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[35-F] Backes, Otto, Prof.Dr. (Bearbeitung):
Fremdenfeindliche Gewalt in der Polizei
INHALT: Das Projekt untersucht mittels teilnehmender Beobachtung und schriftlicher wie mündlicher Interviews in verschiedenen Stadtteilen und Polizeirevieren Hamburgs das Ausmaß und die Entstehungsbedingungen fremdenfeindlicher Verhaltensweisen. Dabei konzentriert sich die Forschung auf die strukturellen Bedingungen der Polizei, die Alltagsbedingungen in den Revieren und das individuelle Verhalten. Dabei geht sie von der Annahme aus, daß die Probleme des Verhaltens von Polizeibeamten gegenüber Fremden nicht dadurch bearbeitet werden können, indem einfach nur Informationen über Fremde angeboten werden, denn Belehrungen kommen gegen Erfahrungen nicht an. Wesentlich sind dabei Ansätze, die Mechanismen der Entstehung und Wirkungsweise von Wahrnehmung und Kategoriebildung umfassen, mit denen Erfahrungen gedeutet werden. Eine Konzeption zur Bearbeitung fremdenfeindlicher Sicht- und Verhaltensweisen wird immer im Zusammenhang des polizeilichen Alltags und den dort ablaufenden Konflikten zu sehen sein.
METHODE: keine Angaben DATENGEWINNUNG: Beobachtung, teilnehmend. Befragung, schriftlich; Befragung, mündlich.
VERÖFFENTLICHUNGEN: keine Angaben ARBEITSPAPIERE: Backes, Otto; Biek, Thomas; Dollase, Rainer; Heitmeyer, Wilhelm; Meyer, Jörg; Spona, Dagmar; Wilkening, Frank: Risikokonstellationen im Polizeialltag. Ergebnisse einer empirischen Untersuchung zum Verhältnis von Polizei und Fremden in Konfliktsituationen. Bielefeld 1997.
ART: gefördert AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Land Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Inneres
INSTITUTION: Universität Bielefeld, Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (Universitätsstr. 25, D-33501 Bielefeld)
KONTAKT: Bearbeiter
[36-F] Basic, Natalija; McCune, Nina (Bearbeitung):
"Ich war sehr betroffen, gerade in Lübeck ...". Reaktionsformen auf die Brandanschläge in Lübeck
INHALT: Der Brand in der Lübecker Hafenstraße im Januar 1996 schreckte auf: zu hell brannte das Asylbewerberheim, es gab zu viele Tote, um darüber im üblichen Nachrichtenstil "Brand in ... Ausländerfeindliche Hintergründe sind nicht feststellbar" zu berichten. Hier war es anders. Der Brand konnte in eine Serie von Bränden eingeordnet werden. Zu offensichtlich schien, daß es sich erneut um einen rassistischen Anschlag neonazistischer Gruppen gehandelt hatte. Die Überraschung bot die Staatsanwaltschaft: Sie ließ die zunächst verdächtigen (ost)deutschen Jugendlichen frei und verhaftete einen Hausbewohner. In einer Befragung sollte geklärt werden, wie einzelne Bürger mit dem Geschehen umgehen und wie das Ereignis normalisiert wird. Hierfür wurden Lübecker aus verschiedenen sozialen Bereichen, Alters- und Geschlechtsgruppen und Nationalitäten über den Brand befragt. Zwölf Gespräche wurden zur Textanalyse mit dem Tonband protokolliert und transkribiert. Herausgearbeitet wurden Umgangsformen, Erklärungs- und Deutungsmuster für die Gewalttaten, bei denen Flüchtlinge/ Asylsuchende ums Leben kamen. Das Interesse der Gesprächspartner galt nicht so sehr den Tätern, es ging ihnen vor allem um das Problem des Verhältnisses von Mehrheit und Minderheit. Zu erkennen war doppelter Zorn: Den Bürgern war etwas angetan worden, und sie hatten nun das Problem, damit leben zu müssen. Das Ergebnis der Untersuchung zeigt verschiedene Umgangsformen mit der Trauer, die in fast allen Gesprächen in der Argumentation und in der Wortwahl "verrutschten". Die Einzelporträts lassen vier Typen unterscheiden: Korrektur-, Verständnis-, Skandal- und Progreßtyp. GEOGRAPHISCHER RAUM: Lübeck
VERÖFFENTLICHUNGEN: keine Angaben ARBEITSPAPIERE: "Ich war sehr betroffen, gerade in Lübeck ...". Reaktionsformen auf die Brandanschläge in Lübeck. Bericht.
ART: keine Angabe AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Hamburger Institut für Sozialforschung (Mittelweg 36, D-20148 Hamburg)
[37-F] Behrend, Manfred, Dr. (Bearbeitung):
Rechtsextremismus und (Neo)Faschismus in Deutschland. Parteien und Bewegungen in Bundesrepublik Deutschland und DDR. Sozialismus, Stalinismus, deutsche und internationale Arbeiterbewegung
INHALT: Ursachen des Rechtsextremismus/ (Neo)faschismus, ihn begünstigende oder hemmende Umstände; Organisationen, Gruppen, Vorläufer und Aktivitäten; rechtsextreme/ (neo)faschistische Ideologie, darunter Fremdenfeindlichkeit und Rassismus; Gründe für das Versagen von Staat und Justiz gegenüber den Gefahren von rechts; Voraussetzungen für wirksamen Antifaschismus; Parteien und Bewegungen in Bundesrepublik Deutschland und DDR; Sozialismus, Stalinismus, deutsche und internationale Arbeiterbewegung. ZEITRAUM: ab 1945 bzw. ab 1917 GEOGRAPHISCHER RAUM: Deutschland, insbesondere Ostdeutschland und international
METHODE: Entgegen amtlicher Darstellung wurden Rechtsextremismus/ (Neo)faschismus nach 1945 in West und Ost nicht überwunden. Es ist zu ergründen, warum - auch um diese Erscheinungen eindämmen und zurückdrängen zu können. Dokumentenanalyse; Literaturstudium; statistisches Material. DATENGEWINNUNG: Dokumentenanalyse.
VERÖFFENTLICHUNGEN: Behrend, M.: East German political parties and movements before and after the fall of the GDR. in: Behrend, Hanna (ed.): German unification. The destruction of an economy. London, East Haven: Pluto Press 1995, pp. 35-79.+++Ders.: Franz Josef Strauß. Eine politische Biographie. Köln: Neuer ISP-Verl. 1995, 368 S.+++Ders.: Franz Josef Strauß - ein bemerkenswerter Konservativer. Vorstellung eines Buches. in: Hintergrund, 1996, H. 1, S. 6-20.+++Ders.: DDR-Bürgerrechtsbewegungen vom Aufschwung bis zum ruhmlosen Ende. in: Arbeiterstimme, Jg. 25, 1996, Nr. 112, S. 21-32.+++Ders.: Traditionslinien des demokratischen Sozialismus. in: Bisky, Lothar; Czerny, Jochen; Mayer, Herbert; Schumann, Michael (Hrsg.): Die PDS - Herkunft und Selbstverständnis. Eine politisch-historische Debatte. Berlin: Dietz Verl. 1996, S. 138-142.+++Ders.: SED und KPD-Opposition. in: Arbeiterstimme, Jg. 25, 1996, Nr. 113, S. 26-28.+++Ders.: Luxemburg-Rezeption zu DDR-Zeiten und eine neue Biographie über die große sozialistische Revolutionärin. in: Arbeiterstimme, Jg. 25, 1996, Nr. 113, S. 31-33.+++Ders.: Die Kampagne wird fortgesetzt. Neues aus den Weissenseer Blättern. in: Hintergrund, Jg. 9, 1996, Nr. 3, S. 43-48.+++Ders.: Rückt die PDS nach rechts? Entwicklungen im Jahre 1996. in: Arbeiterstimme, Jg. 25, 1996, Nr. 114, S. 19-25.+++Ders.: Erste Tagung des 5. PDS-Parteitages in Schwerin. in: Arbeiterstimme, Jg. 26, 1997, Nr. 115, S. 15-19.+++Ders.: Einleitung. in: Arbeitskreis kritischer MarxistInnen (Hrsg.): Beiträge zur Stalinismus-Diskussion. Edition kritischer Marxismus, Bd. 1. Berlin: Weist 1997, S. 9-13.+++Ders.: Überlegungen zum Stalinismuskomplex. in: ebd., S. 15-19.+++Ders.: Der falsche Weg. Ehrenretter des Stalinismus und ihr Geschichtsbild. in: ebd., S. 117-130.+++Ders.: "In Spanien stand's um unsre Sache schlecht...". 60 Jahre nach dem Barrikadenkampf in Barcelona. in: Hintergrund, Jg. 10, 1997, Nr. 1, S. 36-60.+++Ders.: Ein fast unbekannter kritischer Marxist. in: Hintergrund, Jg. 10, 1997, Nr. 2, S. 46-53.+++Ders.: Stalins Konterrevolution in Spanien und er gescheiterte Schauprozeß von Barcelona. in: Utopie kreativ, 1997, Nr. 81/82, S. 110-113.+++Ders.: Stalinismus-Debatte. Eine todernste Sache. in: Marxistische Kritik, Jg. 1, 1997, Nr. 2, S. 24-30.+++Ders.: Bürgerbewegungen in der DDR und danach. Aufstieg, Niedergang und Vermächtnis. in: Hintergrund, Jg. 10, 1997, Nr. 3, S. 16-47.+++Ders.: Kritischer Marxismus. in: Marxistische Kritik, Coburg, Jg. 1, 1998, Nr. 1, S. 20-30.+++Ders.: Die PDS im Bundestagswahljahr. Eigentore, Rostocker Parteitag und Sachsen-Anhalt-Wahl. in: Arbeiterstimme, Jg. 27, 1998, Nr. 120, S. 8-14.+++Ders.: Das Volkswagenwerk in Frieden und Krieg. in: Hintergrund, Jg. 11, 1998, Nr. 2, S. 42-61.+++Ders.: Kritischer Marxismus. in: Utopie kreativ, Nr. 97/98, S. 130-140.+++Ders.: Leo Trotzki - Verdienste und Fehler eines großen Revolutionärs. in: Hintergrund, Jg. 11, 1998, Nr. 4, S. 6-43.+++Ders.: "Der Wandschirm, hinter dem nichts geschieht". Bildung, Tätigkeit und Ende der ersten deutschen Sozialisierungskommission. in: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Berlin, Jg. 40, 1998, S. 18-35.+++Ders.: Der verkannte Revolutionär. Annäherungen an Leo Trotzki. in: Marxistische Kritik, Jg. 2, 1999, Nr. 7, S. 3-18.+++Ders.: Leo Trotzki (1879-1940). Annäherung an einen großen Revolutionär. in: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Jg. 41, 1999, S. 84-99.+++Ders.: Leo Trotzki (1879-1940). Verdienste und Fehler eines großen Revolutionärs. Vielfalt sozialistischen Denkens, Ausgabe 7. Schriftenreihe von "Helle Panke" zur Förderung von Politik, Bildung und Kultur e.V. Berlin 1999, 34 S.+++Ders.: Die PDS nach der Bundestagswahl und ihr 6. Parteitag. in: Arbeiterstimme, Jg. 28, 1999, Nr. 123, S. 23-28.+++Ders.: Die SED in der 'Wende' 1989. in: Sozialistische Zeitung (SOZ), Köln, Jg. 14, 1999, Nr. 22, S. 7-8.+++Umfangreiche Literaturliste bitte beim Institut anfordern. ARBEITSPAPIERE: Vorträge zum Gegenstand.
