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Der demographische Wandel in Deutschland

 

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Migration als demographischer Faktor

 

Überblick

Die Einwanderungspolitik der Bundesrepublik Deutschland war in den letzten Jahren immer wieder Gegenstand hitziger Debatten. Vor dem Hintergrund der belasteten deutschen Vergangenheit changierten die Diskussionen stets gefährlich nahe um ein weites Dunkelfeld zwischen "political correctness" und fremdenfeindlichen Parolen. Seit der demographische Wandel die Medien elektrisiert, eröffnet sich der Diskussion um Asylbewerber und Ausländerintegration eine neue Perspektive. Die Einwanderung wird nicht mehr aus verklärten altruistischen Motiven verteidigt, noch aus irregeleiteten nationalen Beweggründen verdammt, sondern wird im Zuge der prognostizierten Schrumpfung der deutschen Bevölkerung mit nüchternen Zahlen als wichtiger Baustein der deutschen Gesellschaft identifiziert.

Seit 1992, als im Nachklang des kommunistischen Zusammenbruchs und zu Beginn der Krise im jugoslawischen Vielvölkerstaat mit 1,5 Mio. Einwanderern der Höchstwert bei Zuzügen nach Deutschland erreicht wurde, hat sich die Zahl der Migranten kontinuierlich verringert. So konnten im Jahr 2004 nur noch weniger als die Hälfte dieses Wertes, knapp 600.000 Zuwanderer in Deutschland gezählt werden. Damit hält die Bundesrepublik zwar in Europa die Spitzenposition in der Statistik der in absoluten Zahlen bemessenen Zuzüge, doch ihr gegenüber steht der Fortzug von ca. 550.000 Menschen. Die Nettozuwanderung ist damit geradezu verschwindend gering.

 

Durch die Geburtenquote in Deutschland, die sich seit dreißig Jahren auf anhaltend niedrigem Niveau bewegt, ist nicht nur das soziale Sicherungssystem in der Zukunft stärkeren Belastungen ausgesetzt, sondern nimmt auch die Gesamtbevölkerungsgröße ab. Um diesen Trend wenigstens abzumildern, wäre eine Nettozuwanderung von mindestens 100.000 Menschen unerlässlich - Tendenz steigend. Diese würde sich auch positiv auf die Alterstruktur der Bevölkerung auswirken. So waren im Jahr 2004 75,4 % der zugewanderten Ausländer unter 40 Jahre, während der Anteil der Untervierzigjährigen in der gesamten Bundesrepublik gerade einmal bei 46,8 % lag. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass bislang nur wenig Minderjährige als Migranten nach Deutschland kommen und damit die externe Verjüngungskur nach einem kurzfristigen Effekt weitgehend verpufft.

 

 

Dennoch lässt sich abschließend zusammenfassen, dass die Einwanderungspolitik in den nächsten Jahren einer dringenden Anpassung an die demographischen Veränderungen in Deutschland bedarf. Die bestehenden demographischen Faktoren Geburtenrate und Lebenserwartung sollen im Fall der steigenden Lebenserwartung gar nicht von außen verändert werden oder können im Fall der Geburtenrate kaum durch externe Eingriffe modifiziert werden. Doch selbst wenn dies gelänge, so würden sich die entsprechenden Effekte erst nach einer langen Zeitspanne bemerkbar machen. Die Migration als dritter Faktor im demographischen Dreisatz ist letztlich die am stärksten beeinflussbare Größe. Sie kann durch gesetzliche Maßnahmen recht zuverlässig durch externe Eingriffe gelenkt werden und trägt rasch zur Veränderung der Bevölkerungsstruktur bei. Freilich darf über solche bevölkerungspolitischen Zahlenspiele das vordringliche Problem der oft mangelnden Integration der Zuwanderer nicht verleugnet werden. Keine Gesellschaft profitiert von integrationsunwilligen Neuankömmlingen oder von ablehnenden und ignoranten Einheimischen. Doch die Erkenntnis, dass Zuwanderung die deutsche Gesellschaft nicht nur kulturell sondern auch strukturell belebt, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Die nachfolgenden Links und Literaturverweise wurden zusammengetragen, um einen Einstieg in die sozialwissenschaftliche Perspektive auf die Migration als demographischen Faktor zu erleichtern. Sie beinhalten nicht nur Hinweise zu Organisationen und informativen Internetseiten, sondern stellen auch Volltexte und bibliographische Hinweise zu Literatur- und Forschungsnachweisen zum Thema zur Verfügung.

