Newsletter - Sozialwissenschaften in Osteuropa 1996-Sonderheft
Sektion Ost- und Ostmittel-
europa-Soziologie der DGS
Mitglieder und Interessenten der
Sektion, ihre Forschungsprojekte und -schwerpunkte
Die Sektion "Ost- und Ostmitteleuropa-Soziologie" der DGS hat
gegenwärtig 51 Mitglieder und Interessenten. Sie versuchen mit Hilfe eines
relativ breiten Spektrums soziologischer Fragestellungen und Themengebiete die
soziologische Aufklärung der postsozialistischen Umbruchsprozesse für fast
alle Länder Osteuropas voranzutreiben. Das ergab eine Mitgliederbefragung im
Sommer 1996 mit einer Rücklaufquote von 70,6 %. Tabelle 1 zeigt, auf welche Länder
sich die von den Mitgliedern und Interessenten der Sektion von 1990-1996
durchgeführten 88 Forschungsprojekte bzw. -themen verteilen.
Tab. 1: Verteilung der 88 Forschungsprojekte bzw. -themen 1990-1996 der
Sektionsmitglieder und Interessenten nach Ländern (Mehrfachnennungen möglich)
Länder
|
Anzahl d. Projekte
|
vergleichende Projekte über ganz Osteuropa
|
26
|
vergleichende Projekte über Mittelosteuropa
|
2
|
DDR
|
11
|
Ungarn
|
9
|
Polen
|
11
|
SFR/Tschechien/Slowakei
|
2
|
vergleichende Projekte über Südosteuropa
|
2
|
Rumänien
|
6
|
Bulgarien
|
7
|
vergleichende Projekte über die
Sowjetunion/GUS
|
2
|
Rußland
|
22
|
einzelne GUS-Staaten (außer Rußland)
|
4
|
Baltikum
|
3
|
Der Schwerpunkt der Projekte bzw- Themen liegt bei vergleichenden Analysen möglichst
vieler Länder aus sehr unterschiedlichen Regionen Osteuropas mit dem Ziel,
unterschiedliche Entwicklungs-szenarien und ihre Ursachen aufzuspüren und zu
erklären. Bei den ausführlicheren Ein- bis Drei-Länderstudien deutet sich
eine Konzentration auf Rußland, Polen, Ungarn, Bulgarien und Rumänien an, während
die anderen GUS-Staaten, die jugoslawischen Nachfolgestaaten und Albanien bisher
relativ wenig Berücksichtigung gefunden haben.
Tabelle 2 zeigt, daß sich die erfaßten Forschungsprojekte bzw. -themen
inhaltlich auf die für die osteuropäischen Länder gegenwärtig wichtigsten
praktischen Probleme konzentrieren.
Tab. 2: Verteilung der 88 Forschungsprojekte bzw. -themen 1990-1996 der
Sektionsmitglieder und Interessenten nach Sachgebieten (Mehrfachnennungen möglich)
Sachgebiete
|
Anzahl d. Projekte
|
Politische Soziologie
|
30
|
Industrie- und Betriebssoziologie
|
14
|
Nationalismus/ethnische Minderheiten/Migration
|
13
|
Wissenschaftssoziologie
|
9
|
Allgemeine Soziologie
|
7
|
Kultursoziologie und -geschichte
|
5
|
Sozialpolitik/soziale Ungleichheit
|
4
|
Stadtsoziologie
|
2
|
EU- Integration
|
2
|
Agrarsoziologie
|
2
|
Religionssoziologie
|
1
|
Sprachsoziologie
|
1
|
Katastrophensoziologie
|
1
|
Das Überwiegen von Arbeiten aus den Bereichen Politische Soziologie und
Industrie- und Betriebssoziologie widerspiegelt die Brisanz des
Transformationsdilemmas zwischen den unterschiedlichen Erfordernissen der
demokratischen Konsolidierung und des ökonomischen Wandels. Einen besonderen
Stellenwert erhält die Problematik des Umgangs mit nationalen Konflikten und
ethnischen Minderheiten, die für viele Länder zu einer Überlebensfrage
geworden ist. Die relativ große Anzahl wissenschaftssoziologischer Projekte ist
einerseits Ausdruck des Nachholbedarfs bei der Rezeption osteuropäischer
Soziologie und widerspiegelt andererseits die Notwendigkeit der
Auseinandersetzung mit der soziologischen Osteuropaforschung vor 1989.
