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Der unbequeme Fremde: Fremdenfeindlichkeit in Deutschland - empirische Befunde, (Studien zu Politik und Wissenschaft), Schwalbach: Wochenschau Verl. 1999, 118 S., ISBN: 3-87920-483-7 (Standort: UB Essen(465)-11OCK7525+1)
INHALT: "Die vorliegende empirische Studie wurde am Ende des Jahres 1997 im Zusammenhang mit einer anderen Arbeit zum Thema Fremdenfeindlichkeit begonnen und im wesentlichen im Frühjahr 1999 abgeschlossen. Auch nach dem sogenannten Asylkompromiß vom Mai 1993 hat das Thema weder an Aktualität noch an Brisanz verloren. Das relativ schwache Abschneiden rechtsextremer Parteien bei den jüngsten Wahlen, bei denen die Rechtsaußen-Parteien - mit Ausnahme des Bremerhavener Teilergebnisses bei der Bremer Bürgerschaftswahl - regelmäßig an der 5 % -Hürde scheiterten, sollte man nicht als Signal der Entwarnung mißdeuten. Es zeigt eher, daß das Agieren mit fremdenfeindlichen Grundstimmungen hierzulande nicht mehr unbedingt an rechtsextreme 'Exklusivität' gebunden ist - und die Wahlergebnisse können morgen schon wieder ganz anders aussehen. Vor allem: Rechtsextreme Gewalttäter haben schon immer fremdenfeindliche Stimmungen in der Bevölkerung als Ermutigung empfunden. Die Zahl der fremdenfeindlichen Anschläge ist nach wie vor beunruhigend hoch: 435 fremdenfeindliche Gewalttaten weist der Verfassungsschutzbericht für das Jahr 1998 aus, darunter 10 'versuchte Tötungsdelikte', 384 Körperverletzungen und 23 Brandstiftungen - gleichmäßig auf das Jahr verteilt wäre das mehr als ein Übergriff pro Tag, was allerdings, anders als der Terror von Rostock und Solingen, kaum noch für eine aufgeregte Öffentlichkeit sorgt. Wir haben in den letzten Jahren zwei größere Projekte zum Thema 'Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit' durchgeführt und im Rahmen dieser Projekte Vorbereitungshilfen, Handreichungen, Lehrmaterial für die schulische und außerschulische politische Bildung entwickelt. Oft in mehrtägigen Seminaren haben wir dabei - auch mit Lehrenden aus dem schulischen und außerschulischen Bereich - zahlreiche Unterrichtssegmente erprobt, evaluiert, verändert. In diesen Erprobungsseminaren ist uns aufgefallen, daß die Ergebnisse und Erkenntnisse einschlägiger empirischer Untersuchungen vielen Lehrenden allenfalls in einer eher populistisch verkürzten Variante bekannt waren. In unserem letzten Projekt waren wir zudem auf die ALLBUS-Daten von 1996 zu 'Einstellungen zu ethnischen Minderheiten in Deutschland' gestoßen. Uns war bald klar, daß es sinnvoll sein könnte, diese Daten in kritischer Fortführung bisheriger Studien und, wenn man so will, mit einem 'pädagogischen Blick' gründlich auszuwerten. Wir wollten aktuelle, empirisch gesicherte Befunde vorlegen über die Entwicklung und Verbreitung fremdenfeindlicher Einstellungen in Ost- und Westdeutschland, über mögliche Ursachen von fremdenfeindlichen Orientierungen, über den Zusammenhang schließlich von familialer Erziehung, Schulbildung und Fremdenfeindlichkeit. Wir hoffen, daß die hier nun veröffentlichten Ergebnisse für pädagogische Theorie und Praxis nützlich sein können." (Textauszug)
[2-L] Backes, Uwe:
Rechtsextremismus in Deutschland: Ideologien, Organisationen und Strategien, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 1998, B 9/10, S. 27-35 (Standort: UuStB Köln(38)-Ztg00926-a; Kopie über Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Der umstrittene Begriff des Rechtsextremismus läßt sich als eine das Ethos fundamentaler Menschengleichheit negierende Form des politischen Extremismus definieren. In Deutschland wurde der organisierte Rechtsextremismus nach 1945 gesellschaftlich geächtet und isoliert. Versuche einer 'nationalen Sammlung' auf wahlpolitischer Ebene waren auf Dauer nicht erfolgreich. Auch im Zuge der dritten Mobilisationswelle mit nationalistischen bzw. national-populistischen Vorzeichen (seit Ende der achtziger Jahre) gelang es keiner der zeitweilig für Furore sorgenden Formationen, sich auf der nationalen Ebene politisch zu etablieren. Die Partei der 'Republikaner' (REP) kämpft derzeit ums politische Überleben, Alternativen sind bis auf weiteres nicht in Sicht. Anlaß zu größerer Besorgnis gibt das - trotz gesunkener Anschlagsziffern - noch immer hohe Gewaltniveau von rechts. Allerdings täuschen die zahlreichen Verbote neonationalsozialistischer Vereinigungen darüber hinweg, daß sich die Haupttätergruppe aus der Subkultur der 'Skinheads' rekrutierte - soweit die kriminellen Delikte überhaupt bestimmten Gruppen zuzuordnen sind. Um ein überschätztes Phänomen handelt es sich bei der 'Neuen Rechten'. Vielfach gilt die Medienaufmerksamkeit Phänomenen, die allenfalls entfernt mit dem Rechtsextremismus verwandt sind. Wo entsprechende Zeitschriften und Zeitungen das Etikett verdienen, fallen sie weder durch intellektuelle Originalität auf noch durch besonders hohe Auflagenziffern. Was die 'Szene' des zeitgeschichtlichen Revisionismus und Negationismus ('Auschwitzlüge') angeht, scheint sie gerade durch die Prozesse gegen einzelne ihrer Vertreter Auftrieb erhalten zu haben. Insgesamt gelangt man bei einer vergleichenden europäischen Übersicht zu dem Urteil, daß Deutschland in der Gegenwart keineswegs als Brutstätte und Hochburg des Rechtsextremismus gelten kann." (Autorenreferat)
[3-F] Casasus, Gilbert (Leitung):
La nouvelle droite allemande
INHALT: keine Angaben GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland
METHODE: Pour mener a bien ce projet, la preference sera donnee a la methode normative. Plus que d'autres, elle sera a meme de favoriser une analyse critique des idees de la "nouvelle droite allemande". La recherche veillera a operer une classification par themes, mais aussi par "ecoles". En d'autres termes, il s'agira d'une part de presenter les sujets de predilection de la "nouvelle droite", par exemple la reecriture de 1'histoire allemande ou les influences philosophiques, d'autre part les personnes, publications, reseaux et mouvements qui la constituent. Bien entendu, l'analyse descriptive ne se suffisant pas a elle-meme, il conviendra de porter un jugement de politologue sur la "nouvelle droite", donc de repondre a la problematique enoncee ci-dessus.
VERÖFFENTLICHUNGEN: Casasus, Gilbert: Le Symptome Le Pen, Radiographie des electeurs du Front National. Ouvrage de Pascel Perrineau. in: Tangram - Bulletin de la Commission federale contre le racisme, Bern, 1999, no 6 (en cours de publication).+++Casasus, Gilbert: La Nouvelle Droite allemande - Projet de recherche. in. Tangram - Bulletin de la Commission federale contre le racisme, Bern, 1998, no 4.
