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Ökonomische Aspekte des Fußballs

 

Die ökonomische Bedeutung des Sports in Deutschland lässt sich daran ermessen, dass nach einer sehr vorsichtigen Schätzung Mitte der 90er Jahre der Anteil am Bruttoinlandprodukt 1,5 Prozent betrug - das entspricht, bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt des Jahres 2005, einem Realwert von  ca. 33 Mrd. Euro. Knapp 600.000 Menschen sind im Sportbereich beschäftigt, davon ca. 340.000 bezahlte Übungsleiter, nebenamtliche Trainer und Hilfskräfte, die nicht in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten. 

Beschränkt man sich auf die wirtschaftliche Bedeutung des Berufsfußballs, so zeigt sich, dass gerade in den letzten beiden Jahrzehnten - national wie international - eine beeindruckende Steigerung festzustellen ist. Der Profifußball zählt mittlerweile zu den am stärksten expandierenden Bereichen der Unterhaltungsindustrie. Beispielsweise erzielte die englische Premiere League in der Saison 2002/2003 einen Umsatz in Höhe von 1,79 Mrd. Euro, die Bundesliga 1,11 Mrd. Euro. Man kann dabei leicht vergessen, dass insbesondere in den 90er Jahren bis Anfang dieses Jahrhunderts die europäische Fußballbranche aufgrund explodierender Transferzahlungen und astronomischer Spielergehälter zum Teil stark überschuldet war und zum Teil noch ist (siehe die italienischen Fußballunternehmen). Seit der Spielzeit 2004/2005 werden die Fußballunternehmen durch ein europäisches Lizenzierungsverfahren stärker kontrolliert, um eine zu hohe Verschuldung und Überhitzung der Fußballunternehmen zukünftig zu vermeiden. Eine ausführliche Darstellung des Themas Fußball und seine Finanzen können der von der WGZ-Bank und der KPMG Deutsche Treuhandgesellschaft herausgegebenen Broschüre FC €uro AG entnommen werden.

 

Auch die Fifa hat längst die ökonomische Rentabilität des Fußballs erkannt und nutzt diese seit Mitte der 80er Jahre für ihre eigenen Zwecke. Hatten bis dahin größtenteils die Beiträge der einzelnen Mitgliedsverbände das wirtschaftliche Überleben der Fifa gesichert, begann der Weltfußballverband unter dem Vorgänger Joseph Blatters, Joao Havelange, den Geldstrom umzukehren und in die eigenen Kassen zu leiten. Die Einnahmen wuchsen mit jeder Weltmeisterschaft. Nach jüngsten Prognosen hat die WM in Deutschland der Fifa mehr als 1,7 Mrd. Euro eingebracht.

Obwohl der Verband unter Blatter immer wieder auf seine gesellschaftliche Verantwortung hinweist und mit dem Geld entwicklungspolitische Initiativen anstößt und finanziert, verweisen Kritiker auf den selbstherrlichen, megalomanen und damit schlicht falschen Einsatz der gigantischen Einahmen. So werden beispielsweise millionenschwere verbandseigene Prachtbauten in Entwicklungsländern errichtet, die den Standard vor Ort weit übersteigen.

Doch die Art und Weise, wie die Einnahmen zustande kommen, gilt längst als kritikwürdig. Die Fifa ist der Monopolist des Weltfußballs, der mit einer rigiden Vergabe von Sponsor- und Werberechten die Vermarktungspreise diktiert. Doch wenige Wochen vor Beginn der Weltmeisterschaft mussten Blatter und seine Mitarbeiter eine herbe juristische Niederlage hinnehmen. Nach einem BGH-Urteil durfte die zweitweise von der Fifa geschützte Bezeichnung "Fußball WM 2006" nicht weiter exklusiv genutzt werden. Die Sponsoren, die u.a. mit der Verlockung absoluter Werbeexklusivität gewonnen werden konnten, verlangten schnell Preisnachlass und Entschädigung. Opfer der rigiden Vermarktungsstrategie gab es auch zu vermelden. Der Spielwarenproduzent Nici aus Franken, der als Teil der enormen Merchandisemaschinerie von der FIFA für viele Millionen die alleinige Lizenz zur Produktion des WM-Maskottchen Goleo erworben hatte, musste beim Amtsgerichts Coburg Insolvenz anmelden.

