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Auswirkungen des demographischen Wandels auf Arbeitsmarkt und
Sozialversicherung
Die Bundesrepublik Deutschland ächzt unter einer Arbeitslosenquote von 9,8
%. Obwohl die Zahl der Erwerbslosen seit einigen Monaten schrumpft und sich
einem optimistisch stimmenden Niveau nähert, ist die Diagnose einer
Trendwende verfrüht. Vielen erscheint daher die Entwicklung der
demographischen Struktur in Deutschland als Segen; die Angehörigen der so
genannten "Baby-Boom-Generation" werden in den nächsten zehn Jahren in Rente
gehen, manche sogar ein paar Jahre früher, so lange sie noch in den Genuss
von Frühverrentung und Altersteilzeit kommen. Der nachfolgende
Berufsnachwuchs, der aus den Lehrstellen, Universitäten und Schulen auf den
Arbeitsmarkt strömt, ist dagegen zahlenmäßig weit weniger schlagkräftig und
verteilt sich so ohne große Probleme auf die offenen Stellen. Leider erweist
sich diese optimistische Annahme als Fehlschluss: Denn gerade die vielen
Rentner
stellen eine ökonomisch ungesunde Belastung für die jungen Arbeitnehmer und
Arbeitnehmerinnen dar. Höhere Beiträge in die Rentenkasse werden fällig,
verteuern die Arbeitsplätze und führen so zu deren struktureller
Vernichtung. Insbesondere die Frührente gilt in dieser Hinsicht als
Job-Killer Nummer eins, müssen doch die fehlenden Arbeitsjahre durch die
nachwachsende Schar der Arbeitnehmer mitfinanziert werden.
Das soziale Sicherungssystem steht angesichts der demographischen
Entwicklung in Deutschland vor einer großen Herausforderung. Das
Rentensystem basiert auf dem Umlageverfahren, wonach die Beschäftigten von
heute im Rahmen des "Generationenvertrages" die Renten der Arbeitnehmer von
gestern bezahlen. Demnach funktioniert dieses System umso besser, je mehr
Beschäftigte auf einen Rentner kommen. Angesichts der jüngsten
demographischen Prognosen wird jedoch zugleich der Reformbedarf des Systems
augenscheinlich. Bereits heute stellt die Gruppe der Menschen mit einem
Alter von 65 Jahren und älter einen Anteil von 18,6 % der deutschen
Bevölkerung. Durch den Renteneintritt der Baby-Boom-Generation ab 2015 wird
sich die Situation vor dem Hintergrund der anhaltend niedrigen Geburtenrate
rasch weiter verschärfen. Schon jetzt beträgt die Beitragshöhe zur
gesetzlichen Rentenversicherung 19,5 % des Bruttolohns, die in den nächsten
Jahren zwangsläufig weiter steigen müsste, um das Funktionieren des Umlageverfahrens zu garantieren.
Die Bundesregierung versucht, diesem Trend entgegen zu steuern und erhöht
mit dem "Gesetz
zur Anpassung der Regelaltersgrenze an die demografische Entwicklung und zur
Stärkung der Finanzierungsgrundlagen der gesetzlichen Rentenversicherung"
das Renteneintrittsalter schrittweise ab dem Jahr 2012 auf 67 Jahre.
Dennoch blieb die Chance, auch die wirtschaftlich ungesunde Frührente
abzuschaffen, ungenutzt. Arbeitnehmer, die mindestens 45 Jahre ihren Beitrag
in die Rentenkasse zahlen, können ihren Dienst frühzeitig mit 65 Jahren
quittieren. Wer darüber hinaus Abschläge bei den Altersbezügen in Kauf
nimmt, kann auch in Zukunft vor Erreichen der gesetzlichen Altersgrenzen in
Ruhestand gehen. Schon jetzt zeigen
Statistiken in Dänemark, Finnland und den Niederlanden, in denen
Vorruhestands- und Altersteilzeitprogramme bereits abgeschafft oder
zumindest eingeschränkt wurden, dass sich ein späterer Renteneintritt
volkswirtschaftlich auszahlt. Zudem verspricht die Erhöhung des
Renteneintrittsalters positive Nebeneffekte: Erstens könnte das Problem der hartnäckigen
Arbeitslosigkeit von Menschen jenseits der Fünfzig abgemildert werden. Im
Jahr 2005 waren knapp 600.000 Menschen, die 55 Jahre und älter waren, ohne
Arbeit. Die Suche nach einem neuen Job gestaltet sich nach wie vor als
äußerst schwierig, da Arbeitgeber tendenziell jüngeren Beschäftigten bei der
Einstellung den Vorzug geben. Die Bundesregierung versucht, mit der so genannten "Initiative
50plus" durch berufliche Weiterbildungsmaßnahmen im Alter die Situation
der älteren Arbeitssuchenden zu entschärfen.
