|
Indikatoren einer 'nachhaltigen Entwicklung'"
Workshop der ZUMA-Abteilung Soziale Indikatoren
Mannheim, 2. und 3. Dezember 1997
Einleitung
Heinz-Herbert Noll
_____________________________________________________
Ich verbinde im Wesentlichen zwei Ziele mit diesem Workshop: Das eine ist,
verschiedene Ansätze und Projekte der Entwicklung von Indikatoren einer
nachhaltigen Entwicklung vorzustellen und Ihnen bzw. uns allen damit einen Überblick
über den aktuellen Diskussionsstand auf diesem Gebiet zumindest im
deutschen Bereich zu geben. Das zweite, nicht ganz uneigennützige Ziel
besteht darin, die Diskussion über sustainability indicators nicht
unbedingt in die Sozialindikatorenforschung zu integrieren, aber doch etwas näher
an sie heranzuführen oder zumindest in Kontakt zu bringen. Mein Eindruck
ist, daß alle Beteiligten davon profitieren könnten. Die Diskussion über
die Entwicklung von sustainability indicators" könnte meines
Erachtens - methodisch wie auch inhaltlich - manches aus den Erfahrungen der
Sozialindikatorenforschung lernen, und für die Sozialindikatorenforschung könnte
eine intensivere Beschäftigung mit dem Thema der nachhaltigen Entwicklung
neue Anstöße und Anregungen vermitteln. Daß eine entsprechende
Diskussion und Kontaktaufnahme nun langsam in Gang zu kommen scheint, zeigt
nicht nur diese Veranstaltung, sondern z.B. auch die Tatsache, daß Social
Indicators Research" - die wichtigste Zeitschrift auf diesem Gebiet - in
diesem Jahr dem Thema Sustainability and Human Well-Being" (Schrecker
1997) immerhin ein Doppelheft gewidmet hat.
Dieser Workshop ist natürlich nicht die erste Veranstaltung, die sich
mit dem Thema sustainability indicators" beschäftigt. Es hat
dazu bereits eine Vielzahl von Tagungen, und Konferenzen gegeben, wie z.B. vor
fast genau 2 Jahren in Wuppertal den internationalen SCOPE-Workshop (Scientific
Workshop on Indicators of Sustainable Development"). Es gibt zu diesem
Thema zudem eine schon langsam unüberschaubar werdene Flut von
Publikationen und eine Vielzahl von unterschiedlichen Ansätzen auf den
verschiedensten Ebenen und aus den verschiedensten Disziplinen. Einen kleinen
Eindruck davon vermittelt bereits die Zusammenstellung von Internetquellen zu
unserem Thema, die Sie in Ihrer Tagungsmappe finden [ Vgl dazu auch auf die
Internetseite der ZUMA -
Abteilung Soziale
Indikatoren] . Dennoch scheint mir, daß die Diskussion genauer
betrachtet noch weitgehend am Anfang steht und einerseits durchaus noch gute und
kreative Ideen benötigt werden, es aber andererseits vor allem auch Bedarf
nach einer Konzentration, Konsensbildung und Zusammenführung der vielen
teils disparaten Ansätze und Vorschläge gibt.
