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Häufig gestellte Fragen zur Berufsvercodung (FAQ)

 

Was ist die beste Frageformulierung für die Berufsabfrage? *

Wie können die Prestigewerte generiert werden? *

Mit welchem Programm können Berufsvercodungen durchgeführt werden? *

Angabe "Sachbearbeiter" führt zu unterschiedlichen Codes *

Angabe "Erzieher/in" führt zu unterschiedlichen Codes im ISCO-68 *

Was sind Entscheidung nach Erfahrung? *

Wofür wird die Branchenangabe gebraucht? *

Wieso steht der Kaufmann so viel schlechter da als der Werbekaufmann? *

Blank (Leerzeichen) im ISCO-68 *

Welche Leistungen bietet ZUMA an? *

Wie wird „Hausfrau und Mutter" klassifiziert? *

Gibt es typische und häufig verwendete Fragen zur Erhebung der Berufsbiographie? Gibt es einen Standard? *

Qualifikationsspezifische Merkmale über die KldB-92 *

In welcher Form müssen die Daten für die Berufsvercodung vorliegen? *

Ergänzungen zur ISCO-Klassifikation *

Aktualität der ISCO-Klassifikation - neue Berufe *

 

Was ist die beste Frageformulierung für die Berufsabfrage?

Die Frageformulierung muß auf das Klassifikationsschema abgestimmt sein, nach dem codiert werden soll. Für die Verschlüsselung nach ISCO muß in jedem Fall nach der beruflichen Tätigkeit gefragt werden. Dabei haben sich folgende Frageformulierungen bewährt:

1.) Welche berufliche Tätigkeit üben Sie zur Zeit aus?

2.) Bitte beschreiben Sie mir diese Tätigkeit genau.

3.) Hat dieser Beruf noch einen besonderen Namen?

Als Interviewerhinweis: ‚Bitte genau nachfragen‘. Die Erfahrung hat gezeigt, daß die Informationsmenge und -genauigkeit größer sind, wenn diese drei Fragen getrennt nacheinander gestellt und ihre Antworten separat notiert werden.

Bei der Interviewerschulung muß darauf hingewiesen werden, daß nicht Titel oder berufliche Stellung , sondern das, was jemand konkret tut, angegeben werden soll. Demnach sind folgende Angaben nicht zulässig: Angestellter, Beamter, Eisenbahner, Postbeamter, Technischer Angestellter, Abteilungsleiter, Selbständiger usw.

 

Wie können die Prestigewerte generiert werden?

Christof Wolf hat Recode-Statements für SPSS geschrieben, die im Syntax-Fenster von SPSS aktiviert werden können. Auf der Basis der ISCO-68 werden Status-/Prestigewerte nach Treimann (SIOPS), Ganzeboom (ISEI) und Wegener (MPS), mit den ISCO-88-Codes die nach Treimann (SIOPS) und Ganzeboom (ISEI) generiert.

Die Recode-Statement sind bei Nennung des Autors frei verfügbar. Name, Adresse und Literaturangabe befinden sich jeweils in den Kommentarzeilen am Anfang der Datei.

 

Mit welchem Programm können Berufsvercodungen durchgeführt werden?

Eine Vercodung von Berufsangaben (oder anderen Texte) erfordert mehr als den Erwerb eines Programms, wie aus den im folgenden skizzierten Arbeitsschritten zu erkennen ist:

1. Die Texte müssen für das jeweilige Programm speziell aufbereitet werden (Formate, Identifikatoren u.a.).

2. Es muß ein validiertes Wörterbuch (Diktionär) vorliegen. Darin sind nur die Textangaben aufgeführt, die für sich allein genommen aussagekräftig genug sind, um sie eindeutig einer Kategorie zuweisen zu können. Beim ZUMA werden 4 Wörterbücher mit je ca. 4000 Einträgen permanent gepflegt (ergänzt, überprüft, korrigiert): ISCO-68, ISCO-88, STABU-75 und STABU-92. Sie werden allerdings nicht verkauft oder weitergegeben.

3. Codierung mit einem Textanalyseprogramm. In emprischen Erhebungen lassen sich aufgrund der unzureichend informativen Angaben nur ca. 50 bis 60% der Angaben automatisch codieren, bzw. einige Kategorien erfordern immer gewisse Hintergrundinformationen (wie z.B. Selbständigkeit, Betriebsgröße oder Stellung im Beruf), die selten in der Anwort selbst gegeben werden, sondern aus anderen Teilen des Fragebogen genommen werden müssen.

