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Soziale Indikatoren auf Kongressen
Sitzung der Sektion Sozialindikatoren auf dem 30. Kongress der Deutschen, Gesellschaft für Soziologie
in Köln und Veranstaltung zum Thema Indikatorkonstruktion auf der 'Fifth International Conference on Social Science Methodology'
des RC28
Ende September und Anfang Oktober fanden an der Universität zu Köln der 30. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie und die „Fifth International Conference on Social Science Methodology“ statt. Auf beiden Konferenzen war die Sozialindikatorenforschung mit Veranstaltungen vertreten.
Der 30. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie stand unter dem Motto „gute Gesellschaft?“ Zur Konstruktion sozialer Ordnungen. Die Sektion Sozialindikatoren der DGS organisierte in diesem Rahmen eine Veranstaltung zum Thema „Lebensqualität, Nachhaltigkeit, Integration: Messkonzepte und Indikatoren für eine „gute Gesellschaft“. Im Vordergrund stand hier also die Frage wie drei zentrale Konzepte einer „guten Gesellschaft“ mithilfe von Indikatoren operationalsiert und einer empirischen Beobachtung und Analyse zugänglich gemacht werden können. Die insgesamt sieben Vorträge befassten sich mit unterschiedlichen Aspekten dieser Thematik. Christian Suter (Zürich) stellte zunächst den kürzlich erschienenen schweizerischen Sozialbericht vor (vgl. die Besprechung in diesem Heft) und präsentierte auf dieser Informationsgrundlage Befunde zum Wandel von Lebensqualität, nachhaltiger Entwicklung und gesellschaftlicher Integration in der Schweiz. Regina Berger-Schmitt (Mannheim) diskutierte das Verhältnis von Lebensqualität und Nachhaltigkeit und präsentierte Operationalisierungsvorschläge und Indikatoren sowie entsprechende Zeitreihendaten für eine Reihe von europäischen Ländern. Bernhard Ebbinghaus (Köln) befasste sich mit der gesellschaftlichen Integration der Gewerkschaften in Europa und stellte vergleichende Indikatoren zur Organisations- und Mitgliederentwicklung vor. Jürgen Schupp (Berlin) warf die Frage auf, woran eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration zu messen sei und diskutierte Indikatoren für prekäre Beschäftigung. Stephan Ganter (Mannheim) beschäftigte sich mit einem anderen Aspekt gesellschaftlicher Integration – der gesellschaftspolitisch brisanten Frage der Integration von Ausländern - und problematisierte in seinem Vortrag die Eignung herkömmlicher Indikatoren zur Messung interethnischer Beziehungen. Stefan Weick (Mannheim) präsentierte – ebenfalls zu diesem wichtigen gesellschaftlichen Thema - Analysen zur Integration von Zuwanderern in Deutschland und Laszlo Vaskovics (Bamberg) stellte schließlich Konzepte und Indikatoren vor, die geeignet sind, die Familienverträglichkeit politischer Maßnahmen zu beurteilen. Die Veranstaltung war gut besucht und das Interesse an den Vorträgen kam in den lebhaften Diskussionen zum Ausdruck.
Die „Fifth International Conference on Social Science Methodology“ war eine Veranstaltung des Research Committee 33 der International Sociological Association. Mit der Organisation von insgesamt vier Veranstaltungen zum Thema „Index-Construction: Methods of Aggregating Indicators of Social and Economic Well-Being“ wurde dem vor allem im internationalen Rahmen zunehmenden Interesse an Fragen der Aggregation und Verdichtung von Informationen Rechnung getragen. Gefordert werden entsprechende Instrumente von den verschiedensten Informationsnutzern, nicht zuletzt auch aus dem Bereich der Politik. Die insgesamt 14 Vorträge von Referenten aus acht Ländern präsentierten Vorschläge für aggregierte Wohlfahrtsindices und diskutierten verschiedene methodische Probleme der Konstruktion und Applikation von derartigen Maßen für die Beobachtung gesellschaftlicher Entwicklungen. Unter den präsentierten Vorschlägen waren sowohl aggregatdatenbasierte als auch mikrodatenbasierte Ansätze. Die Anwendungsbeispiele reichten von der Untersuchung regionaler Disparitäten, über die Armutsmessung bis zur Messung nachhaltiger Entwicklung und der Beobachtung sozialen Fortschritts in Hongkong. Die überwiegend sehr gut besuchten Veranstaltungen, dokumentierten einerseits das große Interesse an den aufgeworfenen Fragen, sie machten aber auch auf viele noch ungelöste methodische Probleme aufmerksam, die sich bei der Konstruktion geeigneter „composite“ Indices stellen. Man darf gespannt sein, wie sich dieses Forschungsfeld weiter entwickelt und zu welchen Ergebnissen die zahlreichen aktuellen Arbeiten auf diesem Gebiet führen. Die präsentierten Papers stehen auf der folgenden website teilweise zum
Download zur Verfügung.
Heinz-Herbert Noll
(Veröffentlicht in ISI
Nr. 25, 2001: S. 8)
© GESIS Heinz-Herbert Noll 22.01.2002
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