ART: Eigenprojekt AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Wissenschaftler
INSTITUTION: Gesellschaftswissenschaftliches Forum e.V. (Weydingerstraße 14-16, D-10178 Berlin)
[38-F] Bensch, Beate, Dipl.-Psych.; Kirchhoff, Dietmar, Dipl.-Soz.Päd. (Bearbeitung); Volmerg, Birgit, Prof.Dr. (Leitung):
Rechtsextremismuspotentiale bei Angestellten
INHALT: Die Debatte um Rechtsextremismus und Gewalt hat sich bisher auf die Gruppe der Jugendlichen konzentriert. Wir wissen aber, daß Gewalt zum Ausbruch kommt, wenn moralische Normen brüchig werden und das soziale Klima Gewalthandlungen erlaubt. Deshalb sind Gewalthandlungen Anzeichen eines sehr viel breiteren Wandels im öffentlichen Bewußtsein und der Alltagserfahrung von Menschen. Ziel dieses Projekts ist es, diesen Veränderungen im Denken von Männern und Frauen nachzuspüren, die in Kaufhäusern, Versicherungsunternehmen, Verwaltungen, Betrieben und Krankenhäusern angestellt sind. Was denken sie und in welche Richtung denken sie, wenn es um politische Fragen geht? Gibt es Potentiale für Gewalt und Extremismus im Alltag von Angestellten? Die Ergebnisse des Projekts sollen für die betriebliche Bildungsarbeit genutzt werden.
METHODE: Qualitative Sozialforschung; interpretatives Paradigma. Untersuchungsdesign: Querschnitt. DATENGEWINNUNG: Gruppendiskussion. Feldarbeit durch Mitarbeiter/-innen des Projekts.
VERÖFFENTLICHUNGEN: Volmerg, B.; Bensch, B.; Kirchhoff, D.: Rechtsextremismus, kein Thema für Angesttellte? VSA. ARBEITSPAPIERE: Volmerg, B.; Bensch, B.; Kirchhoff, D.: Rechtsextremismus, kein Thema für Angestellte? (Broschüre). Angestelltenkammer Bremen.
ART: Auftragsforschung BEGINN: 199403 ENDE: 199503 AUFTRAGGEBER: Angestelltenkammer Bremen FINANZIERER: Auftraggeber
INSTITUTION: Universität Bremen, FB 11 Human- und Gesundheitswissenschaften, Studiengang Psychologie LS Psychologie, insb. Arbeits- und Technikpsychologie (330440, D-28334 Bremen)
KONTAKT: Marescaux, Nicole (Tel. 0421-218-2149, e-mail: TIPS@uni-bremen.de)
[39-L] Betz, Hans-Georg:
Rechtspopulismus: Ein internationaler Trend?, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 1998, B 9/10, S. 3-12 (Standort: UuStB Köln(38)-Ztg00926-a; Kopie über Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Rechtspopulistische Parteien und Bewegungen drohen zu einem festen Bestandteil westlicher Demokratien zu werden. Beschränkten sich die Erfolge dieser Parteien anfangs nur auf Westeuropa, so breitet sich die rechtspopulistische Welle seit Anfang der neunziger Jahre auch darüber. hinaus zunehmend aus. Damit wird der Rechtspopulismus zu einem internationalen Phänomen. Dieser Beitrag gibt eine kurze Beschreibung des Aufstiegs rechtspopulistischer Parteien im internationalen Vergleich, um dann auf die rechtspopulistische Strategie und Programmatik einzugehen sowie ihre Erfolgsbedingungen zu erörtern. Dabei schält sich einmal mehr die zentrale Bedeutung von Ausländerfeindlichkeit und Parteienverdrossenheit für das Verständnis der gegenwärtigen Mobilisierungserfolge rechtspopulistischer Parteien heraus, die bei den Sympathisanten dieser Parteien besonders stark ausgeprägt sind. Dagegen sind weder neoliberale Wirtschaftsvorstellungen noch autoritäre Wertvorstellungen von nennenswerter Bedeutung. Was die Sympathisanten dieser Parteien jedoch besonders vom Rest der Wähler unterscheidet, ist ihre besonders stark entwickelte Sehnsucht nach einem 'starken Mann', der unter Umgehung parlamentarischer Prozeduren Entscheidungen trifft und schnell umsetzt. In der Förderung dieser latenten Demokratieverdrossenheit liegt die eigentliche Gefahr des Rechtspopulismus." (Autorenreferat)
[40-L] Eckert, Roland; Jungbauer, Johannes; Willems, Helmut:
Polizei und Fremde: Belastungssituationen und die Genese von Feindbildern und Übergriffen, in: Roland Eckert <Hrsg.>: Wiederkehr des "Volksgeistes"?: Ethnizität, Konflikt und politische Bewältigung, Opladen: Leske u. Budrich 1998, S. 215-227, ISBN: 3-8100-2073-7
INHALT: "Die Autoren zeigen, wie fremdenfeindliche Einstellungen und illegale Gewalt in der Polizei entstehen. Bei den u.a. von amnesty international dokumentierten Vorfällen handelt es sich weder um bloße Einzelfälle noch um ein systematisches Verhaltensmuster der Polizei. Die Kumulation von Belastungen in Ballungszentren mit hoher illegaler Einwanderung und Kriminalität sowie bei Großeinsätzen gegen verbotene Demonstrationen überfordert vielmehr manche Beamte. Insbesondere die Erfolg- und Folgenlosigkeit des alltäglichen und allnächtlichen Handelns, die innerbetriebliche Tabuisierung der Konflikte und der aggressiven Emotionen, wenn sie mit ausländischen Tatverdächtigen zu tun haben, sowie die mangelhafte justizielle Verarbeitung der polizeilichen Anzeigen sind es, die die Beamten auf der Straße am Sinn ihres Handelns zweifeln lassen. Erstaunlich ist dabei, daß die Beamten durchaus Verständnis für die subjektiven Motive der Einwanderer und sogar der ausländischen Tatverdächtigen äußern. Dies ändert bei ihnen aber nicht viel an der Vorstellung, daß sie einen Auftrag gegenüber den eingewanderten Kriminellen haben, den sie aber nicht wirklich erfüllen können. Darum geraten sie in die Gefahr, entweder zu resignieren und auch bei offenkundigen Delikten wegzuschauen oder aber mit 'Ersatzjustiz' ihrem Gerechtigkeitsgefühl oder auch nur ihrer Frustration illegalen Ausdruck zu verleihen. Der Zusammenhang zwischen der Perzeption des Versagens des Rechtsstaats und der Bereitschaft zu illegaler Gewalt wird hier überaus deutlich." (Textauszug)
[41-L] Elsässer, Jürgen:
Braunbuch DVU: eine deutsche Arbeiterpartei und ihre Freunde, (Konkret Texte, 17), Hamburg: Konkret Literatur Verl. 1998, 139 S., ISBN: 3-930786-18-4
INHALT: Spätestens seit der Wahl in Sachsen-Anhalt ist die Zunahme rechtsradikaler Wählerschaft deutlich sichtbar geworden. Wählte schon in Hamburg jeder fünfte männliche Jugendliche rechtsradikale Parteien, so wurde die DVU in Sachsen-Anhalt bei dieser Personengruppe zur dominierenden Kraft. Mit 38 Prozent erhielt sie unter männlichen Jungwählern mehr Stimmen als CDU, SPD und Grüne zusammen. Elsässer faßt in seinem Braunbuch die neuesten Daten zu Wählerschaft, Parteiprogramm und Geschichte der DVU zusammen. Darüber hinaus erhebt er den Anspruch, eine Analyse der rechtsradikalen Konjunktur zu liefern, die bis in die nationalsozialistische Vergangenheit zurückreicht. Sein Plädoyer für ein stärkeres staatliches Durchgreifen gegen rechtsradikale Gewalt erklärt er damit, daß dieser nur allzu häufig mit akzeptierender Jugendarbeit begegnet werde. Die Errichtung neuer Jugendzentren böte den Jugendlichen dabei erst die Plattform für ihre - staatlich geduldeten - rechtsradikalen Aktivitäten. Während gegen Gewalt von links mit Härte vorgegangen werde, zeige sich die Öffentlichkeit unverhältnismäßig verständnisvoll gegenüber rechten Straftätern, die Asylantenheime in Brand