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Gewalt in der Schule - Bestandsaufnahme im Jahr 2006

 

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Prävention und Initiativen gegen Gewalt

 

Gewaltprävention, Initiativen, Streitschlichtung

An der Universität Trier, Fachbereich 04, Fach Soziologie, Teilfach Bildung und Kultur, wird das Projekt Schulverweigerung, Absentismus, Gewaltprävention durchgeführt mit finanzieller Förderung von Doris Ahnen als Mainzer Ministerin für Bildung, Frauen und Jugend Rheinland-Pfalz. Auch an der Ruhr-Universität Bochum, Juristische Fakultät, Lehrstuhl für Kriminologie, werden im Rahmen von angewandter Forschung kriminalpräventive Maßnahmen sowie bestimmte Strategien zur Konfliktlösekompetenz und zur Kriminalitätsverhütung entwickelt. Unter anderem evaluierten die Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Thomas Feltes und Dr. Jan Köhler ein Gewaltpräventionsprogramm am Beispiel der Gertrudis Grundschule in Bochum-Wattenscheid. Die Grundschule führt bereits seit 2001 ein Streitschlichtungsprogramm durch mit dem Titel „Kinder lösen Konflikte selbst!“ und erbringt den Nachweis, dass sich Gewaltexzesse an der Schule auch ohne polizeiliche Einwirkung vermeiden lassen.

Die Westfälische Kinder- und Jugendklinik Marsberg bietet sowohl Opfern als auch Initiatoren von Mobbing in der Schule Therapieplätze, um nach intensiver psychiatrischer Betreuung soziale Kompetenzen neu zu erlernen und am Sozialleben wieder mit Freude teilnehmen zu können.

An der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln, Abteilung Pädagogische Psychologie, führt Kristian Klett unter der Leitung von Prof. Dr. H. Rüppell eine Querschnittsuntersuchung durch zur Gewalt an Schulen, an der sich Anfang 2007 bereits über 13.000 Schüler und Schülerinnen beteiligt hatten. Das Spektrum der protokollierten Erfahrungen reicht vom resignativen Statement „Am besten man erzählt nichts weiter, sonst wird alles noch schlimmer„ bis zum selbstbewussten Ausspruch „Ich lasse mir nichts gefallen und wehre mich“. Hier die Untersuchungsergebnisse im Überblick.

 

Mediation

Ebenso wird Mediation häufig als Form der Streitschlichtung angesehen. Das administrativ zuständige Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend BMFSFJ fördert ein Projekt zur Evaluation der Schulmediation, am 15. September 2005 fand eine Fachtagung zur „Evaluation von Schulmediationsprogrammen“ in Berlin statt. Der Deutsche Bildungsserver hält auch sachdienliche Informationen bereit.

Bundesweit setzen viele Institutionen auf Schule mit Courage, wie sich ein Projekt von „Aktionscourage e.V. Berlin“ nennt. Vor allem die Bundeszentrale für politische Bildung hat viele entsprechende Projekte initiiert.

Auch der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt in Mecklenburg-Strelitz setzt auf Mediation als Weg der Konfliktbearbeitung. Zahlreiche gemeinnützige Einrichtungen bedienen sich der Technik, um Missverständnisse auszuräumen, erfolgte Missachtung eigener und fremder Bedürfnisse gütlich zu bereinigen. Ebenso kann destruktives Streitverhalten kanalisiert und in positive Bahnen gelenkt werden. Auch zahlreiche Einrichtungen im schulischen Umfeld machen sich für die Methode stark.

 

Prävention im Team

PIT Prävention im Team wurde als praxisrelevantes Angebot für Schülerinnen und Schülern der 7. und 8. Klassen konzipiert und wird schon seit längerem in einigen Bundesländern erprobt, so beispielsweise in Schleswig-Holstein, in Bayern, in Baden-Württemberg, in Rheinland-Pfalz  und auch in Hessen. In der Stadt Offenbach suchen Polizisten zusammen mit Sozialarbeitern der Jugendhilfe die Schulen auf, um vor Ort Präventionsstrategien zu entwickeln. In der hessischen Metropole Frankfurt wird ähnlich vorgegangen. Im Mittelpunkt des Trainings im Klassenverband steht das Programm "Cool sein - cool bleiben“, ein Training zur Handlungskompetenz in Gewaltsituationen. Auch die Friedrich-Kammerer-Schule im badischen Ehningen arbeitet mit diesem Programm, führt Rollenspielen und Gruppenarbeiten im Rahmen der Schulsozialarbeit durch. Ebenso machen sich Jugendzentren für diese Methode stark. Thumbnail{PhotoTitle}}

 

 

Faustlos

Die Münchner Stiftung "Bündnis für Kinder - gegen Gewalt" hat auf der Basis des  aus dem angloamerikanischen Bereich übernommenen Präventionsprogramms Faustlos zahlreiche Folgeprojekte ins Leben gerufen. So wurde von der Landesstiftung Baden-Württemberg GmbH eine Evaluation des Faustlos-Curriculums für den Kindergarten initiiert unter der Leitung von Prof. Dr. med. Manfred Cierpka, Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung für Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie.