Das höhere Renteneintrittsalter könnte nicht
nur dazu beitragen, den Arbeitsmarkt zu entzerren, sondern würde - und daran
schließt sich der zweite Punkt an - den Stellenwert älterer Arbeitnehmer in
der Gesellschaft erhöhen. Zwar wird im Zusammenhang mit älteren
Erwerbstätigen stets die langjährige Berufserfahrung gepriesen, doch
Arbeitskraft und Effizienz nicht selten in Abrede gestellt. Ein
gesellschaftliches Umdenken im Umgang mit älteren Menschen ist daher
geboten, um die wichtigen Reformen im Rentensystem und innerhalb des
Arbeitsmarktes substantiell zu unterfüttern und zu stärken.
Die folgende Linksammlung stellt ein reichhaltiges Sammelsurium aus
profunden sozialwissenschaftlichen Informationen zur Verfügung, um die
Auswirkungen des demographischen Wandels in Deutschland näher zu beleuchten.

- Institut für
Sozialökonomische Strukturanalysen (SÖSTRA) - Am Institut SÖSTRA
arbeiten Wirtschaftswissenschaftler, Arbeitsmarktforscher und Soziologen
interdisziplinär an unterschiedlichen Projekten, die auch den
Schwerpunkt "Demographischer Wandel" und die Auswirkungen auf Arbeitsmarkt
und Erwerbstätigkeit umfassen.
-
MEA
- Mannheimer Forschungsinstitut Ökonomie und Demographischer Wandel
-
Das MEA begleitet und erforscht mikro- und
makroökonomische Aspekte des demographischen Wandels. Es erstellt
Prognosen und leitet daraus Empfehlungen für Politik und Wirtschaft ab.
-
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)
- Das IAB betreibt Arbeitsmarktforschung aus der Perspektive
verschiedener Disziplinen, um den Arbeitsmarkt besser verstehen und
Problemlösungen entwickeln zu können. Es erforscht eine Vielzahl
gesellschaftlicher und staatlicher Einflüsse auf den Arbeitsmarkt.
- Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA)
- Die ökonomische Analyse der nationalen und internationalen Arbeitsmärkte
ist das Kernarbeitsfeld des IZA. Das Wirtschaftsforschungsinstitut
betreibt Grundlagenforschung auf allen relevanten Gebieten der
Arbeitsökonomie.
-
Hans-Böckler-Stiftung
- Die Hans-Böckler-Stiftung ist das
Mitbestimmungs-, Forschungs- und Studienförderungswerk des DGB. Sie ist
sowohl in der Forschung als auch beratend tätig.
- Wissenschaftszentrum Berlin
für Sozialforschung (WZB) -
140
deutsche und ausländische Wissenschaftler betreiben am WZB
problemorientierte Grundlagenforschung. Das sozialwissenschaftliche
Institut erforscht Entwicklungstendenzen, Anpassungsprobleme und
Innovationschancen moderner Gesellschaften und sucht vor
allem nach Problemlösungskapazitäten gesellschaftlicher und staatlicher
Institutionen.
-
Forschungsportal der Deutschen Rentenversicherung - Die gesetzliche
Rentenversicherung intensiviert auf Grund der großen Bedeutung der
Alterssicherung die Zusammenarbeit zwischen Rentenversicherung und
Wissenschaft auch im Bereich der Alterssicherungsforschung. Hierzu wird
das "Forschungsnetzwerk Alterssicherung" (FNA) aufgebaut.
- Deutsche Vereinigung
für sozialwissenschaftliche Arbeitsmarktforschung (SAMF e.V.) - Die
Vereinigung ist ein Zusammenschluss von
WissenschaftlerInnen verschiedener Fachdisziplinen, darunter Soziologen,
Volkswirte, Betriebswirte, Juristen, Politik- und
Bildungswissenschaftler, sowie von PraktikerInnen aus Politik und
öffentlicher Verwaltung.


