zurück zur Übersicht ¬ Rechtsradikalismus

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8 Diagnosen... (Ursachen, Theorien, Voraussetzungen)

[146-L] Althoff, Martina:

Die soziale Konstruktion von Fremdenfeindlichkeit, (Studien zur Sozialwissenschaft, Bd. 203), Opladen: Westdt. Verl. 1998, 282 S., ISBN: 3-531-13236-9

INHALT: "Fremdenfeindlichkeit ist ein Phänomen, das die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland entscheidend prägt und verändert hat. Eine soziologische Analyse des politischen Zusammenhangs von Fremdenfeindlichkeit ist mit der Frage verbunden, wie die Gesellschaft darauf reagiert und welche institutionalisierten Bedeutungen sie ihr zuweist. Die Autorin untersucht die Medienberichterstattung über die Ausschreitungen in Rostock/ Lichtenhagen und die politischen Auseinandersetzungen über das Asylrecht im Deutschen Bundestag, um zu erfahren, wie Fremdenfeindlichkeit sich innerhalb der politischen Kultur der Bundesrepublik etablieren konnte." (Autorenreferat)

[147-F] Bacher, Johann, Prof.Dr. (Bearbeitung):

Arbeitslosigkeit und Rechtsextremismus

INHALT: Zur Beantwortung der Frage nach dem Zusammenhang von Arbeitslosigkeit und Rechtsextremismus wird ein integriertes Erklärungsmodell entwickelt, das sekundäranalytisch geprüft wird. Als Datenbasis dienen der ALLBUS96 und die Nürnberger BerufsschülerInnenbefragung.

VERÖFFENTLICHUNGEN: keine Angaben ARBEITSPAPIERE: Bacher, J.: Arbeitslosigkeit und Rechtsextremismus. Forschungsergebnisse auf der Basis des ALLBUS 1996 und der BerufsschülerInnenbefragung 1999. Arbeits- und Diskussionspapiere des Lehrstuhls für Soziologie 6. 1999.

ART: keine Angabe BEGINN: 199903 ENDE: 199911 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe

INSTITUTION: Universität Erlangen-Nürnberg, Philosophische Fakultät 01, Institut für Soziologie Lehrstuhl für Soziologie Prof.Dr. Bacher (Findelgasse 7-9, D-90402 Nürnberg)

[148-L] Bacher, Johann:

Arbeitslosigkeit und Rechtsextremismus: Forschungsergebnisse auf der Basis des ALLBUS 1996 und der Nürnberger Berufsschülerinnenbefragung 1999, (Arbeits- und Diskussionspapiere / Universität Erlangen-Nürnberg, Sozialwissenschaftliches Institut, Lehrstuhl für Soziologie, 99-6), Nürnberg: 1999, 37 S. (Standort: UuStB Köln(38)-2000106129; Graue Literatur)

INHALT: Vor dem Hintergrund des Rechtsrucks in Deutschland seit der Wiedervereinigung geht die vorliegende Studie anhand von sozialwissenschaftlichen Befragungen (ALLBUS 1999) folgenden Fragestellungen nach: (1) Besteht ein Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und rechtsradikalen Einstellungen oder hat der Rechtsextremismus andere Ursachen? (2) Wie läßt sich dieser Zusammenhang gegebenenfalls erklären? Mit dem Wort "Rechtsextremismus" bezeichnet der Autor ein umfassendes Einstellungssyndrom mit verschiedenen Subdimensionen wie z.B. Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus, Autoritarismus, Demokratiefeindlichkeit, Nationalismus etc. Die Daten erlauben folgende Schlußfolgerungen: Rechtsextreme Einstellungen werden in primären und sekundären Sozialisationsinstanzen erlernt. Arbeitslosigkeit ist keine Ursache von rechtsextremen Einstellungen; sie kann jedoch rechtsradikale Einstellungen auslösen oder verstärken. (ICA)

[149-L] Bierhoff, Hans Werner; Wagner, Ulrich (Hrsg.):

Aggression und Gewalt: Phänomene, Ursachen und Interventionen, Stuttgart: Kohlhammer 1998, IX, 309 S., ISBN: 3-17-013044-7 (Standort: THB Aachen(82)-Ad5859)

INHALT: "Was sind die Ursachen für Aggression und Gewalt? Wie entsteht rechtsextreme und fremdenfeindliche Gewalt? Welche neueren Erkenntnisse gibt es zur sexuellen Gewalt, Gewalt im Umfeld von Sportereignissen und 'internationaler Gewalt'? Zu diesen und weiteren Fragen nehmen ausgewiesene Fachleute aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven Stellung. Insgesamt gibt das Buch den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Diskussion über Aggression und ihre Ursachen wieder. Möglichkeiten der Übertragung neuerer Erkenntnisse in den Alltag werden erläutert und konkrete Wege zur Reduktion von Aggression und Gewalt werden aufgezeigt." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Hans W. Bierhoff, Ulrich Wagner: Aggression: Definition, Theorie und Themen (2-25); Hans W. Bierhoff: Ärger, Aggression und Gerechtigkeit: Moralische Empörung und antisoziales Verhalten (26-47); Manfred Bornewasser: Soziale Konstruktion von Gewalt und Aggression (48-62); Peter Schönbach: Fehden und Rechenschaftsepisoden (63-87); James T. Tedeschi, Brian M. Quigley: Frühere und zukünftige Methoden der Aggressionsforschung (88-107); Barbara Krahe: Sexuelle Gewalt (108-127); Gunter A. Pilz: Gewalt im Umfeld von Fußballspielen - Ursachen und Möglichkeiten der Prävention (128-144); Ulrich Wagner, Andreas Zick: Ausländerfeindlichkeit, Vorurteile und diskriminierendes Verhalten (145-164); Wolfgang Frindte: Rechtsextreme Gewalt - sozialpsychologische Erklärungen und Befunde (165-205); Gert Sommer: Internationale Gewalt: Friedens- und Konfliktforschung (206-233); Franz Petermann: Entwicklung aggressiven Verhaltens: Diagnostik und psychotherapeutische Interventionen (234-257); Hans-Dieter Schwind: Möglichkeiten (staatlicher) Prävention und Intervention (258-279); Andreas Klink, Jürgen Hamberger, Miles Hewstone, Meltem Avci: Kontakte zwischen sozialen Gruppen als Mittel zur Reduktion von Aggression und Gewalt: Sozialpsychologische Theorien und ihre Anwendung in der Schule (280-306).