Auch an der Universität Köln läuft derzeit ein Forschungsprojekt zur "Prävention von kindlichen Verhaltensstörungen: Entwicklung und Evaluation eines selektiven Präventionstrainings zur Förderung emotional-sozialer Kompetenzen im vorschulischen Bereich". Es wird durchgeführt am Seminar für Erziehungshilfe und sozial-emotionale Entwicklungsförderung der Heilpädagogisch-Rehabilitationswissenschaftlichen Fakultät.

 

 

1. Koblenzer Elternuniversität

Die Familie spielt für Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen die größte Rolle im Dreieck "Familie - Schule - Freunde". Gewaltlose Erziehung und die Fähigkeit, Konfliktsituationen gewaltfrei zu lösen, sind die bedeutendsten Aufgaben für Eltern. Inzwischen liegt auch ein wissenschaftlicher Beitrag der Universität vor, der zur Aufklärung von Missverständnissen und der Überwindung einer relativen Sprachlosigkeit zwischen den Beteiligten beitragen möchte. Im Zentrum der ersten Koblenzer Elternuniversität stehen Werte wie Respekt, Wertschätzung, Neugier, Dialog und Eigenverantwortung. Die Zielgruppe besteht aus engagierten Eltern, die ihre Kompetenz und Eigenverantwortung sichern wollen und zugleich den Dialog mit Fachleuten suchen, die ihnen hilfreiche, passende Anregungen ermöglichen können.

 

Berliner Leaking-Projekt

In Untersuchungen ließ sich nachweisen, dass Täter ihre zielgerichteten Gewalttaten an Schulen - zu denen auch Amokläufe und so genannte "School Shootings" wie in Erfurt zu rechnen sind - im Vorfeld direkt über Briefe oder Zeichnungen oder indirekt durch Interesse an Waffen ankündigten. Dieses Phänomen wird als "Leaking" bezeichnet und beschäftigt Wissenschaftler unter der Leitung von Prof. Dr. Herbert Scheithauer am Arbeitsbereich Entwicklungswissenschaft und Angewandte Entwicklungspsychologie der Freien Universität Berlin. In Zusammenarbeit mit der Polizei Berlin, der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport sowie weiteren Kooperationspartnern (Universität Bremen, Polizei Bremen) wird seit Mai 2006 ein ausgefeiltes Kommunikationssystem erarbeitet. Damit soll den Schulen ermöglicht werden, kritische Vorfälle und akute Bedrohungslagen zu erkennen, davon zu berichten und schließlich schnell, effizient und interdisziplinär präventiv zu handeln. Zu diesem Zweck soll in den kommenden Jahren auch eine Kriterien-Checkliste erarbeitet und evaluiert werden, anhand derer speziell dafür geschulte Personen Gefährdungsanalysen durchführen können.

 

 

Rütli-Wear

Als Absolvent einer Hauptschule in Deutschland fallen einem freie Ausbildungsplätze und Lehrstellen nicht gerade in den Schoß. Wenn man jedoch die Rütli-Oberschule im Berliner Bezirk Neukölln als Abgänger verlässt, so kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, nach der Schulzeit auf der Straße zu stehen. Der Brief der Lehrer an die Schulaufsicht, der schulinterne Missstände und Probleme klar thematisierte und in aller Öffentlichkeit brandmarkte, stigmatisierte die gesamte Schülerschaft als randalierenden, ignoranten und respektlosen Haufen.

Gegen diesen Generalverdacht erhebt der Berliner Soziologiestudent Tom Hansing gemeinsam mit zwei Freunden Einspruch: Mit der Initiative "Rütli-Wear" versuchen sie, dem Negativimage der Schule entgegenzuwirken. Seit die bundesweite Presse die Ereignisse rund um die Schule für mehrere Tage zum Top-Thema erkoren und so für die landesweite, leider aber negative und abschreckende Bekanntheit der Schule gesorgt hatten, waren auch die Schüler zu trauriger Berühmtheit gelangt. Die Initiative "Rütli-Wear" geht jedoch mit der negativen Stigmatisierung des Namens offensiv um und versucht, durch das offen zur Schau getragene Label auf T-Shirts den Namen mit anderen, positiven Werten zu besetzen. Die Schüler gestalten im Unterricht eigene Entwürfe für T-Shirtmotive und erlernen Siebdrucktechniken. Zudem sollen durch Kooperationen mit Siebdruck-Betrieben neue Praktikums- und Ausbildungsplätze für die Rütli-Schüler entstehen. Die T-Shirts können über einen Online-Shop käuflich erworben werden, das Geld fließt vollständig in einen Schulfonds. Ob sich die nicht von der Hand zu weisenden Missstände an der Schule durch trendiges Kleidungsdesign beheben lassen, darf bezweifelt werden. Das kann und will die Initiative allerdings auch gar nicht leisten - sie möchte den Namen der Schule positiv verändern, ihm wieder einen angenehmen Klang verleihen. Für die inhaltlichen Werte sind die Lehrer und in erster Linie die Schüler selbst verantwortlich.

 

 

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