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soFid - Fachinformationsdienst ¬ 25 Jahre soFid


Herzlichen Glückwunsch!
25 Jahre soFid

Der Sozialwissenschaftliche Fachinformationsdienst soFid wird 25.
Dr. Helmut M. Artus war von Anfang an dabei und erinnert sich:


„Standardprofildienste“ – eine rasante Entwicklung

Die zweite Jahreshälfte 1979 war eine aufregende Zeit für das IZ Sozialwissenschaften (IZ), das damals gerade mal zehn Lenze zählte:

  • in der neu gegründeten Fachabteilung Soziologie (FS) wurde fieberhaft der Aufbau einer neuen Literaturdatenbank vorbereitet, die neben die Forschungsprojekt-Datenbank treten sollte
  • die zweibändige Dokumentation Soziologische Forschungsarbeiten 1977/78 war druckfertig – immerhin 627 Seiten plus Registerband; ihr Erscheinen wurde aber im letzten Moment vom Verwaltungsrat unterbunden
  • und eine Änderung der Organisationssstruktur stand kurz bevor.

Ach ja, da war noch etwas: „In Absprache mit der Arbeitsgemeinschaft deutschsprachiger Religionssoziologen in Hannover" brachte das IZ im November vier „Jahresberichte" für die Erhebungsjahrgänge 1975-1978 heraus, wie der Tätigkeitsbericht für das Jahr 1979 ebenso lakonisch wie unbegeistert vermerkte. Zu diesem Desinteresse passt auch die nichtssagende Bezeichnung „Jahresbericht“ – obwohl die Bände selber bereits unter der (freilich nicht ganz zutreffenden) Fachbezeichnung Standardprofildienst erschienen waren.

Wie auch immer: Die „historische“ Bedeutung des Ereignisses war offensichtlich nicht erkannt worden. Bezeichnenderweise wurden drei weitere Standardprofildienste, die zeitgleich erschienen waren, mit keinem Wort erwähnt: Theorieforschung in den Sozialwissenschaften, Methodenforschung in den Sozialwissenschaften sowie Instrumentenentwicklung in den Sozialwissenschaften. Sie waren von IZ-Mitarbeitern in Eigeninitiative erstellt worden und sollten gewissermaßen als Belohnung an Soziologen verteilt werden, die sich an einer Befragung beteiligt hatten. An ein regelmäßiges Erscheinen war nie gedacht worden.

Der Geringschätzung zum Trotz leiteten diese eher durch Zufälle entstandenen Profildienste zu vier Themenbereichen eine stürmische Entwicklung ein, die sicher auch damit zusammenhing, dass Anfang 1980 die Abteilung Markt und Vertrieb (M+V) gegründet wurde, deren Leiter Oswald Schöberl Monate zuvor bereits die Zusammenarbeit mit den Religionssoziologen eingefädelt hatte. Mit M+V gab es erstmals eine tatsächliche Zuständigkeit für Publikationen jenseits der Forschungsdokumentation, um die herum das IZ aufgebaut worden war.

Innerhalb kurzer Zeit wurden neue Dienste konzipiert und verwirklicht. Der Tätigkeitsbericht 1980 spricht etwas großspurig davon, dass „nach der Entwicklungsphase (!) im Jahre 1979 im Berichtszeitraum das Angebot von Profildiensten erweitert und verbessert werden" konnte. Danach werden tatsächlich nicht weniger als 15 Titel aufgelistet - von der Curriculumforschung über die Industrie- und Betriebssoziologie bis zu den Alternativen zum dreigliedrigen Schulsystem -, die wahlweise einzeln oder im Abonnement zu beziehen waren.

Ein Jahr später waren es bereits 25.


Feindliche Übernahme?