Bisher gibt es noch nicht einmal - und dies ist sicher ein Indikator für
die Jugendlichkeit der Diskussion - eine einheitliche Verwendung des Begriffes
sustainable development im Deutschen: Hier ist die Rede von nachhaltiger, aber
auch von umweltverträglicher oder umweltgerechter sowie von tragbarer,
zukunftsfähiger oder gar zukunftsbeständiger Entwicklung. Zu verstehen
ist darunter - nach einer wie ich finde eingängigen Definition des früheren
SPD Politikers Volker Hauff - eine Entwicklung, die den gegenwärtigen
Bedarf zu decken vermag, ohne gleichzeitig späteren Generationen die Möglichkeit
zur Deckung des ihren zu verbauen". In einer neuen Publikation aus dem
Frankfurter Institut für sozial-ökologische Forschung (Sustainability:
A cross-Disciplinary Concept for Social Transformations"), die im Rahmen
des MOST-Programmes (Management of Social Transformations) veröffentlicht
wurde, heißt es dazu: The question is: how can societies shape their
development in such a way so as to preserve the preconditions of development for
future generations?" (Becker et.al. 1997)
In ökonomischen Begriffen impliziert dies eine Entwicklung, die den Kapitalstock"
- im weitesten Sinne - unangetastet läßt oder aus einer ökologischen
Perspektive eine Entwicklung, die - so der Sachverständigenrat für
Umweltfragen - durch die Tragekapazität" der natürlichen
Umwelt limitiert wird. Damit sind schon zwei der drei Dimensionen des
sogenannten magischen Dreiecks des Konzepts der Nachhaltigkeit genannt, das ja
vor allem auch die Notwendigkeit unterstreicht, die ökonomische, die ökologische
und nicht zuletzt auch die soziale Entwicklung im Zusammenhang zu betrachten und
miteinander in Einklang zu bringen. Daß dies - angesichts der
offensichtlichen Zielkonflikte die dabei im Spiel sind - eine überaus
ambitionierte Zielsetzung ist, liegt auf der Hand, ob sie prinzipiell erreicht
werden kann, wird sich erst zeigen müssen. Ich will den Referenten dieses
Workshops nicht vorgreifen und deshalb an dieser Stelle nicht näher darauf
eingehen, was mit den ökologischen, ökonomischen und sozialen
Dimensionen einer nachhaltigen Entwicklung im einzelnen gemeint ist oder gemeint
sein könnte. Mein Eindruck ist allerdings - wenn man die vorliegenden
Definitionen oder auch Listen von Indikatoren [ z.B. die der UN Commission on
Sustainable Development (1996)] betrachtet -, daß die ökologischen
Zielsetzungen und Implikationen des sustainable developments klarer sind als die
ökonomischen und insbesondere die sozialen. Und ich würde mir natürlich
wünschen, daß dieser Workshop zumindest einen kleinen Beitrag dazu
leisten könnte, diese Defizite zu verringern.
Warum beschäftigen wir als Abteilung Soziale Indikatoren von GESIS-ZUMA uns
eigentlich mit diesem Thema und aus welcher Perspektive tun wir das? Bei der Art
von Gesellschaftsbeobachtung und Sozialberichterstattung wie wir sie betreiben,
geht es in erster Linie darum, Trends des sozialstrukturellen Wandels aber mehr
noch die Wohlfahrtsentwicklung, d.h. Zustand und Wandel der Lebensbedingungen
und Lebensqualität im Sinne eines regelmäßigen und umfassenden monitoring"
zu messen, zu beschreiben und zu analysieren. Wir tun das u.a. mithilfe eines
Systems Sozialer Indikatoren, das gegenwärtig 13 Lebens- und
Politikbereiche umfaßt, darunter auch die Umwelt" als einen
dieser Bereiche(Noll 1995; Noll/Kramer 1996). Die insgesamt rund 300 Indikatoren
sind nach theoretischen wie auch gesellschaftspolitischen Relevanzkriterien
ausgewählt worden und sollen den Grad der Erreichung gesellschaftlicher
Werte und gesellschaftpolitischer Ziele messen. Das Indikatorensystem bietet
insofern eine Datenbasis, die es erlaubt, eine Bewertung der Lebensbedingungen
im Sinne eines Soll-Ist-Vergleichs vorzunehmen und die zu beobachtenden
Entwicklungstrends als Verbesserung oder Verschlechterung zu interpretieren. Auf
einen kurzen Nenner gebracht, könnte man auch sagen, es geht darum, die
Lebensqualität der Bevölkerung und gesellschaftlichen Fortschritt zu
messen.
Das wirft natürlich die Frage auf, woran bemißt sich
gesellschaftlicher Fortschritt, wie ist die gute Gesellschaft"
beschaffen, was sind die Entwicklungsziele für die Zukunft usw. Die
Konzepte mit denen wir in erster Linie arbeiten sind individuelle Wohlfahrt oder
Lebensqualität auf der einen und Modernisierung auf der anderen Seite.
Beide Konzepte sind nicht nur selbst in einem engen Zusammenhang und in einem
historischen Kontext zu sehen, sondern sie haben offensichtlich auch etwas mit
der Diskussion über sustainable development zu tun.
