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Gewalt in der Schule - Bestandsaufnahme im Jahr 2006

 

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Integration und Migration

 

Zuwanderung

Migrationsbewegungen sind kein neuartiges Phänomen, sie finden - ob freiwillig oder erzwungen - seit Jahrtausenden weltweit statt (z.B. in Form von Völkerwanderungen, Land- oder Stadtflucht). Heutzutage haben im Falle der internationalen Migration die Versuche der Zielländer zugenommen, die Migrationsbewegungen in Form einer staatlich geregelten Migrations-/Einwanderungspolitik zu kontrollieren, wobei zwischen erwünschten und unerwünschten MigrantInnen unterschieden wird. Im Jahr 2004 wurde von Bundestag und Bundesrat ein Zuwanderungsgesetz  erlassen. Mit dem neuen Aufenthaltsrecht werden die bis dahin geltenden 7 Aufenthaltstitel auf eine befristete Aufenthaltserlaubnis und eine unbefristete Niederlassungserlaubnis zurückgeführt.

Jedes Jahr lassen das Bundesministerium des Innern, der Sachverständigenrat für Zuwanderung und Integration und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge einen Migrationsbericht erstellen. Der Auftrag ergeht sowohl an den Sachverständigenrat für Zuwanderung und Integration als auch an das Europäische Forum für Migrationsstudien (efms) an der Universität Bamberg, die beide gemeinsam als Herausgeber fungieren.

Dem Bericht vom November 2004 ist zu entnehmen, dass im Jahr 2002 im Rahmen des Familiennachzugs 21.284 Kinder unter 18 Jahren sowie ein Jahr später circa 17.900 Kinder zuwanderten. Bezogen auf die Herkunftsländern rangiert die Türkei an erster Stelle, gefolgt von dem Iran und dem ehemaligen Jugoslawien.

Das XENOS-Projekt "Fremd im eigenen Land", das als politische Bildungsmaßnahme vom Institut für Pädagogik am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Philosophischen Fakultät an der Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg durchgeführt wurde, zielt darauf ab, anderskulturellen Teilnehmern Denken und Handeln im Sinne unserer Zivilgesellschaft zu vermitteln und deren Engagement für demokratische Werte und Menschenrechte im persönlichen und beruflichen Alltag zu stärken.

 

Sprachförderung und interkulturelle Erziehung

Das Zentrum für Türkeistudien, ein Institut an der Universität Duisburg-Essen, führt jährlich in der gleichen Form eine Mehrthemenbefragung von NRW-Bürgern türkischer Herkunft durch, die erste Pilotstudie erfolgte 1998. Ziel ist es u.a., die Einstellung der Migranten zu verschiedenen Themen wie Sprachkenntnissen, Spracherwerb, Probleme auf Grund sprachlicher Schwierigkeiten sowie der Besuch von Sprachkursen zu erfassen und den Einfluss soziodemographischer Merkmale auf die Integration zu analysieren. Nach jüngsten Untersuchungen der OECD hat Deutschland, noch vor allen anderen Ländern, große Schwierigkeiten, Einwandererkindern die gleichen Ausbildungschancen einzuräumen wie deutschen Kindern. Besonders kritisch ist das Leistungsniveau von Schülern mit Migrationshintergrund dann, wenn in der heimischen Familie kein Deutsch gesprochen wird. Auch der Freundeskreis beeinflusst diese Entwicklung maßgeblich. So hat gerade die zweite Generation von Migrantenkindern, die in Deutschland geboren sind, gegenüber der ersten Generation, die nicht in Deutschland geboren sind, in der Bewertung ihrer schulischen Leistungen deutlich schwächer abgeschnitten. Denn die meist abgeschottete Lebensweise der Eltern und Freunde, die ihrerseits nur mit Landsleuten verkehren, bietet den Kindern kaum Chancen, sich in Deutschland mittels der deutschen Sprache zu integrieren. Der deutsche Staat zeigt in seinem Vorhaben, Einwanderer schnell zu integrieren, fatale Schwächen.

 

Das europäische forum für migrationsstudien -efms-, Institut an der Universität Bamberg, erforscht und realisiert mit dem Modellprojekt "Frühstart" die frühkindliche Förderung von Zuwandererkindern ab drei Jahren in einem innovativen Ansatz. Zusätzlich vermitteln sog. ehrenamtliche Elternbegleiter, die selbst zweisprachig aufgewachsen sind, zwischen Elternhaus und Kindergarten.

Die Stuttgarter Landesstiftung Baden-Württemberg GmbH zusammen mit der Stiftung Ravensburger Verlag sponsert an der Pädagogischen Hochschule Weingarten, Fakultät 01, Fach Erziehungswissenschaft die Sprachförderung insbesondere der Migrantenkinder im Vorschulalter. Bei der wissenschaftlichen Begleitung sollen die in der Sprachförderung angewandten Vorgehensweisen analysiert, beispielhafte Methoden (Best Practice) entdeckt und dokumentiert. insbesondere Konzepte zur interkulturellen Erziehung entwickelt sowie Implementierungshemmnisse identifiziert werden.

Auch die Schülerbefragung 2006 in Hannover, die vom kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen durchgeführt wird, stellt darauf ab, die Entwicklungsprozesse im Bereich von Viktimisierung und Delinquenz zu analysieren, wobei sich auch schulische Integration von Zuwanderkindern im Zeitverlauf analysieren lässt.
 

