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Gewalt in der Schule - Bestandsaufnahme im Jahr 2006

 

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Neue Ansätze in der Bildungspolitik

 

PISA „Programme for International Student Assessment“

Im Frühsommer 2000 nahmen ca. 180.000 Jugendliche aus 28 OECD-Mitgliedsstaaten sowie aus Brasilien, Lettland, Liechtenstein und der Russischen Föderation an der Schulleistungsstudie "PISA" teil. Die Studie zielte darauf ab zu untersuchen, inwieweit Jugendliche im schulischen Alltag Basiskompetenzen erworben haben, die eine Teilhabe am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Leben ermöglichen und inwieweit soziale Ungleichheiten im Bildungserfolg bestehen. Überprüft wurden die Bereiche Lesekompetenz, mathematische Grundbildung und naturwissenschaftliche Grundbildung. Die Auswertung erbrachte, dass die Teilnehmer aus Deutschland in der geprüften Bereichen nur im unteren Mittelfeld der PISA-Teilnehmerstaaten rangierten.

Als alarmierend wurde das Ergebnis gewertet, dass fast 10 Prozent der Jugendlichen  nicht einmal die geringste Leistungsstufe der Lesekompetenz erreichten, also fast überhaupt nicht lesen können. Jugendliche, deren Eltern beide zugewandert sind, kommen zu 50 Prozent nicht über die elementare Kompetenzstufe I im Lesen hinaus, obwohl 70 Prozent von ihnen die gesamte Schulzeit in Deutschland verbracht haben. Vielleicht wird in der Bildungspolitik am falschen Ende gespart: Während die Pro-Kopf-Ausgaben im Hochschulbereich mit 10.504 US-Dollar über dem Durchschnitt der OECD-Länder liegen, liegen sie im Grundschulbereich rund 15 Prozent unter dem Ländermittel.

 

Eine neue OECD-Studie, bei der 17 Staaten verglichen werden, basiert auf Daten aus dem weltweiten PISA-Schultest 2003. Es zeigt sich, dass Migrantenkinder der zweiten Generation deutlich schlechtere Leistungen aufweisen als die Zuwanderer der ersten Generation. Nötige Hilfestellungen und Ausbildungschancen fehlen, und das Potential der Kinder bleibt weitgehend ungenutzt. Die Arbeitsstelle Interkulturelle Konflikte und gesellschaftliche Integration (AKI) des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung WZB untersuchte bei Zuwanderern den Einfluss von Sprachkompetenz auf schulische Leistungen und Erfolg auf dem Arbeitsmarkt. Demzufolge hat Bilingualität keinen wesentlichen Nutzen bei der Integration von Migrantenkindern. Allein die Beherrschung der Sprache des Aufnahmelandes fördert den schulischen Erfolg und die gesellschaftliche Integration.

 

HIPPY

1969 entwickelt in Israel, das als klassisches Einwanderungsland gelten kann, kam das Programm HIPPY Anfang der neunziger Jahre nach Deutschland. HIPPY steht für Home Instruction for Preschool Youngsters und wurde für die Sprachförderung von ausländischen Familien mit Vorschulkindern entwickelt.

Mutter und Kind werden von einer Hausbesucherin angeleitet, die ihrerseits als Migrantin an HIPPY teilgenommen hat und nun ihr erworbenes Wissen weitergibt. Auf diese Weise können Migrantenkinder gemeinsam mit ihren Müttern ihre Deutschkenntnisse deutlich verbessern. Gleichzeitig wird die elterliche Erziehungsmacht gestärkt, da die Kompetenz der Hausaufgabenbetreuung in der Familie angesiedelt ist.

In Deutschland hat die  Abteilung „Familien und Familienpolitik" des Deutschen Jugendinstitutes die Aufgabe übernommen, das Programm gegen mangelnde Familienbildung an deutsche Verhältnisse anzupassen.  Das Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg (ifb) führte 2005 im Rahmen eines Projekts eine Vollerhebung mit ca. 330 "HIPPY-Eltern" durch. Das Programm, das die Integration von Migrantenkindern fördert und deren Einschulungsquote steigern soll, wurde in Nürnberg, in Berlin, Erlangen, Darmstadt, Frankfurt, Fulda, Fürth, Sindelfingen und München angeboten.