setzten oder (vermeintliche) Ausländer zu Tode hetzten. Zu Recht kritisiert Elsässer, daß die immer wieder angeführten wirtschaftlichen Gründe allein noch keinen Rassismus oder Antisemitismus hervorbringen. Denn Frauen und Rentner als die eigentlichen wirtschaftlichen Verlierer der Wiedervereinigung zählten z. B. nicht zur typischen Wählerschaft der DVU. Dagegen werde die ideologische Fundierung rechtsradikaler Haltungen verharmlost. Historisch berechtigt ist auch Elsässers Hinweis auf die sozialistischen Elemente in rechten Theorien. Schon in der Weimarer Republik verbanden Theoretiker im Kreis der sogenannten 'Konservativen Revolution' ihre nationalistischen Theorien mit antikapitalistischen Forderungen. Ob der Anitsemitismus des 'dummen Kerls', wie Elsässer ihn nennt, dagegen in erster Linie ein fehlgeleiteter Aufstand gegen die kapitalistischen Ausbeuter sei, ist hingegen fraglich. Problematisch werden Elsässers Analysen vor allem im sich psychoanalytisch gerierenden Teil seiner Analyse. Wilhelm Reichs Theorie aus den 30er Jahren wird herangezogen, um zu belegen, daß verdrängte Kindheitssexualität zu rechtsradikalen bzw. soldatische Strukturen affirmierenden Ersatzbefriedigungen führte. Etwas zu schnell wird die Verbindung von rechtsextremen Fallbeispielen zu massenpsychologischen Erklärungsmustern gezogen. Für die Gewaltausbrüche eines rechtsradikalen Jungen wird so seine 'symbiotische Mutterbindung' oder gar die 'emotionslose, dominante Mutter' verantwortlich gemacht. Hier werden alte Rollenbilder versteckt wiederbelebt. Der Vater hat 'integer' zu sein, die Mutter ist idealtypischerweise 'emotional' und nicht dominant. Und natürlich muß die Kleinfamilie komplett sein, damit die Kinder nicht psychotisch werden, denn als solche sind sie, laut Elsässer, so gut wie rechtsradikal oder zumindest 'gemeingefährlich' (79). Daß nebenbei auch noch die deutsche Sonderwegsthese wiederbelebt wird und Elsässer ein allzu gehemmtes Sexualleben (was im übrigen mit Statistiken bewiesen wird, in denen von Frauen die Qualität der sexuellen Beziehungen untersucht wird, von Männern dagegen nur die Quantität derselben) für nationalistische Stimmungen verantwortlich macht - schließlich 'wurzelt' der Nationalismus in der Mutterbindung, Stichwort 'Ödipuskomplex' (88) -, läßt auch die psychoanalytisch interessierte HistorikerIn oder PolitologIn zumindest schlucken. (ZPol, NOMOS)
[42-F] Fröchling, Helmut, Dr.; Birzer, Markus, Dipl.-Pol.; Feindt, Peter Henning, Dipl.-Volksw.; Hoppe, Jutta, Dipl.-Betriebsw.; Rosenbrock, Christine (Bearbeitung); Gessenharter, Wolfgang, Univ.-Prof.Dr. (Leitung):
Demokratieforschung: Rechtsextremismus und "Neue Rechte" in der Bundesrepublik Deutschland
INHALT: Analyse der politischen Ideologie, der Einstellungsmuster und der parteiprogrammatischen Ziele der "Neuen Rechten" als Scharnier zwischen Neokonservatismus und Rechtsextremismus sowie des organisierten Rechtsextremismus und deren Auswirkungen auf die Politische Kultur in der Bundesrepublik Deutschland. GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland
METHODE: Theoretische und empirische Analyse rechtsextremer und neurechter Einstellungen, Handlungen, Organisationen und Strukturen in der Bundesrepublik Deutschland. Untersuchungsdesign: Querschnitt. DATENGEWINNUNG: Standardisierte Befragung, face to face (Stichprobe: 609; Rechtsextremismus-Studie 1978). Sekundäranalyse von Individualdaten (Stichprobe: 365). Feldarbeit durch Mitarbeiter/-innen des Projekts.
VERÖFFENTLICHUNGEN: Gessenharter, W.: Bedeutet Menschenwürde nur noch Deutschenwürde? Zur Lage nach Rumänien zurückgeschickter Roma. in: Vierteljahresschrift für Sicherheit und Frieden (S+F), Jg. 12, 1994, H. 4, S. 173-177.+++Ders.: Was ist das eigentlich Schreckliche an unserer Gesellschaft: dieser Mangel an Zivilcourage. Interview mit Ralph Giaordano. in: Vierteljahresschrift für Sicherheit und Frieden (S+F), Jg. 12, 1994, H. 4, S. 180-182.+++Birzer, M.: Problemlösung durch Dialog. Das Buxtehuder Modell. in: Vierteljahresschrift für Sicherheit und Frieden (S+F), Jg. 12., 1994, H. 4, S. 154-158.+++Feindt, P.H.; Fröchling, H.: Offene Bürgergesellschaft oder Vielfalt statt Einfalt in der politischen Mitte. in: Vierteljahresschrift für Sicherheit und Frieden (S+F), Jg. 12, 1994, H. 4, S. 148-153 (wiederabgedruckt in: Rissener Rundbrief, 1995, H. 6-7, S. 211-222).+++Gessenharter, W.: Man red't ja nicht - man sagt ja bloß. Oder: Welches Vorbild braucht die Bundeswehr? in: Vierteljahresschrift für Sicherheit und Frieden (S+F), Jg. 13, 1995, H. 2. S. 120.+++Ders.: Utopien der "Neuen Rechte". Thesen zum aktuellen Diskussionsstand. in: Tribüne - Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, Jg. 34, 1995, H. 135, S. 40-48.+++Ders.: Rechtextremismus in Deutschland. Ein Überblick. in: Mecklenburg, Jens (Hrsg.): Antifa Reader. Antifaschistisches Handbuch und Ratgeber. Berlin 1996, S. 17-49.+++Ders.: Herausforderungen zur Jahrtausendwende. Kann "Nation die Antwort sein? in: Butterwegge, Christoph (Hrsg.): NS-Vergangenheit, Antisemitismus und Nationalismus im vereinten Deutschland. Beiträge zur politischen Kultur der Bundesrepublik und zur politischen Bildung. Baden-Baden 1997, S. 141-171.+++Gessenharter, W.; Fröchling, H.; Birzer, M.: (Rechts)Extremismus. Neuvermessung eines politisch-ideologischen Raumes. Bericht über eine Fachtagung der Arbeitsgruppe Demokratieforschung am Institut für Politikwissenschaft der Universität der Bundeswehr Hamburg vom 26.-28. Mai 1997 im Haus Rissen, Hamburg. in: Rissener Rundbrief, 1997, Nr. 8/9, S. 5-7.+++Gessenharter, W.: Rechtsextremismus und Neue Rechte in der Bundesrepublik: Probleme der Vermessung eines politisch - ideologischen Raumes. in: Rissener Rundbrief, 1997, Nr. 8/9, S. 8-17.+++Ders.: Die neue "Konservative Revolution". in: die tageszeitung v. 20. Juni 1997.+++Fröchling, H.: Der Beitrag des Verfassungsschutzes zum politischen Diskurs über die "Neue Rechte". in: Rissener Rundbrief, 1997, Nr. 8/9, S. 18-31.+++Gessenharter, W.: Ist die Nation die Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft? Die Neue Rechte in Deutschland und die Verklärung der Abstammungsgerneinschaft. in: Frankfurter Rundschau, Dokumentation v. 10. Nov. 1997.+++Fröchling, H.; Gessenharter, W.: "Volksverhetzung" - von langer Hand vorbereitet...' oder über die Kontinuität von Versuchen, Schaden von der Bundeswehr zu wenden. Forschungsbericht der Projektgruppe Demokratieforschung am FB Wirtschafts- und Organisationswissenschaften der Universität der Bundeswehr Hamburg, H. 10. Hamburg 1998.+++Dies.: Rechtsextremismus und Neue (radikale) Rechte. Einladung zu einem Dialog. in: Gessenharter, W.; Fröchling, H. (Hrsg.): Rechtsextremismus und Neue Rechte in Deutschland. Neuvermessung eines politisch-ideologischen Raumes? Opladen: Leske u. Budrich 1998, S. 11-22.+++Umfangreiche Literaturliste bitte beim Institut erfragen.
