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Ost- und Ostmitteleuropa-Soziologie

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Viele Jahre wurde das soziale Geschehen in Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa seitens der deutschen Soziologie nur sehr beiläufig zur Kenntnis genommen. In der Bundesrepublik Deutschland ist die Zahl der Soziologen, die sich in den zurückliegenden Jahrzehnten kontinuierlich mit Osteuropa beschäftigt haben, verschwindend gering. Erst mit dem Niedergang der kommunistischen Herrschaft, dem "Systemwechsel" und dem "Umbruch" in Europa kam es auch in der deutschen Soziologie zu einem rasch wachsenden Interesse an "ost- und südosteuropäischen Fragen". Mit diesem durch die realgeschichtlichen Entwicklungen geweckten oder gesteigerten Interesse ergab sich gleichsam das Anliegen, einen Diskussionsrahmen für die auf dem Gebiet der Ost- und Südosteuropaforschung arbeitenden Soziologen wie auch eine "Kontaktstelle" für den internationalen Gedankenaustausch und die interdisziplinäre Kooperation zu schaffen. 

Ein erster wichtiger Schritt in dieser Hinsicht wurde auf dem 25. Deutschen Soziologentag, der vom 9. bis 12. Oktober 1990 in Frankfurt am Main stattfand, mit der Durchführung einer ad-hoc Veranstaltung "Osteuropa" getan. Aus der ad-hoc Gruppe, die auf dem Frankfurter Soziologentag zusammenfand, hat sich in der Folgezeit unter der Leitung von Prof. Dr. Bálint Balla (TU Berlin) und Prof. Dr. Anton Sterbling (vormals Privatdozent Universität der Bundeswehr Hamburg, heute Professor an der Fachhochschule für Polizei Sachsen) eine Arbeitsgruppe "Ost- und Ostmitteleuropa-Soziologie" entwickelt, die Ende 1991 sodann auch förmlich als Arbeitsgruppe der Deutschen Gesellschaft für Soziologie anerkannt und eingerichtet wurde. Diese Arbeitsgruppe hat in den zurückliegenden Jahren vielfältige Aktivitäten entfaltet, die den wissenschaftlichen Gedankenaustausch förderten und die zu einer Intensivierung der internationalen Kommunikation beitrugen. In diesem Zusammenhang sind vor allem regelmäßig durchgeführte Tagungen der Arbeitsgruppe unter Beteiligung ost-, ostmittel- und südosteuropäischer Fachkollegen zu nennen. Diese Tagungen haben in der deutschen Soziologie ein relativ breites Interesse gefunden und sicherlich auch erheblich zu einem kontinuierlichen Diskussionsprozeß der auf diesem komplexen Forschungsgebiet arbeitenden Soziologen beigetragen.

Eröffnet wurde die Reihe regelmäßiger Zusammenkünfte am 4. und 5. April 1991 mit einer von der Fritz Thyssen-Stiftung geförderten Arbeitstagung zur: "Ost-Mitteleuropa-Soziologie" an der Technischen Universität Berlin, die in Fachkreisen und insbesondere bei Fachkolleginnen und -kollegen aus den neuen Bundesländern auf großes Interesse stieß und darüber hinaus lebhafte öffentliche Resonanz fand. Eine weitere Tagung zum Thema: "Das vereinte Deutschland und ein Europa im Wandel" fand sodann vom 11. bis 14. Mai 1992 an der Akademie für Politische Bildung in Tutzing statt. Die Arbeitsgruppe "Ost- und Ostmitteleuropa-Soziologie" war im gleichen Jahr mit einer Reihe interessanter Vorträge und Diskussionsbeiträge im Rahmen zweier Veranstaltungen auf dem 26. Deutschen Soziologentag in Düsseldorf (28.9.-2.10.1992) vertreten.

Vom 27. bis 30. September 1993 wurde eine Internationale Tagung der Arbeitsgruppe zum Rahmenthema "Zu einer Soziologie des Postkommunismus. Kritik, Theorie, Methodologie" an der Universität Leipzig durchgeführt. Auch diese Tagung, deren Anliegen einer theoretischen und methodologischen Standortbestimmung der soziologischen Osteuropaforschung wie auch der Diskussion zentraler Fragen des sozialen Umbruchs und der postkommunistischen Entwicklung in Osteuropa galten, ist in großzügiger Weise durch die Fritz Thyssen-Stiftung unterstützt worden. 

Vom 11. bis 14. April 1994 fand die Arbeitstagung: "Soziologie und Geschichte; Geschichte der Soziologie", an der Akademie für Politische Bildung in Tutzing statt. Die bis dahin entfaltete Tätigkeit der Arbeitsgruppe "Ost- und Ostmitteleuropa-Soziologie" hat insofern Anerkennung und breiten Zuspruch aus dem Kreis der Fachkollegen und darüber hinaus gefunden, als das Konzil und der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziologie der Umwandlung der Arbeitsgruppe in eine Sektion der Deutschen Gesellschaft für Soziologie zugestimmt hat, nachdem ein entsprechender Antrag von zahlreichen Fachkollegen und Osteuropaforschern, von vielen namhaften deutschen Soziologen und Sozialwissenschaftlern unterstützt wurde. Die Sektion "Ost- und Ostmitteleuropa-Soziologie" wurde auf dem 27. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (dem 27. Soziologentag), der vom 3. bis 7. April 1995 in Halle/Saale stattfand, konstituiert. 

Auf dem Soziologie-Kongreß in Halle/Saale war die Sektion mit einer von Anton Sterbling geleiteten Veranstaltung zu dem Thema: "Ost-Mittel-Europa im Umbruch" und mit einer von Heinz Zipprian geleiteten Ad-hoc-Veranstaltung: "Umbruch in Osteuropa - im Zentrum Rußland" vertreten. Außerdem ist der Sprecher der Sektion, Prof. Dr. Bálint Balla, an der Vorbereitung und Leitung des Plenums VIII: "Osteuropäische Gesellschaften in langfristiger Perspektive" beteiligt gewesen. 