So wie man in der Wohlfahrtsentwicklung den "Inbegriff der
Modernisierung" sehen kann (Zapf 1993), so lassen sich den verschiedenen
Modernisierungsstadien wenigstens idealtypisch unterschiedliche
Wohlfahrtskonzepte zuordnen (Hradil 1987). Historisch betrachtet war Wohlfahrt
zunächst gleichbedeutend mit dem materiellen Wohlstand, und sozialer
Fortschritt bestand ursprünglich vor allem in der Überwindung des
Mangels und der Hebung des Lebensstandards. Mit der Verbreitung des
Massenkonsums wurde der Wohlstand der Bürger nicht nur zu einem "Markenzeichen"
der westlichen Lebensweise, sondern auch zu einer zentralen Quelle der
Legitimation moderner Industriegesellschaften. Wirtschaftliches Wachstum - die
Mehrung des materiellen Wohlstands - blieb bis in die sechziger Jahre das
vorrangige und weitgehend unumstrittene Ziel der gesellschaftlichen Entwicklung.
Der Buchtitel Wohlstand für alle" des damaligen
Wirtschaftsministers Ludwig Erhard bringt die Zielprioritäten für die
gesellschaftliche Entwicklung in dieser Phase auf den Begriff. Das
Bruttosozialprodukt mit seinen Wachstumsraten war dementsprechend der mit
Abstand wichtigste und am häufigsten verwendete Erfolgsmaßstab und
damit zugleich auch für die Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft und
des jeweiligen Wirtschaftssystems. Der abnehmende Grenznutzen des Wohlstands und
eine zunehmende Sensibilisierung gegenüber den "sozialen Kosten"
des Wachstums bewirkten dann am Ende der sechziger Jahre in der Bundesrepublik
Deutschland wie in den anderen wohlhabenden und fortgeschrittenen
Industriegesellschaften einen Perspektivenwechsel. Das Konzept der Lebensqualität
entstand als eine Alternative zu dem nun fragwürdig gewordenen
Wohlstandsbegriff und lieferte der Gesellschaftspolitik eine neue, aber zugleich
auch wesentlich komplexere, multidimensionale Zielformel: Lebensqualität
schließt alle wichtigen Lebensbereiche ein und umfaßt nicht nur das
materielle und individuelle Wohlergehen, sondern auch immaterielle und
kollektive Werte, wie Freiheit, Gerechtigkeit, die Sicherung der natürlichen
Lebensgrundlagen und die Verantwortung gegenüber zukünftigen
Generationen (Zapf 1984; Noll 1990, Glatzer 1992). Und
nach unserem Verständnis hat das Konzept der Lebensqualität zudem auch
eine subjektive Komponente: Sie soll von den Bürgern unmittelbar
wahrgenommen und als 'subjektives Wohlbefinden' erlebt werden können.
Erreicht werden sollte eine Verbesserung der Lebensqualität vor allem durch
eine Strategie des "Qualitativen Wachstums", mit der die sozialen
Kosten der industriellen Lebensweise vermindert, das Verhältnis von
privatem Konsum, öffentlichen Gütern und Freizeit optimiert, mehr
Gleichheit und Gerechtigkeit verwirklicht sowie ein Interessenausgleich zwischen
den heutigen und zukünftigen Generationen herbeigeführt werden sollte
(Bombach 1972; Zapf 1984).
Wenn Wohlstand das Fortschrittsziel der frühen und sich entwickelnden
Industriegesellschaft war, so wird die Lebensqualität als die Zielformel
der postindustriellen Überflußgesellschaft bezeichnet, die an die
Grenzen des Wachstums geraten ist und ihre ökologische Existenzgrundlage
bedroht sieht (Glatzer1992).