ART: keine Angabe BEGINN: 197601 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität der Bundeswehr Hamburg, FB Wirtschafts- und Organisationswissenschaften, Institut für Politikwissenschaft Professur für Politikwissenschaft, insb. Politische Theorie Prof.Dr. Gessenharter (Holstenhofweg 85, D-22043 Hamburg)
[43-L] Funke, Hajo:
Der aufhaltsame Marsch der neuen Rechten durch die Institutionen, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Jg. 43/1998, H. 2, S. 175-185 (Standort: UuStB Köln(38)-FHM XE00157; UB Bonn(5)-Z59/69; Kopie über Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Der Autor stellt Gewaltfolgen in den Kontext eines rechtsakzentuierten öffentlichen Diskurses. Er geht davon aus, daß die "gegenwärtige Vertiefung und Ausweitung des fremdenfeindlichen Gewaltmilieus" vor allem mit der Etablierung solcher Muster Anfang der 90er Jahre zu erklären ist. Allerdings auch kommen neue Elemente dazu, die mit der Verschärfung der sozialen und politischen Krise in Deutschland zusammenhängen. Vor diesem Hintergrund setzt er sich mit den rassistischen Tendenzen in der Bundeswehr auseinander. Desweiteren weist er darauf hin, daß die "Stichworte" "nationalautoritärer und xenophober Politiker" (M. Kanther und J. Schönbohm) dazu beigetragen haben, rechtsextreme Ideologien aufkeimen zu lassen. Der Autor kommt zu dem Schluß, daß die Eindämmung fremdenfeindlicher Einstellungen nur zu erreichen ist, wenn der deutschen Innenpolitik der Abschottung, Abschreckung und Abschiebung etwas entgegengesetzt werden kann. Er schlägt eine Reform des Staatsbürgerrechts nach republikanischen Standards vor. (prc)
[44-L] Gössner, Rolf:
Wahlkampf gegen Bürgerrechte: große Koalition der Inneren Sicherheit, in: Helmut Ortner, Arno Pilgram, Heinz Steinert <Hrsg.>: Jahrbuch für Rechts- und Kriminalsoziologie: 1998: New Yorker "Zero-Toleranz"-Politik, Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges. 1998, S. 229-242, ISBN: 3-7890-5374-0
INHALT: Wachsende Kriminalität, zunehmende Gewalt, "kriminelle Ausländer", Neonazismus und "organisiertes Verbrechen" machen seit Jahren Schlagzeilen. In Vorwahlzeiten eskaliert die öffentliche Debatte um die sogenannte Innere Sicherheit; "hartes Durchgreifen" und "Nulltoleranz" haben Hochkonjunktur. Die Recherchen und Ausführungen des Beitrags zeigen, wie die Rechts- und Sicherheitspolitik der SPD den traditionellen Hardlinern der konservativen Parteien inzwischen auf diesem Feld den Rang abzulaufen versucht. In Sachen "Innerer Sicherheit" ist es damit faktisch zu einer großen Koalition schon gekommen. Der Autor resümiert: "Keine Partei, kein Politiker - auch nicht die 'Grünen' - hat den Mut, sich dieser Debatte zu verschließen, denn: Wer dieses Thema vernachlässige, den bestrafe der Wähler, der sich nach dem starken Staat geradezu giere." (pre)
[45-F] Guggemos, Peter, PD Dr. (Bearbeitung); Mühleisen, Hans-Otto, Prof.Dr. (Betreuung):
Politische Einstellungen von Republikaner-Wählerinnen
INHALT: Die subjektiven Sichtweisen und politischen Weltbilder von REP-Wählerinnen qualitativ-empirisch herauszuarbeiten; keine Zwischenergebnisse, da die Arbeit unmittelbar vor der Drucklegung steht; Perspektiven von allgemeinem Interesse: Gelegenheitsstrukturen, Milieus, Meritokratieprinzip, Antisemitismus als latenter Antikapitalismus. ZEITRAUM: 1990-1998 GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland, v.a. Bayern und Baden-Württemberg
METHODE: qualitativer Ansatz mit Leitfadeninterviews zur Ermittlung subjektiver Sinnstrukturen im ganzheitlich-lebensweltlichen Kontext. Untersuchungsdesign: Querschnitt. DATENGEWINNUNG: Inhaltsanalyse, offen (Stichprobe: 100; Exemplare rechtslastiger Zeitschriften; Auswahlverfahren: total). Aktenanalyse, offen. Beobachtung, teilnehmend. Qualitatives Interview; Leitfadeninterview (Stichprobe: n=51; REP-Wähler -41 männliche und 10 weibliche). Feldarbeit durch Mitarbeiter/-innen des Projekts.
ART: Habilitation BEGINN: 199401 ENDE: 199812 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Institution
INSTITUTION: Universität Augsburg, Philosophische Fakultät 01, Lehrstuhl für Politikwissenschaft Prof.Dr. Mühleisen (Universitätsstr. 10, D-86135 Augsburg)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 0821-598-5593, e-mail: Peter.Guggemos@Phil.Uni-Augsburg.DE)
[46-F] Güllner, Manfred (Leitung):
Das Wählerpotential der DVU in Sachsen-Anhalt
INHALT: keine Angaben GEOGRAPHISCHER RAUM: Sachsen-Anhalt
ART: Auftragsforschung ENDE: 199804 AUFTRAGGEBER: Spiegel TV FINANZIERER: Auftraggeber
INSTITUTION: Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH -FORSA- (Max-Beer-Str. 2, D-10119 Berlin)
KONTAKT: Institution (Tel. 030-62882-0, Fax: 030-62651-38)
[47-F] Güllner, Manfred; Niedermayer, Oskar, Prof.Dr.; Stöss, Richard, Dr. (Leitung):
Rechtsextremismus, politische Unzufriedenheit und das Wählerpotential rechtsextremer Parteien in der Bundesrepublik im Frühsommer 1998
INHALT: keine Angaben ZEITRAUM: Frühsommer 1998 GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland
ART: Auftragsforschung ENDE: 199807 AUFTRAGGEBER: Deutsche Paul-Lazarsfeld-Gesellschaft FINANZIERER: Auftraggeber
INSTITUTION: Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH -FORSA- (Max-Beer-Str. 2, D-10119 Berlin)
KONTAKT: Institution (Tel. 030-62882-0, Fax: 030-62651-38)
[48-F] Güllner, Manfred; Niedermayer, Oskar, Prof.Dr.; Stöss, Richard, Dr. (Leitung):
Unzufriedenheit mit der Demokratie in der Bundesrepublik, Wahlabsicht der Unzufriedenen und ihre Neigung zur Wahl rechtsextremer Parteien bzw. der PDS im Sommer 1998
INHALT: keine Angaben ZEITRAUM: 1998 GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland
ART: Auftragsforschung ENDE: 199807 AUFTRAGGEBER: Deutsche Paul-Lazarsfeld-Gesellschaft FINANZIERER: Auftraggeber
INSTITUTION: Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH -FORSA- (Max-Beer-Str. 2, D-10119 Berlin)
KONTAKT: Institution (Tel. 030-62882-0, Fax: 030-62651-38)
[49-L] Hellmann, Kai-Uwe; Koopmans, Ruud (Hrsg.):
Paradigmen der Bewegungsforschung: Entstehung und Entwicklung von neuen sozialen Bewegungen und Rechtsextremismus, Opladen: Westdt. Verl. 1998, 268 S., ISBN: 3-531-13250-4