4. Aufbereitung der nicht automatisch codierten Angaben, so daß sie von geschulten Codiererinnen bearbeitet werden können.

5. Zusammenfügen der computer- oder codergestützt codierten Daten.

6. Generierung der Prestigewerte.

Allgemein verfügbar ist nur das Programmpaket TEXTPACK (vgl. http://www.gesis.org/software/textpack/index.htm): dieses Programm oder ein anderes - vgl. http://www.intext.de/dindex.html - dient lediglich dazu, den einzelnen Angaben die Codes entsprechend dem Wörterbuch zuzuweisen. Alle übrigen Arbeiten werden mit üblicher Büro-Software oder mit eigens entwickelten (nicht übertragbaren) Routinen bearbeitet.

Selbst wenn Erfahrung in der Inhaltsanalyse und im Umgang mit Textanalyse-Software vorliegt, die Einarbeitung in die Methode und Technik also nur wenige Tage in Anspruch nimmt, bleibt immer noch der nicht zu unterschätzende Arbeitsaufwand für die inhaltlich korrekte Bearbeitung der Berufsangaben.

 

Angabe "Sachbearbeiter" führt zu unterschiedlichen Codes

ISCO68   ISCO88   Stellung i. Beruf Branche
39-   4000   o.n.A.
39-   3439   i. Arbeitsamt StiB 52
310   3443   i. Jugendamt StiB 53
39   3432   b. Justiz
582   5162   b. Polizei
39-   4000   b. Post 20
393   3432   b. Versicherung 23
310   3443   b. Sozialversicherung 34
39-   3430   b. Stadtverwaltung StiB 53
39-   4130   f. Logistik
392   4132   f. Materialwirtschaft
022   2142   f. Straßenbau (Ingenieur) 14
339   4122   b. Bank 22
39-   3439   i. Bezirksamt (spezifische Angabe)
331   3433   i. Buchhaltung StiB 52
39-   3439   i. Entwicklungshilfeamt
39-   3439   i. Stadtverwaltung StiB 52
129   2429   f. Unternehmensrecht (Jurist)

 

Angabe "Erzieher/in" führt zu unterschiedlichen Codes im ISCO-68

~ ohne nähere Angaben: 13-

~ an Berufsschulen/Gymnasien: 132

~ an Grund- und Hauptschulen bzw. "Horterzieher" in der alten DDR: 133

~ im Kindergarten, Krippe: 134

~ in Sonderschulen (mit Lehrauftrag): 135

~ für geistig Behinderte (Sozialarbeiter), ohne Sonderschullehrbefähigung bzw. Lehrauftrag: 193

 

Was sind Entscheidung nach Erfahrung?

Beispiele:

Angabe   Annahme   Code
Gästehaus   Pensionsinhaber   510/1315
Steuerfachgehilfin   o.n.A. bei Steuerberater beschäftigt   331/4121
Firmenberater   Unternehmensberater   090/2419
Außendienstmitarbeiter   im Verkauf Handelsvertreter   432/3415
Landschaftsgärtnermeister   o.n.A. angestellt   627/6113
Betonfacharbeiter   meist Bau, nicht Fabrik   952/7123
Oberstudiendirektor   Schuldirektor   139/1229
Verkaufsberater   o.n.A. Verkäufer   451/5220
Müllabfuhr   o.n.A. Müllwerker, nicht Fahrer   999/9161
Fahrmeister   Fahrzeugmeister, Werkstattmeister   700/7900
i. Gastronomie besch.   Bedienung   532/5123
Kfz-Sachverständiger   meist Maschinenbauingenieur   024/2145
Taxiunternehmer   mehr als 5 Beschäftigte   211/1317
Anlagenbetreuer   o.n.A. Bankangestellter   339/4122
Sozialvers. Angestellte   o.n.A. i. Krankenkasse   393/3432
Musiklehrerin   nicht an Schule   171/2453

 

Wofür wird die Branchenangabe gebraucht?

Branchen sind zu beachten bei Angaben wie

- Finanzangestellter (bes. beim KldB)

- Verwaltungsangstellte: Industrie = Büro, öffentl. Dienst = Verwaltung

- Hauspfleger (??)

- Fußbodenleger: Bau oder Raumaustatter

Der Umsteigeschlüssel vonS92 auf I88 im KldB-92-Buch gibt nicht den absolut richtigen Code an.

