GESIS Servicestelle Osteuropa im
Überblick
Zentrale Aufgaben der GESIS Servicestelle Osteuropa sind die
sozialwissenschaftliche Informations- und Datenvermittlung zwischen Ost-
und Westeuropa sowie die Förderung von Ost-West-Kooperationen und die
Unterstützung der komparativen Forschung.
Sozialwissenschaftlicher Daten- und Informationstransfer zwischen Ost- und Westeuropa
Daten- und Informationstransfer zwischen
Ost- und
Westeuropa
Die politischen Entwicklungen seit 1989 führen auch zur Entfaltung der international
vergleichenden sozialwissenschaftlichen Forschung. Der Bedarf an Daten- und
Informationsaustausch zwischen West- und Osteuropa steigt. Die besonderen Probleme der
Wissenschaftskontakte zwischen den bis 1989 voneinander abgeschotteten
Sozialwissenschaften erfordern dabei eine Stärkung der Ost-West-Expertise und die
Unterstützung der zunehmenden Forschungskooperation. Zielsetzung der GESIS Servicestelle Osteuropa
ist die Förderung des Ost-West-Wissenstransfers und des Datenaustausches sowie die
Entwicklung von Netzwerken im sozialwissenschaftlichen Forschungs- und
Informationsbereich.
Zielgruppe
Alle, die die Beobachtung und Analyse der gesellschaftlichen Entwicklung der ehemals
sozialistischen Länder betreiben, können den Serviceschwerpunkt für ihre Zwecke in
Anspruch nehmen. Insbesondere für international vergleichende Sozialforscher aus Ost- und
Westeuropa, für Experten und Praktiker in Politik und Verwaltung, aber auch für die
allgemeine Öffentlichkeit werden Daten- und Informationsdienstleistungen erbracht.
Serviceangebot Informations- und
Datenvermittlung
Um die osteuropäischen Sozialwissenschaften besser bekannt zu machen, wird vor allem
der Zugang zu aktuellen Informationen über das sozialwissenschaftliche
Forschungsgeschehen in Osteuropa sowie zu den von der osteuropäischen Sozialforschung
erzeugten Daten unterstützt.
Informationen
- Beschreibungen von laufenden Forschungsprojekten zu den Transformationsprozessen in
diesen Ländern
- Beschreibungen von Institutionen im Bereich Sozialwissenschaften mit Adressen und
Ansprechpartnern
- Wissenschaftler mit ihren Forschungsschwerpunkten
- Profile der wichtigsten sozialwissenschaftlichen Fachzeitschriften
Daten
- Informationen über Daten aus Osteuropa und deren Bereitstellung für Sekundäranalysen
- Hinweise auf Forschungsprojekte, die nationale und internationale empirische Daten
erzeugen
- Beschreibungen von Institutionen mit umfangreichen Datenbeständen
Das Serviceangebot des Ost-West-Transfers wird ergänzt um Daten- und
Informationsvermittlung aus dem deutschsprachigen Raum (aktuelle Forschungsergebnisse und
Daten, Institutionen, Personen, sozialwissenschaftliche Literatur sowie Informations- und
Datenquellen zu Osteuropa).
Zugang
Die Informationen über Osteuropa werden durch individuelle Auskünfte, über Internet
und mittels Publikationen zur Verfügung gestellt.
Zu den Publikationen zählen insbesondere:
- Newsletter "Sozialwissenschaften in Osteuropa"
- Forschungs- und Institutionendokumentation "Sozialwissenschaften im neuen
Osteuropa" in der Reihe "Europe in Comparison"
- Tagungsbände zu sozialwissenschaftlichen Teilaspekten der Transformation in Osteuropa
Über die Datenbanken SOFIS (Forschungsinformationssystem Sozialwissenschaften) und
SOLIS (Sozialwissenschaftliches Literaturinformationssystem) sowie über ein
Datenauskunftssystem stehen die Ergebnisse der deutschsprachigen sozialwissenschaftlichen
Forschung zur Verfügung, darunter auch alle wichtigen Beiträge zu Osteuropa und den
Transformationsproblemen. Die Informationen werden online, auf CD-ROM oder Diskette
bereitgestellt sowie über individuelle Recherchen vermittelt. Darüber hinaus informiert
ein Fachinformationsdienst zur Osteuropaforschung zweimal jährlich in gedruckter Form
über den Stand der Forschung und die aktuelle Literatur im deutschsprachigen Raum.