INHALT: "Protestbewegungen haben die politische Landschaft Deutschlands in den letzten Jahrzehnten maßgeblich mitgeprägt. In den 70er und 80er Jahren waren es die 'Neuen Sozialen Bewegungen' wie die Frauen-, die Friedens- und die Umweltbewegung, während es sich in den letzten Jahren eher um ausländerfeindliche Gewalttaten und rechtsextreme Aufmärsche handelte, die die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zogen. Was können wir über diese Bewegungsformen sagen, und welche sozialwissenschaftlichen Erklärungsansätze gibt es? Der vorliegende Band gibt Antworten. Namhafte Autoren untersuchen jeweils einen dieser Aspekte für die Neuen Sozialen Bewegungen bzw. den Rechtsextremismus in vergleichender Hinsicht. Diese systematische Kopplung von Theorie und Empirie vermittelt zum einen den Erkenntnisstand deutscher und internationaler Theorien sozialen Protests, zum anderen leistet der Band eine theoriegeleitete Darstellung der beiden einflußreichsten Bewegungstypen der letzten Jahrzehnte in Deutschland." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Kai-Uwe Hellmann: Paradigmen der Bewegungsforschung. Forschungs- und Erklärungsansätze - ein Überblick (9-30); Karl-Werner Brand: Humanistischer Mittelklassen-Radikalismus. Die Erklärungskraft historisch-struktureller Deutungen am Beispiel der 'neuen sozialen Bewegungen' (33-48); Roland Roth: 'Patch-Work'. Kollektive Identitäten neuer sozialer Bewegungen (51-68); Tibor Kliment: Durch Dramatisierung zum Protest? Theoretische Grundlegung und empirischer Ertrag des Framing-Konzepts (69-89); Karl-Dieter Opp: Die Perspektive der Ressourcenmobilisierung und die Theorie kollektiven Handelns. Eine Anwendung zur Erklärung der Ökologiebewegung in der Bundesrepublik (90-108); Dieter Rucht: Komplexe Phänomene - komplexe Erklärungen. Die politischen Gelegenheitsstrukturen der neuen sozialen Bewegungen in der Bundesrepublik (109-127); Claus Leggewie: Neo-Kapitalismus und Neue Rechte. Sozialstrukturelle Voraussetzungen radikaler rechter Bewegungen (131-148); Werner Bergmann/ Rainer Erb: 'In Treue zur Nation'. Zur kollektiven Identität der rechtsextremen Bewegung (149-165); Wolfgang Gessenharter: Rückruf zur 'selbstbewußten Nation'. Analyse eines neurechten Frames aus bewegungstheoretischer Sicht (166-180); Bert Klandermans: Ausländerfeindliche Bewegungen und Parteien im Vier-Länder-Vergleich. Ressourcenmobilisierung, Kosten/Nutzen-Relationen, Organisationen und soziale Netzwerke (181-197); Ruud Koopmans: Rechtsextremismus, fremdenfeindliche Mobilisierung und Einwanderungspoltik. Bewegungsanalyse unter dem Gesichtspunkt politischer Gelegenheitsstrukturen (198-221); Ruud Koopmans: Konkurrierende Paradigmen oder friedlich-ko-existierende Komplemente? Eine Bilanz der Theorien sozialer Bewegungen (215-231).
[50-F] Hoffmann, Jürgen, Dr.; Leszy, Norbert, Dr. (Bearbeitung):
Die DVU in den Landesparlamenten: inkompetent, zerstritten, politikunfähig. Eine Bilanz rechtsextremer Politik nach zehn Jahren
INHALT: Die Deutsche Volksunion (DVU): Gründung und Entwicklung der DVU; Programmatik, Ideologie und Agitation; Organisation, Führung, Finanzen. Die DVU in der Bremischen Bürgerschaft 1987 bis 1995: Personal; die DVU Bremen in der parlamentarischen Arbeit; finanzielle Unregelmäßigkeiten; die DVU in der Bremischen Bürgerschaft: Zerwürfnisse, Auflösungen und Neuformierungen. Die DVU im Landtag von Schleswig-Holstein 1992 bis 1996: Personal; die DVU Schleswig-Holstein in der parlamentarischen Arbeit; finanzielle Unregelmäßigkeiten; die DVU im Schleswig-Holsteinischen Landtag: Zerwürfnisse, Auflösungen und Neuformierungen. Die DVU in Sachsen-Anhalt: Erscheinungsbild und Wahlkampf der DVU; die Fraktion der DVU.
VERÖFFENTLICHUNGEN: Hoffmann, Jürgen; Lepszy, Norbert: Die DVU in den Landesparlamenten: inkompetent, zerstritten, politikunfähig. Eine Bilanz rechtsextremer Politik nach zehn Jahren. Interne Studie Nr. 163. Sankt Augustin: Konrad-Adenauer-Stiftung 1998, ISBN 3-931575-77-2.
ART: Eigenprojekt ENDE: 199807 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Institution
INSTITUTION: Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. Forschungsinstitut (Rathausallee 12, D-53730 Sankt Augustin)
KONTAKT: Hoffmann, Jürgen (Dr. Tel. 02241-246-266, e-mail: Juergen.Hoffmann@FUB.KAS.DE)
[51-L] Jäger, Siegfried:
Nichts ist nach einem Feuer, wie es vorher war: zur Lage der Demokratie von Solingen bis heute, in: Forum Wissenschaft, Jg. 15/1998, Nr. 3, S. 24-27
INHALT: "Rassische Mordanschläge wie der Brandanschlag von Solingen 1993 scheinen an der Politik der großen Parteien spurlos vorübergegangen zu sein. Seither ist es üblich, bei allen gegen Einwanderinnen gerichteten Straftaten lapidar zu erklären, ein rassistischer oder ausländerfeindlicher Hintergrund der Tat sei nicht festzustellen, während die Regierungspolitik weiter die Ausgrenzung und Deportation von Asylsuchenden und Flüchtlingen betreibt und die angebliche Kriminalität von Ausländerinnen zum zentralen Thema des Diskurses über 'innere Sicherheit' macht. Zu dieser Entwicklung hielt der Autor den folgenden Vortrag bei der Veranstaltung 'Heilungsprozeß eines Brandes. 5 Jahre nach dem Brandanschlag von Solingen' am 29.05.1998 im Theater Oberhausen." (Autorenreferat)
[52-L] Jaschke, Hans-Gerd:
Fremdenfeindliche Tendenzen in der Polizei: Anmerkungen zu einem umstrittenen Phänomen, in: Wolfgang Gessenharter / Helmut Fröchling <Hrsg.>: Rechtsextremismus und Neue Rechte in Deutschland: Neuvermessung eines politisch-ideologischen Raumes?, Opladen: Leske u. Budrich 1998, S. 191-209, ISBN: 3-8100-2053-2
INHALT: Polizeibeamte haben verstärkt mit ausländischen, sozial nichtintegrierten Tatverdächtigen zu tun. Dies führt zu der Frage, ob und inwieweit dadurch Fremdenfeindlichkeit in den Reihen der Polizei gefördert wird. Drei Verhaltensebenen werden unterschieden: (1) Mitgliedschaft in bzw. Wahl von rechtsextremen Parteien und Organisationen; (2) rassistische Vorkommnisse und Mißhandlung von Ausländern; (3) fremdenfeindliche Einstellungs- und Orientierungsmuster. Dazu werden Untersuchungsbefunde wiedergegeben. Sie werden durch die polizeiinternen Sichtweisen und Rechtfertigungen interpretiert. Dem wird die wissenschaftliche Ursachenforschung entgegengehalten. Sie stellt die seit den 70er Jahren einsetzende Ethnisierung der sozialen Beziehungen in den Mittelpunkt und versteht die fremdenfeindlichen Einstellungen und Verhaltensweisen in der Polizei als vereinfachte Rationalisierungen. Diesbezüglich werden die spezifischen Konfliktfelder der Polizei, die Polizeiausbildung und -praxis und die relative Unzufriedenheit in der Polizei hinterfragt. Insgesamt erweisen sich die Anzeichen von Rechtsextremismus in der Polizei als Folge einer unzeitgemäßen Polizeiausbildung und -praxis und des politisch ungelösten Einwanderungskonflikts. (prf)
[53-L] Kleinert, Corinna; Krüger, Winfried; Willems, Helmut:
Einstellungen junger Deutscher gegenüber ausländischen Mitbürgern und ihre Bedeutung hinsichtlich politischer Orientierungen: ausgewählte Ergebnisse des DJI-Jugendsurvey 1997, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 1998, B 31, S. 14-27 (Standort: UuStB Köln(38)-Ztg00926-a; Kopie über Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Die aktuelle Diskussion um Ausländerfeindlichkeit und rechte politische Orientierungen junger Menschen hat durch die jüngste Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und die dabei von der rechtsradikalen DVU erzielten Erfolge neue Nahrung erhalten. An diesem Wahlerfolg waren junge Wählerinnen und Wähler überproportional beteiligt. Politisch hat die DW ihren Wahlkampf in Sachsen-Anhalt stark mit nationalen und gegen Ausländer gerichteten Forderungen geführt. Auch vor diesem Hintergrund beschäftigen uns die Fragen, wie groß das Ausmaß fremdenfeindlicher Orientierungen in der jungen Generation ist, welche sozialstrukturellen oder anderen mit dem gesellschaftlichen Wandel verbundenen Bedingungen dafür ausschlaggebend sind und in welcher Weise unterschiedliche Einstellungen