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Das GESIS-ZA
Aufgabengebiet des Zentralarchivs
Die Abteilung GESIS-ZA ist das einzige öffentlich zugängliche
Archiv für Daten der Sozialforschung in der Bundesrepublik Deutschland.
Es stellt maschinenlesbare Originaldaten, insbesondere Umfragedaten, die
für weitere Analysen (Sekundäranalysen) zur Verfügung stehen. Der
Arbeitsbereich des Zentralarchivs erstreckt sich auf alle Fachgebiete, in
denen Verfahren der empirischen Sozialforschung verwendet werden (z.B.
Soziologie, Politische Wissenschaft, Markt- und Sozialpsychologie,
Massenkommunikationslehre, Sozialpolitik, Wirtschaft und Technik,
historische Sozialforschung).
Zur Historie der sozialwissenschaftlichen Archive und des
Zentralarchivs
Das GESIS-ZA wurde 1960 als Zentralarchiv für Empirische
Sozialforschung der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der
Universität zu Köln gegründet. Ab 1986 wurde die Kölner Gesellschaft
für Sozialforschung e.V. (KGS) rechtlicher Träger des Instituts. Als
Mitglied der der im Dezember 1986 gegründeten Gesellschaft
Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen e.V. (GESIS) ist es
heute eine ABteilung der neu strukturierten GESIS.
Das älteste Umfragenarchiv befindet sich in den Vereinigten Staaten:
das 1957 gegründete Roper Center. Wenige Jahre später wurde das
Zentralarchiv durch Günter Schmölders als erstes Archiv für Umfragedaten
in Europa gegründet. Erwin K. Scheuch, der auch diesen Gründungsvorgang
begleitete, wurde 1963 Direktor und leitete das Zentralarchiv bis ans
Ende der 90er Jahre.
Grundlagen der Archivtätigkeit und Verwendbarkeit des Materials
Empirische Untersuchungen sind sehr zeitaufwendig und kostenintensiv.
Von der Planung über die Durchführung einer Erhebung bis hin zur
Aufbereitung der Daten vergehen Monate. Das Informationspotential des
Datenmaterials kann von den Primärforschern aus Zeitgründen häufig nur
unvollständig ausgeschöpft werden. Die Auswertung konzentriert sich
meist auf die aktuelle Problemstellung. Veränderte
Forschungsperspektiven, Fortschritte in der Theoriebildung und bei den
Datenanalyseverfahren eröffnen weitere Möglichkeiten, das vorhandene
Material zu nutzen und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Die Aufbereitung,
Aufbewahrung und Dokumentation des Datenmaterials in einer Form, die
weitere Analysen leicht möglich macht, kann vom Primärforscher in der
Regel nicht geleistet werden. Hier bietet das Zentralarchiv seine
Dienstleistungen an: Die Beschaffung, Aufbereitung und Bereitstellung von
Datensätzen aus der Sozialforschung ermöglicht auch Studierenden
empirisches Arbeiten mit hochwertigem Material auf repräsentativer Basis.
Unser weiteres Angebot für Sozialforscher
Über die Archivierung und Bereitstellung von Materialien für die
Sekundäranalyse hinaus erbringt das Zentralarchiv u.a. folgende
Dienstleistungen:
- Beratung der Benutzer und Benutzerinnen bei Sekundäranalysen
- Datenbezogene Ausbildung in fortgeschrittenen Methoden und Techniken
sozialwissenschaftlicher Datenanalyse
- Daten-, Informations- und Erfahrungsaustausch mit gleichartigen
internationalen Einrichtungen
- Bereitstellung von Informationen über aktuelle empirische Projekte
der Sozialforschung im deutschsprachigen Raum
- Veranstaltung von Konferenzen und Fachtagungen
Benutzerberatung
Eine individuelle Beratung der Interessenten erstreckt sich auf
verschiedene Bereiche:
- Auswahl von Datensätzen
- Methodisch-technische Probleme der Sekundäranalyse
- Datenauswertung
- Zusammenstellung von Spezialliteratur
- Vorbereitung neuer Untersuchungen
Bereitstellung der Daten
Der Benutzer erhält die Datensätze seinem Wunsch entsprechend auf
Diskette, CD-ROM, über Internet oder auf Magnetband. Ein Muster des
Originalfragebogens, Codeplan und Codebücher sowie
Hintergrundinformationen über das methodische Vorgehen der
Primärforscher werden ebenso zur Verfügung gestellt. Angaben über den
technischen Zustand und die Entstehungsbedingungen der Daten finden sich
in den sogenannten Studienbeschreibungen. Veröffentlichungen und
Ergebnisberichte zu dem entsprechenden Datensatz können ebenfalls zur
Verfügung gestellt werden.