Im einzelnen wurden und werden folgende Forschungsprojekte bzw. -themen
durchgeführt (Jahresangaben soweit bekannt):
Prof. Dr. Axt, Heinz-Jürgen, Universität Duisburg, FB Politische
Wissenschaft:
* Strukturwandel und Strukturpolitik in Südosteuropa: Die Rolle der EU (1996
- )
Prof. Dr. Balla, Bálint, TU Berlin, Institut für Soziologie:
* Handlungstheorie und Sowjetsystem;
* Zu einer Soziologie des Nationalen mit besonderer Rücksicht auf Ost- und
Ostmitteleuropa
Böhme, Britta, Universität Leipzig, Institut für
Kulturwissenschaften:
* Zur Sozial- und Kulturgeschichte des ukrainischen Territoriums (1993-1996)
Dipl.-Soz. Breckner, Roswitha, Berlin:
* Europäische Migrationsbiographien zwischen "Ost" und
"West" (1992-1996)
Prof. Dr. Clausen, Lars, Universität Kiel, Institut für Soziologie,
Katastrophenforschungsstelle:
* Das Ende der Pax Sovietica aus katastrophensoziologischer Perspektive
Prof. Dr. Dittrich, Eckhard, Universität Magdeburg, Institut für
Soziologie:
* Betriebliche Transformation in Ungarn, Polen, Bulgarien (1993-1995);
* Arbeitsbeziehungen im Umbruch (1992-1994);
* Joint-ventures in Polen, Ungarn, Bulgarien (1994-1996)
Prof. Dr. Ettrich, Frank, Pädagogische Hochschule Erfurt/Mühlhausen,
Institut für Soziologie:
* Transformation und Elite (1993-1995);
* Semantiken der Transformation (1996-1998);
* Managementwandel und nationale Identität (1996-1998);
* Graduiertenkolleg "Konflikt und Konsens in den osteuropäischen
Transformationsprozessen" (1994 - )
PD Dr. Fehr, Helmut, FU Berlin, FB Politische Wissenschaften:
* Soziale Bewegungen in Polen und der DDR (1989-1991);
* Institutionalisierung demokratischer Strukturen in postsozialistischen
Gesellschaften. Polen, Ungarn, Tschechoslowakei (1992-1993),
* Politische Dissidenz und Opposition in Ost-Mitteleuropa (1994-1996)
Prof. Dr. Feldhoff, Jürgen, Universität Bielefeld, Fakultät für
Soziologie:
* Kultur der Arbeitsbeziehungen in der gegenwärtigen russischen Industrie
(1994-1996)
Doz. Dr. habil. Geier, Wolfgang, Universität Leipzig, Institut für
Kulturwissenschaften:
* Bulgarische Studierende an der Universität Leipzig 1845-1915 (1985-1990);
* Vergleichende Ansätze zur Sozial- und Kulturgeschichte Ost-, Ostmittel-
und Südosteuropas (1990 - )
Prof. Dr. Giordano, Christian, Universität Fribourg, Seminaire
d'Ethnologie:
* Reprivatisierung der Landwirtschaft in Bulgarien (1991 - );
* Proprit de la terre et devenirs paysans en Europe Centrale et Orientale
(1992 - )
Prof. Dr. Krasnodebski, Zdzislaw, Universität Bremen,
Forschungsstelle Osteuropa
* Projekte siehe Beitrag S. 22 in diesem Heft
Dr. Lissjutkina, Larissa, Universität Bielefeld, Institut für
Linguistik und Literaturwissenschaft:
* Posttotalitarismus und Postindustrialismus. Übergangsperiode in Ost und
West (1990-1992);
* Raoul Wallenberg. Spurensuche (1990-1996);
* F-1. Geschichte und Theorie des russischen Feminismus (1989 - );
* Regionalismus, Föderalismus, Separatismus: Theorien, Projekte, Strategien
(1994-);
* Geopolitisches Denken im heutigen Rußland und der "linke
Nationalismus". Neue Trennlinien zwischen Ost und West (1995- );
* Die Reform und der Alltag in Rußland (1995- )
Dr. Lohr, Karin, Humboldt-Universität, Institut für
Sozialwissenschaften:
* Innerbetriebliche Austauschbeziehungen in Ostdeutschland (1992-1995);
* Arbeitsbedingungen und Arbeitsbeziehungen in ostdeutschen Kleinbetrieben
(1994-1995)
Dr. Luchterhandt, Galina, Universität Bremen, Forschungsstelle
Osteuropa:
* Neuformierung der Politischen Kräfte in der Russischen Föderation (1991);
* Rußland auf dem Wege zur Demokratie? (1991);
* Politische Parteien in Rußland (1992);
* Parteienrecht in Rußland (1993);
* Politische Entwicklung in der russischen Provinz (1992-1996);
* Kommunale Selbstverwaltung in Rußland (1995 - );
* Die Duma-Wahlen 1995 (1996 - );
* Institutionalisierungsprozesse in Rußland (1996 - )
Dr. Mattusch, Katrin, Humboldt-Universität Berlin, Institut für
Sozialwissenschaften:
* Gesellschaft und Politik im Baltikum (1990-1994);
* The Economic and Political Common Interests of the Hanseatic Area
(1994-1996);
* New Democracies and Local Governance (1995);
* Vergleichende Analysen politischer Kultur und politischer Strukturen in
Ostmitteleuropa, Südosteuropa und Osteuropa
* (1994 - );
* Lösungsmöglichkeiten ethnischer Konflikte am Beispiel des Baltikums (1995
- )
Dr. Oswald, Ingrid, Otto-Guericke Universität Magdeburg, Institut für
Soziologie:
* Binnenflucht in der ehemaligen Sowjetunion (1992);
* Brain drain aus Rußland (1992);
* Bildung ethnischer Gemeinden in St. Petersburg und Berlin (1994-1996);
* Monitoring russischer Sozialwissenschaften (1995-1996),
* Soziale Folgen der Wohnungsprivatisierung in St. Petersburg (1995-1996)
Pickel, Gert, Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder, Lehrstuhl für
Vergleichende Kultursoziologie:
* Solidarbeziehungen junger Erwachsener in Deutschland und Ungarn
(1991-1996);
* Politische Kultur in Osteuropa im Vergleich mit Westeuropa (1995 - )
Pickel, Susanne, Universität Bamberg, Sozialwissenschaftliche
Forschungsstelle:
* Ungarn in Europa. Der politische Dialog - Ein Beitrag zur Stabilisierung
und Internationalisierung der ungarischen Demokratie? (1993-1996);