[150-L] Clemenz, Manfred:

Aspekte einer Theorie des aktuellen Rechtsradikalismus in Deutschland: eine sozialpsychologische Kritik, in: hrsg. von Hans-Dieter König: Sozialpsychologie des Rechtsextremismus, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1998, S. 126-176, ISBN: 3-518-28975-6

INHALT: Der Beitrag geht von der These aus, daß nationalistische und fremdenfeindliche Einstellungen nicht das Problem einer kleinen Minderheit sind, sondern daß es in der Bundesrepublik Deutschland ein relativ großes rechtsextremistisches Protestpotential gibt. Der Autor unterzieht den Ansatz, jugendlichen Rechtsextremismus durch soziale Desintegration zu erklären, einer kritischen Prüfung. Das These, daß das soziale Milieu gegen Rechtsradikalismus immunisiere, wird durch das Datenmaterial der Bielefelder Rechtsextremismus-Studie widerlegt. Auch wird die Bedeutung der familialen Sozialisation unterschätzt. Im Anschluß an die Erörterung der Autoritarismustheorie Adornos und der neueren Narzißmustheorien betont der Autor jedoch, daß anomietheoretische Ansätze (Heitmeyer u.a.) weiterhin heuristisch nützliche Modelle für die Erklärung des Rechtsextremismus sind. (pre)

[151-L] Hopf, Christel:

Familie und Autoritarismus - zur politischen Bedeutung sozialer Erfahrungen in der Familie, in: Susanne Rippl / Christian Seipel / Angela Kindervater <Hrsg.>: Autoritarismus: Kontroversen und Ansätze der aktuellen Autoritarismsuforschung, Opladen: Leske u. Budrich 2000, S. 33-52, ISBN: 3-8100-2634-4

INHALT: "In diesem Beitrag werden zentrale sozialisationstheoretische und familienbezogene Annahmen vorgestellt und diskutiert, die in der 'Authoritarian Personality' zur Erklärung faschistischer Potentiale entwickelt werden. Dabei werden neuere theoretische Traditionen - insbesondere die Tradition der Bindungsforschung - und neuere empirische Studien in die Diskussion einbezogen. Als nach wie vor relevant erscheinen vor allem: die Thesen der Berkeley-Gruppe zum Verhältnis von Gewissensentwicklung und Autoritarismus, die Thesen zum Umgang mit Aggressionen und zur Abwehr problematischer Beziehungserfahrungen (modifizierte Idealisierungsthese) und die Überlegungen zum Instrumentalismus der Autoritären. Es werden abschließend auch Überlegungen und Daten zum Verhältnis von latenter und manifester politischer Sozialisation in der Familie vorgestellt." (Autorenreferat)

[152-F] Kohlbacher, Josef, DDr.; Reeger, Ursula, Mag. (Bearbeitung):

Fremdenfeindlichkeit im sozialräumlichen Kontext. Der Einfluß von Wohnnachbarschaft und Ausländerkonzentration

INHALT: Untersuchung der Zusammenhänge zwischen der Wohnnachbarschaft zwischen In- und Ausländern, der Segregation bzw. Konzentration der ausländischen Wohnbevölkerung auf der Ebene von Baublöcken und den Ausprägungen von Fremdenfeindlichkeit in Wien, wobei auch bauliche Strukturen berücksichtigt werden. Hypothesen: Die Genese von Xenophobie im städtischen Raum stellt eine Funktion des Ausmaßes der disproportionalen Verteilung der ausländischen Bevölkerung dar. In sozial deklassierten Wohnmilieus kommt es zu Konflikten um die Teilhabe am "social overhead", deren Ausmaß das Ausmaß an Xenophobie beeinflußt. Eine ungünstige ökonomische Situation der inländischen Bevölkerung bedingt ökonomische Verteilungskonflikte und xenophobische Einstellungen. Die physischen, gebäudebezogenen Faktoren spielen eine Rolle, da mit zunehmender Nutzungsdichte einer Baulichkeit die Wahrscheinlichkeit von Nutzungskonflikten zunimmt. Diese ethnisch strukturierten Nutzungskonflikte verstärken die Fremdenfeindlichkeit. Ausmaß der Xenophobie besonders abhängig von soziodemographischen Variablen (Alter, Bildung), aber auch von interethnischer Kontaktfrequenz und Kontaktintensität abhängig. Vorurteilsreduzierender Effekt nachbarschaftlicher Kontakte zwischen Inländern und Ausländern, interethnische Kontaktfrequenz in nachbarschaftlichem Kontakt relativ gering. GEOGRAPHISCHER RAUM: Wien