Ich denke es ist nicht zuviel gesagt, wenn ich behaupte, daß mit den
Konzepten der Lebensqualität und des qualitativen Wachstums bereits vieles
von dem vorweggenommen worden ist, was gegenwärtig in den Debatten über
"sustainability" diskutiert wird. Nachdem die politische Diskussion über
Lebensqualität und qualitatives Wachstum in den siebziger Jahren durch die
Wachstums- und Beschäftigungskrise unterbrochen worden war, stehen die
damals formulierten Problematisierungen und Zielvorstellungen in den neunziger
Jahren erneut auf der Tagesordnung, z.B. in der Form des Konzept des "sustainable
human developments" wie es im Rahmen des UNDP formuliert wurde. Dort heißt
es z.B.: "..a new development paradigm is needed that puts people at the
centre of development, regards eceonomic growth as a means and not an end,
protects the life opportunities of future generations as well as the present
generations and respects the natural system on which all life depends" (UNDP
1994: 4). Das ökologische Anliegen ist hier offensichtlich nur eines unter
anderen. Gegenüber dem Konzept der Lebensqualität, mit dem es
offensichtlich viele Ähnlichkeiten hat, unterscheidet sich das Konzept des "sustainable
developments" aus meiner Sicht vor allem durch seine globale Perspektive
und eine gegenüber der individuellen Wohlfahrt stärkere Gewichtung von
kollektiven Werten, wie Gleichheit, Gerechtigkeit und Schonung der natürlichen
Ressourcen. In jedem Falle stellt es aber eine Herausforderung dar, sich mit dem
bisherigen Wohlfahrtsverständnis kritisch auseinanderzusetzen.
Ich weiß nicht ob es gerechtfertigt ist, das Sustainability-Konzept
als eine Gegenposition zum Konzept der Modernisierung zu stilisieren, wie es
manchmal geschieht (Becker et.al. 1997), aber es wird aus dieser Perspektive natürlich
nicht zuletzt auch die Frage aufgeworfen, ob die aufwendige Lebensweise, wie sie
für die westlichen Industrie- oder besser postindustriellen Überflußgesellschaften
kennzeichnend ist, auch zukünftig noch tragbar sein wird und
Vorbildcharakter für die weniger entwickelten und ärmeren
Gesellschaften haben kann. Kann es in den westlichen Überflußgesellschaften
in der Zukunft so weitergehen wie bisher, und kann sich" - so hat
Wolfgang Zapf die Frage einmal anschaulich diskutiert - die moderne
Gesellschaft mit Massenkonsum und Wohlfahrtsstaat im Weltmaßstab
ausbreiten? Können alle Gesellschaften oder doch wenigstens viele
Gesellschaften in Asien, Lateinamerika und Afrika moderne Gesellschaften werden?
Kann man sich prinzipiell .. z.B. vorstellen, daß in China einmal 600
Millionen Autos fahren sollen oder doch anteilsmäßig soviel wie in
der ehemaligen DDR, 250 Millionen, doppelt soviel wie heute in den USA? Oder daß
in China 30mal soviel allein für wohlfahrtsstaatliche Leistungen ausgegeben
wird wie heute dort das Pro-Kopf-Einkommen beträgt? Das kann man sich nicht
vorstellen. Dies wäre, wenn schon nicht das Paradies auf Erden, so doch
eine Luxuswelt, die weltweite Überflußgesellschaft" - soweit
Wolfgang Zapf (1993: 171).
Das nein" als Antwort auf diese Fragen, das zunächst so
selbstverständlich erscheint und uns so unbeschwert über die Lippen
kommt, ist so unproblematisch allerdings auch wieder nicht. Mit welchem Recht -
so könnte man fragen - können die heutigen Wohlstandsgenerationen den
zukünftigen Bescheidenheit und Enthaltsamkeit verordnen? Und - so
Dahrendorf kürzlich in einem Beitrag in der ZEIT über die
Globalisierung und ihre sozialen Folgen: Niemand steht es zu, Chinesen und
Brasilianern zu verweigern, was Deutschen und Kanadiern Vergnügen macht,
also Wohnungen und Waschmaschinen, Autos und Ferienreisen".