Zu beachten sind die in der ausführlichen Auflistung vorne genannten spezifischen Klassifikationen; z.B. sind bei Verkäufer und Schlosser die Branche bzw. die Ausbildung zu berücksichtigen

 

Wieso steht der Kaufmann so viel schlechter da als der Werbekaufmann?

Die MPS von Wegener wurde über 50 abgefragte Berufe mit Hilfe von darauf aufbauenden Algorithmen entwickelt, ein Vorgang, der nicht bis ins einzelne immer nachvollziehbar ist; unübersehbar sind darin einige Inkonsistenzen, weshalb ich zur Korrektur/Kontrolle immer die anderen Prestige-Werte mitliefere. Den niedrigen Wert für einen Beruf, von dem man nur weiß, daß er etwas mit dem Verkaufen zu tun hat, erkläre ich mir damit, daß dabei an eine einfache Verkäufertätigkeit gedacht wurde. Näheres müßten Sie bei Wegener selbst nachlesen.

Weitere Werte, die prima vista sehr niedrig erscheinen, sind

1061 Journalist/Verleger 22.4 - ISCO-66: 49-

1058 Stahlkaufmann 22.4 - ISCO-66: 49-

Bei ID 1025: Vater ist selbst. Gärtner (54.1), Mutter ist Angestellte (68.3). Es erscheint wenig plausibel, dass ein Selbständiger unterhalb einer Angestellten rangiert.

Eine Angabe "Angestellte" ist nicht codierbar, weil es sich hierbei nicht um eine Berufstätigkeit, sondern um die Beschreibung des Arbeitsverhältnisses handelt, bekommt also den Code 004, dem Wegener den Durchschnittswert über alle Berufe hinweg, 68.3, zugeordnet hat, während ein selbst. Gärtner- ISCO-68 = 612 - tatsächlich nur 54.1 bekommt.

Das Problem resultiert also neben den unzureichenden MPS-Werten (auch die anderen Prestige-Skalen haben Mängel!) vor allem aus den ungenauen Befragtenangaben, die zu Allgemeincodes und damit zu Durchschnittswerten mit den damit verbundenen Ungenauigkeiten führen. Für große Datenmengen spielt dies gewöhnlich keine so große Rolle, in der Einzelfallbetrachtung müßte man ggf. selbst korrigierend eingreifen.

 

Blank (Leerzeichen) im ISCO-68

In der ISCO-68 dient ein Blank (Leerstelle oder „-" ) auf der dritten Stelle dazu, in der Angabe nicht weiter spezifizierte oder spezifizierbare Berufe (allgemeine Angaben) zu kennzeichnen.

a. Kann nur die Berufshauptgruppe, die oberste Hierarchie des dreistelligen Codes, sicher verschlüsselt werden, dann werden die „Einsteller" mit folgenden Codes dargestellt:

19- nicht weiter spezifizierte Wissenschaftler usw. (Berufshauptgruppe 1)

39- nicht weiter spezifizierte Bürokräfte (Berufshauptgruppe 3)

49- nicht weiter spezifizierte Handelsberufe (Berufshauptgruppe 4)

59- nicht weiter spezifizierte Dienstleistungsberufe (Berufshauptgruppe 5)

99- nicht weiter spezifizierte gütererzeugende Tätigkeiten usw. (Berufshauptgruppe 9)

b. Kann auch die (zweistellige) Berufsuntergruppe verschlüsselt werden, aber noch nicht die (dreistellige) Berufsgattung, dann wird die dritte Stelle der Untergruppe durch ein Blank ersetzt; z.B.: Spinnereiarbeiter = 75-, denn dieser Beruf gehört zur Gruppe 75 (Spinner, Weber, Stricker usw.), kann aber dort nicht lokalisiert werden.

c. Wenn die angegebene Berufsbezeichnung mehrere Tätigkeitsuntergruppen einschließt, ist nur der Code 99- möglich. Nicht weiter spezifizierte Arbeiter (z.B. Fabrikarbeiter) werden unter 99- verschlüsselt. Desgleichen alle Arbeiter, die nur ihren Arbeitsplatz angeben; z.B.: Arbeiter in einer Spinnerei = 99-, aber Spinnereiarbeiter = 75-

Das ganze System stammt noch aus einer Zeit, als die Programme noch jedes Blanks als Blanks lasen. Zunächst läge es nahe, anlog zur I88 bei unzureichenden Angaben eine Null auf die entsprechende Stelle zu setzen. Das ist nicht durchgängig möglich, weil diese Codes manchmal inhaltlich belegt sind und weil auch weiterhin unterschieden werden sollte zwischen Angaben mit ungenau beschriebenem Beruf (Allgemeinangaben) und spezifizierten Berufen, für die keine Kategorien vorliegen, sonstige (spezifische) Angaben. Was dann z.B. nicht passen würde: Code 300 sind Bürovorsteher. Gäbe es den Code 390, so würde er sonstige spezifische Bürokräfte beschreiben, die sonst nicht einzuordnen sind. 490 sind auch genau beschriebene Verkaufskräfte, für die es keine Kategorie gibt.