METHODE: Theoretische Basis: Sozialraumanalyse (Konzepte der Segregation und Konzentration); Kontakthypothese der Sozialpsychologie. Untersuchungsdesign: Querschnitt. DATENGEWINNUNG: Standardisierte Befragung, face to face (Stichprobe: 630; 10.600 Wiener Baublöcke; Auswahlverfahren: Random). Feldarbeit durch ein kommerzielles Umfrageinstitut (Fessel).

VERÖFFENTLICHUNGEN: keine Angaben ARBEITSPAPIERE: Kohlbacher, Josef; Reeger, Ursula: Fremdenfeindlichkeit im sozial-räumlichen Kontext. Der Einfluß von Wohnnachbarschaft und Ausländerkonzentration. Zwischenbericht I. Wien 1997.+++Kohlbacher, Josef: Interethnische Wohnnachbarschaft - soziales Kontakt- oder Konfliktterain? Wien 1999.+++Kohlbacher, Josef; Reeger, Ursula: Fremdenfeindlichkeit in Wien. Beiträge zur Stadt- und Regionalforschung. Wien 2000.+++Kohlbacher, Josef; Reeger, Ursula: Fremdenfeindlichkeit im sozialräumlichen Kontext. Zwischenbericht II. Wien 1998.

ART: Auftragsforschung BEGINN: 199611 ENDE: 199912 AUFTRAGGEBER: Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr FINANZIERER: Auftraggeber

INSTITUTION: Österreichische Akademie der Wissenschaften, Institut für Stadt- und Regionalplanung (Postgasse 7, A-1010 Wien)

KONTAKT: Kohlbacher, Josef (Dr. Fax. 01-51581-533, e-mail: josef.kohlbacher@oeaw.ac.at)

[153-L] König, Hans-Dieter (Hrsg.):

Sozialpsychologie des Rechtsextremismus, (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft : Soziologie, Theorie der Gesellschaft, 1375), Frankfurt am Main: Suhrkamp 1998, 418 S., ISBN: 3-518-28975-6

INHALT: "Die Studien dieses Bandes konzentrieren sich auf sozialisationstheoretische und sozialpsychologische Fragestellungen, die in den sozialwissenschaftlichen Diskussionen zum Rechtsextremismus Jugendlicher der neunziger Jahre weitgehend ausgeblendet blieben. Auf unterschiedliche Weise sind die Aufsätze dem am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt entwickelten Projekt einer hermeneutischen Sozialforschung verpflichtet, das wesentliche Ansprüche der Adornoschen Methodologie einzulösen versucht. Es geht darum, sich die 'lebendige Erfahrung' der Sache durch eine 'tastende Spurensuche' zu erschließen, die das Besondere emeplarischer Fallrekonstruktionen als Ausdruck eines gesellschaftlichen Allgemeinen begreift. Untersucht wird unter anderem die Eigenart der Großkundgebungen des Nationalsozialismus, dessen Inszenierungsmuster und Weltanschauung der aktuelle Rechtsextremismus wieder belebt; die zu Beginn der neunziger Jahre eskalierende Gewaltbereitschaft fremdenfeindlicher Jugendlicher; und schließlich - am Beispiel des Bonengel-Films 'Beruf Neonazi' - die politische Agitation des Kaders einer rechtsextremistischen Organisation, der durch mediale Inszenierungen Jugendliche zu politisieren versucht hat. Auf der Basis dieser Fallrekonstruktionen werden in der soziologischen Rechtsextremismusforschung verbreitete Irrtümer und Vorurteile einer eingehenden Kritik unterzogen. Zugleich stellen die aus der Perspektive der objektiven Hermeneutik, der psychoanalytischen Sozialforschung (einschließlich der Tiefenhermeneutik und der Ethnohermeneutik) sowie der Biographieforschung entwickelten Studien zur Sozialpsychologie des Rechtsextremismus Beiträge zu einem Vergleich der Methoden dar, die im Zuge des Frankfurter Projekts einer hermeneutischen Sozialforschung ausgearbeitet worden sind." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: M. Erdheim: Irrationalität und Rechtsextremismus (20-40); H.-D.: Hitler als charismatischer Massenführer. Tiefenhermeneutische Fallrekonstruktion zweier Sequenzen aus Leni Riefenstahls 'Triumph des Willens' und ihre sozialisationstheoretische Relevanz (41-82); U. Oevermann: Zur soziologischen Erklärung und öffentlichen Interpretation von Phänomenen der Gewalt und des Rechtsextremismus bei Jugendlichen. Zugleich eine Analyse des kulturnationalen Syndroms (83-125); M. Clemenz: Aspekte einer Theorie des aktuellen Rechtsradikalismus in Deutschland. Eine sozialpsychologische Kritik (126-176); H.-D. König: Die rechte Subkultur und die Motive Jugendlicher Gewalttäter. Sozialpsychologische Kritik der Studie von Willems u.a. zur fremdenfeindlichen Gewalt (177-215); H. Bosse, V. King: Die Angst vor dem Fremden und die Sehnsucht nach dem Fremden in der Adoleszenz. Fallstudie einer Gruppe von Spätadoleszenten, interpretiert mit dem Ansatz psychoanalytisch-sozialwissenschaftlicher Hermeneutik und der Ethnohermeneutik (216-256); E. Nölke: Marginalisierung und Rechtsextremismus. Exemplanische Rekonstruktion der Biographie- und Bildungsverläufe von Jugendlichen aus dem Umfeld der rechten Szene (257-278); H.-D. König: Arbeitslosigkeit, Adoleszenzkrise und Rechtsextremismus. Eine Kritik der Heitmeyerschen Sozialisationstheorie aufgrund einer tiefenhermeneutischen Sekundäranalyse (279-319); H. Steinert: Genre Selbstdarstellung. Zur Einordnung des Films von Winfried Bonengel (320-331); U. Apitzsch: "Das ist meine Zukunft übrigens hier: Kamera vor meiner Nase und die Juden im Nacken". Ewald Althans' biographische Selbstpräsentation als Neonazi: Ein Anlaß zur Weiterführung der Debatte um den Typus des "Neuen Autoritarismus" (332-346); L. Inowlocki: Zur Intensivierung rechtsextremer Zugehörigkeit am Beispiel des Films 'Beruf Neonazi' von Winfried Bonengel (347-371); H.-D. König: Ein Neonazi in Auschwitz. Tiefenhermeneutische Rekonstruktion einer Filmsequenz aus Bonengels 'Beruf Neonazi' und ihre Wirkung im kulturellen Klima der Postmoderne (372-416).