Wie immer Lösungen für diese schwierigen Probleme aussehen können,
besteht jedoch kein Zweifel, daß an einer Überprüfung der
jetzigen und der Suche nach neuen Perspektiven, Zielen, Modellen der
gesellschaftlichen Entwicklung - wie es in der Diskussion über eine
nachhaltige Entwicklung geschieht - kein Weg vorbeiführen wird. Eine Änderung
der Lebensweise wie sie heute in den westlichen Ländern verbreitet ist,
wird mindestens mittel- und längerfristig als unausweichlich angesehen,
wobei neben einer nachhaltigen Effizienzsteigerung in der Produktion der Güter
und Dienstleistungen durch qualitatives Wachstum - hier werden noch beachtliche
Spielräume gesehen - auch Verhaltensänderungen diskutiert und
gefordert werden [ "Benötigt wird also beides: die Weiterentwicklung
der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit hin zur effizienteren Nutzung der
gegebenen Produktionsfaktoren, vor allem der Umwelt, und gleichzeitig eine
Angleichung der Nachfragestruktur an die ökologischen Bedingungen der
Tragekapazität (Renn 1994: 3). "Qualitatives Wachstum bedeutet in
diesem Sinne, daß sich die Ressourcenproduktivität im Prozeß
der Wertschöpfung ständig erhöht" (Renn 1994: 19)] : Effizienz-"
und Suffizienzrevolution" sind die beiden Schlagwörter, die dafür
gebraucht werden. Inwieweit eine Reduktion des gewohnten Wohlstandsniveaus
durchsetzbar und eine als Voraussetzung einschneidender Verhaltensänderungen
erforderliche Umwertung bisheriger zentraler Werte realistisch ist oder doch
eher auf vorläufig unüberwindbare Akzeptanzprobleme stößt,
läßt sich gegenwärtig noch nicht beantworten. Ein prominenter
Platz wo diese Fragen ausgiebig und mit einer gewissen politischen Relevanz
diskutiert werden, ist z.B. das Kapitel 10 in dem bekannten Weißbuch über
Wachstum, Wettbewerb und Beschäftigung der EU-Kommission. (1993), aber sie
spielen darüber hinaus mittlerweile nicht nur in der Wissenschaft und
internationalen Organisationen (OECD 1997), sondern auch in den Programmen
zahlreicher Parteien und Regierungen in vielen Ländern der Welt eine
wichtige Rolle.
Über den Konsens auf der Ebene der allgemeinen Zielbestimmung hinaus
ist aber gerade für ein Konzept wie das des sustainable developments"
die Operationalisierung der Ziele und die Entwicklung von Indikatoren
unverzichtbar, wenn es nicht zur Leerformel verkommen und praktisch
konsequenzenlos bleiben soll: If it is not counted, it tends not to be
noticed", so hat J.K. Galbraith das Problem einmal umschrieben, und die
Antwort die man bei Judith Innes auf die Frage findet, warum Indikatoren so
wichtig sind, heißt: if we don't get the data, the decision will
just be based on politics" (J. Innes 1989). Die Notwendigkeit und
Dringlichkeit, sich dieser Aufgabe anzunehmen, wurde aber auch bereits in
Kapitel 40 der AGENDA 21 gesehen, wo die Entwicklung von Meßgrößen
und Beurteilungskriterien zur Konkretisierung der Ziele und als Wegweiser für
das praktische Handeln gefordert wird. Ich will zumindest an dieser Stelle -
nicht nur aus Zeitgründen - der Versuchung widerstehen, dazu vor dem
Erfahrungshintergrund der Sozialindikatorenforschung etwa Kriterien zu
formulieren denen solche Indikatoren genügen sollten und mehr oder weniger
gute Ratschläge zugeben, sondern bin gespannt, was wir in den kommenden 1 ½
Tagen über den Stand dieser Arbeiten, sustainability indicators zu
entwickeln, hören werden.
Die Logik des Programms liegt darin, Ansätze der Entwicklung von
Nachhaltigkeitsindikatoren auf verschiedenen Ebenen vorzustellen: International
Christa Ratte (BMU) und Jochen Jesinghaus (Eurostat), national Dieter Schäfer
(Statistisches Bundesamt), regional Hans Diefenbacher uund Volker Teichert
(Evangelische Studienstiftung) sowie Gerhard Pfister (Akademie für
Technikfolgenabschätzung Baden Württemberg) und schließlich
kommunal bzw. auf der Ebene der Stadtentwicklung J. Gödecke-Stellmann
(BfLR). Zwei Beiträge liegen außerhalb dieses Schemas. Der Beitrag
von Eberhard Seifert (Wuppertal Institut) über ISO-Environmental
Performance Indicators und den Micro-Macro-Link" sowie Caroline Kramer
(GESIS-ZUMA) über subjektive Indikatoren zur Wahrnehmung und Bewertung der
Umwelt.