Mit dem Jahr 1983 stellten die Standardprofildienste ihr Erscheinen ein. Der entscheidende Grund dafür war vermutlich, dass im Herbst 1982 ein neuer Informationsdienst auf der Bildfläche erschienen war, der eine überzeugendere Konzeption vorweisen konnte. Schwächen der Standardprofildienste, die mit Zufälligkeiten ihrer Entstehungsgeschichte und den Spezialgebieten und -interessen ihrer Bearbeiter zu tun hatten, wurden in dem neuen Sozialwissenschaftlichen Literaturinformationsdienst (soLid) von Anfang an vermieden.

Wie der Name schon andeutet, beruhte soLid auf der noch jungen Literaturdatenbank SOLIS. Es lag daher nahe, die eigens für SOLIS geschaffene Fachgebietsklassifikation von Anfang an zum Kanon für die soLid-Bände zu machen. Zu jeder Bindestrich-Soziologie, die in der Klassifikation genannt war, sollte ein soLid-Band realisiert werden, außerdem zur Allgemeinen Soziologie und zu den Methoden der Sozialforschung sowie zur Wissenschaftsgeschichte. Als Querschnittsbereiche kamen Friedens- und Konfliktforschung und die damals noch sehr junge Frauenforschung hinzu. Insgesamt wurden 33 Themenbände angeboten. Der Dienst erschien zweimal jährlich - und zwar als Loseblattsammlung im DIN A4-Format.

Das Konzept war bestechend, hatte aber einen Nachteil: SOLIS war - gemäß dem politischen Auftrag - eine soziologische Datenbank; deshalb war die fachliche Spannweite wesentlich enger als bei den Standardprofilen aus der Datenbank FORIS, die die Sozialwissenschaften in ihrer Gesamtheit dokumentiert, einschließlich beträchtlicher Teile der Wirtschaftswissenschaften.

Eine Integration mit den FORIS-Standardprofildiensten war wegen der unterschiedlichen Systematiken und der starken Differenz der fachlichen Scopes ausgeschlossen. Es konnte also nur ein unkoordiniertes Nebeneinander der Dienste geben, was vermutlich zu Irritationen bei den Nutzern geführt hätte, oder auf eine „feindliche Übernahme“ hinauslaufen.

Aber wer sollte wen übernehmen? soLid hatte das bessere Konzept, die Standardprofildienste das bessere (und auch in der Community erwünschtere) fachliche Profil. Schließlich setzte sich soLid durch und wurde damit zum einen Grundlage des heutigen soFid und zum anderen Bezugszeitpunkt für die Berechnung des jetzigen Silberjubiläums.

Im Jahr 1983 wurde SOLIS eine neue fachliche Ausrichtung verordnet: von der Soziologie auf die Sozialwissenschaften. Damit war die Orientierung an den Bindestrich-Soziologien obsolet. Wo es möglich war, wurde – soziologie nach und nach durch – forschung ersetzt: Aus Familiensoziologie wurde Familienforschung, aus Jugendsoziologie wurde Jugendforschung etc. Einen tiefen Eingriff gab es nur an einer Stelle: Wissenschaftssoziologie, Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte wurden thematisch integriert. Aus drei getrennten Diensten wurde der cum grano salis homogene Band Wissenschaftsforschung. Der Themenbereich Wissenssoziologie, der bis dahin zusammen mit den drei anderen Bereichen ausgeliefert worden war, wurde ersatzlos gestrichen; es gab zu wenige Nachweise und deshalb auch zu wenige Abonnenten dafür.

Vor allem aber war jetzt der Weg zu einer sinnvollen Einbeziehung von FORIS-Nachweisen frei. Ab 1984 erschien soFid dreimal jährlich mit getrennten Lieferungen aus SOLIS (zweimal) und FORIS (einmal). Erst 1990 wurde auf ein zweimaliges Erscheinen umgestellt. Außerdem wurden die bis dahin eingesetzten Ringordner durch gebundene Ausgaben im kleinen, handlichen DIN B5-Format mit Sach-, Personen- und Institutionenregister ersetzt. SOLIS- und FORIS-Nachweise wurden nicht mehr getrennt.

Mit der Einbeziehung von FORIS war natürlich der Name soLid nicht mehr zu halten: Das L für Literatur wurde 1984 kurzerhand durch das noch heute gültige F für Fach(information) ersetzt.


