und insbesondere in der iranischen Presse ausgetragen werden. Zwar berufen sich die verschiedenen, miteinander rivalisierenden ideologischen Strömungen in Fragen des Pluralismus und der Meinungsfreiheit alle auf die Wilayat-e faqih (Regentschaft der Rechtsgelehrten). Sie unterscheiden sich jedoch in ihrer Auslegung und Nutzung voneinander. Folge dieser Divergenzen in der herrschenden politischen und religiösen Elite ist u.a., daß es seit der Islamischen Revolution keine einheitliche und kontinuierliche Pressepolitik gegeben hat. Hat die eine Regierung den Rahmen des Mediengesetzes großzügig ausgelegt, so befürwortete die andere eine strenge Zensur. Die neueste Entwicklung seit Mai 1997 zeigt jedoch beachtliche Iiberale Tendenzen im Kommunikationssystem des Iran." (Autorenreferat)

[72-L] Rieger, Brigitte:

Überleben ohne Staat: soziale Sicherung und die islamischen Parallelstrukturen in Ägypten, (Leipziger Schriften zur Gesellschaftswissenschaft, 2), Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges. 1996, 153 S., ISBN: 3-7890-4103-3

INHALT: Die interdisziplinär angelegte Studie untersucht am Beispiel Ägyptens die Funktion wohlfahrtspolitischer Sicherungs- und Versorgungsleistungen im Spannungsfeld zwischen sozialpolitischem Krisenmanagement des Staates und der islamischen Gegengesellschaft. Hierfür werden zentrale Elemente sowohl des staatlichen als auch des nicht-staatlichen Wohlfahrtswesens untersucht. Detailliert dokumentiert die Autorin die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Aktivitäten der islamischen Bewegung und ihr Verhältnis zur ägyptischen Zivilgesellschaft. Sie gelangt zu dem Ergebnis, daß die sozial- und gesundheitspolitischen Initiativen islamischer Vereinigungen nur beschränkt für die politisch-religiösen Zwecke der Islamisten zu instrumentalisieren sind, während sie gleichzeitig vom Staat als Mittel zur Sicherung des sozialen Friedens und zur Aneignung ausländischer Entwicklungshilfegelder genutzt werden. (ZPol, NOMOS)

[73-L] Schetter, Conrad:

Afghanistan zwischen Chaos und Machtpolitik, in: Internationale Politik und Gesellschaft, 1998, Nr. 2, S. 173-190

INHALT: "Afghanistan ist ein Beispiel dafür, wie innere ethnische, kulturelle und soziale Spannungen durch äußere Einwirkung zu einem dauerhaften Bürgerkrieg eskalieren können. Die Ausgangslage war bestimmt durch den sozialen und kulturellen Gegensatz zwischen 'progressiver' Hauptstadt und den in traditionaler Stagnation verhafteten ländlichen Regionen. Die Intervention der Sowjetunion zugunsten des 'progressiven Lagers' löste einen Bürgerkrieg aus, dessen Intensität durch die Gegenintervention der USA, Pakistans und anderer Länder gesteigert wurde. Nach Abzug der Sowjetunion und mit nachlassendem Interesse der USA gewann die ethnisch-regionale Konfliktlinie an Bedeutung. Die vier rivalisierenden Bürgerkriegsparteien sind heute weitgehend identisch mit den vier größten ethnischen Gruppen (Paschtunen als afghanisches Mehrheitsvolk, Usbeken, Tadschiken und Hazara). Mit den Taliban, die Pakistan 1994 ins Leben rief, existiert erstmals eine Partei, die klar paschtunisch ist, obgleich ihr paschtunischer Ethnozentrismus durch eine radikal-islamische Ausrichtung kaschiert ist. Während sich die Taliban in den paschtunischen Stammesgebieten schnell ausbreiteten, stießen sie im übrigen Land auf erheblichen Widerstand. Ihre Niederlage 1997 in Nordafghanistan zeigt, daß sie nicht in der Lage sind, ganz Afghanistan zu befrieden. Mittlerweile sind fast alle ausländischen Partner der Bürgerkriegsparteien an einem Frieden interessiert, da der Afghanistankrieg zunehmend als Hemmnis für den prophezeiten Wirtschaftsboom Mittelasiens angesehen wird. Doch steht das innerafghanische Konfliktpotential einem Frieden entgegen. Die Fragmentierung des Landes ist sehr weit fortgeschritten, die Bürgerkriegsparteien können sich mehr und mehr aus dem Drogenanbau und -handel selbst finanzieren." (Autorenreferat)