Welch kuriose Früchte die Vermarktungspolitik der Fifa mitunter trägt, zeigt ein fingierter Aufruf der WM-Stadt Köln. Unbekannte hatten darin im Namen der Stadt und der Fifa die Bürger aufgefordert davon abzusehen, "Markenzeichen von Nicht-Sponsoren öffentlich, vor allem aber innerhalb der kontrollierten Zone (Bannmeile), zu tragen." Auf einer eigens kreierten Fifa-Checkliste wurde gar das "Nachsingen, Nachsummen oder Pfeifen von Werbemelodien der Nicht-Sponsoren" untersagt. Die rigide Vermarktungsstrategie der Fifa wurde damit Ziel satirischer Kritik, die jedoch nicht überall auf humoriges Verständnis stieß.

 

Die Situation des Fußballs ist gekennzeichnet durch eine zunehmende Professionalisierung (siehe hierzu aktuell die Veröffentlichung von Schumann 2005 "Professionalisierungstendenzen im deutschen Fußball aus sportökonomischer Perspektive") und Kommerzialisierung. Fußball genießt nicht nur weltweit eine unübertroffene hohe Popularität, sondern er dominiert auch wie keine andere Sportart die Sportberichterstattung in den Medien Unternehmen in Deutschland investierten 2005 ca. 2,1 Milliarden Euro, damit entfallen ca. 60 Prozent aller Sponsoringaktivitäten auf den Sportbereich. Alleine die 15 internationalen Hauptsponsoren (von adidas bis yahoo) zahlten bei der Fußballweltmeisterschaft 360 Millionen Euro, weitere 60 Millionen kamen von den nationalen Förderern (wie z.B. OBI, Postbank und Deutsche Bahn AG). 

Insbesondere im Vorfeld und während der Weltmeisterschaft boomte die Werbung mit bekannten Fußballern. Ob Ballack den neuen Burger von McDonalds anpries, Schweinsteiger genüßlich in die Bifi biss oder Beckenbauer mit dem Handy telefonierte, Weizenbier schlürfte, Strom vermarktete oder zum Sparen aufrief, nahezu jedes Wirtschaftsunternehmen von Rang stürzte sich auf kickende Sympathieträger. Allerdings zeigt eine exklusive Studie des Kölner Instituts Sport + Markt, dass jener Werbung mit Fußball-Stars nicht automatisch Erfolg beschieden sein muss.

Durch die weltweite Verbreitung des Wirtschaftsfaktors Fußball ist dieser in die internationale Wirtschaftsordnung eingebunden und unterliegt den üblichen Gesetzmäßigkeiten der Globalisierung. Nicht selten wird die Popularität des Sports genutzt, um aus dem ohnehin wenig gerechten internationalen Wirtschaftssystem individuellen Profit zu schlagen. So werden beispielsweise vier Fünftel der Fußballe auf dem deutschen Markt in Pakistan hergestellt, da dort feste Arbeitsverträge, Arbeitssicherheit und Gesundheitsvorsorge, Gewerkschaftsfreiheit und Mindestlöhne nicht zu den Selbstverständlichkeiten gehören. Die Produktion ist für den Hersteller billig, die Gewinne dagegen erklecklich. Doch mit Initiativen wie "Fair Play- Fair Life" wird auch in Deutschland versucht, den ca. 30 000 Menschen, die davon leben, dass sie mit Nadel und Faden einen Ball aus 32 sechseckigen Waben mit der Hand zusammennähen, wenigstens einen gerechten Lohn für ihre Arbeit zukommen zu lassen.

 

 

Die im Folgenden aufgeführte Auswahl an Links bietet weitere Informationen zu den angesprochenen Themen:

 

Sportökonomie und Sportmanagement an Hochschulen:

 

Ausgewählte Literaturhinweise aus den BISp-Datenbanken finden Sie hier.

 

 

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