- Ralph
Conrads, Andreas Ebert, Andreas Huber, Ernst Kistler, Thomas Staudinger:
Arbeit und Arbeitsmarkt im demographischen Wandel, Perspektiven im
Freistaat Bayern und den Regionen, IG Metall Bezirk Bayern, Initiative
für eine "demographische Tarifpolitik": "Arbeiten bis 65 - aber wie?",
2.korrigierte Auflage, 2005, 70 S., PDF-Dokument - Der Aufsatz
beschäftigt sich mit Problemen auf dem Arbeitsmarkt, die sich durch den
demographischen Wandel ergeben und mit innovativen Reaktionen darauf wie
die Schaffung alters- und alternsgerechter Arbeitsplätze.
- Ralph Conrads,
Markus Hilpert, Andreas Huber, Ernst Kistler: Demographische
Herausforderungen für eine regionale Beschäftigungsstrategie,
Aktuelle und zukünftige Handlungsbedarfe in Augsburg, 2004, 280 S.,
PDF-Dokument - Die Studie beleuchtet am Beispiel Augsburg den
Zusammenhang zwischen Demographie und Arbeitsmarktstruktur und
-entwicklung.
-
Bertelsmann Stiftung [Hg.], Bundesvereinigung der Deutschen
Arbeitgeberverbände: Ältere Arbeitnehmer - ein Asset für die
Wirtschaft, 15 S., PDF-Dokument - Der Aufsatz beschäftigt sich mit den
ungenutzten Potentialen älterer Arbeitnehmer und gibt konkrete
Handlungsempfehlungen sowohl an die Politik als auch an die
Tarifparteien und Unternehmen.
-
Prof. Dr. Joachim Weimann:
Die Investition in Humankapital – Hochschulen als Magnet für kluge
Köpfe?, 30 S., PDF-Dokument - Grafisch ansprechende
Stdudienpräsentation
-
Hans-Jörg Bullinger [Hg.]: Zukunft der Arbeit in einer alternden
Gesellschaft, Broschürenreihe Demographie und Erwerbsarbeit, 65 S.,
PDF-Dokument -
Sammelband mit Aufsätzen über die Veränderung der deutschen
Gesellschaftsstruktur und deren Auswirkungen auf die Erwerbsarbeit.
-
Axel Börsch-Supan: Der demografische Wandel: Vom Gespenst und Mythos zur
Chance, WSI Mitteilungen 8/2006 - Der Autor
hebt den Nutzen der Erwerbstätigkeit älterer Arbeitnehmer für die
Gesellschaft hervor und fordert auf, den demografischen Wandel als
Chance zu begreifen.
-
Bundeszentrale für politische Bildung [Hg.]: Bevölkerungsentwicklung und
Sozialstaat, "Themenblätter im Unterricht",
Frühjahr 2003, Nr.26, 10 S., PDF-Dokument - Reich bebilderte
Informationsblätter, die anschaulich den Konsequenzen des
demographischen Wandels auf den Sozialstaat nachspüren, die zudem einige
weiterführende Literaturhinweise liefern.
-
Bei der
Beschäftigung Älterer liegen andere Länder vorn, IAB Kurzbericht,
Nr. 5, 2006, 7 S., PDF-Dokument - Der Bericht vergleicht die
Beschäftigungssituation der 55- bis 64-Jährigen in Dänemark, Finnland,
Niederlande und Deutschland und kommt zu dem Schluss, dass Deutschland
durch seine umfassenden Vorruhestandsprogramme bei der Beschäftigung
älterer Arbeitnehmer ins Hintertreffen geraten ist.
-
Paul B.
Baltes: Oma muss
ran, Die Zeit, Nr.21, 19.05.2005, 9 S., HTML-Dokument - Altert Deutschland richtig? Haben wir die Alten, die wir
brauchen? Gehen wir mit ihnen fair um? Diese Fragen beantwortet der
Autor und diskutiert die Facetten des Alters und
Alterns. Eine aufschlussreiche Erörterung des Themas "Alter" - von den
verschiedenen Altersstufen über eine Altersanalyse der deutschen
Bevölkerung bis hin zu Prognosen und Verbesserungsvorschlägen.
-
Wiedergeburt am Arbeitsplatz?