* Politische Kultur in Osteuropa im Vergleich mit Westeuropa (1995 - )
Prof. Dr. Pollack, Detlef, Europa-Universität Viadrina
Frankfurt/Oder, Lehrstuhl für Vergleichende Kultursoziologie:
* Religion in Ost- und Mitteleuropa (1994-1997)
Dr. Reschka, Willibald, Universität Siegen:
* J. Chaasinski und die biographische Methode in der polnischen Soziologie
(1992 - );
* Die odzer Methodologische Schule (1995-1996)
Dr. Ritter, Claudia, AG Transformationsprozesse, Max Planck
Gesellschaft, Berlin:
* Politische Identitäten in den neuen Bundesländern;
* Politikverständnis in Ost- und Westdeutschland
Prof. Dr. Schmidt, Gert, Institut für Soziologie, Universität
Erlangen-Nürnberg:
* Transformationsprozesse in Tschechien und Polen;
* Betriebliche Transformationsmuster des Übergangs zur Marktwirtschaft in
Polen, Ungarn und Bulgarien (1993-1995)
Siegel, Achim, Hannah Arendt-Institut für Totalitarismusforschung, TU
Dresden:
* Rekonstruktion von Ansätzen zur Erklärung politischen Terrors im
sowjetischen Stalinismus (1990-1991);
* Theorien zu Struktur, Wandel und Ende sozialistischer Systeme in Europa
(1994 - )
Dr. Sparschuh, Vera, Humboldt-Universität Berlin, Institut für
Sozialwissenschaften:
* Sekundäranalyse zur DDR-Soziologie (1992-1996)
Univ. Prof. Dr. Stagl, Justin, Universität Salzburg, Institut für
Kultursoziologie:
* "Ethnologia Austriaca": Geschichte der Sozial- und
Kulturwissenschaften in der österreichisch-ungarischen Monarchie (1994 - );
* "Das Kronprinzenwerk" (1997 - )
PD Dr. Sterbling, Anton, Universität der Bundeswehr, Fachbereich Pädagogik:
* Strukturfragen und Modernisierungsprobleme ost- und südosteuropäischer
Gesellschaften (1985 - );
* Minderheiten und ethnische Konflikte in Rumänien (1988-1995)
Prof. Dr. Stölting, Erhard, Universität Potsdam:
* Nationalistische Denk- und Gefühlsformen (1988 - );
* Informelle Prozesse (1996)
PD Dr. Stojanov, Christo, Universität Bonn/ Universität Saarbrücken:
* 1. Industrielle Beziehungen in Osteuropa (1991-1992);
* Betriebliche Transformationsmuster beim Übergang zur Marktwirtschaft
(1993-1994);
* Muster der Zusammenarbeit in Ost-West Joint-ventures (1994-1995);
* Auf- und Ausbau einer Sommer-Akademie für Sozialwissenschaften in
Bulgarien (1996 - )
Prof. Dr. Szabó, Máté, Eötvös Loránd Universität Budapest,
Fakultät für Politikwissenschaften:
* Political Protest in Central Europe (1993-1995);
* Political Protest in Postcommunist Democracies (1994-1996);
* Policing Mass Demonstrations in Europe (1995-1996)
PD Dr. Teckenberg, Wolfgang, Universität Düsseldorf, Institut für
Soziologie:
* Arbeitsmarkt und Struktur der Arbeitslosigkeit in Polen (1992-1996),
* Social Inequality and Social Class Formation in Central East-Europe During
the Transformation (laufend)
Theilemann, Wolfram G., M.A., Institut für Geschichtswissenschaft, TU
Berlin:
* "Neuer" Nationalismus in Osteuropa nach 1989: der Fall Rumäniens
Dr. Tholen, Jochen, Universität Bremen, Forschungstransferstelle:
* Vergleichende Managementforschung (1989 - 1991);
* Young Entrepreneurs and their Support System in Armenia, Georgia and
Ukraine (1995-1997);
* The Restructuring of Management, Labour Relations and Labour Organizations
in Russia (1995-1996);
* Evaluation of Programms to Assist Young Unemployed in Postcommunist
East-Central Europe
Dr. Üner, Elfriede, Universität Leipzig, Zentrum für Höhere
Studien:
* Wirkungsgeschichte der Soziologie Hans Freyers (1996-1999)
Prof. Dr. Dr. h.c. Weber, Georg, Universität Münster, Institut für
Soziologie/ Sozialpädagogik:
* Deportation von Siebenbürger Sachsen in die Sowjetunion 1945-49;
* Migration und Integration von Siebenbürger Sachsen in die BRD;
* Strukturwandel der Nachbarschaft der Siebenbürger Sachsen
Prof. Dr. Weiß, Johannes, GHS/Universität Kassel:
* Die Rolle von Soziologie im real existierenden Sozialismus und im
gesellschaftlichen Umbruch;
* Transformation und Erklärungsansätze der allgemeinen Soziologie
Dr. Zipprian, Heinz, TU Berlin, Institut für Soziologie:
* Wissenschaftssoziologische Betrachtungen zu Osteuropa
Weitere Mitglieder und Interessenten der Sektion, für die keine näheren
Angaben zu ihren osteuropabezogenen Forschungsprojekten vorliegen:
Dr. Benzler, Susanne, Universität Gießen, Institut für
Politikwissenschaft;
Prof. Dr. Engler, Wolfgang, Berlin;
Prof. Dr. Kalbe, Ernstgert, Dresden;
PD Dr. Mänicke-Gyöngyösi, Krisztina, FU Berlin, Osteuropa-Institut;
Prof. Dr. Meier, Artur, Humboldt-Universität Berlin, Institut für
Sozialwissenschaften;
Prof. Dr. Messelken, Karlheinz, Universität der Bundeswehr,
Fachbereich Pädagogik;
Prof. Dr. Nedelmann, Birgitta, Universität Mainz, Institut für
Soziologie;
Prof. Dr. Rehberg, Karl Siegbert, TU Dresden, Institut für
Soziologie;
Schmid, Sigrid, München;
Schoefer, Sabrina, Forschungsinitiative Verbände, Hagen;
Dr. Simon, Dagmar, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung;
Prof. Dr. Srubar, Ilja, Universität Nürnberg-Erlangen, Institut für
Soziologie;
Prof. Dr. Steiner, Helmut, Berlin;
Prof. Dr. Vonderach, Gerd, Universität Oldenburg, Institut für
Soziologie
Veröffentlichungen der Sektionsmitglieder und
Interessenten
Die nachstehende Abbildung zeigt die Entwicklung der Veröffentlichungen der
Sektionsmitglieder und Interessenten von 1990-1996.