[154-L] Lüdemann, Christian:

Das Makro-Mikro-Makro-Modell von James S. Coleman, Kontrollübertragungen und fremdenfeindliche Gewalt, in: Hans-Peter Müller, Michael Schmid <Hrsg.>: Norm, Herrschaft und Vertrauen: Beiträge zu James S. Colemans Grundlagen der Sozialtheorie, Opladen: Westdt. Verl. 1998, S. 157-179, ISBN: 3-531-13229-6 (Standort: UB Bonn(5)-98-4535)

INHALT: Auf der Grundlage von Zeitreihendaten versucht der Beitrag, die unterschiedliche Eskalation fremdenfeindlicher Gewalt in Deutschland nach den Ereignissen von Hoyerswerda und Rostock im Vergleich zu den Anschlägen von Mölln und Solingen zu erklären. Basis dieser Erklärung ist Makro-Mikro-Makro-Modell vom James S. Coleman sowie ein Schwellenwertmodell kollektiven Handelns, das die Modellierung der gegenseitigen Übertragung von Kontrolle über Handlungen gestattet. Im Rahmen dieses Modell wird der Einfluß gesellschaftlicher Makro-Ereignisse (Wiedervereinigung, Anstieg der Asylbewerberzahlen, Medienberichterstattung) auf die Mikro-Ebene handelnder Akteure in einem dynamischen Mehr-Ebenen-Modell durchgespielt. Der Autor hält das von Coleman entwickelte Modell für theoretisch triftig und empirisch tragfähig, was Verbesserungen im Detail nicht ausschließt. (pre)

[155-L] Lüdemann, Christian:

Rational Choice und die Mobilisierung kollektiver Gewalt gegenüber Fremden in der Bundesrepublik, in: Ulrich Druwe, Steffen Kühnel, Volker Kunz <Hrsg.>: Kontext, Akteur und strategische Interaktion: Untersuchungen zur Organisation politischen Handelns in modernen Gesellschaften, Opladen: Leske u. Budrich 2000, S. 17-46, ISBN: 3-8100-2519-4 (Standort: UB Bonn(5)-99-13565)

INHALT: Der Verfasser versucht auf der Basis von Zeitreihen- und Umfragedaten über fremdenfeindliche Anschläge in der Bundesrepublik, unterschiedliche Entwicklungen in der Eskalation fremdenfeindlicher Gewalt zu erklären. Auf der Basis verschiedener Konzepte der Theorie rationalen Handelns (Wert-Erwartungstheorie, Einstellungstheorie, Schwellenwertmodell) wird im Rahmen eines dynamischen Mikro-Makro-Modells der Einfluss kontextueller Parameter auf die individuelle Ebene der politischen Akteure dargestellt. Als besonders aufschlussreich erweist sich in diesem Zusammenhang die Unterscheidung zwischen internen und externen Handlungsanreizen für gewalttätiges Handeln gegenüber Fremden. Die unterschiedlichen, über die Massenmedien vermittelten Handlungsanreize nach Hoyerswerda, Rostock, Mölln und Solingen führten zu unterschiedlichen Verteilungen von Schwellenwerten in Gruppen potentieller Täter und damit zu unterschiedlichen Gewaltmobilisierungen nach den vier genannten Ereignissen. Anhand von ALLBUS-Datensätzen wird die hohe Erklärungskraft der Einstellungstheorie von Fishbein und Ajzen in Hinblick auf fremdenfeindliche Einstellungen demonstriert. (ICE2)

[156-L] Mantino, Susanne:

Ursachen von Rechtsextremismus: ein heuristisches Erklärungskonzept, (Nomos Universitätsschriften : Politik, Bd. 96), Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges. 1999, 228 S., ISBN: 3-7890-5849-1 (Standort: UB Bonn(5)-99-13061)