Um eine Verschiebung beim Einlesen zu vermeiden, muß der Code aufgeteilt eingelesen werden, wie ich ihn nach Wunsch auch liefern kann (bes. im Zusammenhang mit den alten OSIRIS-Variablen, wie sie noch immer im ALLBUS und beim SOEP Verwendung finden) den I68-Code zweiteilig: 1. und 2. Stelle zusammen und die die 3. Stelle erweitert auf 2 Stellen, wobei das Blank durch "10" wiedergegeben wird und die anderen Ziffern eine führende Null erhalten (vgl. Info OSIRIS.DOC).

 

Welche Leistungen bietet ZUMA an?

GESIS-ZUMA codiert seit den 70er Jahren Berufsangaben, meist nach der ISCO, bei Bedarf auch nach der KldB des Statistischen Bundesamtes. Die ISCO - International Standard Classification of Occupation - ist, wie der Name sagt, international angelegt und anwendbar. Ein weiterer Vorteil ist, daß sich mit den ISCO-Codes Prestige- und Statuswerte bilden lassen: SIOPS (Standard International Occupation Prestige-Scale) nach Treiman, MPS (Magnitud-Prestige-Skala) nach Wegener  und ISEI (International Socio-Economic Index of Occupational Status) nach Ganzeboom u.a. Wenn Angaben über Anzahl der Mitarbeiter/Untergebenen und Selbständigkeit vorliegen, kann auch EGP (nach Erikson, Goldthorpe und Portocarero) erstellt werden.  Die ISCO-68 wird dann gewählt, wenn ein Vergleich mit älteren Studien angestrebt ist, ansonsten ist die ISCO-88 die gebräuchlichere. Beide Klassikationen sind trotz ihres Namens nicht unmittelbar kompatibel; deshalb ist ggf. jeweils eine .eigene codierung erforderlich.

Die ISEI-Skala wurde in den 90er Jahren entwickelt, die anderen noch früher. Auch sonst sind die Skalen nicht bedenkenlos anzuwenden. Eine ernst zu nehmende Alternative gibt es aber nicht. Weitere Informationen finden sich in den Literaturhinweisen.

Kosten:: Für die Codierung von 1000 Berufsangaben nach der ISCO-88 mit Generierung der ISEI- und SIOPS-Werte müssen mit ca. 400 EURO gerechnet werden, zusammen mit der ISCO-68 und drei weiteren Prestigewerten (Treiman, Wegener, Ganzeboom) belaufen sich die Kosten auf ungefähr 500 EURO. Genauere Kalkulationen lassen sich erst machen, wenn u.a. die Qualität der Angaben hinsichtlich ihrer Codierfähigkeit (auch mit Computerunterstützung) bekannt ist.

Branchencodierungen gehören auch zu unseren Serviceleistungen, nach einem auf der NACE 2005 (Nomenclature générale des activités économiques dans les Communautés Européennes) basierenden Schlüssel mit 35 Kategorien, aber auch nach der NACE-Klassifikation (Statistisches Bundesamt und EU), wiederum nur zweistellig - 60 Kategorien. Hierbei sind mit Kosten von ca. 300 Euro je 1000 Angaben zu rechnen.

 

Wie wird „Hausfrau und Mutter" klassifiziert?

Es ist ja nicht in den Klassifikationssystemen drin, und doch suchen wir nach einem Weg, um z. B. zu ISEI und SIOPS-Werten zu gelangen. Gibt es z. B. einen offiziellen Beruf, der als Annäherung an „Hausfrau" herangezogen wird?

Von den ausgeübten Tätigkeiten her entspricht die Hauswirtschafterin (Code 5121) ziemlich genau dem, was eine Hausfrau macht; bezüglich der Prestige- oder der Statuszuweisung ist eine Gleichsetzung weniger möglich, denn die Kriterien, nach denen die Skalenindizes gebildet werden, sind nicht erfüllt (Erwerbstätigkeit, Einkommen, gesellschaftliche Anerkennung u.ä.)