Literatur:
Becker, E., Jahn. T., Stiess. I., Wehling, P. 1997: Sustainability: A
Cross-Disciplinary Concept for Social Transformation. Unesco. Paris.
Billharz, S., Bedrich M., 1996: Scientific Workshop on Indicators of
Sustainable Development. Report.
Bombach, Gottfried 1972: Konsum oder Investitionen für die Zukunft. In:
"Aufgabe Zukunft Qualität des Lebens". Beiträge zur vierten
internationalen Arbeitstagung der IG Metall, Bd. 7 "Qualitatives Wachstum".
Frankfurt a.M.: Europäische Verlagsanstalt, S. 38-73.
Kommission der Europäischen Gemeinschaft 1993: Weißbuch "Wachstum,
Wettbewerbs-fähigkeit und Beschäftigung". Brüssel.
Glatzer, Wolfgang 1992: Lebensqualität aus sozioökonomischer
Sicht. In: G. Seifert (Hrsg.), Lebensqualität in unserer Zeit - Modebegriff
oder neues Denken? Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht, S. 47-60.
Hradil, Stefan 1987: Sozialstrukturanalyse in einer fortgeschrittenen
Gesellschaft. Opladen: Leske+Budrich.
Innes, J.E. (1989). Knowledge and Public Policy.
The Search for Meaningful Indicators. New Brunswick and London: Transaction
Publishers.
Noll, H.-H. (1990). Sozialindikatorenforschung in der Bundesrepublik:
Konzepte, Forschungsansätze und Perspektiven. In: H. Timmermann (Hg.):
Lebenslagen, Sozialindikatorenforschung in beiden Teilen Deutschlands. Saarbrücken
1990, S. 69 - 87.
Noll, H.-H., 1995: The digital information system social indicators: a new
form of presentation of the German system of social indicators. In: Statistical
Journal of the United Nations ECE 12, S. 369-378.
Noll, H.-H., Kramer, C. 1996: Umweltberichterstattung und Umweltindikatoren:
Informationen zum Zustand und Wandel der Umwelt. In: A. Diekmann, C. Jäger
(Hg.), Umweltsoziologie. Sonderband der Kölner Zeitschrift für
Soziologie und Sozialpsychologie. Westdeutscher Verlag, Opladen, S. 516-547.
OECD 1997: Sustainable Development. OECD Policy Approaches for the 21st
Century. Paris.
Renn, Ortwin 1994: Ein regionales Konzept qualitativen Wachstums.
Pilotstudie für das Land Baden-Württemberg. Akademie für
Technikfolgennabschätzung in Baden-Württemberg. Arbeitsbericht Nr. 3/März
1994, Stuttgart.
Schrecker, T. (ed.) 1997: Sustainability and Human Well Being: Exploring the
Connections. Social Indicators Research, Vol. 40.
United Nations Commission on Sustainable Development 1996: Indicators of
Sustainable Development. Framework and Methodologies. New York.
United Nations Development Programme: Human Development Report 1994. New
York, Oxford: Oxford University Press.
Zapf, Wolfgang 1984: Individuelle Wohlfahrt: Lebensbedingungen und
wahrgenommene Lebensqualität. In: W. Glatzer, W. Zapf (Hrsg.), Lebensqualität
in der Bundesrepublik. Objektive Lebensbedingungen und subjektives Wohlbefinden.
Frankfurt a.M./New York: Campus, S. 13-26.
Zapf, Wolfgang 1993: Wohlfahrtsentwicklung und Modernisierung. In: W.
Glatzer (Hrsg.), Einstellungen und Lebensbedingungen in Europa. Frankfurt a.M.,
New York: Campus, S. 163-176.
© GESIS Heinz-Herbert Noll 25.02.2000
|