Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung

  • Sie sind hier:
  • CEWS
  • News & Events

Aktueller BuWiN-Bericht erschienen - Schwerpunkt: Vereinbarkeit von Familie und akademischer Karriere

| Kategorien: Wissenschaftspolitik, Vereinbarkeit, Geschlechterverhältnisse, Hochschulen, Hochschulforschung, Karriereentwicklung, Außerhochschulische Forschung, Wissenschaft Aktuell

Die Zahl der wissenschaftlichen Nachwuchskräfte an deutschen Hochschulen ist in den letzten Jahren besonders stark gewachsen. Waren im Jahr 2000 noch rund 82.400 Nachwuchswissenschaftler hauptberuflich als wissenschaftliches und künstlerisches Personal an Hochschulen beschäftigt, lag die Zahl im Jahr 2014 bei fast 145.000 - ein Plus von 76 Prozent. Dazu zählen beispielsweise Promovierende und Promovierte, zum Beispiel als wissenschaftliche Mitarbeiter an Lehrstühlen. Das geht aus dem dritten Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs (BuWiN) hervor, den Bundesforschungsministerin Johanna Wanka am 16. Februar 2017 gemeinsam mit der brandenburgischen Forschungsministerin Martina Münch für die Länderseite in Empfang genommen hat.

Der Bericht über den Status Quo des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland wird alle vier Jahre von einem unabhängigen wissenschaftlichen Konsortium erstellt.

"Der wissenschaftliche Nachwuchs in Deutschland ist eine unverzichtbare Größe unserer Wissensgesellschaft, die hochqualifizierte Arbeitskräfte und Innovationsgeist braucht. Investitionen in den wissenschaftlichen Nachwuchs zahlen sich aus. Deshalb hat die Bundesregierung jüngst gleich drei Initiativen zugunsten junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf den Weg gebracht: Mit dem Tenure-Track-Programm von Bund und Ländern schaffen wir transparentere und besser planbare Karrierewege. Fehlentwicklungen in der Befristungspraxis sind wir mit einer Reform des Wissenschaftszeitvertrages entgegen getreten. Und weil uns bis heute verlässliche Daten zum Beispiel über Abbruch- und Erfolgsquoten Promovierender oder ihre Karriereverläufe fehlen, haben wir auch das Hochschulstatistikgesetz reformiert. Nur wenn wir noch genauer über die Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses Bescheid wissen, können wir ihn noch wirksamer fördern", sagte Bundesforschungsministerin Wanka.

Laut dem Bericht werden Promovierende an den Hochschulen immer professioneller unterstützt. So ist die Zahl der institutionell verankerten hochschulweiten Organisationseinheiten an den Hochschulen gestiegen, die der Qualitätssicherung der Promotion und der Vernetzung verschiedener Nachwuchsförderprogramme und -maßnahmen dienen sollen. Zur Promotionsförderung gab es an den 69 vom Konsortium befragten Hochschulen bereits 90 solcher Dachstrukturen. Ein weiterer Befund ist, dass Promovierende inzwischen in der Regel von mehreren Personen betreut werden.

Das Schwerpunktkapitel des Berichts behandelt das Thema Vereinbarkeit von Familie und akademischer Karriere. Dem BuWiN zufolge wünschen sich die meisten Nachwuchswissenschaftlerinnen und - wissenschaftler Kinder. Die geringe Planbarkeit und die finanzielle Unsicherheit einer akademischen Karriere würden dies aber erschweren.

"Der Befund zeigt, dass wir mit dem Tenure-Track-Programm an der richtigen Stellschraube ansetzen. Zudem brauchen wir bessere Daten zum Thema Vereinbarkeit von Familie und akademischer Karriere. Baden-Württemberg macht es vor: Dort werden in Zukunft umfangreiche Promotionsdaten einheitlich erfasst, so dass man endlich weiß, wie es um die Promotionsphase steht. Es wäre wünschenswert, wenn dieses Beispiel Nachahmer fände", so Wanka.

Bitte beachten Sie die folgenden wichtigen Ergebnisse zum Thema Chancengerechtigkeit und Vereinbarkeit von Familie und akademischer Karriere:

Chancengerechtigkeit: "In der öffentlichen Diskussion wird das Thema Chancengerechtigkeit in erster Linie unter dem Aspekt der Geschlechtergerechtigkeit betrachtet. Im Fokus steht insbesondere die Tatsache, dass der Frauenanteil in der Wissenschaft mit fortschreitender Karrierestufe abnimmt. Diese Tatsache wird in der Regel so interpretiert, dass Frauen nach wie vor nicht über dieselben Zugangschancen auf eine Professur verfügen wie Männer. Andere Gesichtspunkte von Chancengerechtigkeit wie die mögliche Diskriminierung aufgrund ethnischer, sozialer oder regionaler Herkunft, sexueller Neigung, Alter, Krankheit oder Behinderung werden eher selten thematisiert." (S.5)