Transkript zum 9. ZEIT-Forum der Wissenschaft vom 16. Juni 2003 in der
Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin
-
Christoph Kannegießer: Gefahr und Chance - Demographische Entwicklung
und Arbeitsmarkt, Politische Meinung, 2005, Nr.427, 5 S.,
PDF-Dokument - Der Autor geht auf die zahlreichen Bevölkerungsprognosen
der letzten Jahre ein, befürchtet für die Zukunft einen
Arbeitskräftemangel besonders an hochqualifizierten Arbeitnehmern und
spricht sich deutlich für eine Erhöhung des gesetzlichen
Renteneintrittsalters aus.
-
Friedrich-Ebert-Stiftung [Hg.]:
Gesellschaftliche Desintegration. Problemfelder und politische
Herausforderungen, Dokumentation eines Fachgesprächs vom 29. Juni
2006, 16 S., PDF-Dokument - Das Fachgespräch lotete
arbeitsmarktrelevante Themen wie "Desintegration durch Arbeit?
Integration durch Arbeitsmarktpolitik?" aus.
-
Patrick Welter:
Die Lasten einer alternden Bevölkerung
leichter schultern, FAZ.Net, eine Seite, HTML-Dokument - Der
Autor diskutiert die
Nachteile der Frühverrentung und zeigt
Handlungsansätze zum Umgang mit der Problematik auf.
- Axel
Börsch-Supan: Mehr Zuwanderung? Zur Rolle des Auslands bei der
Stabilisierung der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland,
2002, 19 S., PDF-Dokument - Der Aufsatz untersucht die Auswirkungen der
Zuwanderung auf die umlagefinanzierte deutsche Rentenversicherung und
kommt zu dem Schluss, dass die Krise der sozialen Alterssicherung in
Deutschland durch verstärkte Zuwanderung höchsten abgefedert, nicht aber
gelöst werden kann und Reformen unumgänglich bleiben.
-
Thomas Apolte:
Ein System der Alterssicherung bei schrumpfender Bevölkerung,
Diskussionsbeiträge des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaft der
Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, 1998, Nr.252, 41 S., PDF-Dokument
- Der vorliegende Aufsatz beschäftigt sich eingehend mit den
demographischen Problemen der gesetzlichen Rentenversicherung und sucht
nach alternativen Möglichkeiten der Finanzierung. Trotz der verfallenden
Aktualität dieses Beitrages ist die schonungslose Benennung der Probleme
im deutschen Rentensystem nach wie vor ein Gewinn auch für aktuelle
Debatten.


-
"Wettbewerbsfähigkeit sichern - Strategien zur Bewältigung des
demografischen Wandels" ,28. November 2006 in Berlin - Tagung
unter der Federführung des Bundesministeriums für Wirtschaft und
Technologie, die sich den Auswirkungen des demographischen Wandels auf
den Arbeitsmarkt beschäftigt und nach praktischen Lösungen wie
beispielsweise der Weiterqualifikation älterer Arbeitnehmer sucht.
-
Die Zukunft des Humankapitals in Sachsen
- Studie im Auftrag der
Technischen Universität Dresden. Sie setzt sich zusammen aus Teilstudien zu Themen wie "Entwicklung
des Erwerbspersonenpotenzials in Sachsen bis zum Jahr 2020 unter
besonderer Berücksichtigung der Erwerbspersonen mit Hochschul- oder
Fachhochschulabschluss" oder "Bedarf an Arbeitskräften mit Hoch- und
Fachhochschulabschluss bis zum Jahr 2020 im Freistaat Sachsen". Die
Ergebnisse der Studie stehen zum Download zur Verfügung. Zudem stehen
noch zahlreiche Literaturangaben zu weiterführenden Texten zum Thema
Altersstruktur, Demographie und Arbeit zur Verfügung.
-
Ruhestand und Rentenkasse - Themenportal der Hans-Böckler-Stiftung,
dem Mitbestimmungs-, Forschungs- und
Studienförderungswerk des DGB rund um die Themen Alter und Arbeit. Eine
Vielzahl von kommentierten Links verweisen auf ausführliche
weiterführende Informationen.
-
Digitale Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung: Generationenproblem
Altersversorgung - Übersichtlich gegliedert klärt die Seite über
zahlreiche Aspekte der Altersversorgung auf und streift somit auch das
Thema des demographischen Wandels und dessen Auswirkungen auf das
Rentensystem.
-
Gesellschaft für Arbeitsschutz und Humanisierungsforschung:
Demografischer Wandel: (k)ein Problem - Mit dem
Werkzeugkasten für eine demografieorientierte
Personalarbeit sollen in Orientierung an einer flächendeckenden
Verbreitung Anreize und Hilfestellungen zu einem betrieblichen Transfer
auf breiter Basis geschaffen werden.