 

Organisationen

  • Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück - interdisziplinäres und interfakultatives Institut mit den Arbeitsschwerpunkten Wanderung und Wanderungspolitik in Deutschland, Europa und im atlantischen Raum, Migration und Integration.
  • Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Das Bundesamt entscheidet über Asylanträge und Abschiebeschutz von Flüchtlingen. Aber auch nach der Aufnahme in Deutschland unterstützt das Bundesamt durch Förderung und Koordination der sprachlichen, sozialen und gesellschaftlichen Integration die Zuwanderer in Deutschland.
  • Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration - Maria Böhmer ist seit November 2005 Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration und Staatsministerin im Kanzleramt. Interessierte finden hier umfangreiche Informationen zum Leben von Ausländern in Deutschland von Gesetzestexten über Interviews bis zu aktuellen Nachrichten.
  • Europäisches Forum für Migrationsstudien (efms) - Das wissenschaftliche Institut an der Universität Bamberg wurde 1993 gegründet und beschäftigt sich mit den Themenbereichen Migration und Integration in Europa. Die Aufgaben des efms umfassen Forschung, Politikberatung, Gutachtertätigkeit, Evaluation, Weiterbildung, Information und Dokumentation.
  • Deutsche Gesellschaft für Demographie e.V., Arbeitskreis "Migration - Integration - Minderheiten" - Auf Initiative der Mitglieder der DHD wurde der Arbeitskreis gebildet, um diesen besonderen demographischen Schwerpunkt vertieft zu behandeln. Die Homepage informiert über aktuelle Veranstaltungen, News und weiterführende Links.

 

kommentierte Linksammlung

  • Demographie Konkret Online: Integrationspolitik - Der demographische Wandel in der Bundesrepublik, der mit Bevölkerungsrückgang und entsprechend zunehmender Einwanderung einhergeht, wirft vermehrt Fragen zu Strategie und Steuerung der Integration auf.
  • Bundeszentrale für politische Bildung [Hg.]: Migration - Demographie, Aus Politik und Zeitgeschichte, 2001, Bd.43, 48 S., PDF-Dokument - Trotz der verblassenden Aktualität der Aufsätze geben sie weiterhin wichtige Antworten auf die zentrale Frage, ob sich die Bundesrepublik vor dem Hintergrund des demographischen Wandels inzwischen als Einwanderungsland begreifen muss.
  • Migration und Bevölkerung, Ein Projekt des Netzwerks Migration in Europa, der Bundeszentrale für politische Bildung und des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts - Neben einem monatlich erscheinenden Newsletter findet man zahlreiche Materialien, Dokumente, Graphiken, Termine und weiterführende Links zum Thema Migration und Demographie.
  • Ausländer-Statistik - Die von Dr.phil. Dr.rer.nat. Franz Josef Burghardt zunächst für unterrichtsinterne Zwecke eingerichtete Seite bietet zahlreiche Tabellen, Diagramme und weiterführende Links zum Status von Ausländern in Deutschland.
  • Ausländer in Deutschland (AiD) - Aktueller Informationsdienst zu Fragen der Migration und Integrationsarbeit; die monatlich erscheinende Zeitschrift kann als Printausgabe abboniert oder in elektronischer Form im Internet eingesehen werden.
  • Bundesministerium des Innern [Hg.]: Zuwanderung A bis Z - Glossar mit Begriffen rund um die Einwanderung, das jeweils eine kurze Beschreibung der einzelnen Termini bereithält.

Materialien & Volltexte

 

Literatur- und Forschungsnachweise