gegenüber ausländischen Mitbürgern sich politischen Haltungen zuordnen lassen. Als empirische Basis der Uberlegungen und Darstellungen in diesem Beitrag dient uns der DJI-Jugendsurvey, eine empirische Untersuchung des Deutschen Jugendinstituts, München. Die knapp 7 OOO Interviews mit 16- bis 29jährigen in Ost- und Westdeutschland wurden im Herbst letzten Jahres durchgeführt. Die Mehrzahl der befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen teilt fremdenfeindliche Einstellungen nicht. Fremdenfeindlichkeit existiert andererseits aber zweifellos heute als Jugendproblem, auch wenn zwischen der Erhebung von 1992 und der von 1997 eine Abnahme dieser Einstellungen erkennbar wird - insbesondere im Westen. Fremdenfeindliche Einstellungen häufen sich vor allem bei jungen Menschen, die über niedrige Bildungsabschlüsse verfügen und die unter hoher Verunsicherung und Orientierungslosigkeit leiden. Zudem sind sie im Osten stärker ausgeprägt als im Westen. Fremdenfeindliche Haltungen gehen zwar oft mit rechten Orientierungen und antidemokratischen Vorstellungen einher, sind jedoch insgesamt nicht zwangsläufig als Teil eines rechtsextremen Weltbildes und entsprechender politischer Identitäten zu sehen. Ihre politische Bearbeitung muß daher vor allem an den zugrundeliegenden gesellschaftlichen Konflikten und sozialen Verwerfungen ansetzen." (Autorenreferat)
[54-L] Knorr, Lorenz:
Rechtsextremismus in der Bundeswehr: deutsches Militär - von Massenmördern geprägt?, Frankfurt am Main: Verl. f. Akad. Schriften 1998, 270 S., ISBN: 3-88864-265-5 (Standort: UuLB Münster(61A)-MG15940/239)
INHALT: Der Autor benennt die internationalen sowie die innenpolitischen Ursachen dafür, daß Hitlers am Massenmord beteiligte Generale - dokumentarisch belegt - die Bundeswehr nachhaltig zu prägen vermochten. Er zeichnet die rechte Traditionsfortsetzung in der Bundeswehr seit ihren Anfängen nach und führt Beispiele von rechtsextremen und rassistischen Generalen an, die die Truppe indoktrinierten und weiterhin indoktrinieren. Er geht u.a. den Fragen nach, ob NS-Wehrmacht und deren Generale weiterhin Leitbilder für die Truppe bleiben und ob Kasernen nach Kriegsverbrechern benannt werden dürfen. Der Rechtsextremismus in der Bundeswehr kommt nicht primär aus der Gesellschaft, sondern ist vermittelt von der Generalität. Er versucht die Frage nach der demokratischen Zuverlässigkeit der bewaffneten Macht im Staate zu beantworten. Er schlußfolgert, daß der Bonner Regierungswechsel von 1998 erst dann "zu einer epochalen Zäsur führen und eine geschichtswirksame Kraft erreichen wird, wenn der mögliche Politikwechsel die tiefen inhumanen Spuren rechtskonservativer Praxis schrittweise, aber konsequent und zielklar tilgt: der vielen Menschen wegen, die eine bessere Zukunft verdienen; vor allem im Interesse der Jugend, die Anspruch auf eine humane Perspektive hat und der Besseres hinterlassen werden sollte als das, was die älteren vorfanden." (prb)
[55-L] Koopmans, Ruud:
Rechtsextremismus, fremdenfeindliche Mobilisierung und Einwanderungspolitik: Bewegungsananlyse unter dem Gesichtspunkt politischer Gelegenheitsstrukturen, in: Kai-Uwe Hellmann, Ruud Koopmans <Hrsg.>: Paradigmen der Bewegungsforschung: Entstehung und Entwicklung von neuen sozialen Bewegungen und Rechtsextremismus, Opladen: Westdt. Verl. 1998, S. 198-212, ISBN: 3-531-13250-4
INHALT: Für den plötzlichen Anstieg der rechtsextremen Mobilisierung und deren anschließenden Rückgang in der Bundesrepublik Deutschland der 90er Jahre wird eine Erklärung gesucht. Die Forschungsliteratur zu politischen Gelegenheitsstrukturen wird diskutiert und eine begriffliche Variante gewählt, die die Veränderungen innerhalb eines gegebenen politischen Systems erklären kann. Dabei geht es vor allem um die Interaktionen zwischen rechtsextremer Mobilisierung und der in der etablierten Politik geführten Debatte zur Einwanderungs- und insbesondere zur Asylpolitik im Zeitraum 1984-96 und besonders Anfang der 90er Jahre. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen vier "konkrete Gelegenheiten": (1) "Einschätzung der Erfolgschancen der Mobilisierung"; (2) "Bilanz von erwarteten externen Reformen und Drohungen", (3) "externe Förderung kollektiver Aktionen"; (4) "Effekte der Repression". Zwischen der Einwanderungs- und Asyldebatte und dem Auftreten rechtsradikaler Gewaltaktionen wird ein Zeitreihen-Vergleich durchgeführt. Daran wird gezeigt, daß der Einfluß politischer Gelegenheitsstrukturen auf diese rechte Mobilisierungswelle sehr groß ist, wenn auch die Bilanz für die einzelnen "Gelegenheiten" unterschiedlich ausfällt. Insgesamt bewähren sich die "politischen Gelegenheitsstrukturen" als notwendiger, aber nicht hinreichender Erklärungsansatz. (prf)
[56-L] Kümmel, Gerhard:
Der Fall "Guido Rössner" - Rechtsextreme Gewalt in der Biographie eines Jugendlichen, in: hrsg. von Wolfgang Benz für das Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 9, Frankfurt am Main: Campus Verl. 2000, S. 71-85, ISBN: 3-593-36535-9
INHALT: Der Verfasser legt eine qualitative Einzelfallstudie aus einem seit 1998 laufenden Forschungsprojekt des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr (SOWI) zum Thema "Die gewalttätige Gesellschaft. Auswirkungen auf und Handlungsmöglichkeiten für die Bundeswehr" vor. Hierbei handelt es sich im die Textanalyse eines Interviews auf der Basis der objektiv-strukturalen Hermeneutik. Der Interviewpartner ist ein inhaftierter Jugendlicher, der über Gewalterfahrungen in der Skinhead-Szene berichtet. Der Verfasser charakterisiert seinen Interviewpartner als denjenigen Typus eines Gewalttäters, der selbst erlittene Gewalt und Opfererfahrungen im biographischen Prozess dadurch zu verarbeiten versucht, dass er selbst zum Täter wird. (ICE)
[57-L] Leggewie, Claus:
Neo-Kapitalismus und Neue Rechte: sicherheitsstrukturelle Voraussetzungen radikaler rechter Bewegungen, in: Kai-Uwe Hellmann, Ruud Koopmans <Hrsg.>: Paradigmen der Bewegungsforschung: Entstehung und Entwicklung von neuen sozialen Bewegungen und Rechtsextremismus, Opladen: Westdt. Verl. 1998, S. 131-148, ISBN: 3-531-13250-4
INHALT: Das Paradigma der sozialstrukturellen Faktoren (structural strains approach) konzentriert sich auf generelle sozialstrukturelle Wesensmerkmale und "Ungleichgewichtszustände" moderner Massengesellschaften in Europa und den USA. Dieser Ansatz wird auf radikale rechte Bewegungen angewandt. Die verschiedenen Erklärungskomponenten des "structural strains"-Ansatzes werden für die rechtsradikale Gewaltwelle in der Bundesrepublik Deutschland nach der Wende durchgespielt. Dazu gehören der Niedergang der "klassischen" Arbeiterbewegung, das Ende der Arbeitsgesellschaft, sozialstrukturelle Faktoren der rechtsextremen Wählerschaft und des rechten Protests sowie die Transformation der sozialen Bewegungen in einer "neo-kapitalistischen" Phase. Das Ende der Arbeitsgesellschaft und "Panik in der Arbeiterschaft" werden hauptsächlich für den Zulauf der rechtspopulistischen Parteien verantwortlich gemacht. Die außerparlamentarische soziale Bewegung von rechts hingegen wird unter den Aspekten "Jugend", "Gewalt" und "Rechtsradikalität" analysiert. Insgesamt zeigt sich, daß soziostrukturelle Faktoren wegen ihres hohen Allgemeinheitsgrades zwar eine notwendige, aber keine hinreichende Erklärung sind für das plötzliche Auftreten rechtsradikaler Gewalt. (prf)
