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IZ-Telegramm März 2002

Inhalt

Jubiläum der GESIS-Außenstelle

Die GESIS-Außenstelle nimmt ihr 10jähriges Bestehen zum Anlass, um auf ein Thema aufmerksam zu machen, das seit 1992 die Tätigkeit des Ost-West-Transfers begleitet. Die unterschiedlichen, selten thematisierten Sichtweisen von Ost- und Westeuropäern beeinflussen die Ost-West-Kontakte und führen immer wieder zu Befremden und einem beidseitigen Fremdheitserleben. Dies gilt auch in der Frage „Europäisierung oder Ost­erweiterung?“ Hinter diesen beiden Begriffen stehen zwei unterschiedliche Konzepte, die in allen Bereichen der Ost-West-Begegnung von Bedeutung sind: Die durch die Öffnung Osteuropas entstandene „neue Welt“, die von Osteuropäern durch eigene Beiträge mitgestaltet wird, steht einer nicht hinterfragten Übertragung des vorhandenen „Westlichen“ auf Osteuropa gegenüber. Am 22. März 2002 will die GESIS-Außenstelle in den Räumen des Bundespresseamtes „Sichten auf Osteuropa und Sichten aus Osteuropa“ aus dem Politik- und Wissenschaftsbereich Raum geben. Zu der Veranstaltung werden renommierte ost- und westeuropäische Sozialwissenschaftler sowie ein interessiertes Publikum aus Politik und Wissenschaftsverwaltung (ca. 120 Teilnehmer) erwartet.

1992 wurde die GESIS-Außenstelle mit dem Auftrag gegründet, den Informations- und Datentransfer in den Sozialwissenschaften zwischen Ost- und Westeuropa zu unterstützen. Bis 1989 war der internationale Wissenschaftsaustausch in den Sozialwissenschaften Richtung Osteuropa auf wenige, politisch gesteuerte Kontakte beschränkt. Die „Öffnung“ der sozialistischen Gesellschaften und die zu erwartenden Umbrüche versprachen ein hochinteressantes Feld für sozialwissenschaftliche Forschung zu werden. Daher stand 1992 auf der Agenda der GESIS-Außenstelle vordringlich, Zugänge zu bestehenden osteuropäischen „Wissensreservoirs“ zu schaffen, Wissensaustausch zu unterstützen und Forschungspartnerschaften zu befördern. Überwindung der Fremdheit und Zusammenbringen durch Bereitstellung von Wissen für beide Seiten, diese Ziele haben die Anfangserfahrungen der GESIS-Außenstelle geprägt.


Zehn Jahre später gibt es mit der GESIS-Außenstelle ein Kompetenz- und Servicezentrum, dessen Leistungen zum Ost-West-Transfer beachtlich sind. Manchen gilt es als eines der eher seltenen Beispiele von geglücktem Wissenstransfer zwischen Ost und West innerhalb der Bundesrepublik.

Das Internet hat dabei die Möglichkeiten des Informations- und Datenaustauschs zwischen Ost- und Westeuropa entscheidend gefördert: Im Wissenschaftsbereich haben sich Ost-West-Netzwerke gebildet, deren Verknüpfung und Unterstützung durch Serviceleistungen einen neuen Akzent in die Aufgaben der GESIS-Außenstelle gebracht haben. Durch Integrationsbemühungen innerhalb Europas sind aus den osteuropäischen Ländern „Beitrittskandidaten der ersten und zweiten Runde“ respektive „Nicht-Beitrittskandidaten“ geworden. Die Mitwirkung an der Gestaltung einer europäischen Forschungslandschaft wird für die osteuropäischen Sozialwissenschaften immer dringlicher – und eine Brückenfunktion von Deutschland aus bleibt unabdingbar. Die Gesis-Außenstelle leistet dazu ihren Beitrag.

Für alle, die konkrete Hilfen nutzen wollen: Die auf Osteuropa spezialisierten Datenbanken sind im Internet kostenlos recherchierbar unter der Adresse:        
www.gesis.org/Information/Osteuropa/INEastE (Social Science Research INstitutions in Eastern Europe) bzw.         
www.gesis.org/Information/Osteuropa/PROEastE (Social Science Research PROjects in Eastern Europe).
Weitere Serviceangebote sowie Informationen über die Außenstelle finden Sie unter:    
www.gesis.org/GESIS_Aussenstelle

 

 Veröffentlichungen

Israel und die Palästinenser: Konflikt ohne Ende?

