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Gesamtwirtschaftliche Daten und Ziele

 

Gesamtwirtschaftliche Daten und Ziele


Wirtschaftsordnung

Die sog. Soziale Marktwirtschaft, die Ludwig Erhardt als Wirtschaftsminister nach dem zweiten Weltkrieg in Deutschland einführte, setzt neben dem Wettbewerb als gestaltendes Element auf den Märkten auch den Schutz eben dieses Wettbewerbs voraus. Dies ist im „Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen“ geregelt.

Das Bundeskartellamt, das für den ordnungspolitischen Schutz des Wettbewerbs zuständig ist und wettbewerbbeschränkende Absprachen zwischen Unternehmen und den Missbrauch marktbeherrschender Macht mit justizähnlichen Verfahren verfolgt, leitete 2003 und 2004 insgesamt 81 neue Verfahren ein und verhängte mit einer Gesamtsumme von 775 Mio. Euro die höchste Summe an Geldbußen seit seiner Gründung im Jahr 1949.


Preisniveaustabilität

Die wichtigen wirtschaftspolitischen Ziele verzeichnen unterschiedliche Zielerreichungsgrade. Die Preise sind in den letzten Jahrzehnten zwar in absoluten Zahlen stetig leicht angestiegen, aber mit abnehmender Wachstumsrate. So lag die Preissteigerungsrate im Jahr 1992 noch bei 5,1 Prozent, für 2004 ergibt sich ein Wert von nur noch 1,6 Prozent. Einen kleinen Ausreißer gibt es im Jahr 2001: vor der Einführung des Euro wurden die Preise mäßig um 2,0 Prozent erhöht.


Außenhandel und Zahlungsbilanz

Bei der Zahlungsbilanz überwiegen aufgrund der hohen Exporte von Gütern und Dienstleistungen der deutschen Wirtschaft die Kapitalzuflüsse aus dem Ausland, wobei der deutsche Ausfuhrüberschuss im Jahr 2004 mit 156 Mrd. Euro den höchsten Wert seit 1950 darstellt. Damit ist Deutschland eine wichtige Exportnation, die Nachfrage aus dem Ausland erweist sich als starke  Stütze des deutschen Bruttosozialprodukts.


Wirtschaftswachstum

Ein stetiges Wachstum gilt als einer der wichtigsten wirtschaftspolitischen Werte in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Die Wachstumsrate des deutschen Bruttoinlandsproduktes misst den realen Wert der erwirtschafteten Leistung im Vergleich zum Vorjahr: Die deutsche Wirtschaft wuchs somit im Jahre 2001 um 0,6 Prozent, 2002 nur um 0,2 Prozent. 2003 gab es einen Stillstand, 2004 stieg die Wirtschaftsleistung wieder um 1,6 Prozent, vor allem durch den oben schon erwähnten höheren Außenhandel.

Wenn man sich die deutsche Wachstumsrate im Kontext der 25 EU-Länder ansieht, ist festzustellen, dass Deutschland im Jahr 2004 auf Platz 21 gelandet ist; für 2005 prognostiziert die EU-Kommission sogar mit 0,8 Prozentpunkten für Deutschland den letzten Platz: in keinem Land der EU wäre die Wirtschaft dann so gering gewachsen wie in Deutschland.


Insolvenzen

Das gesamtwirtschaftliche geringe Wachstum findet seine Entsprechung im Wachstum bzw. Niedergang der Wirtschaftstätigkeit von Unternehmen und Betrieben. Daher ist die Zahl der Insolvenzen ein wichtiger Indikator für die Beurteilung der Wirtschaftslage in Deutschland.
Die Unternehmensinsolvenzen sind in den letzten Jahren leicht angestiegen, zuletzt von 39.470 Konkursen in 2003 um 0,3 Prozentpunkte auf 39.600 Unternehmensinsolvenzen in 2004.

Anders ist es um die seit 1999 eingeführten Privatpersoneninsolvenzen bestellt: Die Zahl der privaten Insolvenzen erhöhte sich von 76.100 in 2003 um ein Viertel auf 95.125 Privatkonkurse in 2004.