Die folgende Tagung der Sektion fand im Herbst 1995 erstmals außerhalb der Bundesrepublik Deutschland statt. Es handelte sich um eine internationale Tagung zu dem Thema: "Zusammenbruch des Sowjetsystems - Herausforderung für die Soziologie", die gemeinsam mit der Universität Miskolc/Ungarn und der Fritz Naumann-Stiftung in Budapest vorbereitet wurde und die an der Universität Miskolc, vom 18. bis 22. September 1995, stattfand. 

Im Zeitraum 29. April bis 2. Mai 1996 wurde an der Akademie für Politische Bildung in Tutzing unter der Leitung von Prof. Dr. Bálint Balla und Dr. Heinz Zipprian die von der Fritz Thyssen-Stiftung geförderte internationale Tagung "Max Weber und Osteuropa" durchgeführt. Auf dem 28. Kongreß für Soziologie, der vom 7. bis 11. Oktober 1996 in Dresden stattfand, war die Sektion mit einer Sektionsveranstaltung unter der Leitung von Prof. Dr. Bálint Balla sowie an einer Plenarveranstaltung zum Thema "Differenzierung und Integration: Stadt und Land in Mitteleuropa und Osteuropa" beteiligt, die gemeinsam mit der Sektion Land- und Agrarsoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Kutsch und Prof. Dr. Anton Sterbling vorbereitet und durchgeführt wurde. 

Im Zeitraum 16.-19. Mai 1997 fand in Warschau die gemeinsam von der Sektion Ost- und Ostmitteleuropa-Soziologie und der Polnischen Akademie der Wissenschaften vorbereitete internationale Tagung "Ethnicity and National Culture" unter der Beteiligung einer größeren Zahl von Sozialwissenschaftlern aus mehreren Ländern Ost- und Westeuropas statt. Auch diese Tagung wurde durch die Fritz Thyssen-Stiftung großzügig unterstützt. 

Auf dem Soziologie-Kongreß in Freiburg i.B., der im September 1998 stattfand, beteiligte sich die Sektion mit einer Sektionsveranstaltung, die von Prof. Dr. Bálint Balla und Dr. Ingrid Oswald vorbereitet und geleitet wurde. Im September 1999 fand unter der Leitung von Prof. Ilja Srubar eine internationale Tagung zum Thema "Europäische Integration" in Prag statt. 

 

Die Sektion „Ost- und Ostmitteleuropa-Soziologie“ führte vom 21. bis 23. März 2000 in Kooperation mit der Südosteuropa-Gesellschaft München an der Akademie für Politische Bildung in Tutzing die internationalen Tagung: „Sozialstruktureller Wandel, soziale Probleme und soziale Sicherung in Südosteuropa“ durch, die von Prof. Dr. Anton Sterbling und Dr. Anneli Ute Gabanyi geleitet wurde. 

 

Unter dem Titel "Shifting Borders" fand vom 8. bis 12.7.2000 in Sankt Petersburg/Russland eine gemeinsam mit dem "Centre for Independent Social Research" durchgeführte, von Dr. Viktor Voronkov und PD Dr. Ingrid Oswald vorbereitete Sektionstagung statt. 

 

Auf dem 30. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, der vom 26. bis 29.9.2000 in Köln stattfand, war die Sektion Ost- und Ostmitteleuropa-Soziologie gemeinsam mit den Sektionen Politische Soziologie und Rechtssoziologie an der Plenarveranstaltung: "Gerechtigkeit - Chancen und Grenzen von Recht und Politik" beteiligt. Außerdem wurde unter der Leitung von PD Dr. Ingrid Oswald die Sektionssitzung: "Postsozialistische Transformation uns soziale Gerechtigkeit" und unter der Leitung von Prof. Dr. Frank Ettrich die Sektionssitzung "Postsozialistische Transformation uns soziale Gerechtigkeit: Problemlagen einzelner Länder" durchgeführt.


Vom 17. bis 20. September 2001 wurde im Schloß Predvor bei Ljubljana die gemeinsam mit dem Soziologischen Institut der Universität Ljubljana vorbereitete Internationale Tagung "Pitirim A. Sorokin - Leben, Werk und Wirkung" durchgeführt, deren Leitung bei Prof. Dr. Dr. h.c. Bálint Balla lag. Auf dem Soziologiekongress in Leipzig, vom 7. bis 11. Oktober 2002, war die Sektion mit der Veranstaltung "Transformation als Entstaatlichung: Wandel sozialer Sicherungssysteme", die von Prof. Dr. Ilja Srubar vorbereitet wurde, beteiligt. 

 

Vom 9. bis 12. Oktober 2003 fand in Prag eine größere internationale Tagung der Sektion zum Thema: "Eastern Enlargement of the EU - Strategies of the Modernisation" statt, an deren Vorbereitung u.a. PD Dr. Vera Sparschuh maßgeblich beteiligt war. 


Auf dem Soziologiekongress in München, der vom 4. bis 8. Oktober 2004 stattfand, beteiligte sich die Sektion zum einen an der Plenarveranstaltung "Transformationen von Gesellschaften und biographischer Wandel", die von Prof. Dr. Ilja Srubar gemeinsam mit Prof. Dr. Gabrielle Rosenthal von der Sektion "Biographieforschung" organisiert wurde. Zum anderen fand eigene Sektionsveranstaltung zum Thema "Soziale und kulturelle Differenzen in Osteuropa", ebenfalls von Prof. Dr. Ilja Srubar vorbereitet, statt.