ART: gefördert BEGINN: 199804 ENDE: 200010 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung
INSTITUTION: Casasus, G. (76 route de Saint-Romain, 69450 Saint-Cry-au-Mont-d'Or)
[4-L] Dollase, Rainer; Kliche, Thomas; Moser, Helmut (Hrsg.):
Politische Psychologie der Fremdenfeindlichkeit: Opfer - Täter - Mittäter, (Konflikt- und Gewaltforschung), Weinheim: Juventa Verl. 1999, 344 S., ISBN: 3-7799-1491-3
INHALT: Ende 1996 fand in Bielefeld die 18. Tagung der Sektion 'Politische Psychologie' im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen statt. Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung und der Abteilung Psychologie der Universität Bielefeld durchgeführt. Inhaltsverzeichnis: Rainer Dollase: Politische Psychologie interkultureller Konflikte - Ein Ansatz und seine möglichen Folgen (9-16). Die Opfer von Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und Ausgrenzung: Minu Hemmati / Margret Wintermantel / Markus Paul: Wie wirken ausländerfeindliche Ereignisse auf die Betroffenen? Empirische Untersuchungen kognitiver, emotionaler und handlungsbezogener Konsequenzen (19-36); Paul Mecheril: Kulturkonflikt oder Multistabilität? Zugehörigkeitsphänomene im Kontext von Bikulturalität (37-60); Sibylle Grabowsky: Dimensionen kultureller Identität von Aussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion (61-93); Birgit Grimberg / Barbara Moschner: 'Wenn einer nicht zerbricht, hatte er einen schlechten Folterer'. Zur psychosozialen Situation von Folteropfern in Deutschland (95-108); Dzenana Gazic: Erzwungene Migrationsprozesse und ihre Folgen. Die psychologische Betreuung von Flüchtlingsfamilien. Ein Bericht aus der Praxis (109-115). Die Täter: Fremdenfeindlichkeit, Gewaltbereitschaft und Rechtsextremismus in der Jugendphase: Wolfgang Frindte / Friedrich Funke / Susanne Jacob: Neu-alte Mythen über Juden: Ein Forschungsbericht (119-130); Armgard Schnöckel / Rainer Dollase / Susanne Rutz: Sind Lokalpatrioten fremdenfeindlich? (131-148); Elif Uzun / Rainer Dollase: Sind Fremde wirklich fremd? Unterschiede in ästhetischen Präferenzen bei Türken und Deutschen bei unterschiedlichen Graden der Salienz nationaler Identität (149-158); Thomas Bliesener / Friedrich Lösel / Mechthild Averbeck: Die Wahrnehmung und Bewertung von Konfliktsituationen bei Schülern mit reaktiv versus proaktiv aggressivem Verhalten (159-172); Bernhard Kraak / Gudrun-Anne Eckerle: Selbst- und Weltbilder Gewalt bejahender Jugendlicher (173-186); Wilhelm Heitmeyer: Ist der rückständige Rechtsextremismus zukunftsträchtig? (187-197); Raik-Michael Meinshausen / Claudia Hauschild / Susanne Jena / Daniela Jopp / Ralf Kummer / Petra Pflugfelder: Denn sie wissen, was sie tun: Soziales Training mit rechtsextrem orientierten und/oder gewaltbereiten Jugendlichen. Theoretischer Beitrag (199-215). Fremdenfeindlichkeit in multikulturellen Schulklassen: Arnd Ridder / Rainer Dollase: Interkulturelle Integration bei Hauptschülern im Zeitvergleich 1983-1996 (219-240); Paul Walter: Nichts als ethnozentrische Vorurteile? Kognitionen von Lehrkräften über interkulturelle Erziehung (241-255); Sibylle Grabowsky: Aufbau von Gesprächs- und Beratungskompetenz für den Umgang mit ausländischen SchülerInnen und deren Eltern (257-278); Rainer Dollase: Pädagogische Strategien des interkulturellen Lernens. Strategien zwischen kulturellem Essentialismus und Ethnizitätsblindheit (279-290). Verdeckte und offene Mittäterschaft: Wissenschaft, Medien und 'Unbeteiligte': Paulino Jimenez: Weder Opfer noch Täter - die alltäglichen Einstellungen 'unbeteiligter' Personen gegenüber Ausländern (293-306); Thomas Kliche / Suzanne Adam / Helge Jannink: 'Wirklich die Hölle'. Diskursanalysen zur Konstruktion von 'Islam' in einem deutschen Printmedium (307-324); Klaus Weber: Rassismus und Psychologie , Die Vernetzungen subjektwissenschaftlichen Denkens mit dem rassistischen Diskurs (325-339). (ZPol, NOMOS)
[5-L] Flatz, Christian; Riedmann, Sylvia; Kröll, Michael (Hrsg.):
Rassismus im virtuellen Raum, (Argument , Sonderband. Neue Folge, Bd. 259), Berlin: Argument-Verl. 1998, 257 S., ISBN: 3-88619-259-8 (Standort: UB Bonn(5)-98-11924)
INHALT: "Nach dem Abflauen der ersten Euphorie über die Möglichkeit der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien werden wir von zahllosen reißerischen Medienberichten vor den dunklen Seiten des Internets gewarnt. Diese oft hysterisch anmutenden Debatten über rechtsextreme, pornographische und rassistische Inhalte im Internet sind Anlass für die hier vorgestellte weitgehend emotionslose Analyse des Themenkomplexes 'Neue Medien' und 'Rassismus'. Neben einem Blick ins Netz, den eine empirische Untersuchung im World Wide Web bietet, stellt der Band neue theoretische Konzeptionen zur Analyse des Problems Rassismus im virtuellen Raum vor. Das Phänomen Rassismus wird ausführlich im Spannungsfeld von Realität und Virtualität diskutiert und der Cyberspache als Raum sozialer Interaktion beleuchtet, in dem sich die Figur des Anderen perpetuiert." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Michael Kröll: Internet - Technische Grundlagen, methodische Probleme und regulatorische Perspektiven (11-33); Wolfgang Weisch: Information Superhighway oder Highway One? (34-48); Mike Sandbothe: Das Internet als Massenmedium: Neue Anforderungen an Medienethik und Medienkompetenz (49-66); Jörg Müller: Die Parabel von Wahrheit und Tod (67-81); Ali Rattansi: Ethnizität und Rassismus aus 'postmoderner' Sicht (82-120); Sylvia Riedmann/ Christian Flatz: Der Fremde ist nicht nur in der Fremde fremd. Über das Selbst, das Andere, das Fremde und den Rassismus (121-144); Robert Miles: Rassismus und Nationalismus in Großbritannien und Nordirland. Ein Blick aus der Peripherie (145-168); Sylvia Riedmann/ Christian Flatz: Rassismus - Diskussion eines Begriffs (169-184); Sascha Felgitsch/ Christian Flatz: Das Word Wide Web als virtueller Raum. Ein Plattform für rassistische Organisationen? (185-208); Christian Flatz/ Reinhold Gärtner: Kultur statt 'Rasse'. Analyse einer Bedeutungsverschiebung (209-229); Sylvia Riedmann/ Christian Flatz: Vernetzte Ideologie. Zur soziopolitischen Bedeutung von Rassismus im Internet (230-239).