Beschäftigung und Arbeitsmarkt

Als wichtigstes Ziel gilt derzeit die Verringerung der hohen Arbeitslosigkeit, siehe dazu das Kapitel "Arbeitsmarkt".


Staatsverschuldung

Das geringe Wirtschaftswachstum geht einher mit einer hohen Staatsverschuldung.  Der gesamte Schuldenstand des öffentlichen Gesamthaushaltes von Bund, Ländern und Gemeinden sowie der Sozialversicherung betrug Ende 2004 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 1,39 Billionen Euro.
Die öffentlichen Schulden Deutschlands, gemessen in Werten des Bruttoinlandsprodukts, betrugen 2002 bereits 3,6 Prozent, im Jahr 2003 3,8 Prozent und für 2004 wiederum 3,6 Prozent. Damit übersteigt die Neuverschuldung in Prozent des Bruttoinlandsprodukts seit drei Jahren die im EU-Stabilitätspakt festgeschriebene Defizitgrenze von drei Prozent.


Positionen von Parteien

Die im Bundestag vertretenen Parteien stimmen im wesentlichen darin überein, dass die Rahmenbedingungen geändert werden müssen, damit sich das Wirtschaftsgeschehen dynamischer entwickelt.

Die SPD hat mit der Agenda 2010 bereits viele Reformmaßnahmen angestoßen. In der neuen Legislaturperiode will sie mit dem "Wahlmanifest der SPD - Vertrauen in Deutschland" die soziale Gerechtigkeit erhalten, die Wirtschaft stärken, den Ertrag als Wertzuwachs fair verteilen und  speziell die Bedingungen für Handwerk und Mittelstand verbessern. Der Kündigungsschutz und die steuerfreien Zuschläge zu Nacht- und Feiertagsarbeit sollen den Arbeitnehmern erhalten bleiben, die Hartz-Reformen weitergeführt werden.

Die CDU/CSU will vorrangig Zukunftsinnovationen fördern, mit einem Maßnahmenbündel Mittelstand, Handwerker und Existenzgründer unterstützen, eine umfassende Deregulierung einleiten und bürokratische Vorschriften in der Wirtschaft abbauen. Betriebliche Bündnisse für Arbeit sollen Tarifverträge ersetzen, der Kündigungsschutz soll bei Neueinstellungen in Betrieben mit bis zu 20 Beschäftigten wegfallen.

Im Wahlprogramm von Bündnis 90/Die Grünen führt die Strategie einer Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Naturverbrauch hin zu dem Ansatz des "ressourcenleichten Wirtschaftens". Durch das Recycling von Abfällen und die Verwendung umweltfreundlicher Stoffe sollen im gesamtgesellschaftlichen Produktionsprozess die Materialkosten gesenkt werden, um so die gesamten Herstellungskosten zugunsten einer Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit zu reduzieren. 

Die FDP tritt als selbsternannte Steuersenkungspartei den Wahlkampf an. Unter dem Motto "Arbeit hat Vorfahrt" ist geplant, den Kündigungsschutz auf Betriebe mit mehr als 50 Arbeitnehmern einzuschränken. Ferner soll durch betriebliche Bündnisse für Arbeit vor Ort eine partnerschaftliche Zusammenarbeit von Arbeitnehmern und Unternehmensleitung gestärkt werden, um den Einfluss der Gewerkschaften zu reduzieren.

Die Linkspartei. formiert sich als Wahlbündnis aus PDS, die sich am 17. Juli 2005 in "Die Linkspartei.PDS" umbenannte, und WASG (Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit). Die neue Linkspartei fordert einen grundlegenden Richtungswechsel in der Wirtschaftspolitik, eine aktive Arbeitsmarktpolitik, Einführung eines Mindestlohns, Verkürzung der Arbeitszeiten, ein Zurücknehmen der Arbeitsmarktreformen "Hartz IV" und eine Reform des Steuersystems.


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