An der Universität Augsburg, Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät, Professur für Pädagogik mit Schwerpunkt geschlechtsspezifische Bildungsprozesse in der Kindheit führt Prof. Dr. Leonie Herwartz-Emden, eine Vollerhebung an allen Augsburger Kindergärten und Kindertageseinrichtungen durch. Die Studie stellt darauf ab, Einstellungen und Erfahrungen von Kindergärtnerinnen empirisch zu erfassen sowie Hinweise auf die Umsetzung von Konzepten zu interkultureller Erziehung und Sprachförderung in der Praxis zu geben.

 

Integrationsbestrebungen

Eine soziale Eingliederung von Zuwanderern macht Integrationsbemühungen auf Seiten der Einwanderer wie der aufnehmenden Bevölkerung notwendig. Das Europäische Forum für Migrationsstudien (efms), das als wissenschaftliches Institut der Universität Bamberg angegliedert ist, trägt seit 1993 dazu bei, die öffentlichen Diskussion über Phänomene der Migration und Integration durch seine wissenschaftlichen Beiträge zu versachlichen. Im Auftrag des Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit des Freistaates Bayern untersucht Prof. Dr. Friedrich Heckmann mit dem Dipl.-Soziologen Richard Wolf Integrationskurse für Ausländer, die einen Einbürgerungsantrag gestellt haben. Inhaltlich steht die Vertiefung von Kenntnissen über das politische System, die Geschichte und die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland im Vordergrund. Die Dipl.-Soz.Pädagogin Hülya Demircan ist am Institut für Soziologie, Lehrstuhl Soziologie, Philosophische Fakultät 03 - Geschichte, Gesellschaft und Geographie der Universität Regensburg, der Frage nachgegangen, welche emotionalen Vorbehalte seitens türkischer Migranten dem Integrationsprozess im Wege stehen.

Durch die Zuwanderung in den letzten Jahrzehnte nach Deutschland wachsen viele Jugendliche in einer  mehrkulturellen Umgebung auf und erleben in Schule und Ausbildung häufig soziale Benachteiligung und Unterdrückung. Aussiedlerjugendliche, Flüchtlingsjugendliche, muslimischen Jugendliche, Jugendliche aus Familien türkischer Herkunft: für die Integration all dieser Jugendlichen anderskultureller Herkunft sind Ansätze kulturhomogener und interkultureller Jugendarbeit nötig, die einerseits die Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen Lebenswelten betonen, andererseits die zur jeweiligen Persönlichkeit gehörenden ethnischen Unterschiede  bestehen lassen. Dieser Themenkomplex wird an der Katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen in Köln untersucht.

Auch das Kommunalpolitische Institut Hamburg hat es sich zur Aufgabe gemacht, Arbeiten mit Jugendlichen in dem Bereichen der Kommunalpädagogik zu fördern, insbesondere in den die Feldern Erziehungswissenschaft, Sozialpädagogik und Soziale Arbeit.

Das Hanseatische Rauhe Haus ist eine bekannte diakonische Institution in Deutschland, die durch den Unterhalt von Erziehungseinrichtungen schulverweigernden Kindern und Jugendlicher Hilfe zukommen lässt, um deren drohende Perspektivlosigkeit noch abzuwenden.

Im April 2006 besuchte Bundespräsident Horst Köhler in der Oberlausitzregion den Stützpunktvereins Grün Weiß Weißwasser: „Die Priorität der Integrationspolitik muss sein, die Menschen vor Ort in die Lage zu versetzen, Dinge zu tun. Die Sportvereine sind die Basis, da muss man in Zukunft was machen“

 

Staatliche Einbürgerungsregeln

Im Mai 2006 erlassen die Innenminister von Bund und Ländern einheitliche Einbürgerungsregeln, die die Chancen für eine Eingliederung in die Gesellschaft deutlich erhöhen sollen. Nach einem Beschluss der Großen Koalition müssen in Deutschland lebende Ausländer und Spätaussiedler an sog. Integrationskursen teilnehmen. Einbürgerungswillige, die die deutsche Staatsangehörigkeit erwerben wollen, müssen neben Sprachtests auch Einbürgerungskurse absolvieren. In Baden-Württemberg und Hessen als erste Bundesländer wenden die Einbürgerungsbehörden einen Fragebogen für Neubürger an, mit dem das Bekenntnis zu Staat und Verfassung überprüft werden soll.

Diese politische Maßnahme entspricht der Einstellung der Mehrheit der Bevölkerung. So sprechen sich in einer bundesweiten Repräsentativerhebung  93 % der Befragten dafür aus, zu überprüfen, ob die Vermittlung von staatsbürgerlichem Grundwissen und der Verfassungswerte in einem dreimonatigem Kurs tatsächlich gelungen ist.

 

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Sie können selbst interaktive Recherchen in folgenden Datenbanken durchführen: SOFIS enthält Beschreibungen von über 40.000 sozialwissenschaftlichen Forschungsprojekten, die FIS Bildung Literaturdatenbank ist mit über 550.000 Literaturnachweisen zu allen pädagogischen und bildungsrelevanten Themenfeldern der umfassendste Informationsdienst zu bildungsbezogener Literatur im deutschsprachigen Raum. Alle Datenbanken werden laufend aktualisiert. HILFE-Funktionen und Erläuterungen ermöglichen auch dem Anfänger eine erfolgreiche Suche. Die WWW-Version von SOFIS wird zweimal monatlich aktualisiert.