bearbeitet von Helmut M. Artus           
IZ Sozialwissenschaften: Bonn, März 2002, 97 Seiten, 10,- EUR
ISSN 1616-3893          
(kostenlos im Internet zugänglich: www.gesis.org/Information/SowiNet/)

Die Utopie eines eigenen Palästinenser-Staates und sogar eines Friedens in Nahost schien zum Greifen nah. Aber von einem Augenblick auf den anderen steht die geschundene Region wieder einmal am Rande eines Krieges – des fünften übrigens. Das IZ Sozialwissenschaften nimmt die eskalierende Gewalt beider Seiten zum Anlass für eine Bestandsaufnahme zum Nahost-Konflikt. Die Dokumentation enthält 164 Beschreibungen aktueller sozialwissenschaftlicher Forschungsprojekte und Veröffentlichungen seit 1998.

Ergänzend dazu bietet das IZ einen FOKUSPLUS mit ausgewählten Internetquellen: Geschichte, Hintergründe, Analysen, aktuelle Nachrichten u.v.m.: www.gesis.org/Information/soewiNet

Dokumentation „Gewalt in der Familie. Häusliche Gewalt gegen Partner und Kinder“

bearbeitet von Gisela Ross-Strajhar      
IZ Sozialwissenschaften: Bonn 2002, 108 Seiten, 10,- EUR       
ISSN 1616-3893          
(kostenlos im Internet zugänglich: www.gesis.org/Information/SowiNet/)

Am 1. Januar 2002 ist das Gewaltschutz-Gesetz in Kraft getreten, das vor allem dem Schutz vor Gewalt im „sozialen Nahraum“ dienen soll. Aus diesem Anlass dokumentiert das Informationszentrum Sozialwissenschaften den Stand der sozialwissenschaftlichen Forschung zum Bereich der häuslichen Gewalt. Der Band enthält Beschreibungen von 178 Veröffentlichungen und Forschungsprojekten, die sich mit den Ursachen und Auswirkungen von Gewalt in der Familie, ihrer Verbreitung, den vielfältigen theoretischen Erklärungsansätzen sowie den Möglichkeiten der Gewaltprävention und Gewaltintervention befassen. 

 

Projekte

Sozialwissenschaften für Jedermann - die populärwissenschaftliche Internetzeitschrift „sowinet.de“

Interessante Ergebnisse, Hintergrundinformationen zu gesellschaftlichen Daten und Trends sowie Einblick in Fachdebatten bietet seit Januar die neue Internetzeitschrift sowinet.de. Das Angebot richtet sich an Nicht-Wissenschaftler, weshalb die Sprache leicht verständlich ist und Fachbegriffe in einem Glossar erläutert werden. Grafiken, Bilder und Videos erleichtern das Verständnis. Internet-Links und Kontaktadressen von Forschern bieten zudem die Möglichkeit, weitere Informationen zum gewünschten Thema zu erhalten.

Sowinet.de
bietet drei Rubriken an. Zum einen stellt die Redaktion regelmäßig neue „Berichte aus der Forschung“ vor. Einige Beispiele aus dem laufend erweiterten Angebot: „Die deutsche Wirtschaftselite - Herkunft und Bildung als Zugangsweg zur Elite“ und „Bildung, Lebensstile und Sterblichkeit - Lebt man in der sogenannten Oberschicht länger?“. Als zweites gibt es einen Schwerpunkt „Wahlverhalten“, in dem Theorien und Ergebnisse aus diesem Bereich auch in der Tiefe behandelt werden. Schließlich werden in der Rubrik „Hintergründe und Kontroversen“ aktuelle und auch klassische Themen beleuchtet. In der aktuellen Ausgabe sind Thesen von Sozialwissenschaftlern zum Terrorismus, wie beispielsweise zur „Ausbildung von Selbstmordattentätern“ und einer „Ökonomie der Gewalt“, zu finden.


Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und vom Zentralarchiv für Empirische Sozialforschung an der Universität zu Köln, dem Informationszentrum Sozialwissenschaften, Bonn und der Hochschule für Gestaltung, Offenbach, durchgeführt. Hintergründe zum Projekt unter: www.gesis.org/Forschung/Informationstechnologie/WWW-für-Jedermann.htm.      
Unter der Adresse www.sowinet.de können Sie sich selbst ein Bild von diesem neuen Angebot machen und unter www.sowinet.de/umfrage/umfrage.html Ihre Meinung dazu äußern.