 

Gibt es typische und häufig verwendete Fragen zur Erhebung der Berufsbiographie? Gibt es einen Standard?

Es gibt nur einen Standard für die Berufsabfrage zur Codierung nach ISCO, die idealerweise in einem Dreierschritt erfolgt:
1) Welche berufliche Tätigkeit üben Sie zur Zeit aus?
2) Bitte beschreiben Sie mir diese Tätigkeit genau.
3) Hat dieser Beruf noch einen besonderen Namen?
Als Interviewerhinweis: 'Bitte genau nachfragen'. Die Erfahrung hat gezeigt, daß die Informationsmenge und -genauigkeit größer sind, wenn diese drei Fragen getrennt nacheinander gestellt und ihre Antworten separat notiert werden.
Bei der Interviewerschulung muß darauf hingewiesen werden, daß nicht Titel oder berufliche Stellung, sondern das, was jemand konkret tut, angegeben werden soll. Demnach sind folgende Angaben nicht zulässig: Angestellter, Beamter, Eisenbahner, Postbeamter, Technischer Angestellter, Abteilungsleiter, Selbstständiger usw.

Im übrigen ist ihre Forschungsfrage maßgeblich, ob für Sie z.B. Lernberuf, Einstiegsberuf, Beruf bei Veränderungen (Arbeitgeber, Position, Gehalt, Funktion u.ä.) oder der aktuelle Beruf wichtig ist.

Vielleicht sind auch formale Zeitabschnitte (immer nach x Jahre nach Beginn der Berufstätigkeit) oder bestimmte Lebenssituationen (Heirat, Umzug, bestimmes Lebensalter u.ä.) wichtige Meßpunkte.

Als Hintergrundsvariablen für die Berufstätigkeit kommen in Frage: Schul- und Berufsabschluß, Dauer, Branche, Betriebsgröße, Arbeitsstunden/-zeiten, Vorgesetztenfunktion, Autonomie am Arbeitsplatz, Einkommen.

Zu typischen Fragesets kann ich nichts sagen, dazu müßten Sie in den Methodenberichten von Lebensverlaufsstudien nachsehen.

 

Qualifikationsspezifische Merkmale über die KldB-92

Die KldB92 ist bezüglich einer qualifikationsspezifischen Klassifikation völlig ungeeignet (leicht zu erkennen, wenn man sich einmal all die Berufe anschaut, die unter ein und derselben Kategorie subsumiert werden); da hilft es auch nicht viel, auf die ISCO-88 umsteigen zu wollen. Informationen, die in den KldB-Kategorien nicht enthalten sind, kommen durch eine Umschlüsselung auch nicht hinein, die Unschärfe wird eher größer.

Das Statistische Bundesamt stellt zwar einen Umsteigeschlüssel von KldB92 zu ISCO88 zur Verfügung, die Validität des Schlüssels ist aber höchst fragwürdig.

Nähere Informationen zur Kompatibilität der Klassifikationen finden Sie in einem ZUMA-Nachrichten-Beitrag von Alfons J. Geis und Jürgen H.P. Hoffmeyer-Zlotnik: http://www.gesis.org/Publikationen/Zeitschriften/ZUMA_Nachrichten/documents/pdfs/48/zn48_11-mitteilungen-HZ.pdf

 

In welcher Form müssen die Daten für die Berufsvercodung vorliegen?

Neben der Identifikation (Fragebogen-/Personenkennziffer) und dem Text der Berufsangabe sind weitere Merkmale zum beruflichen Kontext sehr nützlich. Dazu gehören, etwa in der Rangfolge ihrer Wichtigkeit: Stellung im Beruf (ausführliche Gliederung), schulische, berufliche Ausbildung/Abschluß, Betriebsgröße, Aufsichtsfunktion, Branche (auch Öffentlicher Dienst/Privatwirtschaft), Einkommen, Alter/Geburtsjahr und was sonst an Informationen zum beruflichen Hintergrund zur Verfügung steht. Mit diesen Informationen kann bei weniger informativen Textangaben sicherer entschieden werden bzw. die Quote der Missings oder unvollständigen Codes gering gehalten werden. Notfalls ist auch eine Codierung ohne Zusatzinformationen möglich, allerding mit den genannten Einschränkungen.

Die Daten sollten eines der folgenden Formate haben: ASCII/EBCDIC mit fixer Struktur, SPSS, EXCEL, WORD-Tabelle und nach Absprache.