[74-L] Tanner, Jakob (Hrsg.):

Nun hausen Schlangen in den Aprikosengärten: eine Ethnologin berichtet aus Afghanistan, Wuppertal: Hammer 1996, 191 S., ISBN: 3-87294-718-4 (Standort: UuLB Düsseldorf(61)-etn-t110m825)

INHALT: Die Texte handeln von Reisen, Besuchen, Begegnungen und Gesprächen in Nuristan und in den Flüchtlingslagern Nordwestpakistans und versuchen eine Annäherung an islamische Kulturen. Diese ethnologischen und ethnographischen Arbeiten diskutieren die Begriffe Frauen, Islam, Gewalt und Krieg und ihre Zusammenhänge. Dabei wird das Verhältnis zwischen Männer und Frauen in einem doppelten Sinn problematisiert: als scheinbar klare Segregation der Geschlechter und als widersprüchliches, je nach Region und sozialer Schicht verschiedenes Beziehungsmuster. Die Autorin kritisiert Gewalt in Afghanistan, die zuerst einmal als etwas Männliches und Militärisches auftritt. Ihre sozialen Analysen der Gewalt machen nachvollziehbar, warum der Krieg nicht zu Ende ging, als der Angreifer nicht mehr da war. Mit Fotos und Skizzen geben sie einen guten Eindruck vom Alltagsleben der afghanischen Frauen. (ICB)

[75-L] Tetzlaff, Rainer:

Staatswerdung im Sudan: ein Bürgerkriegsstaat zwischen Demokratie, ethnischen Konflikten und Islamisierung, (Demokratie und Entwicklung, Bd. 9), Münster: Lit Verl. 1996, X, 207 S., ISBN: 3-89473-610-0 (Standort: StB Hamm(229)-12844)

INHALT: "Das Buch analyisiert die postkoloniale Entwicklung im Sudan seit dem Sturz der Numeiri-Diktatur. Ursachen und Verlauf des längsten Bürgerkriegs Afrikas werden dargestellt, wobei politisierte ethnische Konflikte eine zentrale Rolle spielen. Die zunehmende Islamisierung von Staat und Gesellschaft seit der Machtübernahme von General al-Beshir und dem Rechtsgelehrten al-Turabi bildet einen weiteren Schwerpunkt der Darstellung - eine gewaltträchtige Entwicklung, die die Aussichten für eine baldige kosensuale Beendigung des Bürgerkriegs zwischen der arabisch-muslimischen nordsudanesischen Mehrheit und der christlichen südsudanesischen Minderheit als gering erscheinen lassen. Der 30jährige Bürgerkrieg wird als Angriffs- und Abwehrkampf um Staatswerdung und nationale Identität gedeutet, der auf absehbare Zeit die Perspektiven für Demokratie und 'civil society' im Sudan verdüstert." (Autorenreferat)

[76-L] Wahdathagh, Wahied:

Die Herrschaft des politischen Islam als eine Form des Totalitarismus "Die Islamische Republik Iran", in: Prokla, Jg. 29/1999, Nr. 2, S. 317-342 (Standort: UuStB Köln(38)-XG3381; Kopie über Literaturdienst erhältlich)

INHALT: Die Grundfrage, ob sich die strukturellen Grundlagen des iranischen "Gottesstaates" nach dem Tode Khomeinis verändert haben, ist bisher unzureichend beantwortet. Zwar wurde die Herrschaft der schiitischen Geistlichkeit verschiedentlich als "totalitär" bezeichnet; inwieweit die Charakterisierung berechtigt ist, wurde kaum diskutiert. Der Beitrag versucht eine Klärung, in dem er die Entwicklung und die strukturellen Grundlagen der Mullah-Herrschaft im Iran untersucht. Daran anschließend wird gezeigt, daß diese Herrschaftsform, obwohl sie weder als kommunistisch oder faschistisch gelten kann, trotzdem eine Reihe von Kriterien erfüllt, die als charakteristisch für eine totalitäre Diktatur gelten. Der Autor schlußfolgert: Werden zur Unterstützung einer angeblichen Liberalisierung die Wirtschaftsbeziehungen ausgebaut würden, so läuft dies darauf hinaus, die Macht der herrschenden Mullahs aller Fraktionen zu stabilisieren. (pre)


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