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Indikatoren einer nachhaltigen Entwicklung

World-Wide-Web-Ressourcen zum Konzept der nachhaltigen Entwicklung / Sustainable Development

Einleitung zum ZUMA-Workshop "Indikatoren einer nachhaltigen Entwicklung"

ZUMA-Workshop, Mannheim, 2. und 3. Dezember 1997

Von der Abteilung Soziale Indikatoren wurde am 2. und 3. Dezember ein Workshop zum Thema "Indikatoren einer nachhaltigen Entwicklung" durchgeführt, der von H.-H. Noll organisiert wurde und an dem ca. 50 Personen teilgenommen haben. Das Konzept des "sustainable developments" oder der "nachhaltigen Entwicklung" ist aus der aktuellen Diskussion um Ziele der gesellschaftlichen Entwicklung nicht mehr wegzudenken. Während es durchaus einen Konsens in den langfristigen Zielen einer nachhaltigen Entwicklung gibt, so ist die Operationalisierung dieses Konzepts und die Auswahl angemessener Indikatoren noch umstritten. Derzeit wird auf den verschiedensten Ebenen und von unterschiedlichen Institutionen und Akteuren an der Konkretisierung dieses Ziels der Nachhaltigkeit gearbeitet. Dieser Workshop bot sowohl denjenigen, die derzeit bereits an Konzepten arbeiten, als auch "Einsteigern" auf dem Gebiet die Gelegenheit, über die einzelnen Dimensionen und das Verständnis von nachhaltiger Entwicklung zu diskutieren. Es wurde in den Beiträgen ein breites Spektrum von Ansätzen vorgestellt, das von den international vergleichenden Studien bis hin zu regionalen und kommunalen Konzepten reichte.
Die grundlegenden und umfassenden Entwürfe zum Konzept der Nachhaltigkeit standen zu Beginn des Workshops im Vordergrund. In der Einleitung gab H.-H. Noll einen Überblick über die Diskussion um den Begriff Nachhaltigkeit, sowie dessen Relevanz für die Sozialberichterstattung. Ch. Ratte (Bundesumweltministerium, Bonn) stellte in ihrem Vortrag "Indicators of Sustainable Development" die Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland an der Pilotphase des Indikatorenprogramms der UN Commission on Sustainable Development (CSD) vor.
D. Schäfer (Statistisches Bundesamt, Wiesbaden) stellte in seinem Vortrag "Beobachtung einer nachhaltigen Entwicklung im Rahmen der umweltökonomischen Gesamtrechnung"vor, wie im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und weiterer Informationen des Statistischen Bundesamtes auch Aspekte einer nachhaltigen Entwicklung verfolgt werden können. J. Jesinghaus (EUROSTAT, Luxemburg) stellte in seinem Vortrag "Umweltbelastungsindizes und das Grüne Sozialprodukt" die Europäische Dimension vor. Er präsentierte eine Auswahl von Indikatoren, die mit Hilfe einer Expertenbefragung gesammelt wurden, und wies darauf hin, daß bei der Indikatorenentwicklung der Engpaß nicht in der intellektuellen Kapazität der Indikatorexperten läge, sondern in der Verfügbarkeit verläßlicher statistischer Daten.
Zu Beginn des zweiten Tages standen regionale und kommunale Ansätze zur nachhaltigen Entwicklung im Vordergrund. H. Diefenbacher und V. Teichert (Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft, Heidelberg) berichteten von einem Projekt, in dem unter dem Titel "Nachhaltige Entwicklung im regionalen Bereich - ein System von ökologischen, ökonomischen und sozialen Indikatoren" beispielhaft für den Rhein-Neckar-Kreis ein Indikatorensystem entwickelt wurde. Die drei "Zauberscheiben der Nachhaltigkeit" (Umwelt, Wirtschaft, Gesellschaft/Soziales) sind in jeweils sechs Teilbereiche untergliedert, für die wiederum je drei Indikatoren ausgewählt wurden. Somit entsteht ein Indikatorensystem von 54 Indikatoren, zu denen noch sechs regionsspezifische Indikatoren kommen.
G. Pfister (Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg) stellte "Indikatoren einer nachhaltigen Entwicklung in Baden-Württemberg" vor, und zwar in einem Indikatorensystem, das sich auf die ökologischen Aspekte auf Landesebene konzentriert. Ein Schwerpunkt in diesem Entwurf ist, die Forderung nach der praktischen Anwendbarkeit des wissenschaftlichen Konzepts zu erfüllen, indem die Indikatoren drie Funktionen erfüllen müssen: Planungsfunktion, Kontrollfunktion und Kommunikationsfunktion.
J. Göddecke-Stellmann (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung (BfLR), Bonn) berichtete von dem Forschungsfeld "Städte der Zukunft", in dem im Rahmen des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus im Auftrag des Bundesministeriums für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau versucht wird, nachhaltige Entwicklung auch in der kommunalen Planung zu verwirklichen. Es wurden dazu in der Bundesrepublik vier Modellstädte ausgewählt (Münster, Heidelberg, Güstrow und Dessau), die sich verpflichtet haben, bis zum Jahr 2000, in den zentralen Bereichen "Haushälterisches Bodenmanagement", "Vorsorgender Umweltschutz", "Stadtverträgliche Mobilitätssteuerung", "Sozialverantwortliche Wohnungsversorgung" und "Standortsichernde Wirtschaftsförderung" den Leitlinien einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu folgen.
E. Seifert (Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie) berichtete von den "ISO (International Standardisation Organisation) Environmental Performance Indicators und dem Micro-Macro-Link". Die ISO bemüht sich um internationale Normierungen, die besonders den Umweltmanagementbereich betreffen. In einem weiteren Projekt ist die Entwicklung von Standards für betriebliche Informationssysteme zur Verknüpfung von Ökonomie und Ökologie vorgesehen. Besonderes Augenmerk gilt dabei dem "Micro-Macro-Link", also der Verknüpfung von betrieblicher (micro) mit nationaler (macro) Ebene. C. Kramer (ZUMA) gab einen Überblick über "Subjektive Indikatoren zur Wahrnehmung und Bewertung der Umwelt". Sie stellte die verschiedenen Dimensionen subjektiver Indikatoren vor, die in internationalen und nationalen Umfragen erhoben werden. Obwohl derezit subjektive Indikatoren in der Nachhaltigkeitsdiskussion noch selten Berücksichtigung finden, wurde deutlich, daß die verschiedenen Dimensionen subjektiver Indikatoren (z.B. Wahrnehmung der Umweltqualität, Bereitschaft, für die Umwelt auf bestimmte Dinge zu verzichten usw.) in stärkerem Maße als bisher beachtet werden sollten, wenn Nachhaltigkeit als ein politisches und nicht nur als ein rein wissenschaftliches Konzept verstanden werden soll.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, daß die Diskussion des Begriffes Nachhaltigkeit noch sehr verschiedene Facetten besitzt. So groß der Konsens in einer grundsätzlichen Unterstützung eines "sustainable developments" auch sein mag, so groß sind auch die Unterschiede in den Konzepten zur Realisierung. Die Beiträge und Anregungen in den Diskussionen haben gezeigt, daß der Austausch unter den Akteuren, die an Konzepten zur Nachhlatigkeit arbeiten, dringend erforderlich und ausgesprochen produktiv ist.


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© GESIS Caroline Kramer 25.06.1999