Arbeiten am Projekt „CARMEN“ erfolgreich abgeschlossen

Die Sonderfördermaßnahme CARMEN (Content Analysis, Retrieval and Metadata: Effective Networking) zielte – im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Programms GLOBAL INFO – darauf ab, in der heutigen dezentralen Informationswelt geeignete Informationssysteme für die verteilten Datenbestände in Bibliotheken, Fachinformationszentren und im Internet zu schaffen. Bei der Behandlung semantischer Heterogenität, die durch die Integration verschiedener Quellen auftritt, war das IZ an zwei Arbeitspaketen beteiligt.

Zum einen wurden zusammen mit der Universitätsbibliothek Regensburg, der Deutschen Bibliothek Frankfurt, dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung und dem Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Crosskonkordanzen zwischen Thesauri und Klassifikationen erstellt, die nun für die Übersetzung zwischen verschiedenen Dokumentationssprachen genutzt werden können. Zum anderen entstanden in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Mathematik/Informatik der Universität Osnabrück Softwaremodule zur automatischen Behandlung semantischer Heterogenität. Dabei werden einerseits automatische Metadaten aus Internet-Dokumenten extrahiert und andererseits mittels statistischer Verfahren Beziehungen zwischen Termen berechnet, die ähnlich den intellektuell erstellten Crosskonkordanzen Übergänge zwischen verschiedenen Dokumentationssprachen oder auch zu Freitexttermen ermöglichen.

„Transfer-Services“ erlauben nun die Übersetzung von Anfragen für Datenbestände, die nach unterschiedlichen Verfahren inhaltlich erschlossen wurden. So lassen sich beispielsweise Anfragen mit Termen aus der Schlagwortnormdatei in neue Anfragen mit Deskriptoren aus dem Thesaurus Sozialwissenschaften übersetzen, so dass diese an die Datenbank SOLIS gestellt werden können. Die Module wurden als freie Software erstellt und werden in verschiedenen anderen Projekten des IZ (z.B. Virtuelle Fachbibliothek Sozialwissenschaften) nachgenutzt. Ansprechpartner bei Interesse an einer Nachnutzung oder für inhaltliche Fragen zu den Ergebnissen: Robert Strötgen (soe@bonn.iz-soz.de).

Datenbanken

Neu im Internet: Sozialwissenschaftliche Zeitschriften in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Seit Februar bietet das IZ-Webangebot eine neue Datenbank mit Informationen zu rund 270 sozialwissenschaftlichen Fachzeitschriften an, die vom IZ in Kooperation mit weiteren fachlich spezialisierten Einrichtungen regelmäßig für die Literaturdatenbank SOLIS gesichtet und ausgewertet werden.
Titel, Herausgeber, Verlag und ISSN gehören zu den Standardangaben in der Datenbank, Redaktionsadresse und URL zur Homepage der Zeitschrift werden sukzessive eingearbeitet. Immer angeboten wird bei der Zeitschriftenanzeige ein Link zur Datenbank SOLIS, der automatisch eine Recherche beim Host GBI auslöst und als Ergebnis die in SOLIS erfassten Aufsatztitel der Zeitschrift kostenfrei auflistet. Weitere Informationen zum Aufsatz, z.B. Autor/in, Abstract können gegen Entgelt direkt nachgefordert werden.

In einer Übergangsphase - bis alle 420 Zeitschriften in der Datenbank erfasst sind, also auch diejenigen mit wenigen sozialwissenschaftlichen Aufsätzen pro Jahr - bietet das IZ die alphabetische Zeitschriftenliste für SOLIS weiterhin zur Orientierung an.           
Der Zugang zur alphabetischen Liste sowie zur Suche in der Zeitschriften-Datenbank ist möglich über: www.gesis.org/Information/Zeitschriften

 

Konferenzen

Open Forum: Gateways, Clearinghouses and Portals in the Social Sciences

Auf der 7. Internationalen Konferenz der „International Society for Knowledge Organization“ (ISKO) in Granada, Spanien, vom 10.-13. Juli 2002 (http://is.gseis.ucla.edu/orgs/isko/news.html) wird ein Open Forum zu "Gateways, Clearinghouses and Portals in the Social Sciences" stattfinden. Damit soll die Idee verfolgt werden, internationale, insbesondere europäische Ansätze zu WWW-Link-Angebo­ten zusammenzubringen. Es werden u.a. Auswahl, Bewertung, Präsentationsform und Vernetzung zur Sprache kommen. Einführend werden einige ausgewählte Aspekte vorgestellt und sodann Statements im Forum sowie mit der Zuhörerschaft diskutiert. Wer noch am Forum teilnehmen möchte, wende sich bitte umgehend an Peter Ohly (oh@bonn.iz-soz.de).