Geliefert wird i.d.R. ein ASCII-Datensatz mit fixer Struktur, der Identifikation, Berufecodes und Prestige-/Status-Werte enthält.

 

Ergänzungen zur ISCO-Klassifikation

Missing-Werte

Die Werte für fehlende Angaben stellen keine Berufskategorien im engeren Sinne dar, sind aber für ein problemfreies Datenmanagement und die korrekte Auswertung unerläßlich. Dazu zählen 0001 (Soldat, einschließlich Hauptfeldwebel), 0002 (Offizier - ab Leutnant), 0004 (nicht codierbar), 0005 (in schulischer Ausbildung), 0006 (Hausfrau/-mann), 0007 (Rentner), 0008 (weiß nicht) und 0009 (keine Angabe vorhanden oder verweigert).

ZUMA-Sondercodes

Es gibt häufig auftretenden Berufsangaben, die nicht genügend genau sind, um sie einer ISCO-Kategorie eindeutig zuzuordnen. Um Missing-Werte zu vermeiden, wurden für diese Angaben Sondercodes eingeführt:

2470 (wissenschaftliche Verwaltungskräfte, eine Kategorie der ISCO(COM)), 7510 (Schlosser, Betriebsschlosser), 7900 (Aufsichtskräfte, Meister in der Produktion)

Restkategorien

Wenn Berufsangaben zu allgemein und ungenau sind - es liegt eine Informationsdefizit auf Seiten des Befragten vor -, um sie einer Berufsgattung (vierstelliger Code) zuordnen zu können, kann die Berufsuntergruppe, Berufsgruppe oder die Berufshauptgruppe gewählt werden, wobei die nicht spezifizierte Ebene durch Nullen dargestellt wird.

Im umgekehrten Fall, es liegen präzise Angaben vor, wofür es aber keine Kategorien gibt - das Defizit liegt auf Seiten der Klassifikation, muß eine Restkategorie (auch Auffangkategorie, Kategorie für sonstige Angaben) gewählt werden. In der ISCO-Klassifikation sind diese Restkategorien nur ansatzweise vorhanden, obwohl die Dezimalsystematik Platz dafür böte. Beispiel: In der Berufsgruppe 32 (Biowissenschaftliche und Gesundheitsfachkräfte) werden auf der Ebene der Berufsuntergruppe lediglich Biotechniker (321), moderne medizinische Fachberufe (322), nicht-wissenschaftliche Krankenpflegekräfte (323) und Heilpraktiker (324) aufgeführt. Um auch Gesundheitsfachkräfte, die keiner der vier Gruppen angehören, codieren zu können, wurde die Kategorie 3290 (Sonstige Biowissenschaftliche und Gesundheitsfachkräfte, anderweitig nicht genannt) eingeführt. Insgesamt wurden in dieser Weise 90 zusätzliche Kategorien eingeführt. In den Übersichten sind diese Kategorien i.d.R. typographisch (Courier-Schrift) gekennzeichnet.

 

Aktualität der ISCO-Klassifikation - neue Berufe

Die ISCO klassifiziert keine Berufsbenennung wie z.B. die KldB des Statistischen Bundesamtes (dort kann, genau genommen, nur codiert werden, was in der Liste aufgeführt ist); vielmehr liegen auf mehreren hundert Seiten [International Labour Office (Ed.): International Standard Classification of Occupations: ISCO-88, Geneva 1990.] für jede Kategorie ausführliche Definitionen und Beispiele vor, so daß die Zuordnung unabhängig von Titel und Berufsbezeichnung (oder auch Modebezeichnungen) ist. Deshalb ergaben sich z.B. bei der Einbeziehung von DDR-Berufen (mit teils recht eigenwilligen Bezeichnungen) keinerlei Probleme. Man muß nur wissen, welche konkreten Tätigkeiten zu dem jeweiligen Beruf gehören. Dadurch ist die ISCO auch relativ unabhänbgig von Aktualisierungen. Erst nach 20 Jahren steht jetzt 2008 wieder eine an. Zusammengefaßt:: es wird nicht nach Listen codiert, sondern gefragt, welche der Kategorien mit ihren genauen Beschreibung auf die Tätigkeit zutrifft.

 

Weitere Informationen zur Berufsvercodung beim ZUMA finden sich in dem "Handbuch für die Berufsvercodung", abrufbar im Internet unter http://www.gesis.org/Methodenberatung/Textanalyse/
BerufsBranchenklassifikation/Beruf_Branche/hdb_0606.pdf.

 

 

© GESIS Alfons Geis 19.02.08