[6-L] Friedrich-Ebert-Stiftung Forschungsinstitut Abt. Arbeit und Sozialpolitik (Hrsg.):
Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit im vereinten Deutschland: Erscheinungsformen und Gegenstrategien, (Gesprächskreis Arbeit und Soziales, Nr. 90), (Tagung "Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit im vereinten Deutschland: Erscheinungsformen und Gegenstrategien", 1999, Bonn), Bonn: 1999, 80 S., ISBN: 3-86077-788-2 (Standort: UuStB Köln(38)-20000106081; Graue Literatur)
INHALT: "Rechtsextreme Parteien erhalten zweistellige Ergebnisse bei Landtagswahlen; Flüchtlinge und Asylbewerber werden auf offener Straße angegriffen; über das Internet werden rechtsradikale Inhalte verbreitet; jüdische Grabstellen werden geschändet; Konzerte der rechten Musikszene haben regen Zuspruch. Diese Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit zeigen die unterschiedlichen Formen des Rechtsextremismus und verdeutlichen die hohe Aktualität dieses Themas. Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, daß sich immer häufiger fremdenfeindliche und rassistische Einstellungen in Gewalttaten gegen Ausländer und andere als 'fremd' empfundene Personen manifestieren. Nach wie vor stellen rechtsextreme Organisationen und Orientierungen eine Gefahr für die demokratischen Grundwerte unseres Gemeinwesens und das friedliche Zusammenleben mit ethnischen Minderheiten in den Kommunen dar. Ihnen liegen im Kern nationalistische Ideologien zugrunde. Sie sind geprägt von Überlegenheitsgefühlen gegenüber anderen Völkern und Staaten. Menschen mit einer anderen ethnischen Herkunft werden als minderwertig empfunden und diskriminiert. Mit dem Thema 'Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit im vereinten Deutschland: Erscheinungsformen und Gegenstrategien' hat sich deshalb der Gesprächskreis Arbeit und Soziales am 22. Oktober 1999 in Berlin beschäftigt. Mit Politikern, Wissenschaftlern und Praktikern wurden die Fragen erörtert, was die Ursachen für das Entstehen fremdenfeindlicher und rassistischer Einstellungen und rechtsextremer Parteien sind und wie eine gesamtgesellschaftliche Strategie zur Bekämpfung dieser Phänomene aussehen kann." (Textauszug). Inhaltsverzeichnis: Günther Schultze: Zusammenfassung (7-12); Fritz Rudolf Körper: Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit: politische Gegenstrategien (13-32); Richard Stöss: Rechtsextremismus in West- und Ostdeutschland (33-42); Vera Egenberger: Das Europäische Netzwerk gegen Rassismus: Ziele und Aufgaben (43-50); Wolfram Meyer zu Uptrup: Das Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit im Land Brandenburg (51-64); Michael Hugo: "Bunt statt Braun": Strategien gegen "Rechts" am Beispiel der Hansestadt Rostock (65-72); Volker Roßocha: Bekämpfung von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit: Strategien, Bündnisse und Initiativen auf der betrieblichen Ebene (73-79).
[7-L] Frindte, Wolfgang (Hrsg.):
Fremde, Freunde, Feindlichkeiten: sozialpsychologische Untersuchungen, Opladen: Westdt. Verl. 1999, 220 S., ISBN: 3-531-13441-8 (Standort: UB Bonn(5)-99-13618)
INHALT: "Dieser Band ist das Ergebnis einer umfassenden, 1996 bis 1998 in vier Bundesländern (Brandenburg, Bayern, Schleswig-Holstein, Thüringen) durchgeführten Jugendstudie. Im 1. Kapitel des Buches werden die Theorie- und Befundlagen zum Thema Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Gewalt präsentiert. Über den sozialkonstruktivistischen Ansatz, von dem sich die Autor/innen in ihren Untersuchungen leiten ließen, berichtet das Kapitel 2. In den Kapiteln 3 - 8 finden die Leser/innen zahlreiche empirische Belege für die vielfältigen und miteinander verwobenen Hintergründe für fremdenfeindliche, antisemitische und gewaltbezogene Konstruktionen. Dabei geht es u. a. um die Ausprägungen rechtsextremistischer Orientierungen, um Ost-West-Unterschiede in den fremdenfeindlichen und antisemitischen Einstellungen deutscher Jugendlicher, um Zusammenhänge zwischen politischen Interessen und Fremdenfeindlichkeit, um autoritäre Orientierungsmuster, historische Geschichtslegenden und deren Wirksamkeit. Kapitel 9 rundet die Darstellung der quantitativen Ergebnisse durch die Interpretation qualitativer Interviews ab. Im abschließenden Kapitel stellen sich die Autor/innen in einer Diskussion den Fragen nach der wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Relevanz ihrer Ergebnisse." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Wolfgang Frindte: Anlässe (9-15); Wolfgang Frindte: Konstruktionen, Theorien und Fragen über Fremde (16-32); Wolfgang Frindte: Wenn Konstruktivisten nach Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Gewalt fragen - Die Befrager, die Befragten und die Fragen (33-59); Wolfgang Frindte, Friedrich Funke und Susanne Jacob: Fremdenfeindlichkeit - eine komplexe Suche (50-69); Friedrich Funke, Wolfgang Frindte, Susanne Jacob und Jörg Neumann: Rechtsextreme Wirklichkeitskonstruktionen (70-82); Wolfgang Frindte: Antisemitismus (83-102); Susanne Jacob: Jugend und Politik (103-118); Friedrich Funke: Autoritarismus - Renaissance einer Erklärungstradition (119-141); Susanne Jacob, Wolfgang Frindte und Friedrich Funke: Gegenwärtige politische Orientierung und der Bezug zum Nationalsozialismus (142-154); Jörg Neumann unter Mitarbeit von Steffen Jacob: Fremdheit und Differenz - Die Konstruktion von sozialen Gruppen durch Jugendliche im Interview (155-190); Es geht weiter - eine Diskussion (191-207).
