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Vorwort
"Am 20. April 1999 versetzte eine Meldung die Welt in fassungsloses Entsetzen: In Littleton, Colorado (USA), hatten die Schüler Eric Harris (18) und Dylan Klebold (17) schwerbewaffnet ihre Schule überfallen, zwölf Mitschüler und einen Lehrer getötet, weitere Menschen z.T. schwer verletzt und sich anschließend selbst umgebracht." 
So begann das Vorwort der Dokumentation, die das IZ Sozialwissenschaften auf den Tag genau vor drei Jahren vorlegte, am 27. April 1999.
Als läge Deutschland noch in einer anderen Welt, fuhr der Text damals fort: 
"Es sind solche spektakulären Massaker von Kindern und Jugendlichen - in den USA waren es in den letzten zwei Jahren allein fünf -, die immer wieder das Interesse der Öffentlichkeit entfachen und Bestürzung und Hilflosigkeit hinterlassen. Aber diese singulären Katastrophen täuschen zu leicht über die Alltäglichkeit der Gewalt auch an deutschen Schulen hinweg, die freilich meist unterhalb der Aufmerksamkeitsschwelle liegt und nur selten in den Fokus der Öffentlichkeit gerät."
Wie wahr, wie wahr. Das eigentliche Problem ist tatsächlich nach wie vor die alltägliche Gewalt, die weit unter der Schwelle von Massaker und Blutbad liegt, aber dennoch nicht weniger bedrohlich und verheerend ist.
Andererseits aber hat uns spätestens das Massaker, das gestern in Erfurt stattfand, unmißverständlich belehrt, daß die amerikanischen Verhältnisse sich nicht mehr auf einen fernen Kontinent beschränken lassen. Amerika findet auch mitten in Deutschland und an deutschen Schulen statt - vor wenigen Wochen (im Februar) noch in Freising (Bayern), gestern in Erfurt.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Helmut M. Artus
Bonn, den 27.04.2002