 

 

Schulpolitische Maßnahmen

Bereits 2001 untersuchte Bernhard Payk in seinem Promotionsprojekt an der Universität Konstanz, Lehrstuhl für Public Sector Reform, den schulpolitischen Föderalismus. Im gleichen Jahr beschloss die Kultusministerkonferenz eine Förderung bildungsbenachteiligter Kinder, um die Sprachkompetenz bereits im vorschulischen Bereich zu verändern, insbesondere von Kinder mit Migrationshintergrund. Generell nehmen Schulen standortnahe Kinder als Schüler auf. Allerdings forderte schon 2002 Rainer Völkel, Schulleiter des Robert-Koch-Gymnasiums in Kreuzberg, von der Schülerverteilung nach dem Wohnortprinzip abzuweichen, da einige Schulen einen überproportionalen Anteil von Schülern  ausländischer Herkunft mit Sprachproblemen haben. Um die Integrationsprobleme an Berliner Schulen ist es 2006 noch immer nicht besser bestellt. Daher fordert der Vorsitzende der GEW-Schulleitervereinigung, Erhard Laube, dass zukünftig alle Berliner Schulen, auch solche mit einem bisher geringen Anteil an Kindern nichtdeutscher Herkunft, eine Migrantenquote von 20 bis 30 Prozent erfüllen müssen.

Als Reaktion auf die Ergebnisse der Schulleistungsstudie "PISA" setzt sich die Bundesregierung nun stark für den Aufbau von Ganztagsschulen ein. Denn die Ganztagsschulen bieten, so das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), durch ihr Mehr an Zeit bessere Voraussetzungen für die Lösung wesentlicher Probleme unseres Schulsystems: Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler beim Lesen, der Mathematik oder in den Naturwissenschaften sind nur durchschnittlich. In keinem anderen Industriestaat entscheidet die soziale Herkunft so sehr über den Schulerfolg und die Bildungschancen wie in Deutschland. Zugleich gelingt die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund deutlich schlechter. Deshalb wurde im Jahr 2003 das das Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" unterzeichnet. Damit  unterstützt die Bundesregierung die Länder beim bedarfsgerechten Auf- und Ausbau von Ganztagsschulen.

Aber ein Angebot an mehr Unterricht und Bildung ist nicht nach jedermanns Geschmack. Nach Angaben der Berliner Erziehungs- und Familienberatungsstellen schwänzten 2002 allein in der Hauptstadt rund 50.000 von 300.000 Schülern regelmäßig den Unterricht. Dieser auch in anderen Bundesländern stark verbreiteten Schulverweigerung will die Politik einen Riegel vorschieben. Das neue Schulgesetz, das in Nordrhein-Westfalen im Gesetzgebungsverfahren ist, soll ein Bußgeld in Höhe von mindestens 50 Euro bei über 14jährigen lernunwilligen Schülern vorsehen.

 

 

Schuluniform als Konfliktlösung?

Seit Jahren diskutieren Politiker und Öffentlichkeit das Thema Schuluniform. Die Bundesjustizministerin Brigitte Zypries fordert die Einführung von Schuluniformen. Mit der Schulkleidung würden auch Probleme, die sich durch soziale Unterschieden ergeben, beseitigt. Der Vorschlag stößt vielfach auf Skepsis und geteilte Meinungen. Die Bundesbildungsministerin Annette Schavan befürwortet Schuluniformen: ""Wenn einheitliche Schulkleidung zur Identifizierung mit der Schule beiträgt und Symbol einer Gemeinschaft aller am Schulleben Beteiligten ist, dann ist das zu begrüßen." Dagegen sprechen sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und der Verband Bildung und Erziehung gegen die Einführung der Schuluniform aus, weil diese keine sozialen Probleme löse. Viele Landespolitiker befürworten den Vorschlag der Justizministerin und wollen die Schulen selbst entscheiden lassen. Es gibt bereits einige Schulen, die positive Erfahrungen mit der Einheitskleidung machen.

 

 

Initiativen für bessere Bildung

Die im Ruhrgebiet ansässige Stiftung Mercator unterstützt gezielt Initiativen, die innovativen Ideen im Schulsektor entwickeln wie das Projekt „Förderunterricht für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund". Die Initiative "McKinsey bildet" der angesehenen Unternehmensberatung gleichen Namens handelt nach dem Motto "Früh investieren statt spät reparieren". Sie fordert in einem Vier-Punkte-Plan den Aufbau einer nationale Qualitätsagentur, eine  verpflichtende Fachhochschulausbildung für Erzieherinnen und Erzieher, den Ausbau weiterer Krippenplätze und ein Sonderprogramm für die Betreuung von Kindern und Eltern in sozialen Brennpunkten.

 

 

Reaktionen in Wissenschaft und Forschung

 

Weiterführende Links und Dokumente

 

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