[8-L] Ganter, Stephan:
Ursachen und Formen der Fremdenfeindlichkeit in der Bundesrepublik Deutschland, (Gesprächskreis Arbeit und Soziales), Bonn: 1998, 82 S., ISBN: 3-86077-723-8 (Standort: UuStB Köln(38)-990106115; Graue Literatur)
INHALT: "An kühnen Diagnosen und Mutmaßungen über Ausmaß und Ursachen der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland besteht kein Mangel. Wissenschaftliche Veröffentlichungen, aber auch Zeitungen, Nachrichtenmagazine und öffentliche Diskussionen sind voll davon. Schon bei der Einschätzung der Entwicklungstendenzen und der Verbreitung fremdenfeindlicher Einstellungs- und Verhaltensmuster gehen allerdings die Ansichten der Beobachter oft weit auseinander. Das Spektrum der Interpretation reicht von verharmlosenden Abwiegelungsversuchen auf der einen Seite bis hin zu aufsehenerregenden Schreckensszenarien auf der anderen. Ähnlich uneinheitlich ist das Angebot an Beiträgen zur Ursachenforschung und Erklärung fremdenfeindlicher Orientierungen. Sowohl in Bezug auf die grundlegenden Ansatzpunkte der Analyse als auch in Hinsicht auf die inhaltlichen Aussagen und Hypothesen offenbaren sich erhebliche Unterschiede und Gegensätze, die nicht ohne weiteres zu überbrücken sind. Es liegt auf der Hand, daß sich dies auch in den Beurteilungen unterschiedlicher Möglichkeiten zur Eindämmung fremdenfeindlicher Tendenzen niederschlägt. Das Ziel dieser Studie besteht deshalb vor allem darin, auf der Grundlage aktueller empirischer Daten zum einen eine Einschätzung der Verbreitung und längerfristigen Entwicklung fremdenfeindlicher Orientierungen und Handlungen zu geben und zum anderen wichtige Einflußfaktoren und Ursachen der Fremdenfeindlichkeit aufzuzeigen. Aus den Ergebnissen lassen sich einige Aufschlüsse gewinnen, die nicht nur für die Beurteilung der derzeitigen Situation, sondern auch für die Suche nach geeigneten Konzepten zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Deutschen und "Ausländern" von Interesse sind. In Bezug auf die Einschätzung der aktuellen Situation kann es aufgrund der Ergebnisse der Analysen kaum Zweifel daran geben, daß sich fremdenfeindliche Tendenzen in den vergangenen Jahren erheblich verschärft haben. Von besonderer Brisanz ist sicherlich die starke Zunahme fremdenfeindlicher Gewalt- und Straftaten. Deren Zahl ist seit 1990 dramatisch angewachsen. Nach dem Negativrekord von weit über 10.000 fremdenfeindlich motivierten Straftaten im Jahr 1993 hatte es zwar vorübergehend den Anschein, als würden sich die gegen 'Ausländer' gerichteten Gewalt- und sonstigen Straftaten allmählich wieder verringern. Doch deren erneute Zunahme im vergangenen Jahr macht hinlänglich klar, daß es sich bei den fremdenfeindlichen Angriffen und Aktionen keineswegs um vorübergehende Phänomene handelt. Diese Entwicklung der Gewalt- und Straftaten steht teilweise in einem bemerkenswerten Kontrast zur längerfristigen Entwicklung der Meinungen und Einstellungen gegenüber 'Ausländern' beim Gros der deutschen Bevölkerung. Das geht aus der Analyse der Daten aus der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) hervor, die als die zuverlässigste Quelle für die Einschätzung solcher Entwicklungstrends eingeschätzt werden kann. Auf deren Grundlage zeigt sich, daß sich die Meinungen und Einstellungen der (West-) Deutschen gegenüber den zugewanderten Bevölkerungsgruppen seit 1980 insgesamt verbessert haben. Der Anteil derer, die diskriminierende Haltungen und Handlungen befürworten, ging deutlich zurück; gleichzeitig erhöhte sich der Anteil derjenigen, die solche Haltungen und Handlungen eindeutig ablehnen. Doch auch hier zeichnet sich neuerdings eine entgegengesetzte Entwicklung ab. Die Analyse der Daten aus der jüngsten ALLBUS-Erhebung von 1996 lassen jedenfalls im Vergleich zur Erhebung von 1994 eine beträchtliche Zunahme negativer Einstellungen gegenüber 'Ausländern' erkennen." (Textauszug)
[9-L] Gerhard, Wilfried:
Extremismusstudien, (SOWI-Arbeitspapier, Nr. 117), Strausberg: 1999, 32 S. (Standort: UuStB Köln(38)-990106232; Graue Literatur)
INHALT: "Im ersten Aufsatz (Extremismus in westlichen Gesellschaften) wird die These vertreten, daß der Extremismus in westlichen Gesellschaften nicht nur als Abweichung vom mainstream verstanden werden darf, sondern sich - unter normativer Perspektive - oft schon als Kennzeichen des main-stream zu erkennen gibt. Der zweite Aufsatz (Rechtsextremismus) lenkt den Blick unter anderem auf eine Spielart des Extremismus, die bislang einschlägigen Verdächtigungen entzogen war, nämlich die bildungsbürgerlich akzeptable Szene von New Age und Esoterik." (Autorenreferat)
[10-L] Gessenharter, Wolfgang:
Neue radikale Rechte, intellektuelle Neue Rechte und Rechtsextremismus: zur theoretischen und empirischen Neuvermessung eines politisch-ideologischen Raumes, in: Wolfgang Gessenharter / Helmut Fröchling <Hrsg.>: Rechtsextremismus und Neue Rechte in Deutschland: Neuvermessung eines politisch-ideologischen Raumes?, Opladen: Leske u. Budrich 1998, S. 25-66, ISBN: 3-8100-2053-2
INHALT: Es wird überprüft, inwieweit eine Neuvermessung des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland mit den bisher vorhandenen theoretischen, normativen und empirisch-methodischen Instrumenten gegenwärtig leistbar ist und welche dieser Instrumente dazu in welcher Weise konzipiert und angewendet werden sollen. Die Begrifflichkeiten zur Bezeichnung rechter Phänomene werden aus der Sicht der Alltagswelt, des Verfassungs- und Strafrechts und des wissenschaftlichen Diskurses definiert. Theoretische Ansätze und empirische Befunde zur "Neuen radikalen Rechten" werden vorgelegt. Sie betreffen Ansätze in der Bewegungsforschung, die Entwicklung auf der rechten Parteiebene, das Einstellungs- und Wählerpotential, das Gewaltpotential und die intellektuelle Neue Rechte. Dabei werden u.a. fließende Grenzen zum Konservatismus deutlich. Insgesamt wird der Blick vor allem auf die Kontext- bzw. Gelegenheitsstrukturen der Neuen radikalen Rechten gelenkt. (prf)
[11-L] Gessenharter, Wolfgang; Fröchling, Helmut (Hrsg.):
Rechtsextremismus und Neue Rechte in Deutschland: Neuvermessung eines politisch-ideologischen Raumes?, Opladen: Leske u. Budrich 1998, 290 S., ISBN: 3-8100-2053-2
INHALT: "Der Band führt sozialwissenschaftliche Analysen und Beiträge aus der amtlichen Verfassungsschutzsicht über Rechtsextremismus/ Neue Rechte zusammen. Diese Auseinandersetzung wird vor dem Hintergrund der ideologischen und sozialstrukturellen Veränderungen der letzten Jahre und den Erfahrungen aus anderen Ländern geführt. Ist mit den 45.000 Rechtsextremisten der deutsche Rechtsextremismus abgedeckt, wie dies als Information aus den meisten Verfassungsschutzämtern in die Öffentlichkeit gelangt? Dagegen argumentieren Kritiker, daß es nicht genüge, sich auf die organisierten und gewaltbereiten Personen und Gruppen zu beschränken, sondern man müsse auch die eher bewegungsförmigen Zusammenschlüsse und den gesellschaftlichen Resonanzboden, der bis in die Mitte der Gesellschaft reiche, berücksichtigen. Der Band vereint Beiträge zu beiden Positionen." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Einleitung: Wolfgang Gessenharter/ Helmut Fröchling: Rechtsextremismus und Neue (radikale) Rechte - Einladung zu einem Dialog (11-22); Wolfgang Gessenharter: Neue radikale Rechte, intellektuelle Neue Rechte und Rechtsextremismus: Zur theoretischen und empirischen Neuvermessung eines politisch-ideologischen Raumes (25-66); Wolfgang Cremer: Aspekte des verfassungsschützerischen Umgangs mit der Neuen Rechten (69-76); Armin Pfahl-Traughber: Die Erben der "Konservativen Revolution". Zu Bedeutung, Definition und Ideologie der "Neuen Rechten" (77-95); Fritz-Achim Baumann: Die Neue Rechte aus der Sicht des Verfassungsschutzes (97-106); Hartmut Ferse: Die Neuen Rechten - Herausforderungen für den Rechtsstaat. Essay aus der Sicht eines Verfassungsschützers (107-117); Helmut Fröchling: Die Neue Rechte im Fokus des Verfassungsschutzes (119-137); Wolfgang Cremer: Stellungnahme zu dem Beitrag von Helmut Fröchling (139-143); Christoph Butterwegge: Abschied vom Sozialstaat: Standortnationalismus und Wohlstandschauvinismus als geistig-politische Anknüpfungspunkte des Rechtsextremismus (147-161); Walter Hanesch: Krise der Erwerbsarbeit - Abschied vom Sozialstaat? (163-187); Hans-Gerd Jaschke :Fremdenfeindliche Tendenzen in der Polizei. Anmerkungen zu einem umstrittenen Phänomen (191-209); Werner Bergmann/ Rainer Erb:Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus in Deutschland. Ergebnisse der Einstellungsforschung Mitte der 90er Jahre (211-224); Reinhold Gärtner: Neurechter Populismus in Österreich - "Vorbild" für Deutschland? (227-239); Ruud Koopmans: Die Neue Rechte in den Niederlanden - oder: warum es sie nicht gibt (241-252); Michael Minkenberg: Die Erneuerung der radikalen Rechten in westlichen Demokratien: USA, Frankreich und Deutschland im Vergleich (253-279).