Während 1990 noch mehr über die osteuropäischen Zusammenbrüche
nachgedacht als geschrieben wurde, konnten in den Jahren 1991-1993 schon
kontinuierlich Erklärungsansätze angeboten werden. Einen vorläufigen Höhepunkt
hat die soziologische Aufklärung dessen, was in Osteuropa vor sich geht, 1994
erreicht. Nachdem der Rahmen einer "Ost- und
Ostmitteleuropa-Soziologie" abgesteckt war und in einigen osteuropäischen
Ländern die Konsolidierungsphase bereits begonnen hatte, wurden 1995 und in
besonderem Maße 1996 Ergebnisse von näheren und zunehmend vergleichenden
Analysen einer Vielzahl einzelner Probleme der Transformationsprozesse für die
gesamte Region vorgelegt. Da aus Platzgründen nicht alle Veröffentlichungen
aufgelistet werden können, sind im folgenden nur die Neuerscheinungen 1996
sowie im Druck befindliche Arbeiten aufgeführt. Eine ausführliche
Literaturliste kann bei Katrin Mattusch (Adresse s. am Ende des Newsletter)
angefordert werden.
Axt, H.-J.: Europas Kulturkreise: Identitäten und Differenzen, in:
Hohlweh, A. (Hrsg.): Byzanz und seine Nachbarn, München 1996, S. 297-319
Axt, H.-J.: The European Union as a Catalyst of Modernization, in:
Genov, N. (Hrsg.): Society and Politics in South-East Europe, Sofia 1996, S.
33-46
Axt, H.-J.: The impact of Germany's policy on refugee flows from
former Yugoslavia, in: M. Weiner, M.; Münz, R. (Hrsg.): Migration and Refugees:
US and German Policies Toward Countries of Origin, Berghan Press 1996 (i.E.)
Balla, B.: Kommunismus und Postkommunismus handlungstheoretisch, in:
Balla, B.; Sterbling; A. (Hrsg.): Zusammenbruch des Sowjetsystems -
Herausforderung für die Soziologie, Hamburg 1996, S. 81-100
Balla, B.; Sterbling, A. (Hrsg.): Zusammenbruch des Sowjetsystems -
Herausforderung für die Soziologie, Hamburg 1996
Borowik, I.; Jagodzinski, W.; Pollack, D. (Hrsg.): Religion in
Ost-Europa: zur gesellschaftlichen Situation von Religion und Kirche fünf Jahre
nach dem gesellschaftlichen Umbruch, Würzburg 1997 (i.E.)
Breckner, R.: "... da stand ich immer zwischen den Stühlen...".
Zur Relevanz und Funktion des Eisernen Vorhangs in Ost-West-Biographien -
rekonstruiert an einer "Fluchtimigration" aus Rumänien in die
Bundesrepublik, in: Apitzsch, U. (Hrsg.): Migration und Biographie, Opladen 1996
(i.E.)
Brussig, M.; Lohr, K.; Semlinger, K.; Sorge, A.; Strohwald, U.
(Hrsg.): Kleinbetriebe in den neuen Bundesländern: Bestandsbedingungen und
Entwicklungspotentiale, Opladen 1996 (i.E.)
Clausen, L. (Hrsg.): Gesellschaften im Umbruch. Verhandlungen des 27.
Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Halle an der Saale
1995, Frankfurt a.M./New York 1996
Dittrich, E.; Schmidt, G.: Nach dem Ende des realen Sozialismus -
Herausforderungen an die soziologische Forschung, in: Dittrich, E.; Schmidt, G.;
Fürstenberg, G. (Hrsg.): Industrielle Transformation in Osteuropa - Empirie und
Theorie, München 1996 (i.E.)
Dittrich, E.; Schmidt, G.; Fürstenberg, G. (Hrsg.): Industrielle
Transformation in Osteuropa - Empirie und Theorie, München 1996 (i.E.)
Eberwein, W.; Tholen, J.: Market or Mafia? Russian Managers on the
Difficult Road towards an open Society, Aldershot 1996
Eberwein, W.; Tholen, J.: Russische Wirtschaftsmanager auf dem Weg vom
Plan zum Markt?, in: Steinle/Bruch/Lawa (Hrsg.): Management in Mittel- und
Osteuropa, Frankfurt a.M. 1996, S. 142-162
Ettrich, Frank, Gerechtigkeit im Transformationsprozeß, in: Social
Justice 1997 (i.E.)
Ettrich, F.: Max Weber und die sozialwissenschaftliche
Konzeptualisierung des Staatssozialismus, in: Sterbling, A.; Zipprian, H.
(Hrsg.): Max Weber und Osteuropa, Hamburg 1996 (i.E.)
Ettrich, F.; Jonin; Gans; Ott: Zusammenbruch und Transformation,
Weimar 1996
Fehr, H.: Dekommunisierung und symbolische Politikmuster in Polen, in:
Mänicke-Gyöngyösi, K. (Hrsg.): Öffentliche Konflikt-Diskurse um Restitution
von Gerechtigkeit, politische Vergangenheit und nationale Identität, Frankfurt
a.M. 1996, S. 135-162
Fehr, H.: Politische Eliten - Garanten des Transformationsprozesses in
Ost-Mitteleuropa?, in: Mänicke-Gyöngyösi, K. (Hrsg.): Eliten in Osteuropa,
Soziale Welt, Sonderband 10, 1996 (i.E.)