[58-L] Loos, Peter:
Mitglieder und Sympathisanten rechtsextremer Parteien: das Selbstverständnis von Anhängern der Partei 'DIE REPUBLIKANER', (DUV : Sozialwissenschaft), Wiesbaden: Dt. Univ.-Verl. 1998, 153 S., ISBN: 3-8244-4295-7
INHALT: Die sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem politischen Extremismus erfolgt typischerweise in einer objektivierenden Einstellung, die empirische Daten über die 'Untersuchungsobjekte' - seien es Einstellungen oder Verhaltensweisen - auf mehr oder minder plausible theoretische Erklärungsansätze bezieht. Als Interpretationsrahmen dient dabei oftmals eine Kategorisierung, die den untersuchten Gruppen einen spezifischen Ort am 'Rande gesellschaftlicher Normalität' zuweist - etwa im Sinne einer Links-Rechts-Skala. Freilich hat sich auch in vielen Einzelstudien erwiesen, daß der Zusammenhang zwischen (rechtsextremen) Überzeugungssystemen, sozialer Lage und politischem Verhalten in der Realität keineswegs eindeutig ist. Dem methodologischen Ansatz einer - dem Werk Alfred Schütz' verpflichteten - interpretativen Soziologie folgend, beabsichtigt der Autor die Beschreibung und Rekonstruktion des Selbstverständnisses einer Gruppe von Republikanern, die an deren Binnenperspektive ansetzt. Das rekonstruktive Verfahren verlangt eine Ausklammerung theoretischer Vorannahmen, um einen authentischen Zugang zu jenen milieuspezifischen Interpretationen zu gewinnen, in denen sich die Wirklichkeitskonstruktion der Anhänger dieser Partei ausdrückt. Für diese Zwecke hat Loos in der der Untersuchung zugrunde liegenden Feldstudie - 1989/90 in einem Kreisverband der Republikaner einer süddeutschen Großstadt durchgeführt - die Instrumente der teilnehmenden Beobachtung, des Gruppendiskussionsverfahrens und des biographischen Interviews eingesetzt. Der Autor ist sich dabei durchaus der Gefahr bewußt, daß ein 'verstehender' Zugang zum Rechtsextremismus auch eine 'Normalisierung' dieses Phänomens implizieren könnte (132 f.) - allerdings ist dieser Effekt nur bei einer unreflektierten Verwendung qualitativer Verfahren zu befürchten. Der Reiz der Studie besteht nun - neben der Rekonstruktion zentraler Deutungsmuster dieses rechten Milieus (91 ff.) - gerade in der hohen methodischen Sorgfalt, mit der der Autor sein interpretatives Vorgehen vorstellt und kommentiert. Inhaltsverzeichnis: 2. Bei den Republikanern im 'Schankstüberl'. Ein ethnographischer Bericht: 2.1 25. September 1989 - Erste Kontaktaufnahme; 2.2 6. November 1989 - Informationsabend; 2.3 16. Dezember 1989 - Weihnachtsfeier des Ortsverbandes; 3. Ansichten im 'Schankstüberl': 3.1 'Einseitige Pressefreiheit'. Ansichten über die Medien; 3.2 'Das sind unsere Mitbürger'. Ansichten über Ausländer: 3.2.1 Die alltägliche Konfrontation mit den Ausländern; 3.2.2 Das Bemühen, nicht als ausländerfeindlich zu gelten; 3.2.3 Die Kategorisierung in Mitbürger und Nicht-Mitbürger. 3.3 'Ich bin kein Nazi und ich hass' das Wort'. Ansichten über den Nationalsozialismus; 3.4 'Labil ist der richtige Ausdruck'. Ansichten über die Deutschen; 4. Deutungsmuster in den Biographien und ihre Beziehung zu den Ansichten der Republikaner. 4.1 'Wir waren eine verschworene Gemeinschaft''. Deutungsmuster in Schneiders Biographie; 4.2 'Des is Schicksal da kannst nix dagegen machen'. Deutungsmuster in Volkerts Biographie; 4.3 Die Beziehung zwischen biographischen und kollektiven Deutungsmustern; 5. Der ganze Mensch; 6. Eine Republikanerkarriere. Zur Verlaufskurve Volkerts; 7. '... ich schäme mich nicht'. Zu Veröffentlichungen der Republikaner; 8. Aufstand der Gerechten; 9. Binnenperspektive und verstehender Zugang. (ZPol, NOMOS)
[59-F] Müller (Leitung):
Meinungen zum Rechtsextremismus in Deutschland
INHALT: keine Angaben GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland
ART: Auftragsforschung ENDE: 199808 AUFTRAGGEBER: Die Woche FINANZIERER: Auftraggeber
INSTITUTION: Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH -FORSA- (Max-Beer-Str. 2, D-10119 Berlin)
KONTAKT: Institution (Tel. 030-62882-0, Fax: 030-62651-38)
[60-F] Neu, Viola (Bearbeitung):
Die Potentiale der PDS und der REP im Winter 1997/98
INHALT: Bestimmung (quantitativ) von Potentialen, die von extremistischen Parteien erreichbar sind. Analyse von Einstellungsstrukturen. ZEITRAUM: 1997-1998 GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland
METHODE: keine Angaben DATENGEWINNUNG: Standardisierte Befragung, face to face (Stichprobe: ca. 3.000 pro Umfrage). Feldarbeit durch ein kommerzielles Umfrageinstitut.
ART: Eigenprojekt BEGINN: 199801 ENDE: 199803 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Institution
INSTITUTION: Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. Forschungsinstitut (Rathausallee 12, D-53730 Sankt Augustin)
KONTAKT: Bearbeiterin (Tel. 02241-246-249)
[61-F] Neu, Viola (Bearbeitung):
Stagnation oder Ausdehnung? Das Potential der Rechtsparteien im Sommer 1998
INHALT: Wesentliche Einstellungsmerkmale und Sozialstrukturmerkmale des Anhängerpotentials der Rechtsextremistischen Parteien. ZEITRAUM: 1991-1998 GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland
METHODE: Extremismustheorie. Untersuchungsdesign: Trend, Zeitreihe; Querschnitt. DATENGEWINNUNG: Standardisierte Befragung, face to face (Stichprobe: pro Jahr ca. 3.000). Feldarbeit durch ein kommerzielles Umfrageinstitut.
ART: Eigenprojekt BEGINN: 199803 ENDE: 199808 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Institution
INSTITUTION: Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. Forschungsinstitut (Rathausallee 12, D-53730 Sankt Augustin)
KONTAKT: Bearbeiterin (Tel. 02241-246-249)
[62-F] Neu, Viola; Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von, Dr. (Bearbeitung):
Die DVU bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vom 26.04.1998
INHALT: Es wurde untersucht, worauf der im Ausmaß unerwartete Erfolg der rechtsextremen DVU bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt beruhte. Analysiert wurde die Sozialstruktur der DVU-Wähler sowie ihre Motive. Außerdem wurde die LGE UND Besonderheiten der Wahlkreise mit besonders hohen DVU-Ergebnissen untersucht. ZEITRAUM: 1998 GEOGRAPHISCHER RAUM: Sachsen-Anhalt
METHODE: Theoretischer Ausgangspunkt ist die geringe Parteibindung der ostdeutschen Wählerschaft. Daher wechseln Wähler in den neuen Bundesländern schneller ihre Parteipräferenzen. Untersuchungsdesign: Querschnitt. DATENGEWINNUNG: Standardisierte Befragung, telefonisch (Stichprobe: 1.000; wahlberechtigte Bevölkerung in Sachsen-Anhalt; Auswahlverfahren: Zufall). Sekundäranalyse von Aggregatdaten (Wahlergebnisse). Feldarbeit durch ein kommerzielles Umfrageinsitut.
VERÖFFENTLICHUNGEN: Neu, V.; Wilamowitz-Moellendorff, U. v.: Ostdeutsche Wähler verfügen über nur schwach ausgeprägte Parteibindungen. in: Das Parlament, 1998, Nr. 24.