[12-F] Gianni, Matteo (Bearbeitung); Ossipow, William (Leitung):
Racisme et xenophobie dans l'espace public et dans le cyberspace
INHALT: keine Angaben GEOGRAPHISCHER RAUM: Suisse; mais elle a aussi une dimension internationale de par l'attention que nous portons a Internet
METHODE: Le courrier des lecteurs, les editoriaux ainsi qu'une partie du materiel collecte sur Internet, seront etudies par les instruments de l'analyse du discours (plus specifiquement: analyse semantique, analyse structurelle et analyse pragmatique). Le but etant de reconstituer et de typologiser les themes et les strategies discursives qui sont a la base des discours racistes et xenophobes constituant notre corpus. Il est important de preciser que la constitution du materiel empirique sera faite en vertu du principe de saturation du corpus. Ceci signifie que le corpus d'analyse est considere comme etant representatif du moment ou toute nouvelle observation n'apporte pas un complement d'information significatif a l'analyse. Par la suite, nous adopterons la theorie du developpement moral de Kohlberg ainsi que les outils de la theorie de la citoyennete pour analyser les resultats dans une optique plus normative. Recueil de donnees: analyse de contenu: ouverte.
ART: gefördert BEGINN: 199706 ENDE: 199906 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung
INSTITUTION: Universite de Geneve, Faculte des Sciences Economiques et Sociales, Departement de Science Politique (102 Bourlevard Carl-Vogt, CH-1211 Geneve)
[13-F] Hocke, Peter, Dipl.-Pol. (Bearbeitung); Neidhardt, Friedhelm, Prof.Dr.; Rucht, Dieter, PD Dr. (Leitung):
Dokumentation und Analyse von Protestereignissen in der Bundesrepublik, 1950-1993 ("Prodat")
INHALT: Das Projekt erhebt und analysiert umfassend quantitative Daten zu Protestereignissen seit Bestehen der Bundesrepublik. Das Kernprojekt (Prodat 1) stützt sich bei der Datenerhebung auf zwei bundesweite Tageszeitungen. Ein Zusatzprojekt (Prodat 2) prüft die in Prodat 1 gewonnenen Daten hinsichtlich ihrer Vollständigkeit und spezifischen Selektivität anhand einer Lokalerhebung (Freiburg) und einer issuebezogenen Erhebung (Rechtsradikalismus/ Ausländerfeindlichkeit). Die Datenbank, die auch externen Nutzern zur Verfügung gestellt wird, dient (a) Längs- und Querschnittsanalysen von Protestereignissen, (b) der Verknüpfung mit komplementären Datensätzen zur Klärung der Ursachen und Wirkungen von Protest und (c) der Analyse von Themenzyklen und Selektivitätskriterien von Tageszeitungen. ZEITRAUM: 1950-1993 GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland (ab 1.1.1989 auch DDR bzw. neue Bundesländer)
METHODE: Untersuchungsdesign: Trend, Zeitreihe. DATENGEWINNUNG: Inhaltsanalyse, standardisiert ("Frankfurter Rundschau" und "Süddeutsche Zeitung", je Montagsausgabe und die Ausgaben von Dienstag bis Samstag jeder vierten Woche - bisherige Fallzahl: ca. 9.000 Protestereignisse, geplante Fallzahl: ca. 11.000 Protestereignisse).
VERÖFFENTLICHUNGEN: Rucht, D.: Politischer Protest in der Bundesrepublik Deutschland. Ein Überblick. in: Forum für interdisziplinäre Forschung, 17, 1996, S. 67-88.
ART: gefördert BEGINN: 199201 ENDE: 199712 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH (Reichpietschufer 50, D-10785 Berlin)
KONTAKT: Rucht, Dieter (PD Dr. Tel. 030-25491-306, Fax. 030-25491-308)
[14-L] Kohlstruck, Michael:
Unser Rechtsextremismus, in: Leviathan, Jg. 27/1999, H. 4, S. 469-478 (Standort: UuStB Köln(38)-XG01679; Kopie über Literaturdienst erhältlich)
INHALT: In den Sozialwissenschaften wird der Begriff Rechtsradikalismus bzw. -extremismus weit gefaßt und von den verschiedenen Schulen uneinheitlich verwendet. Für die meisten Autoren gehören jedoch die folgenden Elemente zum rechtsextremen Syndrom: Ethnozentrismus, Nationalismus, Antidemokratie, Ausländerfeindlichkeit, Autoritarismus, Antipluralismus, Antisemitismus, Rassismus und die Vorstellung von einer "Volksgemeinschaft". Für den praktischen Umgang mit dem Rechtsradikalismus plädiert der Autor für eine weniger vereinheitlichende als differenzierende Perspektive. Für ihn hat der Extremismusbegriff des heutigen Sprachgebrauchs gleichsam die Nachfolge des "Verfassungsfeind"-Begriff der 70er Jahre angetreten, "ein Peilgerät für die Innenfeindsuche". Im "Kampf gegen Rechts" hört der Primat der Politik auf. Er hat eher den Charakter einer Gesellschaftshygiene, die nach dem Motto "Wehret den Anfängen" Epidemien einzudämmen sucht. Der Autor plädiert dafür, dass auch die Rechtsradikalen prinzipiell als Mitbürger angesehen werden, die keineswegs deswegen, weil man sie verachtet oder scharf ablehnt, von unserer politischen Kultur durch eine unüberbrückbaren Abgrund getrennt sind. (ICA)
[15-L] Körper, Rudolf:
Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit: politische Gegenstrategien, in: Friedrich-Ebert-Stiftung Forschungsinstitut Abt. Arbeit und Sozialpolitik <Hrsg.>: Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit im vereinten Deutschland: Erscheinungsformen und Gegenstrategien, Bonn: 1999, S. 13-32, ISBN: 3-86077-788-2 (Standort: UuStB Köln(38)-20000106081; Graue Literatur)
INHALT: Der Autor zeichnet ein aktuelles Bild zur Lage des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland, besonders jedoch in Ostdeutschland. Schwerpunkt seiner Ausführungen sind die politischen Möglichkeiten, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zu bekämpfen. 1998 ereigneten sich in Ostdeutschland bei 21 v.H. Anteil an der Gesamtbevölkerung rund 46 Prozent aller Gewalttaten, 1999 sind es 51 Prozent. Als Gegenstrategie verweist der Autor u.a. auf Information und Aufklärung der Gesellschaft über die Gefahren der Fremdenfeindlichkeit und auf die gesetzlichen Regelungen wie das Verbot einer Partei durch das Bundesverfassungsgericht gemäß Art. 21 Abs. 266 und Art. 1866, der den Ausspruch der Grundrechtsverwirkung durch das Bundesverfassungsgericht regelt. (ST)
[16-L] Mahdavi, Roxana:
Auf der vergeblichen Suche nach Widerstand: eine Betrachtung des psychologischen Veröffentlichungen zum Phänomen des Rassismus von 1989 bis 1996, in: Wilhelm Kempf; Irena Schmidt-Regener <Hrsg.>: Krieg, Nationalismus, Rassismus und die Medien, Münster: Lit Verl. 1998, S. 133-142, ISBN: 3-8258-3592-8