Fehr, H.: Unabhängige Öffentlichkeit und soziale Bewegungen.
Fallstudien über Bürgerbewegungen in Polen und der DDR, Opladen 1996
Geier, W.: Rußland und Europa. Skizzen zu einem schwierigen Verhältnis,
Wiesbaden 1996
Giordano, Ch.: Das Chaos der Historizität, in: Universitas
Friburgensis 1995/96, S. 11-12
Giordano, Ch.: Ethnizität und das Motiv des mono-ethnischen Raumes in
Zentral- und Osteuropa, in: Fassler, M.; Will, J.; Zimmermann, M. (Hrsg.): Gegen
die Restauration der Geopolitik. Zum Verhältnis von Ethnie, Nation und Globalität,
Giessen 1996, S. 127-141
Giordano, Ch.: Stato nazionale, `discorsi etnici' e riconoscimento
delle minoranze. Un' analisi etno-antropologica con particolare riferimento all'
Europa centrorientale, in: Quaderni della fondazione Courmeyeur, Centro
Internazionale su Diritto, Societ e Economica, Sondernummer Minoranze,
muticulturalismo, cultura della mondialita, Courmayeur 1996, S. 78-88
Krasnodebski, Z.: Max Webers Protestantismus-These und die Rolle der
Religion in Ostmitteleuropa, in: Sterbling, A.; Zipprian, H. (Hrsg.): Max Weber
und Osteuropa, Hamburg 1996 (i.E.)
Lissjutkina, L.: Die "neuen Russen". Zur Typologie der
Unternehmerschaft, in: Sterbling, A.; Zipprian, H. (Hrsg.): Max Weber und
Osteuropa, Hamburg 1996 (i.E.)
Lissjutkina, L.: Emancipation without Feminism: the Historical and
Sociocultural Context of the Woman's Movement in Russia, Bradford 1996 (i.E.)
Lohr, K.; Simon, D.; Sparschuh, V.; Wilsdorf, St.: Wie konstituiert
sich sozialwissenschaftliche Forschung auf dem "freien Markt"? Chancen
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Luchterhandt, G.: Der Aufbau der nationalen Staatlichkeit Rußlands,
in: Forschungsstelle Osteuropa (Hrsg.), Fragmente einer postsowjetischen Kultur,
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Luchterhandt, G.: Gesellschaftliche Vereinigung Jabloko:
Besonderheiten der Programmatik und des Aufbaus, Aktuelle Informationen, Bremen
Mai 1996
Luchterhandt, G.: Mestnoe samoupravlenie: teorija i praktika, Moskau
1996
Luchterhandt, G.: Russische Soziologie nach dem Zusammenbruch des
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Luchterhandt, G.; Hübner, P.; Schneider, E.: Als Wahlbeobachter in
Jekaterinburg und Perwuralsk, in: Osteuropa, H. 5/1996, S. 507-518
Mattusch, K.: "Hanseatic Citizens" - cultural ties and their
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Mattusch, K.: Aus wieviel Teilen besteht Osteuropa? Die
differenzierende Wirkung politischer Kulturen, in: Sundhausen, H.; Roggemann, H.
(Hrsg.): Die Umgestaltungsprozesse der gesellschaftlichen Systeme in Ost- und Südosteuropa.
Multidisziplinäre Veröffentlichungen des Osteuropa-Instituts der FU Berlin,
Wiesbaden 1996 (i.E.)
Mattusch, K.: Demokratisierung im Baltikum? Über die Begrenzung von
Demokratisierungs-chancen durch politische Kulturen, Frankfurt a.M. 1996
Mattusch, K.: Vielfalt trotz ähnlicher Geschichte. Die drei
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(Hrsg.): Differenzierungsprozesse im Spätsozialismus und Unterschiede in den
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Mattusch, K.: Weltbilder als Weichensteller für die Richtung des
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Baltikums, in: Sterbling, A.; Zipprian, H. (Hrsg.): Max Weber und Osteuropa,
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Mattusch, K.: Wie konsolidiert sind die neuen Demokratien in
Osteuropa? Vom Zusammenwirken von Strukturen, Elitenprägung und Bevölkerungseinstellungen,
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Mattusch, K.; Lass, J.; Klingemann, H.-D.: Die Rolle von
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Pickel, G.: Religiosität und Kirchlichkeit in Ost- und Westeuropa.
Vergleichende Betrachtungen religiöser Orientierungen nach dem Umbruch in
Osteuropa, in: Borowik, I.; Jagodzinski, W.; Pollack, D. (Hrsg.): Religion in
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- Standortbestimmung zwischen intellektuellem Diskurs und institutionellem
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Srubar, I.: Max Weber und Thomas G. Mazaryk: Zwei Diagnosen europäischer
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Fachbereich Pädagogik 2/1996, Hamburg: Universität der Bundeswehr
Stojanov, Ch.: "Rückkehr nach Europa" - geht der Weg über
Japan? Wirtschaftskulturelle Aspekte postsozialistischer Transformation in
Osteuropa, in: Janssen, E.; Möhwald, U.; Ölschläger, H.-D. (Hrsg.):
Gesellschaften im Umbruch? Aspekte des Wertewandels in Deutschland, Japan und
Osteuropa, München 1996, S. 227-256
Stojanov, Ch.: Zu einer vernachlässigten Dimension
postsozialistischer Transformation. (Re)Modernisierung als Fremdheitsverhältnis,
in: Clausen, L. (Hrsg.): Gesellschaften im Umbruch. Verhandlungen des 27.
Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Halle an der Saale
1995, Frankfurt a.M./New York 1996, S. 229-244
Stölting, E.: Macht und Herrschaft. Rußland als Beispiel, in: Hager,
F.; Schwengel, H.: Wer inszeniert das Leben? Modelle zukünftiger
Vergesellschaftung, Frankfurt a.M. 1996, S. 67-80
Szabó, M.: Prägungen der Profile des Bürgerprotestes in der
Slowakei, Ungarn und Slowenien, in: Segert, D. (Hrsg.): Differenzierungsprozesse
im Spätsozialismus und Unterschiede in den osteuropäischen Parteiensystemen,
Berlin 1996, S. 47-73
Szabó, M.: Protestpolitik im postkommunistischen Ost-Mitteleuropa,
in: Balla, B.; Sterbling, A. (Hrsg.): Zusammenbruch des Sowjetsystems -
Herausforderung für die Soziologie, Hamburg: 1996, S. 151-179
Teckenberg, W.: Die Transformation Mittel-Osteuropas. Zwischen
sozialistischer Nivellierung und marktwirtschaftlicher Klassenstrukturierung,
in: Clausen, L. (Hrsg.): Gesellschaften im Umbruch. Verhandlungen des 27.
Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Halle an der Saale
1995, Frankfurt a.M./New York 1996, S. 533-548
Teckenberg, W.: Sozialstruktur, in: Nohlen, D.;. Waldmann, P.; Ziemer,
K. (Hrsg.): Lexikon der Politik, Bd. 4 "Die östlichen und südlichen Länder",
München 1996
Üner, E.: Kulturtheorie an der Schwelle der Zeiten. Exemplarische
Entwicklungslinien der Leipziger Schule der Sozial- und
Geschichtswissenschaften, in: Archiv für Kulturgeschichte 1996 (i.E.)
Weber, G. (Hrsg.): Zugänge zur Gemeinde (Rumänien) - Methoden,
Theorien, Forschungsergebnisse, Köln/Weimar 1996 (i.E.)
Weiß, J.: Akteure und Agenten. Über Selbstbestimmung,
Fremdbestimmung und Stellvertretung im Vereinigungsprozeß, in: Kollmorgen, R.;
Reißig, R.; Weiß, J. (Hrsg.): Sozialer Wandel und Akteure in Ostdeutschland.
Empirische Befunde und theoretische Ansätze, Opladen 1996, S. 103-116
Weiß, J.: Rußland bei Weber, Weber in Rußland. Eine
Auseinandersetzung mit J.N. Davydov und P.P. Gaidenko, in: Sterbling, A.;
Zipprian, H. (Hrsg.): Max Weber und Osteuropa, Hamburg 1996 (i.E.)
Weiß, J.: Transformation und Modernisierung. Überlegungen zu einer
"Divergenztheorie", in: Balla, B.; Sterbling, A. (Hrsg.):
Zusammenbruch des Sowjetsystems - Herausforderung für die Soziologie, Hamburg:
1996, S. 51-60
Zipprian, H.: Eugen Ehrlich und die Bukowina: Die Entstehung der
Rechtssoziologie aus der kulturellen Vielfalt menschlicher Verbände, in: Balla,
B.; Sterbling, A (Hrsg.): Zusammenbruch des Sowjetsystems - Herausforderung für
die Soziologie, Hamburg: 1996, S. 279-294
Zipprian, H.: Rationalisierungsbegriff und Osteuropa in der Soziologie
Max Webers, in: A. Sterbling/H. Zipprian (Hrsg.), Max Weber und Osteuropa,
Hamburg 1996 (i.E.)
Publikationen der Sektion
Seit der Jahrestagung 1993 in Leipzig erhielt die Tätigkeit der heutigen
Sektion "Ost- und Ostmitteleuropa-Soziologie" eine neue Qualität.
Erstmals wurden nicht thematisch sehr weit auseinanderliegende Beiträge eher
zufällig präsentiert, sondern es wurde versucht, systematisch Bausteine einer
Soziologie des Postkommunismus zusammenzutragen und so die zentralen Bereiche
dieser neuen Zweigsoziologie abzustecken. Diesem Zweck folgten auch die weiteren
Tagungen, in denen der abgesteckte Rahmen zunehmend mit konkreten Inhalten gefüllt
wurde. Die Ergebnisse dieser Bemühungen widerspiegeln die bisher erschienenen
drei Sammelbände der Sektion zur Osteuropaforschung:
* Bálint Balla/Wolfgang Geier (Hrsg.), Zu einer Soziologie des
Postkommunismus. Kritik, Theorie, Methodologie, Münster. Hamburg: LIT 1994, 190
S., DM 48,-, ISBN 3-8258-2349-0
Aus dem Inhalt: Soziologische Theorie - Kritik und neue Ansätze;
Soziologie des Wandels politischer und sozialer Strukturen; Zur Erforschung des
Nationalen; Soziologie in interdisziplinärer Kooperation; Ost- und
Ostmitteleuropäische Soziologie im Umbruch
* Bálint Balla/Anton Sterbling (Hrsg.), Soziologie und Geschichte -
Geschichte der Soziologie. Beiträge zur Osteuropaforschung, Hamburg: Krämer
Verlag 1995, 264 S., DM 58,-, ISBN 3-926952-94-6
Aus dem Inhalt: Grundlagentheoretische, interdisziplinäre und
methodologische Fragen; Zur Soziologie und Geschichte der Region
* Bálint Balla/Anton Sterbling (Hrsg.), Zusammenbruch des
Sowjetsystems - Herausforderung für die Soziologie, Hamburg: Krämer Verlag
1996, 360 S., DM 58,-, ISBN 3-89622-006-3
Aus dem Inhalt: Die Wende in Ost- und Ostmitteleuropa und die
Allgemeine Soziologie; Politischer und institutioneller Wandel; Ethnizität,
Nation, Nationalismus; Der Wandel der Soziologie aus regionaler Perspektive
1996 schließlich konnte der Grundstein für eine Institutionalisierung der
Publikationstätigkeit der Sektion gelegt werden. Im Dr. R. Krämer Verlag,
Hamburg, sind in den letzten Jahren, größtenteils in enger Verbindung mit der
Tätigkeit der Sektion "Ost- und Ostmitteleuropa-Soziologie", eine
Reihe von Einzel- und Sammelbänden zu Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa
erschienen. Mit der Schriftenreihe "Beiträge zur Osteuropaforschung",
herausgegeben von Prof. Dr. Bálint Balla (Winklerstr. 18a, 14193 Berlin) und PD
Dr. Anton Sterbling (Billetal 17, 22946 Trittau), sollen diese
Publikationsaktivitäten der Sektion mit festeren Konturen und auf einer
breiteren Basis fortgesetzt werden.
