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Plenarveranstaltung der Sektionen „Soziale Indikatoren“ und
„Medizin- und Gesundheitssoziologie“ auf dem 32. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie

Call for Papers

Gesundheit, Lebensstile und Ungleichheit:
Indikatoren und Analysen im Kontext politischer Diskussionen

Prof. Dr. Johann Behrens und Dr. Heinz-Herbert Noll

Für die allgemeine soziologische Diskussion des Zusammenhangs sozialer Ungleichheit und kultureller Unterschiede ist der Bereich "Gesundheit" von exemplarischer Bedeutung: Wie in keinem anderen Bereich finden hier Gleichheitsziele und –normen weitgehende Anerkennung. Für nahezu alle modernen Ge­sellschaften gilt die – wenn auch oft kontrafaktische - Norm, dass die Versorgung mit medizinisch notwendigen Gütern und Diensten sich nicht nach Klassen- oder sonstiger Gruppenzugehörigkeit und Kaufkraft, sondern aus­schließlich nach Bedürftigkeit richten soll. Ungleichheit in der Versorgung mit dem medizi­nisch Nötigen ist – wie auch die aktuelle politische Debatte dokumentiert – nur schwer zu legitimieren und Unterschiede in Lebenserwartung und Gesundheitszustand gelten in den wohlhabenden und demokratischen Gesellschaften vielfach sogar als Skandal, soweit sie auf die ungleiche Erreichbarkeit präventiver, rehabilitativer, kurativer und pflegerischer Versorgung zurückgehen.

Zum anderen ist aber auch die soziologische Diskussion über die in modernen Gesellschaften von den Individuen selbstgewählten und zu verantwortenden Lebensstile gerade im Gesundheitsbereich von besonderer Relevanz. Lebensstilelemente, wie z.B. Rauchen und Alkoholkonsum, Ernährungsverhalten und sportliche Betätigung, werden nicht nur häufig als Erklärung für differentielle Morbidität und Mortalität in Anspruch genommen, sondern spielen auch in der politischen Diskussion über eine Neugestaltung der Gesundheitsversorgungssysteme („größere Eigenverantwortung“ und „Selbstbeteiligung“) eine zunehmend wichtige Rolle.

Das von den Sektionen "Soziale Indikatoren" und "Medizin- und Gesundheitssoziologie" organisierte Plenum soll ein Forum bieten, Fragen der Soziologie sozialer Ungleichheit im Bereich der Gesundheit und der Gesundheitsversorgung in ihren verschiedenen Dimensionen zu erörtern und in ihren politischen Konsequenzen zu diskutieren. Theoretische, konzep­tuelle und indikatorengestützte empirische Analysen zu klassen-, schicht-, regions-, kohorten- und geschlechtsspezifischer sowie ethnischer Ungleichheit in Gesundheitszustand oder Lebenserwartung und ihre soziologische Erklärung sind besonders erwünscht. Das gilt ebenfalls für Beiträge, die derartige Ungleichheiten als Gegenstand der Selbstbeobachtung der Gesellschaft thematisieren und in ihren politischen Konsequenzen, etwa im Hinblick auf die Generationengerechtigkeit in der Versorgung oder die Lastenverteilung innerhalb der sozialstaatlichen Ordnung, untersuchen. Von besonderem Interesse sind nicht zuletzt auch Analysen zu den distributiven Konsequenzen der sich abzeichnenden gesundheitspolitischen Reformen.

Vortragsangebote für diese Veranstaltung richten Sie bitte bis zum 15. März 2004 (Thema und 1-3 seitiges Exposé) an die für diese Veranstaltung benannten Juroren Prof. Dr. Klaus Hurrelmann (Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Postfach 10 01 31, 33501 Biele­feld; Tel.: 0521/106-3834; Fax: 0521/106-6433; e-mail: klaus.hurrelmann[at]uni-bielefeld.de) und Dr. Heinz-Herbert Noll (GESIS-ZUMA, Postfach 122155, 68072 Mannheim, Tel.: 0621-1246-241, Fax: 0621-1246-100, e-mail: heinz-herbert.noll[at]gesis.org).

 


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© GESIS Heinz-Herbert Noll 14.01.2004