INHALT: "Rechtsextremismus ist ein Thema, das bis heute leider nicht an Aktualität verloren hat. Immer wieder werden rechtsextremistisch orientierte Gewalttaten durchgeführt; ebenso besteht eine Kontinuität von rechtsextremen Parteien und Organisationen sowie der intellektuellen Verbreitung rechtsextremen Gedankengutes. Die vorliegende Arbeit gewinnt durch die Brisanz dieser Erscheinungsform politischen Handelns besonderen Stellenwert: sie hat es sich zum Ziel gesetzt, einen Erklärungsversuch der Ursachen von Rechtsextremismus zu formulieren, der als Voraussetzung von gezielten Anstrengungen im Hinblick auf die Vermeidung solcher Tendenzen erachtet wird. Nicht zuletzt dient die Arbeit einem wissenschaftstheoretischen Anliegen, das darin besteht, die in der Rechtsextremismusforschung bisher vernachlässigte Theoriendiskussion aufzugreifen, zu systematisieren und eine heuristische Richtungsweisung für weitere wissenschaftliche Ursachenanalysen zu liefern. Forschungsleitend ist dabei eine Betrachtungsperspektive, die eine häufig als Selbstverständlichkeit vorausgesetzte Wahrnehmung von Welt hinterfragt: 'Wir alle beginnen als 'naive Realisten'. Wie selbstverständlich gehen wir davon aus, daß es, erstens, eine von unserem erkennenden Subjekt unabhängige Welt gibt und daß diese Welt um uns, zweitens, auch 'in Wirklichkeit' so ist, wie wir sie erleben: daß der Himmel über uns blau und der Schnee auf dem Dach kalt ist, daß die Rose duftet und aus dem Radio Töne dringen' (Heinz Penzlin). Dem steht der/die 'kritische' Realist/Realistin gegenüber, und dies ist der Blickwinkel der Autorin der Arbeit, der/die es hinterfrägt, ob die von uns wahrgenommenen Merkmale der Welt auch solche der Außenwelt sind, oder ob wir diese erst deshalb wahrnehmen, da wir für sie entsprechende Empfangsstrukturen entwickelt haben. Dieser Perspektive folgend bedeutet für den Sozialwissenschaftler/die Sozialwissenschaftlerin, sich am Anfang des Forschungsprozesses mit der subjektiven Wahrnehmung seines Forschungsgegenstandes, dem Menschen, zu befassen und diese entsprechend in den Forschungsprozeß zu integrieren. Welche Konsequenzen dies für die Erklärung von sozialen Phänomenen - hier die Erklärung der Erfolgsbedingungen von rechtsextremen Bewegungen - hat, zeigt die vorliegende Arbeit, die damit einer noch sehr am Anfang stehenden Diskussion einer individualistischen Betrachtungsweise kollektiver Explananden Überzeugungskraft verleihen soll." (Textauszug)

[157-L] Menschik-Bendele, Jutta; Ottomeyer, Klaus; Zeichen, Sigrid; Mairitsch, Elisabeth; Trinkel, Gerda; Krall, Hannes; Trannacher, Sieglinde; Berghold, Jo; Wieser, Michael; Wiegele, Barbara:

Sozialpsychologie des Rechtsextremismus: Entstehung und Veränderung eines Syndroms, Opladen: Leske u. Budrich 1998, 313 S., ISBN: 3-8100-1999-2

INHALT: Diese Publikation beschreibt den theoretischen Rahmen und die Ergebnisse eines empirischen Forschungsprojektes, das von 1995 bis 1997 im österreichischen Bundesland Kärnten, der "Haider-Hochburg", durchgeführt worden ist. Dabei untersuchte ein Forscherteam schwerpunktmässig durch Workshops mit 12- bis 19jährigen Schülerinnen und Schülern die sozialpsychologische Wirkung, Verbreitung und Veränderbarkeit des Rechtsextremismus in dieser Region. Ergänzt wurde dieses Datenmaterial durch einen Gesprächsworkshop mit auffällig-rechtsradikalen, gewalttätigen Jugendlichen, Material aus der psychotherapeutischen Beratungs- und Betreuungsarbeit mit Rechtsextremisten und eine exemplarische Analyse rechtsextremer Medien (einer einschlägigen Schülerzeitschrift und von rechten Computer-Netzwerken). Wie die Ergebnissen zeigen, ist eine autoritär-zwanghafte Persönlichkeitsstruktur für die Entstehung des Rechtsextremismus bei Jugendlichen unbedeutend; viel wichtiger sind dabei situative Verunsicherungen und agitatorische Verführung. Zum Syndrom des Rechtsextremismus gehören des weiteren eine ökonomisch bedingte "Überzähligkeitsangst", Unsicherheit in Bezug auf den männlichen Körper und bestimmte Eigentümlichkeiten der Gewissensfunktion. Solche entwicklungsbedingten Konflikte in der Adoleszenz (Identitätsprobleme u.a.) werden dann häufig auf das Fremde oder die "Ausländer" projeziert und dort "abgehandelt". Inhaltsverzeichnis: Menschik-Bendele, Jutta/ Ottomeyer, Klaus: Vorbemerkungen zum Projekt und zur Methode; Ottomeyer, Klaus: Theoretischer Rahmen und Ergebnisse der Studie; Ottomeyer, Klaus/ Zeichen, Sigrid: "Stolz auf die weisse Rasse": junge Rechtsextreme im Gruppengespräch; Ottomeyer, Klaus/ Zeichen, Sigrid: Rechtsextremismus in der Psychotherapie; Ottomeyer, Klaus/ Zeichen, Sigrid: Böse Onkels - gute Tanten: Patrick - ein Proband der Bewährungshilfe; Ottomeyer, Klaus/ Zeichen, Sigrid: Gruppenarbeit in der Bewährungshilfe; Mairitsch, Elisabeth/ Trinkel, Gerda: "Kanacken knacken und Tschuschen tuschen": Ausländer und Gewalt am Beispiel von zwei Hauptschulklassen; Krall, Hannes: "Born to be wild" - von Berufsschülern, ihren Ängsten und der Gewalt gegenüber Ausländern; Ottomeyer, Klaus/ Trannacher, Sieglinde: "Kein Grund zur Panik": ein Forschungsüberblick über die Ergebnisse der Schüler-Workshops; Krall, Hannes: "Ich habe ein bisschen viel geschlägert": Gewaltprävention in der Schule; Berghold, Jo: Gruppenphantasien und Bilderwelten am Beispiel einer rechtsextremen Schülerzeitung; Wieser, Michael: Rechtsextremismus und Computerkultur: Die Verwendung der neuen Medien am rechten Rand; Trannacher, Sieglinde: Fördernde Bedingungen für Rechtsextremismus in einer Region und in den Beziehungen zwischen den Generationen; Wiegele, Barbara: "Save our souls and bodies"; Menschik-Bendele, Jutta: "Plötzlich ist die Selbstsicherheit weg" - Grössenphantasie und Schuldgefühl bei männlichen und weiblichen Jugendlichen; Autorenteam: Ergebnisse, Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten gegen Rechtsextremismus. (DJI/Sd)

