sowiPlus

Gewalt in der Schule - Bestandsaufnahme im Jahr 2006

 

 Weitere Informationsdienste 

IZ Sozialwissenschaften

Ursachen, Gründe, Motive

Extreme Gewaltanwendung: Waffen

Neue Ansätze in der Bildungspolitik

Formen der Gewalt im schulischen Alltag

Prävention und Initiativen gegen Gewalt

Neue Ansätze der Familienpolitik

Von Mediengewalt zu realer Gewalt?

Integration und Migration

Literatur- und Forschungsdokumentation

 

 

 

 

Wer an der Jugend spart, wird in Zukunft verarmen.

(Adolf Haslinger (*1933), östr. Hochschullehrer, s. 1995 Rektor Universität)

 

 

 

 

 

 

Die Jugend soll ihre eigenen Wege gehen, aber ein paar Wegweiser können nicht schaden.

(Pearl S. Buck (1892-1973), amerik. Erfolgsautorin, 1938 Nobelpr. f. Lit.)

 

 

 

 

 

 

Das große Ziel der Bildung ist nicht Wissen, sondern handeln.

(Herbert Spencer (1820-1903), engl. Philosoph u. Sozialwissenschaftler)

 

Gewalt in der Schule - Bestandsaufnahme im Jahr 2006

 

"Perspektivisch muss die Hauptschule in dieser Zusammensetzung aufgelöst werden zu Gunsten einer neuen Schulform mit gänzlich neuer Zusammensetzung." Diese in ihrer Konsequenz erschreckende Schlussfolgerung traf das Lehrerkollegium der Berliner Rütli-Oberschule in einem Aufsehen erregenden Brief. Am 28.Februar 2006 hatten die Pädagogen der Hauptschule im Berliner Stadtteil Neukölln den schriftlichen Hilferuf an die Schulaufsicht gesendet und damit unbeabsichtigt eine deutschlandweite Debatte über die Situation an deutschen Schulen ausgelöst. In ihrem Schreiben waren Probleme klar benannt worden, mit denen auch andere Schulen in ganz Deutschland zu kämpfen haben: ein überdurchschnittlich hoher Anteil nichtdeutscher Schüler, eine allgegenwärtige Atmosphäre der körperlichen und psychischen Gewalt, Motivations- und Perspektivlosigkeit der Schülern, Angst und Hilflosigkeit der Lehrer. Die Diskussion rund um die Gewalt und Missstände an deutschen Schulen ist nicht neu - bereits vor drei Jahren, als der Schüler Robert Steinhäuser in einem Erfurter Gymnasium sechzehn Menschen erschoss, gerieten die Zustände ins Visier der Kritiker. Am 20. November 2006 ereignete sich ein weiterer, Aufsehen erregender Amoklauf in einer Schule in Emsdetten. Ein 18-jähriger als Computerfreak und Waffennarr verschriener ehemaliger Schüler stürmte schwer bewaffnet in das Geschwister-Scholl-Gymnasium und verletzte fünf Menschen.

Die Situation an der Rütli-Schule, die bloß als Exempel im Vordergrund steht, lässt sich hingegen nicht auf einen eruptiven Gewaltausbruch wie Steinhäusers Amoklauf zurückführen, sondern entstand als Folge tief verwurzelter struktureller Gewalt.

 

Diese Gewalt äußert sich zudem in immer neuen Formen, die wie neue Modetrends scheinbar aus dem Nichts auftauchen. So macht der Begriff des "Happy Slappings" seit Wochen die Runde in den Medien, bei dem arglose Passanten oder Mitschüler nicht nur zu Opfern spontaner Brutalität werden, sondern der Überfall zusätzlich als Akt der Demütigung von einer Kamera oder einem Handy aufgezeichnet wird. Später kommt es dann häufig zur Verbreitung des Filmmaterials via Internet. Die Medien selbst spielen in diesem Zusammenhang eine zweifelhafte Rolle. Nach den ersten Fällen in Großbritannien berichteten europäische Medienvertreter intensiv über das neuartige Gewaltphänomen und erfüllten damit ihren Informationsauftrag. Jedoch forcierte die Berichterstattung gleichzeitig unbeabsichtigt die Verbreitung der brutalen Überfälle. Das auf einige britische Einzelfälle begrenzte Problem breitete sich auf dem europäischen Festland aus und gilt inzwischen zwar nicht als Epidemie, so doch mindestens als ernstzunehmendes Phänomen.

 

Die Rohheit der Überfälle, die sich in ihrer Brutalität stets zu steigern und zu übertreffen versuchen, und die gänzlich fehlende Empathie machen die Vorfälle so außergewöhnlich und alarmierend. Zwar sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass schulische Gewalt kein flächendeckendes Phänomen ist - doch auch ohne Dramatisierung zeigt ihre wenigstens punktuelle Verbreitung in deutschen Schulen, dass der schulische Alltag mitunter von einer Atmosphäre der Angst und Gewalt geprägt ist, die zunehmender Brutalität einen fruchtbaren Boden bereitet. Die Suche nach den Ursachen und Faktoren jener schulischen Gewalt ist freilich ebenso wichtig wie die Bereitstellung von Lösungsmöglichkeiten, präventiven Modellen und Mustern der Intervention. Mit diesem Online-Portal "Gewalt an Schulen" möchte das Informationszentrum Sozialwissenschaften seinen Beitrag zur öffentlichen Debatte leisten. In mehreren thematisch eingegrenzten Abschnitten werden Ursachen, Faktoren, Hintergründe und Erscheinungsformen schulischer Gewalt ebenso beleuchtet wie das in die Kritik geratene deutsche Schulsystem. Darüber hinaus wird die schulische Integrationspolitik untersucht, der eine Schlüsselrolle bei der Verbesserung der allgemeinen Zustände zufallen könnte. Zuletzt findet noch eine Auseinandersetzung mit möglichen Lösungsansätzen und präventiven Maßnahmen statt.

Die einzelnen Abschnitte sind durch eine Vielzahl von unterlegten Links ergänzt, die ein breites und umfassendes Informationsangebot liefern. Komplettiert wird das Angebot schließlich durch den sozialwissenschaftlichen IZ-Informationsdienst "Gewalt in der Schule", der als SowiOnline einen aktuellen Forschungs- und Literaturüberblick bietet.

 

Darüber hinaus bieten wir Ihnen die Möglichkeit, in der Datenbank des Informationszentrums Sozialwissenschaften eigene Recherchen kostenlos durchzuführen. Die Datenbank SOFIS enthält Beschreibungen von über 40.000 sozialwissenschaftlichen Forschungsprojekten. Die Datenbank wird laufend aktualisiert. HILFE-Funktionen und Erläuterungen ermöglichen auch dem Anfänger eine erfolgreiche Suche. Die WWW-Version von SOFIS wird zweimal monatlich aktualisiert.

Des weiteren steht Ihnen auch die die online recherchierbare FIS Bildung Literaturdatenbank zu eigenen Recherchezwecken zur Verfügung. Mit über 550.000 Literaturnachweisen zu allen pädagogischen und bildungsrelevanten Themenfeldern ist diese vom Informationszentrum Bildung des Deutschen Institutes für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) betriebene Datenbank der umfassendste Informationsdienst zu bildungsbezogener Literatur im deutschsprachigen Raum.