Der Schwerpunkt der Schriftenreihe wird bei sozialwissenschaftlichen Arbeiten
zu Gegenwartsfragen ost-, ostmittel- und südosteuropäischer Gesellschaften
liegen. Großes Interesse gilt international vergleichenden Untersuchungen wie
auch historisch ausgerichteten Arbeiten. Besonderes Anliegen ist dabei, in der
in den letzten Jahren stark expandierenden Osteuropaforschung die gegenüber
anderen disziplinären Gesichtspunkten immer noch deutlich vernachlässigte
soziologische Betrachtungsperspektive besser zur Geltung zu bringen.
Als erster Band der Schriftenreihe wird Ende 1996, herausgegeben von Anton
Sterbling und Heinz Zipprian, der Tagungsband "Max Weber und
Osteuropa" erscheinen.
Tagungen der Sektion
Die heutige Sektion "Ost- und Ostmitteleuropa-Soziologie" der
Deutschen Gesellschaft für Soziologie wurde auf dem 25. Deutschen Soziologentag
in Frankfurt a.M. 1990 mit einer ad-hoc-Veranstaltung zum Thema
"Osteuropa" begründet. Angesichts der massiven Erklärungsprobleme
der Sozialwissenschaften gegenüber den Umbrüchen in Osteuropa sollte die
Notwendigkeit einer der Spezifik dieses Untersuchungsfeldes angepaßten
soziologischen Analyse als soziologischer Zweigdisziplin deutlich gemacht
werden. In den Jahren 1991-1994 etablierte sich die "Ost- und
Ostmitteleuropa-Soziologie" mit jährlichen Tagungen zu den verschiedensten
Aspekten einer Soziologie des Postkommunismus zu einer ständigen Arbeitsgruppe
innerhalb der DGS. In Anerkennung dieser Tätigkeit stimmten das Konzil und der
Vorstand der DGS im Herbst 1994 schließlich dem Antrag auf Umwandlung der
Arbeitsgruppe in eine Sektion "Ost- und Ostmitteleuropa-Soziologie"
der DGS zu. Damit wurden günstige Voraussetzungen für den weiteren
kontinuierlichen Gedankenaustausch und die wissenschaftliche Kooperation der auf
dem Gebiet der Ost- und Ostmitteleuropaforschung arbeitenden Soziologen
geschaffen. 1995 fand in Miskolc/Ungarn erstmals eine Jahrestagung der Sektion
vor Ort statt. Ziel dieses gelungenen Unterfangens war es, einerseits
Gelegenheit zu geben, die theoretischen Erklärungsversuche dessen, was in
Osteuropa vor sich geht, durch praktische Einsichten zu ergänzen. Andererseits
sollten auf diese Weise osteuropäische Soziologen die Möglichkeit erhalten,
ihre Versuche der "Selbstaufklärung" zur Diskussion zu stellen. Damit
wurde eine Tradition begründet, die in den nächsten Jahren fortgesetzt werden
soll. Auf der diesjährigen Sektionsveranstaltung auf dem 28. Kongreß der DGS
in Dresden gibt es übrigens ein Jubiläum zu feiern: sie ist die 10. eigene
Tagung seit der Gründung als ad-hoc-Gruppe. Bisher fanden folgende Tagungen
statt:
12.10.1990, 25. Deutscher Soziologentag in Frankfurt a.M., als ad-hoc-Gruppe
zum Thema "Osteuropa"
4.-5.4.1991, TU Berlin, als Arbeitsgruppe "Ost- und
Ostmitteleuropa-Soziologie" der DGS zum Thema "Soziologie
Ost-Mittel-Europas"
11.-14.5.1992, Akademie für politische Bildung in Tutzing, "Das
vereinte Deutschland und ein Europa im Wandel"
30.9.-2.10.1992, 26. Deutscher Soziologentag in Düsseldorf, "Ost- und
Ostmitteleuropa-Soziologie - Berichte aus laufenden Forschungsarbeiten"
27.-30.9.1993, Universität Leipzig, "Zu einer Soziologie des
Postkommunismus - Kritik, Theorie, Methodologie"
1.-4.4.1994, Akademie für politische Bildung in Tutzing, "Soziologie
und Geschichte - Geschichte der Soziologie. Beiträge zur
Osteuropaforschung"
7.4.1995, 27. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in
Halle/S., als Sektion "Ost- und Ostmitteleuropa-Soziologie" der
Deutschen Gesellschaft für Soziologie zum Thema "Umbruch in
Ost-Mittel-Europa"
18.-21.9.1995, Universität Miskolc/Ungarn, "Zusammenbruch des
Sowjetsystems - Herausforderung für die Soziologie"
29.4.-2.5.1996, Akademie für politische Bildung in Tutzing, "Max Weber
und Osteuropa"
10.10.1996, 28. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in
Dresden, "Differenzierung und Integration in Ost- und Ostmitteleuropa"
Zu den nächsten Vorhaben der Sektion zählen folgende Tagungen:
16.-19.5.1997, in Zusammenarbeit mit dem Institut für Soziologie und
Philosophie der Polnischen Akademie der Wissenschaften im Schloß Jabona bei
Warschau/Polen, "Ethnicity and National Culture"
1998 zum Rahmenthema "Politische Kultur" in Prag/Tschechische
Republik
Tagungsbericht
Tagung der Sektion Ost- und Ostmitteleuropa-Soziologie der Deutschen
Gesellschaft für Soziologie, Tutzing, Akademie für Politische Bildung,
29.4.-2.5. 1996:
MAX WEBER UND OSTEUROPA
Dem Titel ist die Spezifik des Tagungsprogramms zu entnehmen: weder auf
Webers Aussagen über Osteuropa noch auf die Rezeption der Schriften
Webers in Osteuropa war das Interesse fokussiert. Hingegen wurde die
Frage in das Zentrum gerückt, ob die Überlegungen Max Webers zum
wissenschaftlichen Kommentar der aktuellen Entwicklungen in Ost- und
Ostmitteleuropa beitragen können. Und wenn ja, wie.