[158-L] Modena, Emilio (Hrsg.):

Das Faschismus-Syndrom: zur Psychoanalyse der Neuen Rechten in Europa, (Bibliothek der Psychoanalyse), Gießen: Psychosozial-Verl. 1998, 435 S., ISBN: 3-932133-04-8 (Standort: UB Siegen(467)-21HWX2066)

INHALT: "Auf Einladung des Psychoanalytischen Seminars Zürich sind fünfzehn jüngre und ältere PsychoanalytikerInnen und SozialpsychologInnen - darunter so bekannte Namen wie Mario Erdheim, Klaus Ottomeyer, Horst-Eberhard Richter - diesen Fragen nachgegangen. Ihre Beiträge zeichnen mosaikartig ein erschreckend klares Bild von der Gefährdung der Demokratie. Das 'Faschismus-Syndrom', weitgehend identisch mit Adornos 'autoritärem Charakter', ist der immer noch fruchtbare Schoß, der aufgrund einer massenhaften Regression zu primärprozeßhaftem Denken und Fühlen die Monster gebiert. Unter existentiellem Druck beginnen sich immer mehr Menschen so zu verhalten wie Borderline-Persönlichkeiten. Das ist die Stunde der rechtsextremen Führer und Aktivisten, deren ressentimentgeleitete Heilsversprechungen nun wie magisch geglaubt werden. Dagegen müssen - und können - die Kräfte der Vernuft geweckt und soziale Solidarität mobilisiert werden." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Angelika Ebrecht: Über das Unheimliche im 'rechten' Leben - Zur psychischen Funktion der Neuen Rechten für die politische Kultur der Bundesrepublik Deutschland (13-34); Isidro Fernandez: Die Schatten der Macht: Der Frankismus und die extreme Rechte im heutigen Spanien - Eine psychosoziale Annäherung (35-56); Bernhard W. Sigg: Das Archaische im Sturmangriff auf die Republik (57-74); Klaus Ottomeyer: Rechtstrend und Haider-Faszination in Österreich (75-99); Paul Parin: Ethnisierung der Politik - Ex-Jugoslawien: vom National-Kommunismus zum 'National-Sozialismus' (100-118); Honorio Grieco und Ursula Hauser: Uruguay als Beispiel lateinamerikanischer Diktaturen? (119-139); Markus Weilenmann: In Burundi gibt es keine Ethnien - aber 'ethnische' Massaker (140-175); Emilio Modena: Das Faschismus-Syndrom - Zur Psychoanalyse der Neuen Rechten in Europa (176-202); Berthold Rothschild: Zur Psychologie des kannibalischen WOhlbefindens (205-227); Horst-Eberhard Richter: Zur Psychoanalyse des Rechtsradikalismus (228-239); Hans-Dieter König: Ein Rechtsextremist in Auschwitz - Tiefenhermeneutische Rekonstruktion einer Filmsequenz aus Bonengels 'Beruf Neonazi' und ihre Wirkung im kulturellen Klima der Postmoderne (240-279); Norbert Spangenberg: Die Seelen der Toten drängen sich in Scharen wie ein Schwarm von Fliegen: Nationalsozialistische Massenbildungen im heutigen Deutschland (280-310); Mario Erdheim: Adoleszenz, Esoterik und Faschismus (311-329); Maya Nadig: Geschlechtsspezifische Aspekte in fremdenfeindlichen Abwehrformen (330-357); Robert Heim: Opferkult, Gewalt und ziviles Über-Ich - Psychoanalytische Kulturtheorie des Sündenbocks (358-389); Gertrud Hardtmann: Die Gewalt der Lüge, die Lüge der Gewalt - Gespräche mit rechtsradikalen Jugendlichen (390-411); Ludger von Gisteren: Verdeckte Kontinuitäten in den Nachwirkungen des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik (415-430).