INHALT: Anhand der Auswertung psychologischer Fachliteratur aus den Jahren 1989 bis 1996 untersucht die Autorin die Position der Psychologie zu dem gegenwärtigen Phänomen des Rassismus. Erkenntnisleitend waren die Fragen: 1. was thematisieren die Texte; 2. wie problematisieren sie es, bzw. welche Problematisierungsfiguren lassen sich im bezug auf die thematisierten Fragen herausstellen; 3. welche Aussagen machen sie danach. Die Auswertung der "Psyndex"-Bibliographie zeigte zunächst das "Verschwinden kritischer Texte" zum Thema nach 1989 und eine plötzliche Zunahme 1993. Ab 1993 kristallisierten sich in den Veröffentlichungen drei Schwerpunkte der Problematisierungsfiguren und Aussagen, die in dem Beitrag dargestellt werden: 1. "Fremdenfeindlichkeit/ Fremdenangst" wird als Ausdruck innerer Problemlagen begriffen, rassistische Taten als Ausnahmefall oder Ausrutscher. 2. Das Eigene und das Fremde" thematisiert die Andersartigkeit und stellt somit das Andere zur Verfügung. 3. "Jugend und Gewalt" erfährt die häufigste Thematisierung. Rassismus wird dabei infantilisiert und Gewalttaten als obligatorischer Entwicklungsprozeß dargestellt. Die Analyse der Literatur stellt sich somit als die "vergebliche Suche nach Widerstand gegen das Phänomen des Rassismus" dar. (PT)
[17-F] Morgenthaler, Beatrice, M.A. (Bearbeitung); Eder, Klaus, Prof.Dr. (Betreuung):
Konjunkturen des Rechtsextremismus
INHALT: Konjunkturen des Rechtsextremismus in der BRD vor dem Hintergrund der politischen Kultur untersuchen; feststellen, ob es solche Konjunkturen auch in der DDR gab, Archivstudien; Erklärung des gefundenen Sachverhalts vor dem Hintergrund der politischen Systeme; Entwicklung eines neuen Modells zur Erklärung des Rechtsextremismus in Deutschland. ZEITRAUM: ab 1945 GEOGRAPHISCHER RAUM: Deutschland
METHODE: Theorie der sozialen Bewegungen; vergleichender Ansatz.
ART: Dissertation ENDE: 199912 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Wissenschaftler
INSTITUTION: Humboldt Universität Berlin, Philosophische Fakultät 03, Institut für Sozialwissenschaften Lehrstuhl Vergleichende Strukturanalyse Prof.Dr. Eder (Unter den Linden 6, D-10099 Berlin)
KONTAKT: Bearbeiterin (e-mail: beatrice.morgenthaler@rz.hu-berlin.de)
[18-F] Müller, Joachim, Dr. (Bearbeitung):
Täteranalysen bei ethnisch motivierter Gewalt
INHALT: Das Projekt hat die Ursachen der ethnisch-motivierten Gewalt untersucht, die sich z.T. auch in organisatorisch rechtsextremistischer Gestalt in Deutschland gezeigt hat. Die empirische Studie basiert auf der Auswertung einer Umfrage unter 3.400 Jugendlichen, 172 Strafverfahren und 48 Intensivinterviews mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die aufgrund von Gewaltdelikten verurteilt worden sind. Untersucht wurden die Gewaltsituationen, die biographischen Hintergründe und das politisch-ideologische Umfeld. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Frage, welche Rolle die Bestrafung für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen spielt.
METHODE: keine Angaben DATENGEWINNUNG: Umfrage (Stichprobe: 3.400; Jugendliche. Stichprobe: 172; Strafverfahren. Stichprobe: 48; Intensivinterviews mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die aufgrund von Gewaltdelikten verurteilt worden sind).
VERÖFFENTLICHUNGEN: keine Angaben ARBEITSPAPIERE: Müller, Joachim: Täterprofile. Hintergründe rechtsextremistisch motivierter Gewalt. Wiesbaden 1997.
ART: gefördert AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Bundesministerium der Justiz Dienststelle Bonn
INSTITUTION: Universität Bielefeld, Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (Universitätsstr. 25, D-33501 Bielefeld)
KONTAKT: Bearbeiter
[19-L] Müller, Joachim:
10 Jahre nach dem Fall der Mauer: Rechtsextremismus in Deutschland, in: Hrsg.: Gemeinschaftswerk der Evang. Publizistik e.V. (GEP): Konflikte in Deutschland - zehn Jahre nach dem Fall der Mauer, Frankfurt am Main: 1999, S. 29-37 (Standort: UuStB Köln(38)-990106227; Graue Literatur)
INHALT: Ausgehend von der Berichterstattung in den Medien über rechtsextremistisch motivierte Straftaten stellt der Autor fest, dass einer abnehmenden Berichterstattung in den Jahren 1991 bis 1994 eine steigende Zahl von Straftaten 1997 gegenübersteht, wobei die Straftat-Höchstmarke von 1993 sogar übertroffen wurde. Erörtert werden allgemeine Gründe für die Entstehung des Rechtsextremismus in Deutschland sowie seine aktuellen Erscheinungen. Davon ausgehend untersucht der Autor die speziellen Zusammenhänge zwischen Jugend- und Rechtsextremismus und die Gründe, weshalb für viele Jugendliche Gewalt attraktiv ist. Herausgearbeitet wird dabei, dass ein wesentlicher Bedingungsfaktor rechtsextremistisch motivierter Gewalt-Eskalation die Normalisierung von Fremdenfeindlichkeit in Teilen von Politik und Bevölkerung und die dadurch erleichterte Legitimation solcher Gewalt darstellt. Der Autor verweist abschließend auf pädagogische und politische Konsequenzen mit dem Hinweis auf die beste Prävention gegen Rechtsextremismus und Gewalt, nämlich "das Aufwachsen in einer Welt, in der zu leben sich lohnt". (prh)
[20-F] Nicklas, Hans, Prof.Dr.; Ostermann, Änne, Dr. (Leitung):
Rechtsextremismus
ART: Eigenprojekt AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Institution
INSTITUTION: Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung -HSFK- (Leimenrode 29, D-60322 Frankfurt am Main)
KONTAKT: Sieber, Helga (Tel. 069-959104-0, Fax. 069-558481, e-mail: hsfk@em.uni-frankfurt.de)
[21-L] Pfahl-Traughber, Armin:
Rechtsextremismus in der Bundesrepublik, (Beck'sche Reihe : Wissen, 2112), München: Beck 1999, 123 S., ISBN: 3-406-43312-X
INHALT: "Dieses Buch gibt eine zusammenfassende Einführung in die Geschichte und Gegenwart des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Dabei geht es im Bereich der Politik um die Entwicklung rechtsextremistischer Parteien, dann um die Darstellung eines kulturellen Rechtsextremismus, der häufig nicht gesondert zur Kenntnis genommen wird. Der aktionsorientierte Rechtsextremismus in Gestalt der Neonazis steht danach im Mittelpunkt. Eng damit verbunden sind Gewaltbereitschaft und Gewaltanwendung. Hier wird auch die Gefahr eines rechtsextremistischen Terrorismus thematisiert. Gesondert von diesen Phänomenen untersucht das Buch, inwieweit in der Bevölkerung rechtsextremistische Einstellungen verbreitet sind. Abschließend liefert der Autor noch einen zusammenfassenden Überblick der Ursachenanalyse in der wissenschaftlichen Diskussion und Forschung. Der Band bietet eine verständliche Einführung ins Thema und gibt Anregungen für eine intensivere Beschäftigung." (Autorenreferat)
[22-F] Pilz, Gunter A., Dr.phil. (Bearbeitung):
Rechtsextremistische, fremdenfeindliche Trends in der Fußballfan- und Hooliganszene