Datenschwerpunkte
In ausgewählten Fragen-Pools kann der Benutzer direkt recherchieren.
Diese Fragen-Pools sind speziell aufbereitete Teile des Archivstandards
mit Serien aufbereiteter Codebücher. Folgende Datenschwerpunkte werden
angeboten und ständig ergänzt:
Enthält Fragen aus vergleichenden Umfragen in den europäischen
Ländern. Ein besonderer Schwerpunkt sind hier die Eurobarometer der
EU-Kommission.
Schwerpunkt sind die Fragen aus den Bundestagswahlstudien seit 1949
einschließlich ausgewählter Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen
e.V.
Die "Allgemeine Bevölkerungsumfrage für die Sozialwissenschaften" ist
die Referenzstudie im deutsprachigen Raum. Im Archiv werden die Einzeldatensätze in einen kumulierten
Gesamtfile integriert.
Hier werden die Fragen des "International Social Survey
Programme" aus über 40 Ländern angeboten.
Lehrtätigkeit und Benutzerausbildung
Der Vermittlung theoretischen und praktischen Wissens zur
Datenauswertung wird im Zentralarchiv große Bedeutung beigemessen.
Zusätzlich zur datenbezogenen Methodenausbildung als Bestandteil des
Lehrangebotes der Hochschulen sind die seit 1972 jährlich durchgeführten
Frühjahrsseminare als Veranstaltung für Fortgeschrittene konzipiert.
Diese jeweils dreiwöchigen Seminarveranstaltungen werden von
Sozialwissenschaftlern aus allen Teilen der Bundesrepublik Deutschland und
zunehmend auch aus dem Ausland besucht, die Kenntnisse in neuen Techniken
der Datenanalyse erwerben und in der Anwendung an den vom Zentralarchiv
dafür vorbereiteten Datenmaterial erproben wollen. Ein ebenfalls
jährlich angebotenes Herbstseminar ist auf die Weiterbildung von
Historikern ausgerichtet.
Forschung
Forschungstätigkeiten des Zentralarchivs ergänzen das
Dienstleistungsangebot für die Sozialwissenschaften, wobei jeweils ein
enger Bezug zu den Archivbeständen besteht. Die bislang behandelten
Themen decken ein breites Spektrum ab. Darüber hinaus konzentriert sich
die Forschungstätigkeit auf methodische Fragen zur intensiveren Nutzung
und Erleichterung der Archivierung von sozialwissenschaftlichen
Datensätzen. Die Weiterentwicklung von Instrumenten für die Archivarbeit
geschieht in internationaler Kooperation.
Forschungsprojektdokumentation
Das Zentralarchiv informiert seit 1962 jährlich im Rahmen der
Forschungsdokumentation "Empirische Sozialforschung" über Inhalte,
Methoden, Ziele und den Stand empirischer Forschungsarbeiten im
deutschsprachigen Raum, sofern Daten erhoben und in maschinenlesbarer
Form gespeichert werden. Befragt werden alle sozialwissenschaftlich tätigen
Institutionen mit einer schriftliche Erhebung in der Bundesrepublik
Deutschland, Österreich und der Schweiz zur Ermittlung von laufenden und
abgeschlossenen sozialwissenschaftlichen Forschungsarbeiten. Das Befragungsergebnis ist über die SOFIS-Datenbank
zugänglich.
Über die Unterrichtung der wissenschaftlich interessierten
Öffentlichkeit hinaus dienen die Ergebnisse dieser Untersuchung dem
Zentralarchiv als Basis für Akquisitionsbemühungen.
Spezialbibliothek "Empirische Sozialforschung"
Die Zentralarchiv-Bibliothek verfügt über eine umfangreiche Sammlung
von Monographien, Sammelwerken, Presse- und Institutsberichten,
Tabellenbänden sowie unveröffentlichten Forschungsberichten aus Gebieten
der empirischen Sozialforschung. Ebenso enthalten sind eine Sammlung von
Presse- und Informationsdiensten bedeutender Markt- und
Meinungsforschungsinstitute sowie Projektberichte als "graue
Literatur". Die Bibliotheksbestände sind über das Internet
recherchierbar.