ART: Eigenprojekt BEGINN: 199404 ENDE: 199805 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Institution
INSTITUTION: Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. Forschungsinstitut (Rathausallee 12, D-53730 Sankt Augustin)
KONTAKT: Bearbeiterin (Tel. 02241-246-249)
[63-L] Rosar, Ulrich:
Ethnozentrische Vorbehalte und die Unterstützung rechtsextremer Parteien 1980-1996, in: Richard Alba, Peter Schmidt, Martina Wasmer <Hrsg.>: Deutsche und Ausländer: Freunde, Fremde oder Feinde?: empirische Befunde und theoretische Erklärungen, Opladen: Westdt. Verl. 2000, S. 333-371, ISBN: 3-531-13491-4
INHALT: Der Beitrag zeigt anhand der ALLBUS-Daten 1996 und des POLITBAROMETER von 1980 bis 1996, dass ein wichtige Ursache für die Wahlerfolge rechter Flügelparteien in der Bundesrepublik Deutschland in der starken Verbreitung ethnozentristischer Vorbehalte innerhalb ihres Wählerpotentials zu sehen ist. Allerdings zeigen die Trendreihen der Jahre 1980 bis 1996, dass ethnozentrische Vorbehalte und die Neigung, eine rechtsradikale Partei zu wählen, sich im Zeitverlauf höchst unterschiedlich entwickelt haben und dass dabei nochmals auffällige Diskrepanzen zwischen den alten und neuen Bundesländern bestehen. Dies ist ein Indiz dafür, dass die Beziehung zwischen Ethnozentrismus und rechtsextremer parteipolitischer Orientierung eher moderat und instabil ist. Ethnozentristische Vorurteile sind daher nur ein Charakteristikum der Wählerschaft rechtsextremer Parteien. (ICA)
[64-F] Skenderovic, Damir (Bearbeitung); Altermatt, Urs (Leitung):
Rassismus und Politik in den neunziger Jahren
INHALT: Das Projekt "Rassismus und Politik in den neunziger Jahren" gehört zum sozialwissenschaftlichen Schwerpunktprogramm (SPP) "Zukunft Schweiz" und ist Teil des interuniversitären Forschungsverbundes "Rassismus, Xenophobie und die Fremden'. Konflikte und Strategien in der schweizerischen Gesellschaft" siehe Projekt Nr.5408. Das Projekt beschäftigt sich mit der xenophoben und rassistischen Politik, die Teil der politischen Strategien und Diskurse rechtspopulistischer Parteien und rechtsextremer Gruppierungen sind. Der Einbezug der historischen Perspektive wird es ermöglichen, die politischen Kontinuitäten seit den sechziger Jahren im Bereich des Rassismus aufzuzeigen. Die Forschungsarbeit stellt einerseits die Analyse der ideologischen Muster, politischen Anliegen und diskursiven Praktiken in den Vordergrund. Andererseits wird die organisationsstrukturelle Entwicklung der politischen Parteien und Gruppierungen näher betrachtet. Im Zusammenhang mit dem politischen System der Schweiz sind vor allem auch der Gebrauch von direktdemokratischen Mitteln und die Abstimmungskampagnen zu verschiedenen Urnengängen aufschlussreich. Die Ausarbeitung einer organisationsstrukturellen Typologie ist ein wichtiges Ziel des Projektes. Die Typologie erfasst Parteien und Gruppierungen, die durch rassistische und xenophobe Denk- und Verhaltensmuster gekennzeichnet sind. Sie wird eine detaillierte Ausdifferenzierung der vielfältigen ideologischen und politischen Landschaft beinhalten. Einen Schwerpunkt des Projektes bildet die Analyse der Diskurse und Strategien der rechtspopulistischen Parteien. Ihre Einflussnahme auf gesellschaftliche und politische Diskussionen zielt oftmals in Richtung Ethnisierung sozialer Konflikte und sozioökonomischer Ungleichheiten. Im dialektischen Prozess der Konstruktion von "Rassen", Ethnien und den "Fremden" werden einerseits kulturelle und/ oder biologische Merkmale als pejorative Kriterien für die Bezeichnung einer sozialen Gruppe verwendet. Dabei werden die negativ konnotierten Kennzeichen als naturgegebenes, unwandelbares Faktum vorausgesetzt. Andererseits wird die eigene Identitätsbildung produziert und eine positive Abhebung der eigenen Gruppe erreicht, beides sind Konstanten bei der Bildung kollektiver "Wir-Gruppen". GEOGRAPHISCHER RAUM: Schweiz
METHODE: Methodisch sind die Forschungsarbeiten qualitativ und quantitativ ausgerichtet. Die Verbindung von ereignisgeschichtlichen und strukturgeschichtlichen Methoden steht im Vordergrund. Die Quellenarbeit erstreckt sich auf eine weitangelegte Erfassung und Interpretation von schriftlichen Quellen. Die Primärquellen umfassen Schriftstücke von Parteien und Organisationen, wie Programme, öffentliche Stellungnahmen, Statuten, Sitzungsprotokolle, Mitteilungsorgane, Flugblätter usw. Die Publikationen und Voten von einzelnen politischen Exponenten gehören ebenfalls zu diesem Quellenbestand. Presseberichte bilden einen weiteren Teil der Quellensammlung. In die Forschungsarbeiten und damit auch in die Schlussergebnisse werden verschiedene quantitative Studien und Datensätze einfliessen, wie zum Beispiel aus der Wahlforschung. Hinzu kommen Umfragen und quantitative Analysen, die Aufschluss über die Verbreitung von Xenophobie und Rassismus in der Bevölkerung geben.
VERÖFFENTLICHUNGEN: Altermatt, Urs et al.: Rechte und linke Fundamentalopposition: Studien zur Schweizer Politik 1965-1990. Basel.+++Altermatt, Urs; Skenderovic, Damir: Die extreme Rechte: Organisation, Personen und Entwicklung in den achtziger und neunziger Jahren. in: Altermatt, Urs; Kreisi, Hanspeter (Hg.): Rechtextremismus in der Schweiz: Organisationen und Radikalisierung in der Schweiz. Zürich, pp.13-155.
ART: gefördert BEGINN: 199706 ENDE: 199912 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung
INSTITUTION: Universität Fribourg, Philosophische Fakultät, Seminar für Zeitgeschichte (Rue de l'Hopital 3, CH-1700 Fribourg)
[65-L] Wagner, Bernd:
Rechtsextremismus in Ostdeutschland und Ansätze zu Gegenstrategien, in: hrsg. von Werner Fricke: Jahrbuch Arbeit und Technik 1999/2000: was die Gesellschaft bewegt, Bonn: J. H. W. Dietz Nachf. 1999, S. 297-307, ISBN: 3-8012-4098-3
INHALT: "Der in den neuen Bundesländern entwickelte Rechtsextremismus besitzt verschiedene Facetten, die mit den Kategorien politischer Organisation allein nicht zu erfassen sind. Auffällig ist ein starkes völkisches Bewußtsein in der Bevölkerung und eine ausgeprägte rechtsextrem orientierte Jugendkulturlandschaft, die antichristlich-religiöse Züge ebenso in sich birgt wie zelluläre Netzwerke und politische Kaderstrukturen, braune Popkultur und Schlägergruppen. Westdeutsche rechtsextreme Parteien wie die DVU und die REP sind trotz einiger Zuwächse relativ schwach, anders die NPD, die vom völkischen Komplex und der rechtsextrem orientierten Jugendkulturlandschaft zehrt und sie inspiriert. Seit einiger Zeit gibt es Gegenstrategien mit dem Ziel, die zivile Gesellschaft zu entwickeln, Demokratie und ihre Werte im Alltag zu etablieren. Die Regionalen Arbeitsstellen für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule, das Zentrum Demokratische Kultur und die Amadeu Antonio Stiftung sind wichtige Agenturen in diesem Prozeß." (Autorenreferat)
[66-L] Werz, Nikolaus:
Nach den Wahlen: das Problem des Rechtsextremismus ist nur aufgeschoben, in: Gegenwartskunde, Jg. 47/1998, H. 4, S. 419-424 (Standort: UuStB Köln(38)-M XG00116; UB Bonn(5)-Z62/84; Kopie über Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Der Beitrag setzt sich mit dem Rechtsradikalismus in den neuen Bundesländern - insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern - auseinander. In der ehemaligen DDR hatten ein "verordneter Antifaschismus" und eine "Kollektiventnazifizierung" eine adäquate Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der Frage nach der Genese autoritärer Persönlichkeitsstrukturen verhindert. Erst mit der Zunahme ausländerfeindlicher Gewalttätigkeiten nach 1992 wurde die Thematisierung dieser Fragen dringlich. In der alten Bundesrepublik hatten die beiden großen Volksparteien CDU und SPD über lange Jahre die Ränder von Links und Rechts integrieren können. Mit den Turbulenzen und Brüchen der Wiedervereinigung sind Anstrengungen hinsichtlich der politischen Bildung vor allem in den neuen Bundesländern erforderlich, da - so die These des Autors - das Problem des Rechtsradikalismus nur aufgeschoben ist. (pre)
[67-L] Zimmermann, Ekkart:
Politischer Protest und die Akzeptanz der Demokratie, in: Universitas (Deutsche Ausgabe), Jg. 53/1998, H. 624, S. 548-560
INHALT: Im Zusammenhang mit randalierenden Skinheads, dem überraschenden Wahlerfolg der DVU in Sachsen-Anhalt und daneben dem Starrsinn mancher Alt-SEDler, die in der PDS überleben, befaßt sich der Autor mit der Frage, wie es die neuen Bundesländer mit der Demokratie halten. Er faßt die jüngsten soziologischen Untersuchungen zusammen und meint: Mangelnde Akzeptanz der Demokratie muß nicht automatisch mit Gewaltbereitschaft zusammen gehen. Dennoch gibt er keine Entwarnung. Die wirtschaftliche Entwicklung in Ostdeutschland lasse befürchten, daß die verbreitete Neigung zu Apathie und zu "einfachen" politischen Lösungen nicht abnimmt.
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