INHALT: In den letzten Jahren ist eine Zunahme rechtsextremistischer, fremdenfeindlicher Tendenzen im Umfeld von Fußballspielen zu beobachten. Diese Handlungen werden zunehmend von jungen Menschen begangen, die nicht zu den Modernisierungsverlierern gehören. Was sind die Ursachen/ Beweggründe? Gibt es Zusammenhänge/ Verbindungen mit dem organisierten Rechtsextremismus? Erste Ergebnisse deuten daraufhin. Welche Möglichkeiten präventiver und repressiver Art bieten sich an? ZEITRAUM: 1997-1999 GEOGRAPHISCHER RAUM: Hannover
METHODE: Untersuchungsdesign: Trend, Zeitreihe. DATENGEWINNUNG: Aktenanalyse, offen. Beobachtung, teilnehmend (Fußballfans und Hooligans von Hannover 96). Feldarbeit durch Mitarbeiter/-innen des Projekts.
ART: Eigenprojekt BEGINN: 199708 ENDE: 199907 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Institution
INSTITUTION: Universität Hannover, FB Erziehungswissenschaften, Institut für Sportwissenschaft (Am Moritzwinkel 6, D-30167 Hannover)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 05144-92645, e-mail: GunterA.Pilz@t-online.de)
[23-L] Schad, Ute:
Vorurteile über den alltäglichen Rassismus - rechtsradikale Jugendliche im großen Strom, in: Deutsche Jugend, Jg. 46/1998, H. 11, S. 478-486
INHALT: Mit populären, aber grob vereinfachenden Ansichten über das Ausmaß von Rassismus und Rechtsextremismus in Deutschland, also mit Vorurteilen über den alltäglichen Rassismus, die eine produktive Auseinandersetzung behindern, beschäftigt sich die Autorin in diesem Beitrag. Bei der Analyse der Ursachen für Rechtsextremismus versucht sie, Mythos und Wirklichkeit auseinanderzuhalten, indem sie beispielsweise darauf hinweist, daß weder höhere Schulbildung noch höherer sozialer Status gegen Rechtsradikalismus immunisieren. Sie sieht vielmehr in der Verbindung zwischen dem Rassismus leistungs- und konkurrenzorientierter Eliten und den Ressentiments derer, die sich zu Recht oder Unrecht als die Zukurzgekommenen betrachten, einen gesellschaftspolitischen Sprengstoff. Der durchaus konflikthafte Alltag in einer multikulturellen Gesellschaft stellt eine permanente Herausforderung für die Jugend- und Bildungsarbeit dar. Jeder Versuch pädagogischer Prävention steht jedoch auf tönernen Füssen, solange das soziale und politische Umfeld ein Klima der aggressiven Ausmerzung und Konkurrenz eher verstärkt als ihm aktiv entgegenwirkt. (DJI/Sd)
[24-L] Schmidt, Peter; Heyder, Aribert:
Wer neigt zu autoritärer Einstellung und Ethnozentrismus, die Ost- oder die Westdeutschen?: eine Analyse mit Strukturgleichungsmodellen, in: Richard Alba, Peter Schmidt, Martina Wasmer <Hrsg.>: Deutsche und Ausländer: Freunde, Fremde oder Feinde?: empirische Befunde und theoretische Erklärungen, Opladen: Westdt. Verl. 2000, S. 439-483, ISBN: 3-531-13491-4
INHALT: Nach der deutschen Wiedervereinigung begann im Zusammenhang mit den ansteigenden Gewalttätigkeiten gegen Ausländer eine Debatte, ob es, bedingt durch die vormals verschiedenen politischen Systeme in Ost- und Westdeutschland und die damit verbundenen unterschiedlichen Sozialisationsverläufe ein stärkeres Ausmaß ehtnozentristischer Orientierungen im Osten Deutschlands gibt. Der Beitrag greift diese Fragestellung auf und versucht, sie anhand von ALLBUS-Daten aus dem Jahre 1996 differenziert zu beantworten. Der Hauptaugenmerk liegt dabei auf kausalen Beziehung zwischen autoritärer und ethnozentrischer Einstellung. Die Frage, wer eher zu einer autoritären Einstellung neigt, wird wie folgt beantwortet: Sowohl das Niveau autoritärer Einstellungen als auch das Maß der Idealisierung der eigenen Nation unterscheiden sich in Ost- und Westdeutschland kaum voneinander. Hingegen ist Antisemitismus in Westdeutschland stärker verbreitet, andererseits ist Ausländerdiskriminierung im Osten häufiger anzutreffen. (ICA)
[25-L] Stöss, Richard:
Rechtsextremismus in West- und Ostdeutschland, in: Friedrich-Ebert-Stiftung Forschungsinstitut Abt. Arbeit und Sozialpolitik <Hrsg.>: Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit im vereinten Deutschland: Erscheinungsformen und Gegenstrategien, Bonn: 1999, S. 33-42, ISBN: 3-86077-788-2 (Standort: UuStB Köln(38)-20000106081)
INHALT: Kennzeichnend für den Rechtsextremismus in Westdeutschland ist seine Organisationsvielfalt, während in Ostdeutschland Rechtsextremismus durch subkulturellen Protest gekennzeichnet ist. Der Autor gibt in seinem Beitrag einen Überblick über Rechtsextremismus in West- und Ostdeutschland und konzentriert sich auf wesentliche Merkmale dieses Phänomens sowie auf seine Entwicklungsgeschichte seit 1990. (ST)
[26-F] Strobl, Rainer, Dr.; Hüttermann, Jörg, Dr.; Klemm, Jana (Bearbeitung):
Das Interaktionsgeflecht lokaler Akteure und die Normalisierung rechtsextremistischer Gewalt in ostdeutschen Städten
INHALT: Das Projekt thematisiert die rechtsextremistische Gewalt in Ostdeutschland. Dabei setzt es analytisch weder bei den makrosozialen Bedingungen der Entstehung noch bei den mikrosozialen Varianten biographischer Ursachen an. Statt dessen richtet sich das wissenschaftliche Interesse auf die Mesoebene der sozialräumlichen Kontexte von Städten, in denen eine öffentlich sichtbare illegitime und die demokratischen Grundwerte sowie die Integrität ausgewählter Personen und Gruppen verletzende oder zerstörende Macht durchgesetzt werden soll. Da sich empirisch gezeigt hat, daß in manchen Städten solche Bestrebungen erfolgreich sind, während sie in anderen Städten auf Widerstand stoßen, steht im Zentrum der Untersuchung die Frage, welche lokalen Akteure, seien es u.a. Kontrollinstanzen, sozialisatorische Institutionen, Parteien oder Medien, im politischen Interaktionskontext ausgewählter Städte für die Sicherung der Verbindlichkeit von Rechtsnormen eintreten, wie sie zusammenwirken oder auch ambivalente oder gegenläufige Aktivitäten zeigen. Neben dem wissenschaftlichen Interesse an der Aufhellung von Interaktionsdynamiken werden auch Ergebnisse zur praktischen Beratung von Akteuren für den Aufbau einer "reaktionsfähigen Stadtgesellschaft" in ostdeutschen Städten erwartet. GEOGRAPHISCHER RAUM: Brandenburg, Thüringen
METHODE: Die methodische Umsetzung erfolgt mit Hilfe qualitativer Methoden zur Analyse der Handlungsweisen, Handlungslogiken und Interaktionsmuster der staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteure. Als Forschungsstrategie dient die "Grounded Theory". Dieser methodische Ansatz soll die Untersuchung in zwei ostdeutschen Städten mit unterschiedlichem Problemprofil anleiten. Untersuchungsdesign: mehrjährige Feldforschung. DATENGEWINNUNG: Qualitatives Interview; Inhaltsanalyse, offen; Beobachtung, teilnehmend (theoretisches Sampling). Feldarbeit durch Mitarbeiter/-innen des Projekts.