[159-F] Nachtigall, Christof, Dipl.-Psych. (Bearbeitung); Mortensen, Uwe, Prof.Dr. (Betreuung):

Selbstorganisation und Gewalt

INHALT: Ziel der Arbeit ist die Übertragung von Konzepten der Selbstorganisation auf die Psychologie, insbesondere auf Gruppenprozesse. Unter dieser Perspektive können fremdenfeindliche Gewalttaten auf die Eigendynamik von Gruppennormen zurückgeführt werden.

METHODE: Grundlegender Ansatz sind dynamische Systeme, welche Veränderungen über die Zeit beschreiben und die Entstehung geordneter Strukturen aus einer Fülle von Wechselwirkungen zu erklären vermögen (Stichwort Synergetik). Die Übertragung auf die Sozialpsychologie konzentriert sich auf empirische Arbeiten zur Gruppenpolarisierung und die Theorie der Selbst-Kategorisierung.

ART: Dissertation BEGINN: 199210 ENDE: 199610 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche Forschungsgemeinschaft

INSTITUTION: Universität Münster, FB 07 Psychologie und Sportwissenschaft, Psychologisches Institut 03 Methodenlehre, Entwicklungspsychologie, Pädagogische Psychologie (Fliednerstr. 21, D-48149 Münster)

KONTAKT: Bearbeiter (e-mail: s7nach@uni-jena.de, Tel. 03641-9-45234)

[160-L] Nachtigall, Christof:

Selbstorganisation und Gewalt, (Internationale Hochschulschriften, Bd. 259), Münster: Waxmann 1998, 157 S., ISBN: 3-89325-579-6 (Standort: UuStB Köln(38)-11Z4637)

INHALT: "Gewalttaten, bei denen die Täter in Gruppen auf brutale Weise vorgehen, ohne dabei auch nur ein Unrechtsempfinden erkennen zu lassen, schockieren immer wieder die Öffentlichkeit. Angriffe auf Asylbewerberheime, die 'Ausländerjagden' durch Innenstädte oder Überfälle auf Campingplätze bilden eine nicht endende Folge von Gewalttaten, deren Erklärung nach wie vor unzureichend ist. Hier setzt dieses Buch an: Gruppengewalt wird aus der Perspektive der Selbstorganisation betrachtet. Dazu wird auf verständliche Weise eine Einführung in die Konzepte der Selbstorganisation gegeben und deren Bezug zu aktuellen Gruppen- und Gewalttheorien aufgezeigt. Gruppengewalt läßt sich in diesem Rahmen auf durchaus 'normale' Gruppenprozesse zurückführen - Gewalt entsteht aus einer eigendynamischen Extremisierung von Gruppennormen. Daraus resultierende Einflußmöglichkeiten auf die Entstehung von Gewalt werden aufgezeigt." (Autorenreferat)

[161-F] Neumann, Jörg, Dipl.-Psych.; Gassebner, Martina, Dipl.-Soz.; Wiezorek, Christine, Dipl.-Päd.; Tramitz, Christiane, Dr. (Bearbeitung); Frindte, Wolfgang, Prof.Dr.phil.habil; Wahl, Klaus, Priv.Doz. Dr. (Leitung):

Biographische Hintergründe und Motivationen fremdenfeindlicher Gewalttäter

INHALT: Angesichts nicht abnehmender fremdenfeindlicher Gewalttaten steigt das Interesse an vertieften Informationen über die Täter. Eine Totalerhebung von Straftäter- und Gerichtsakten des Bundesministeriums des Innern, die ein statistisch vollständiges, aber oberflächliches, institutionell gefiltertes Täterbild liefert, soll durch die hier geplante Studie bei n=100 fremdenfeindlichen Gewalttätern vertieft werden. Untersucht werden das Spektrum biographischer Prozesse mit ihren Weichenstellungen zu Fremdenfeindlichkeit, die Motivationsprozesse, das psychologische Profil und der soziale Hintergrund der Täter. Spezielles Interesse gilt neben der Sozialisation der Einstellungen auch den Emotionen, die für Fremdenfeindlichkeit sehr bedeutsam sind (durch Einsatz neuer Methoden). Ziel ist das Aufzeigen strategischer Punkte der emotionalen, kognitiven und sozialen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, an denen eine differenzierte und effektive Prävention ansetzen muß.

METHODE: Untersuchungsdesign: Querschnitt. DATENGEWINNUNG: Qualitatives Interview; Standardisierte Befragung, face to face (Stichprobe: 100; Strafgefangene in Justizvollzugsanstalten, Jugendarrestanstalten und im Rahmen der Bewährungshilfe; Auswahlverfahren: anfallend). Feldarbeit durch Mitarbeiter/-innen des Projekts.