Vereinbarkeit von Familie und akademischer Karriere: "Die Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Familie und akademischer Karriere (s. Teil C) werden in der Öffentlichkeit insbesondere unter zwei Aspekten diskutiert: erstens als Folge der unsicheren Perspektive einer akademischen Karriere sowie der beschriebenen Arbeits-und Beschäftigungsbedingungen an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die sich, so wird angenommen, ganz generell nur schwer mit der Entscheidung für und Betreuung von Kinder(n) vereinbaren lassen, und zweitens im Rahmen der oben bereits skizzierten Diskussion um die Benachteiligung von Wissenschaftlerinnen. Dabei wird angenommen, dass Frauen mit fortschreitender Karriere – aufgrund gewünschter oder realisierter Familiengründung – eher aus dem Hochschul- und außeruniversitären Forschungssektor ausscheiden als ihre männlichen Kollegen und zudem öfter kinder- und partnerlos bleiben, sofern sie weiterhineine akademische Karriere verfolgen." (S.6, S. 20-23)

Weitere Ergebnisse:

Abnehmender Frauenanteil mit steigenden Qualifizierungs- und Karrierestufen: "Bezüglich der Frauenanteile zeigt sich – mit einigen Ausnahmen – eine abnehmende Tendenz nach fortschreitender Qualifizierungs- und Karrierestufe. Ferner sind Unterschiede bezüglich der Frauenanteile zwischen den Fächergruppen erkennbar (Tab. 3)." (S.9)

Kaum Unterschiede beim Befristungsanteil zwischen Fächergruppen und zwischen den Geschlechtern: "Die Befristungsanteile der Fächergruppen unterscheiden sich nur geringfügig voneinander. Ferner sind sowohl an außeruniversitären Forschungseinrichtungen als auch an Hochschulen Nachwuchswissenschaftlerinnen nicht häufiger befristet beschäftigt als ihre männlichen Kollegen (Abb. 2 und Abb. 3)." (S.9)

Frauen öfter in Teilzeit tätig: "Frauen sind in allen Fächergruppen durchweg öfter in Teilzeit tätig als Männer. Insgesamt arbeiten Nachwuchswissenschaftlerinnen an außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu 56% in Vollzeit, ihre männlichen Kollegen hingegen zu 71%. An den Hochschulen sind 68% der Nachwuchswissenschaftler, aber nur 54% der Nachwuchswissenschaftlerinnen in Vollzeit tätig." (S.11)

Promotionsquoten variieren nach Fächergruppen: "Der Stellenwert und die Häufigkeit einer Promotion unterscheiden sich – teilweise deutlich – nach Fächergruppen...Die Aufschlüsselung der Promotionsquote nach Geschlecht zeigt, dass Frauen in fast allen Fächergruppen etwas seltener promovieren als Männer." (S.14)

Wissenschaftlicher Nachwuchs profitiert finanziell von der Promotion: "Promovierte Beschäftigte erhalten im Schnitt ein höheres Gehalt als beschäftigte Hochschulabsolventinnen und -absolventen ohne Promotion. Dieses Resultat wird durch mehrere Befragungen und Verbleibstudien belegt. Einkommensvorteile durch Promotionen fallen bei Frauen um 8 bis 9% niedriger aus als bei Männern." (S. 19)

Der BuWiN 2017 liefert Daten und aktuelle Forschungsbefunde zu Qualifikations- und Karrierewegen sowie zu beruflichen Perspektiven Promovierender und Promovierter in Deutschland. Das Wissenschaftliche Konsortium des BuWiN 2017 setzt sich zusammen aus dem - federführenden - Institut für Innovation und Technik (iit) in der VDI/VDE Innovation und Technik GmbH, dem Bayerischen Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung (IHF), dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), dem Institut für Hochschulforschung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (HoF), dem International Centre for Higher Education Research (INCHER) und dem Statistischem Bundesamt. Das Konsortium wurde von einem Wissenschaftlichen Beirat unter dem Vorsitz von Herrn Prof. Dr. Karl Ulrich Mayer beraten.

Quelle: PM-BMBF, 16.02.2017

Weitere Informationen:

https://www.bmbf.de/de/wissenschaftlicher-nachwuchs-3583.html

http://www.buwin.de

Pressestimmen:

Bundesbericht: Unsicher und kinderlos - Juniorforscher leben prekär
Doktoranden, wissenschaftliche Mitarbeiter, Junior-Professoren: Ein Regierungsbericht beleuchtet die Situation junger Akademiker. Ihre Lage ist oft schwierig, an Familiengründung kaum zu denken.

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/nachwuchs-wissenschaftler-in-deutschland-unsicher-und-kinderlos-a-1134894.html

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW): Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2017 unter der Lupe

https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/bundesbericht-wissenschaftlicher-nachwuchs-2017-unter-der-lupe/

GEW schlägt Runden Tisch „Gute Arbeit in der Wissenschaft“ vor

https://www.gew.de/presse/pressemitteilungen/detailseite/neuigkeiten/gew-schlaegt-runden-tisch-gute-arbeit-in-der-wissenschaft-vor/

Kategorien: Wissenschaftspolitik, Vereinbarkeit, Geschlechterverhältnisse, Hochschulen, Hochschulforschung, Karriereentwicklung, Außerhochschulische Forschung, Wissenschaft Aktuell