Zuallererst ist zu vermerken, daß diese kleine Tagung (um die 20 Teilnehmer)
vor allem deshalb ausgezeichnet war, weil, trotz des sehr heterogenen Kreises
von Diskutanten und deren unterschiedlichem wissenschaftlichen
Erfahrungshintergrund, eine demokratische Diskussion zustande kam. Dies
bedeutet vor allem, daß man einander ernsthaft zuhörte. Es war nicht so, daß
die westliche Seite die Theorie für sich reklamierte und die östlichen
Soziologen ein wenig zur Belebung der Diskussion durch Analysen der osteuropäischen
Entwicklungen beitragen durften. Sehr wesentlich ist dies Bálint Balla
(Berlin), Heinz Zipprian (Berlin) und Anton Sterbling (Hamburg), den
Organisatoren der Veranstaltung, zu verdanken. Doch auch einige Teilnehmer, vor
allem Ilja Srubar (Erlangen), Guenter Roth (New York), Frank Ettrich (Erfurt)
und Nikolai Genov (Sofia) stellten mit ihren Fragen und Kommentaren Verständigungsbrücken
zwischen sehr verschiedenartigen Auffassungen darüber her, was die Beziehung
von Weber zu Osteuropa an wissenschaftlicher Tiefe zu bieten habe.
Das Spektrum der Beiträge reichte von der Diskussion der Anwendbarkeit der
Protestantismus-These (Katrin Mattusch, Berlin und Zdzislaw Krasnodebski,
Bremen) über konzeptionelle (G. Roth; H. Zipprian; F. Ettrich) und
theoriegeschichtliche Fragestellungen (I. Srubar) bis hin zur
Rezeptionsgeschichte Webers in Osteuropa (Rudolf Poledna, Klausenburg; József Sáad,
Budapest). Johannes Weiß (Kassel) diskutierte die russische Weber-Rezeption der
letzten Jahre, interessant waren die Hinweise auf die ideologische Vereinnahmung
Webers im Kontext der Selbstbesinnung der russischen Intellektuellen. Schließlich
bildeten Fragestellungen der direkten Konfrontation der gegenwärtigen osteuropäischen
Entwicklung und traditioneller soziologischer Begriffswelten einen weiteren
Schwerpunkt. Larissa Lissjutkina (Moskau/Köln) sprach über die Typologie der
`neuen' Russen; N. Genov zum Zusammenhang von Transformation und
Rationalisierung und Andrei Roth (Klausenburg) über den Zusammenhang von
staatlicher Bürokratie und der neuen Elite in Rumänien. Die Darstellung des
Lebensstils der `neuen Russen' und ihrer Stellung in der russischen Gesellschaft
durch Lissjutkina führte auf die Ausgangsfrage von Mattusch und Krasnodebski
zurück, welche Weltbilder wohl dem Handeln dieser Menschen zugrunde liegen könnten.
Zwei Vorträge standen gleichsam für sich: A. Sterbling dachte über das
"Dauerdilemma der Intellektuellen zwischen Ost und West" nach, er
konnte hier an Weiß anknüpfen. Hartmann Tyrell (Bielefeld) referierte über
den Einfluß der russischen Literatur - Tolstoi, Dostojewski - auf Max Weber.
Einige Fragestellungen zogen sich durch die gesamte Tagung. Zentral war die
Frage, mit welcher Theorie sich die gegenwärtigen Umbruchsprozesse beschreiben
lassen. Dazu kommentierte G. Roth, ob denn die Unterscheidung in moderne und
traditionelle Gesellschaften heute generell noch greife und nicht die westlichen
Gesellschaften auch längst eine Vielfalt von Lagerungen darstellen. Dieser
Diskussionsansatz wurde von Ettrich, Genov, Zipprian und A. Roth hinsichtlich
transformationssoziologischer Fragestellungen weitergesponnen. Auch von G. Roth
wurde die Frage aufgeworfen, ob es nicht zu naheliegend und damit etwas zu
kurzgreifend auf schnelle Erklärungen gerichtet wäre, gerade die Webersche
Protestantismus-These bezüglich Osteuropas anzuwenden; zumal diese These im
Weberschen Werk eine höchst hypothetische darstellt, was heute gerne übersehen
wird.
Die Tagungsbeiträge werden im ersten Band der Schriftenreihe "Beiträge
zur Osteuropa-Forschung" der Sektion "Ost- und
Ostmitteleuropa-Soziologie" beim Krämer Verlag Hamburg veröffentlicht. Für
Interessierte an Fragen der soziologischen Theorie und aktueller
Entwicklungsprozesse gleichermaßen eine Empfehlung!
(Dr. Vera Sparschuh, Humboldt-Universität zu Berlin, Lehrstuhl Innenpolitik
der Bundesrepublik Deutschland)
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