Dienstleistungen für die Historische Sozialforschung
Das ZHSF
1987 zum Zentralarchiv hinzugekommen ist das "Zentrum für Historische Sozialforschung" (ZHSF)
ein weiterer Beriech der Abteilung GESIS-ZA. Das ZHSF entstand 1977 als Forschungs- und
Dienstleistungseinrichtung der "Arbeitsgemeinschaft für
Quantifizierung und Methoden in der historisch- sozialwissenschaftlichen
Forschung " (QUANTUM).
Zu den Dienstleistungen des ZHSF gehören insbesondere:
- Akquisition, Aufbereitung, Erschließung, Archivierung und
Bereitstellung maschinenlesbarer Forschungsdaten der historischen
Sozialforschung;
- Methodisch-technische Beratung bei der Planung und Durchführung
quantitativer (Primär-)Analysen historischer Daten sowie bei der
sekundäranalytischen Nutzung von schon im ZHSF archivierten
historischen Forschungsdatensätzen;
- Entwicklung und Anwendung von numerischen und nichtnumerischen
Verfahren zur computergestützten Erfassung, Verarbeitung und Analyse
historischer Quellen;
- Durchführung eigener Forschungsprojekte (insbesondere solcher mit
methoden-, daten- oder datenverarbeitungsorientierter Ausrichtung);
- Vermittlung forschungsrelevanter Informationen durch periodische
Publikationen (u.a. durch die wissenschaftliche Zeitschrift "Historical
Social Research/Historische Sozialforschung", durch die Buchreihe
"Historisch-Sozialwissenschaftliche Forschungen" und durch
die "Datenhandbücher für die Historische
Sozialforschung");
- Dokumentationen über Inhalte, Methoden, Ziel und Stand der
abgeschlossenen und laufenden Forschungsprojekte in der historischen
Sozialforschung des deutschsprachigen Raums (in Verbindung mit dem
"Informationszentrum Sozialwissenschaften");
- Veranstaltung von nationalen und internationalen Kongressen,
Konferenzen, Fachtagungen und Vortragsreihen zu Fragen, Methoden,
Techniken,
Daten etc. der historischen Sozialforschung;
- Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses durch (alljährlich in
den beiden letzten vollen Septemberwochen stattfindenden) Seminare zur
- Methodik der historischen Sozialforschung (ZHSF-Herbstseminare);
- Unterstützung des Mitgliederverbandes QUANTUM und der
internationalen
- Dachorganisation INTERQUANT bei der Betreuung des internationalen
Netzwerks der quantitativen historischen Sozialforschung.
Die durch das ZHSF akquirierten und aufbereiteten Datensätze sind im
Datenbestand des Zentralarchivs mit den ZA-Studien-Nummern 8000 ff.
versehen.
Internationale Kooperation
Die ständige Verbindung zu wichtigen Fachorganisationen und
Institutionen ist für ein interdisziplinäres Institut wie das
Zentralarchiv von besonderer Bedeutung. Außer den zahlreichen und
intensiven Kontakten des Zentralarchivs zu inländischen
Forschungseinrichtungen, Hochschulen sowie Markt- und
Meinungsforschungsinstituten bestehen enge internationale Beziehungen,
insbesondere mit Datenarchiven.
Die Datenarchive im europäischen Raum sind im "Council of
European Social Science Data Archives" (CESSDA) zusammengeschlossen.
Die weltweite Zusammenarbeit der bedeutendsten Datenarchive wird durch die
"International Federation of Data Organizations for the Social
Sciences" (IFDO) organisiert. Ihre Mitglieder haben sich auf
Standards der Verfahrensweisen geeinigt, so daß der Informations- und
Datenaustausch zwischen den Archiven erleichtert wird.
Das Zentralarchiv dient auch als Vermittlungsstelle für die Beschaffung
von Daten aus ausländischen Archiven. Kooperationspartner sind die in der
IFDO zusammengeschlossenen Datenarchive.
© GESIS Franz Bauske
10.10.2007
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