ART: gefördert BEGINN: 199912 ENDE: 200212 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Volkswagen Stiftung
INSTITUTION: Universität Bielefeld, Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (Universitätsstr. 25, D-33501 Bielefeld)
KONTAKT: Strobl, Rainer (Dr. Tel. 0521-106-3130, e-mail: rainer.strobl@uni-bielefeld.de)
[27-F] Wahl, Klaus, PD Dr.Dr.; Tramitz, Christiane, Dr.; Blumtritt, Jörg; Gassebner, Martina (Bearbeitung):
Fremdenfeindlichkeit - Täterstudien. Studien zu Struktur, biographischen Hintergründen und Motivationen fremdenfeindlicher und rechtsextremistischer Tatverdächtiger und Straftäter in Deutschland
INHALT: Was für Personen sind fremdenfeindliche Straftäter? Welche individuellen Besonderheiten weisen sie auf? Welchen sozialen Hintergründen entstammen sie? Was charakterisiert die biographischen Etappen, was die Weichenstellungen, die zu fremdenfeindlichen Einstellungen und Gewalttaten führen? Auf solche Fragen versucht ein Verbund von drei Forschungsprojekten Antworten zu geben, die für die Prävention wichtig sind. Fremdenfeindliche und rechtsextremistische Straftaten waren 1997 im Vergleich zum Vorjahr um 37 Prozent angestiegen. In Anbetracht dessen beschloß das Bundesministerium des Inneren (BMI) in Absprache mit den Innenministern und Justizministern der Länder, die von Helmut Willems et al. an der Universität Trier bereits 1991-93 im Auftrag des BMI durchgeführte Analyse zu fremdenfeindlich motivierten Straftätern zu wiederholen und zu vertiefen. GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland
METHODE: Die Untersuchung besteht aus drei Teilprojekten, die beiden ersten sind Replikationen der früheren Studie: 1. Analyse der polizeilichen Ermittlungsakten zu fremdenfeindlichen, antisemitischen und rechtsextremistischen Tatverdächtigen im Jahre 1997. Das geschieht auf der Basis einer bundesweiten Vollerhebung (5.941 Personen im Jahre 1997) sowie einer Stichprobe von ca. 1.200 polizeilichen Ermittlungsakten im Bereich der rechtsextremistisch motivierten Propagandadelikte (Paragraphen 86, 86a StGB) für die Monate Mai und August 1997. Ziel der Analyse ist es, Informationen über die Tatmotive und die Struktur dieser Tatverdächtigen und Straftäter zu erlangen (Alter, Bildungsstatus, Erwerbstatus, Gruppen- und Organisationszugehörigkeit usw.) Zusätzlich sollen etwaige Veränderungen im Vergleich mit der base-line Studie von Willems et al. ermittelt werden (Klaus Wahl, Christian Peucker, Martina Gaßebner). 2. Analyse von Gerichtsakten über 1997 und 1998 verurteilte fremdenfeindliche, antisemitische und rechtsextremistische jugendliche Straftäter. Aus den Urteilsschriften, Stellungnahmen von Staatsanwälten, Gutachten usw. werden dezidiertere Informationen über biographische Hintergründe, familiale Kontexte, Gruppenbezüge und die Bedeutung fremdenfeindlicher und rechtsextremistischer Ideologien erwartet. Die Texte werden in Anlehnung an die seinerzeit von Willems et al. entwickelte Täter-Typologie ausgewertet. Auch hier gilt besonderes Augenmerk den möglichen Veränderungen seit Anfang der 90er Jahre (Klaus Wahl, Christian Peucker, Martina Gaßebner). 3. Qualitativ vertiefte biographische Analyse von Persönlichkeiten fremdenfeindlicher Gewalttäter. Bei ca. 100 fremdenfeindlichen jungen Straftätern werden biographische Tiefeninterviews und eine Reihe von Tests durchgeführt. Themen sind die Lebensgeschichte, die Familien- und die Gruppeneinflüsse. Insbesondere interessiert die Entstehung und die Wirkung der Emotionen bei der Motivation fremdenfeindlicher Gewalt. Diese Untersuchung ist ein Verbundprojekt des Deutschen Jugendinstituts (Klaus Wahl), der Universität Jena (Wolfgang Frindte und Mitarbeiter) und der Universität München (Christiane Tramitz und Mitarbeiter).
VERÖFFENTLICHUNGEN: Europäische Kommission, Vertretung in München/ Deutsches Jugendinstitut: Dokumentation der Tagung "Fremde - Freunde - Feinde: Interkulturelle Beziehungen und Fremdenfeindlichkeit von Jugendlichen" Leipzig, 9.12.1997.+++Wahl, K.: Youth violence and interethnic aggression in Germany. in: Korea Institute for Youth Development (ed.): Youth violence - cross-cultural comparison and international cooperation. Seoul: KIYD 1997, pp. 142-163.+++Ders.: Sozioökonomische Modernisierung als Potential für Gewalt und Fremdenfeindlichkeit? in: Silva-Zürcher, Eliane; Zürcher, Alfons (Hrsg.): Perspektiven des Abbaus sozialer Gewalt in Deutschland und Brasilien. Ein interkultureller Dialog. Regensburg: Roderer 1998, S. 103-116.
ART: gefördert BEGINN: 199904 ENDE: 200011 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Bundesministerium des Innern Dienstsitz Bonn; Volkswagen Stiftung
INSTITUTION: Deutsches Jugendinstitut e.V. Abt. 03 Jugend und Politik (Nockherstr. 2, D-81503 München)
KONTAKT: Wahl, Klaus (Dr. Tel. 089-62306-128, e-mail: wahl@dji.de)
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