-
Bundesinstitut für Berufsbildung: Fit im Beruf, Keine Altersfrage -
Durch den demographischen Wandel müssen Betriebe und Organisationen
Strukturveränderungen und Innovationen mit alternden Belegschaften
bewältigen. In Modellversuchen werden Lösungsansätze und
Handlungskonzepte entwickelt und erprobt, die auf
normativ-strategischer, sowie auf der individuellen und organisationalen
Ebene ansetzen.
-
Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Regierung stellt Weichen
bei Alterssicherung und mehr Beschäftigung für Ältere - ausführliche
Informationsseite zur gesetzlichen Erhöhung des Renteneintrittsalters
und zur "Initiative 50plus" der Bundesregierung
-
Zeit
Dossier "Land ohne Leute" - Das Wochenmagazin "Die Zeit"
widmet sich dem Problem der alternden Bevölkerung und dokumentiert in
zahlreichen Artikeln, was die demographische Zeitenwende für das
Lebensgefühl, die Kultur, die Arbeitswelt und die Selbstwahrnehmung
bedeuten kann. Außerdem liefert sie Antworten auf mehrere Fragen rund
ums Thema: Was kann die Politik dabei tun? Und wie wird mit der
Altersfrage in anderen Ländern umgegangen? Was sagen Altersforscher zum
demographischen Wandel?

Auch das Krankenversicherungssystem bleibt von den Auswirkungen der
demographischen Veränderung in Deutschland nicht verschont. Der zahlenmäßige
Zuwachs der Bevölkerungsgruppe von Menschen jenseits der fünfzig Jahre hat
zwar auf die Krankenkassen nicht die direkte Wirkung wie auf die
Rentenkassen, doch auch die indirekten Konsequenzen sind nicht von der Hand
zu weisen. Im Alter nehmen körperliche Gebrechen, dauerhafte Behinderungen
und auch psychische Symptome in der Regel zu. Der Körper ist weniger
belastbar und zeigt häufig Verschleißerscheinungen. Arzt- und
Krankenhausbesuche nehmen zu, die individuellen Gesundheitskosten wachsen im
Alter an. Das Umlageverfahren der gesetzlichen Krankenkassen wälzt diese
gesteigerten finanziellen Belastungen auf die jüngeren Generationen
ab,
indem die gesamten Kosten aus den laufenden Beitragseinnahmen finanziert
werden. Die Befürchtung, das System könnte in wenigen Jahren kollabieren,
entbehrt nicht jeder Grundlage. Denn durch den anhaltend niedrigen
Geburtendurchschnitt und die gleichzeitig steigende Lebenserwartung wird der
Anteil der älteren Bevölkerung wachsen, die Zahl der jungen Beitragszahler
aber weiterhin schrumpfen. Darüber hinaus wird der Solidargedanken, auf dem
das Krankenversicherungssystem basiert, durch die demographische Veränderung
immer weniger erfüllt. Denn
Menschen ohne Kinder werden latent bevorzugt, indem sie nur ihren
finanziellen Beitrag zum Funktionieren des Systems leisten. Eltern hingegen
tragen nicht nur den finanziellen Anteil, sondern darüber hinaus noch die
Last des generativen Anteils, indem sie ihre Kinder und damit zukünftige
Beitragszahler aufziehen. Dieses Dilemma lässt sich auf lange Sicht nur
entschärfen, wenn die Arbeitslosenzahlen weiter sinken und dadurch neue
Beitragszahler gewonnen werden.
-
Forschungsgruppe Public Health des Wissenschaftszentrums Berlin für
Sozialforschung (WZB) - Die
Forschungsgruppe innerhalb des WZB-Forschungsschwerpunktes "Arbeit,
Sozialstruktur und Sozialstaat" untersucht u.a. die Steuerung und
Finanzierung gesundheitsbezogener Institutionen in Deutschland.
-
Institut für
Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen (IGM)
- Das Institut für Gesundheitsökonomie und Management im
Gesundheitswesen gehört zu den rund zwei Dutzend Instituten der GSF -
Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg bei München.
Es beleuchtet u.a. soziale und ökonomische Faktoren der Gesundheit und
Gesundheitsversorgung.
-
Deutsche Sozialversicherung, Europavertretung im Auftrag der
Spitzenverbände der Deutschen Sozialversicherung - Zahlreiche Infos,
Adressen, Termine und Links rund um das Thema "Krankenversicherung in
Deutschland".