Serviceangebot Ost-West-Forschungskooperation
Vermittlung
Die Entwicklung von Forschungskontakten und der Aufbau von Netzwerken wird unterstützt
durch:
- Auffinden von Forschungspartnern und Wissenschaftlern aus den einzelnen Ländern mit der
gewünschten fachlichen und regionalen Orientierung
- Ermittlung von Referenten und Beiträgen zu spezifischen sozialwissenschaftlichen
Forschungsthematiken
- Vermittlung und Betreuung von Gastwissenschaftlern
- Veranstaltung von Tagungen und Workshops zur Unterstützung des
Ost-West-Informationsaustausches
Beratung
Um den zunehmenden Daten- und Informationsaustausch zwischen West- und Osteuropa zu
erleichtern, werden die Bemühungen zum Aufbau osteuropäischer Infrastruktureinrichtungen
unterstützt. Die in langjähriger Informations-, Dokumentations-, Beratungs- und
Datenservicetätigkeit erworbenen Erfahrungen der GESIS sowie das wissenschaftliche
Know-how werden osteuropäischen Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt, die am Aufbau
nationaler Informationssysteme und Datenarchive arbeiten. Als Gastwissenschaftler und
Teilnehmer an Fortbildungsveranstaltungen können sich diese Wissenschaftler über die
Arbeitsweise und Dienstleistungen der GESIS informieren.
Kommunikation
Aufbau eines Internet-Schwerpunktes "Sozialwissenschaften in Osteuropa".
Neben dem Angebot der aus und über Osteuropa gesammelten Informationen im Internet wird
durch den Aufbau von geprüften und strukturierten Verweisen auf relevante
Internet-Quellen und -Netzwerke eine Clearinghouse-Funktion realisiert und die Bildung
einer Internet-Plattform angestrebt. Eine besondere Form der Infrastrukturunterstützung
ist das Angebot, für osteuropäische und deutsche Institutionen deren weltweite Präsenz
im Internet zu realisieren, sofern diesen zur Zeit technisch und organisatorisch noch
keine eigene Internet-Darstellung möglich ist.
Netzwerk
Zum Aufbau eines Netzwerkes "Sozialwissenschaften in Osteuropa" wird die
Bündelung von relevanten Informationen initiiert. Eine breite Beteiligung aller in diesem
Kontext tätigen Personen und Institutionen wird gewünscht. Jede aktuelle
Informationsweitergabe an die GESIS wird unmittelbar in dieses Netzwerk eingespeist.
Serviceangebot komparative Forschung
Nutzung und Zugang zu den in internationalen Erhebungen für die vergleichende
Sozialforschung gewonnenen Daten werden durch die Servicestelle Osteuropa mit ihrem Hintergrundwissen
zur Sozialforschung der ehemals sozialistischen Länder unterstützt. Sie öffnet auch
für osteuropäische Wissenschaftler den Zugang zu Daten der komparativen
Forschungsprogramme.
CESSDA/IFDO
Über das internationale Archivnetz "Council of European Social Science Data
Archives" (CESSDA) und die "International Federation of Data Organizations for
the Social Sciences" (IFDO) vermittelt die Servicestelle Osteuropa den Zugang zu Daten aus der
internationalen Sozialforschung.
EURO-BAROMETER-OST
Die Europäische Kommission initiierte 1990 das Central & Eastern Euro-Barometer.
Gefragt wurde eine repräsentative Auswahl von je ca. 1000 Personen in zuletzt 18
osteuropäischen Ländern nach der Beurteilung der wirtschaftlichen und politischen
Reformen sowie nach der Einstellung zu Europa und der Europäischen Union. Die
vorliegenden fünf Ost-Euro-Barometer stehen in der GESIS für Sekundäranalysen zur
Verfügung.
ISSP
Das International Social Survey Programme (ISSP) ist ein internationales
Umfrageprogramm, an dem renommierte sozialwissenschaftliche Institute aus aller Welt,
darunter mehrere aus Osteuropa, teilnehmen. Jährlich werden in den Teilnehmerländern
sozialwissenschaftlich relevante Themen mit einem abgestimmten Fragebogen erhoben. Damit
bietet das ISSP die Möglichkeit sowohl von international vergleichenden als auch von
Längsschnitt-Analysen. Das ISSP hat 1985 unter Beteiligung von sechs Ländern begonnen.
Bereits seit 1986 ist Ungarn als erstes osteuropäisches Land an den jährlichen
Befragungen beteiligt. Polen (1987 und wieder ab 1991), Ostdeutschland (ab 1990),
Rußland, Slowenien (ab 1991), Bulgarien und die Tschechoslowakei bzw. Tschechien (ab
1992) sind in den folgenden Jahren hinzugekommen. Derzeit kommen mehr als ein Viertel der
am ISSP beteiligten Länder aus Osteuropa.
Das Sekretariat des ISSP wird vom Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA),
Mannheim, geführt.
ICORE
Das International Committee for Research into Elections and Representative Democracy
(ICORE) hat 1994 ein internationales Projekt zur vergleichenden Wahlforschung angeregt. In
diesem Zusammenhang werden Wahldaten von 1990 bis 1995 aus bisher zehn osteuropäischen
Ländern für Sekundäranalysen mit Codebüchern zur Verfügung gestellt. Die GESIS
unterstützt den Zugang zu der Comparative Study of Electoral Systems (CSES), an der
bisher Forscher aus 52 Demokratien beteiligt sind, davon 17 aus Osteuropa.
© GESIS Ulrike Becker
10.10.2007
|