ART: gefördert BEGINN: 199906 ENDE: 200011 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Volkswagen Stiftung

INSTITUTION: Universität Jena, Fak. für Sozial- und Verhaltenswissenschaften, Institut für Psychologie Abteilung Kommunikationspsychologie (Am Steiger 3, D-07743 Jena)

KONTAKT: Frindte, Wolfgang (Prof.Dr. Tel 03641-945280, e-mail: swf@uni-jena.de)

[162-L] Seipel, Christian; Rippl, Susanne:

Ansätze der Rechtsextremismusforschung: ein empirischer Theorienvergleich, in: Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation, Jg. 20/2000, H. 3, S. 303-318 (Standort: UuStB Köln(38)-XG02735; Kopie über Literaturdienst erhältlich)

INHALT: "In der aktuellen Rechtsextremismusforschung haben sich inzwischen verschiedene theoretische Ansätze zur Erklärung von Ausländerfeindlichkeit herausgebildet. Als zentral haben sich der modernisierungs-, der deprivations- und der sozialisations-theoretische Ansatz etabliert. Was weitgehend in der aktuellen Forschung fehlt, ist ein empirischer Vergleich der Leistungsfähigkeit dieser Ansätze. In der vorliegenden Studie wird ein solcher empirischer Theorienvergleich vorgelegt. Ein weiterer Schwerpunkt der empirischen Analyse bildet die Frage, inwieweit in Ost- und Westdeutschland von unterschiedlichen Wirkungsgefügen ausgegangen werden muß. Datengrundlage der empirischen Analysen ist eine Stichprobe von 673 jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 29 Jahren aus West- und Ostdeutschland, die aus der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage 1996 entnommen wurde." (Autorenreferat)

[163-L] Trüller, Dirk:

Die Macht der Gefühle - Gefühle der Macht: Gewaltphantasien und Emotionalität in der Musikszene rechter Skins, in: Sighard Neckel / Michael Schwab-Trapp <Hrsg.>: Ordnungen der Gewalt: Beiträge zu einer politischen Soziologie der Gewalt und des Krieges, Opladen: Leske u. Budrich 1999, S. 55-69, ISBN: 3-8100-2306-X

INHALT: Der Beitrag untersucht das Verhältnis von Emotionalität, Gewalt und Vergemeinschaftung in den Gruppen der rechten Skinheadszene. Gewaltstilisierung und Gewaltsymbolik haben in diesen Gruppen eine Bedeutung, die mit dem Verweis auf die politisch-programmatischen Positionen nicht hinreichend erklärt ist. Stil und Symbol erlauben es den Skinheads rasch, Informationen über Zugehörigkeit, Ähnlichkeit der Stilgruppe und vor allem Gefühlslagen zu signalisieren. Die Jugendgruppen sind emotional relativ stabile Gebilde, bei denen es vor allem die Musik ermöglicht, über Gefühle zu kommunizieren und Wechselwirkungen anzustoßen, die im Resultat die Gruppenkohäsion stärken. Die Stilisierung von körperlicher Stärke, Maskulinität und Gewalt erzeugen eine emotionale Atmosphäre von Zugehörigkeit und Abgrenzung. (pre)

[164-L] Wobbe, Theresa; Trüller, Dirk:

Georg Simmels Soziologie emotionaler Vergemeinschaftungen: zur Gruppenbildung in der rechten Skinheadszene, in: Ansgar Klein ; Frank Nullmeier <Hrsg.>: Masse - Macht - Emotionen: zu einer politischen Soziologie der Emotionen, Opladen: Westdt. Verl. 1999, S. 137-150, ISBN: 3-531-13263-6

INHALT: "Die emotionssoziologischen Überlegungen Georg Simmels werden im Beitrag von Theresa Wobbe und Dirk Trüller für eine Analyse von affektiven Dimensionen der Gruppenbildungsprozesse in der rechten Skinhead-Szene fruchtbar gemacht. Emotionen gewährleisten Bestandsvoraussetzungen der Gruppe und sichern Strukturierungen von Prozessabläufen in der Gruppe ab, und zwar gerade dort, wo Formalisierung und Institutionalisierung schwach ausgeprägt sind. Die 'Ehre' ist nach Simmel ein entscheidender Modus zur Selbsterhaltung einer sozialen Gruppe. Das Ehrgefühl jedes einzelnen lässt sich aktualisieren, wenn die Gruppe von aussen als bedroht erscheint. Zum Ehrenkodex der Gruppenzusammenhänge der Skinheads gehören Kampfbereitschaft, männliche Härte und Schonungslosigkeit. Nationalität und Männlichkeit sind oberste Bezugswerte des Ehrenkodex. Untersucht werden Stil und Symbolik der rechten Skin-Szene. Deren besondere Merkmale sind Stärke, Maskulinität und Gewalt. Musik ist das zentrale gemeinschaftsstiftende Medium dieser Szene, wobei Bilder und Gefühlsstimmungen wichtiger sind als redundante politische Inhalte. Treue und Dankbarkeit nach innen korrelieren mit feindseligen und aversiven Gefühlen gegenüber Gruppenfremden. Die ethnische Ehre (als Deutsche) und die Gruppenehre (als kämpferische, männliche Skins) richten sich in ihrer Verachtung gegen Fremde, wobei hierunter nicht nur 'Ausländer', 'Asylanten' oder 'Schwarze', sondern auch andere Stilgruppen (Punks), Statusgruppen ('Bonzen', 'Spießer'), politisch Andersdenkende, Männer mit anderer sexueller Orientierung und Frauen, die nicht den normativen Erwartungen entsprechen, fallen." (Textauszug)


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