-
Krankenkassen direkt, Die unabhängige Infobörse zur gesetzlichen
Krankenversicherung - Im Jahr 2000 als Branchenseite für die Gesetzliche
Krankenversicherung gegründet bietet der Service "Krankenkassen direkt"
zahlreiche Infos und Tipps zum privaten Zusatzschutz, ein
Krankenkassen-Ranking und gibt Auskunft über Beitragskosten und
Finanzierungsoptionen.


-
Herwig Birg: Mängel der Sozialversicherung, Grundkurs Demographie:
Sechste Lektion, FAZ.net, 27.02.2005, eine Seite, HTML-Dokument -
Der Autor beschäftigt sich mit dem Renten- und
Krankenversicherungssystem in Deutschland und kritisiert die
Übervorteilung von Familien mit Kindern, die neben dem monetären auch
den generativen Beitrag in Form der Erziehung künftiger Beitragszahler
leisten.
-
Ulrich Pfeiffer: Demographie, Staatsverschuldung und Umbau der sozialen
Sicherung, Digitale Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung, 2001 -
Übersichtlich gegliederte Analyse des kostenintensiven sozialen
Sicherungssystems in Deutschland mit vielen Graphiken und Tabellen.
-
Wolfgang Zettner:
Bleibt ihre Krankenversicherung im Alter bezahlbar?, eine Seite,
HTML-Dokument - Obwohl die Internetseite von einem Versicherungsmakler
betrieben wird und somit wenig wissenschaftliche Reputation erwarten
lässt, gibt der Artikel einen umfassenden und leicht verständlichen
Überblick über die Auswirkungen demographischer Veränderungen auf die
Finanzierbarkeit der Krankenversicherungsbeiträge.
-
Klaus-Dirk Henke, Lutz Reimers: Zum Einfluss von Demographie und
medizinisch-technischem Fortschritt auf die Gesundheitsausgaben,
2006, 20 S., PDF-Dokument - Der Aufsatz analysiert den Einfluss des
demographischen Wandels auf die steigenden Ausgaben im
Gesundheitssektor. Textauszug: "Der vorliegende Übersichtsartikel
betrachtet den Einfluss der Alterung auf die Gesundheitsausgaben anhand
der so genannten Medikalisierungs- und Kompressionsthese und zieht zur
Verdeutlichung der Argumentation die Krankheitskosten nach Alter sowie
die Leistungsausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung hinzu."
-
Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e.V. [Hg.]: Zukunft
Hessen, Zukunft Deutschland, Chancen der demografischen
Herausforderung, 2005, 211 S., PDF-Dokument - Das vorliegende Sammelwerk
zur demographischen Situation in Hessen weist auch einige informative
Aufsätze über die demographische Lage Gesamtdeutschlands auf. Für die
Auswirkungen auf die Krankenversicherung ist vor allem der Aufsatz von
Werner Scherer von Interesse: Werner Scherer: Die zukünftige Struktur
der sozialen Sicherungssysteme, S.111-131.


- cecu.de,
Informationsportal für Versicherungen und Finanzen - Der Internetdienst
liefert wertvolle Hinweise über die Auswirkungen des demographischen
Wandels auf die Krankenversicherung, ihre Finanzierbarkeit und die
Beiträge der Kunden.
-
VL24.de, Demographie und Finanzierbarkeit der Krankenversicherung -
Die Webseite bietet zahlreiche Informationen zur privaten Altersvorsorge
und zur Krankenversicherung und sucht zudem nach Antworten auf die
Frage, welche Auswirkungen die demographischen Veränderungen auf die
Finanzierbarkeit der Krankenversicherungsbeiträge haben?
-
Anita B. Pfaff, Martin Pfaff, u.a.: Finanzierungsalternativen der
gesetzlichen Krankenversicherung: Einflussfaktoren und Optionen zur
Weiterentwicklung, Endbericht zum von der Hans-Böckler-Stiftung
geförderten Forschungsvorhaben, 2006, 312 S., PDF-Dokument - Die Studie
bietet ausführliche und umfassende Informationen zum sozialen
Sicherungssystem Deutschlands, seiner Finanzierung und potentiellen
Reformoptionen. Dabei wird auch der Zusammenhang zwischen
demographischer Veränderung und Kostenentwicklung nicht ausgespart.

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