Eine runde Sache: soFid auf CD

Mit der Integration von Nachweisen zu Forschung und Literatur war der soFid, wie wir ihn heute kennen, im Prinzip vollendet. Den Entwicklungen in der Wissenschaft folgend – in der es ja auch Konjunkturen und Moden gibt -, wurden Themen aufgenommen, verändert, fusioniert oder aufgegeben, aber die Grundkonzeption änderte sich nicht mehr.

Wenn man einmal von der CD-Ausgabe absieht.

Seit 1999 erscheint soFid nicht nur in gedruckter, sondern auch in elektronischer Form. Das hört sich simpel an: Man nehme die Datei, mit der man schon die gedruckte Fassung erstellt hat, und brenne sie auf CD!

Stimmt. Aber ganz so leicht wollte es sich das IZ nicht machen. Und vor allem nicht ganz so einfalls- & anspruchslos. Zwar wird tatsächlich die jeweilige gedruckte Lieferung getreu abgebildet, und man kann in ihr blättern wie in einem richtigen Buch. Aber über die Suchmaske, die im Rahmen des GESINE-Projekts (Integriertes Recherchesystem für sozialwissenschaftliche Informationen) entwickelt worden war und hier zur Nutzung kam, kann zusätzlich recherchiert werden. Dabei ist ein gezielter Zugriff auf Personen-, Sach- und Institutionenregister möglich, aber ebenso eine Freitextsuche im Titel oder im Gesamtbestand. Logische Verknüpfungen (UND, ODER, UND NICHT) sind ohnehin selbstverständlich. Und weil eine Recherche in dem vergleichsweise geringen Datenbestand einer einzigen soFid-Lieferung nicht sehr interessant wäre, wurden speziell für die Recherche auch die jeweils fünf vorangegangenen Lieferungen dazugepackt. Damit ist eine qualifizierte Datenbankrecherche in den jeweils drei aktuellsten Jahrgängen möglich.

Die Grundkonzeption der gedruckten Version hat sich also tatsächlich nicht geändert, aber für die CD-Version wurde eigens eine innovative Konzeption entwickelt. Auch sie hat bis heute Bestand.


soFid – eine Erfolgsgeschichte

Auch wenn man zugibt, dass soFid seine eigentliche Ziel-(Abonnenten-)Gruppe – nämlich die einzelnen Wissenschaftler – nicht erreicht hat, sondern ein typisches Bibliotheksprodukt geblieben ist, muss man die Geschichte des soFid als Erfolgsgeschichte einstufen. Ein Vierteljahrhundert lang hat soFid alle technologischen Schübe und Umbrüche ohne großen Schaden überstanden: den Online-Zugang zu Datenbanken, die Verbreitung des PCs, den Aufstieg und Fall der Diskette, die Veralltäglichung der CD-ROM, die Selbstverständlichkeit des Internets und sogar Google.

Selbst die inhaltliche „Konkurrenz“ konnte ihm nicht viel anhaben: Seit soFid auf Erfolgskurs ist, gab es die Online-Zugänge zu SOLIS und FORIS (seit 1984), den Diskettendienst mit großflächigen Datenbankausschnitten (seit 1992, eingestellt 1999), die damals aufsehenerregende CD WISO (mit SOLIS, ab 1991), wenig später abgelöst bzw. erweitert durch WISO III (mit SOLIS und FORIS), FORIS im kostenlosen Internetangebot des IZ und schließlich die Internetportale infoconnex bzw. vascoda (2003), die SOLIS und FORIS im Kontext weiterer Datenbanken, Informationsquellen und -dienste anbieten.

Bleibt nur die Frage, warum die soFid-Dienste immer noch nicht im Internet verfügbar sind. Aber wir arbeiten daran!

Helmut M. Artus
im August 2007


© GESIS Sabine Trenkler 12.02.2008

soFid - Fachinformationsdienst ¬ 25 Jahre soFid