 

Organisationen

WGL

Die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL), zu der die GESIS gehört, hat in einem Flyer das Profil des interdisziplinären Verbundes der Serviceeinrichtungen (IVS) verdeutlicht. Der IVS dient dem Erfahrungsaustausch, der Zusammenarbeit und der gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit der 18 Serviceeinrichtungen sowohl nach innen wie nach außen. Dem interdisziplinären Charakter der Serviceeinrichtungen entsprechend mobilisiert der Verbund Synergieeffekte bei seinen Mitgliedern. Mehr Informationen sind bei der WGL abrufbar unter: www.wgl.de/institute/index_7.html.



Deutsche Gesellschaft für Demographie

Als Zusammenschluss der Deutschen Gesellschaft für Bevölkerungswissenschaft und der Johann-Peter-Süßmilch-Gesellschaft für Demographie hat sich im Juni letzten Jahres die Deutsche Gesellschaft für Demographie gegründet. Ihre Jahrestagung wird sie am 30.-31. Mai 2002 in Rostock unter dem Thema „Lebenserwartung und Mortalität“ durchführen.

Zum Bereich “Bevölkerungsforschung“ stellt das IZ Hinweise auf neue Veröffentlichungen und Forschungsprojekte in der Reihe „Sozialwissenschaftlicher Fachinformationsdienst – soFid“ zusammen, die zweimal jährlich in Buchform und auf CD-ROM erscheint.

Personalien

·         Prof. Dr. Jürgen Krause, Wissenschaftlicher Direktor des IZ, wurde als Mitglied in den Fachbeirat „Sozial- und Verhaltenswissenschaften, Sportstättenbau“ für das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISP) berufen.
Er übernimmt dort zudem den Vorsitz der Fachgruppe "Informations- und Kommunikationswissenschaft".

·         Am 01. Februar 2002 wurde Prof. Dr. Jürgen Krause für weitere zwei Jahre in den Bibliotheksausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) berufen und in den Unterausschuss "Informationsmanagement" des Bibliotheksausschusses der DFG bestellt.

 

ASI –Corner

DIN-Arbeitausschuss „Markt- und Sozialforschung“ gegründet

Am 12. Dezember 2001 wurde im Normenausschuss ‚Gebrauchstauglichkeit und Dienstleistungen’ des DIN ein Arbeitsausschuss „Markt- und Sozialforschung“ gegründet, in dem u.a. der überwiegende Teil der Markt- und Sozialforschung in Deutschland vertreten ist. Vertreter der ASI sind Prof. Dr. Heiner Meulemann und der Geschäftsführer Matthias Stahl.

Markt- und Sozialforschung sind Dienstleistungen, die nach anerkannten wissenschaftlich fundierten Regeln durchgeführt werden müssen, um im Interesse der Auftraggeber zu aussagekräftigen und realitätsnahen Ergebnissen zu gelangen. Aufgrund der Komplexität des Forschungsprozesses können die Auftraggeber die Qualität der ihnen erwiesenen Leistung nicht immer vollständig beurteilen. Sie sind deshalb in besonderem Maße auf die fachliche Kompetenz der untersuchungsführenden Institute angewiesen. Dokumentierte Standards zur Qualitätssicherung des Forschungsprozesses – ohne jedoch die Forschung im Detail einzuengen – können entscheidend dazu beitragen, das notwendige Vertrauen der Auftraggeber in die Leistung der Markt- und Sozialforschungsinstitute zu erhalten und zu steigern. Dies gilt insbesondere im internationalen Kontext.

Der DIN-Arbeitsausschuss wird sich unter Hinzuziehung bereits bestehender brancheninterner Qualitätsstandards der Erarbeitung von Anforderungen und Empfehlungen an Markt- und Sozialforschungs-dienstleistungen widmen. Ziel ist die Schaffung einer entsprechender Norm, die bei Auftragsvergabe als Referenzdokument herangezogen werden kann.

 

 In eigener Sache

Zum Jahreswechsel hat Ulrike Adler, Abt. Informationsdienste & Marketing, die Redaktion des IZ-Telegramms von ihrem Kollegen Dr. Helmut M. Artus übernommen, dem an dieser Stelle Dank für seine Arbeit ausgesprochen werden soll. Für Feed-back, Informationen, Anregungen, Themenwünsche und auch Ihre Kritik sind wir sehr dankbar: adler@bonn.iz-soz.de oder Tel. 0228-2281-144.

 

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© GESIS  Ulrike Adler, 19.03.2002