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Grundkonzeption und Ziele des ALLBUS-Programms

Die Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) ist eine langfristig angelegte, multithematische Umfrageserie zu Einstellungen, Verhaltensweisen und Sozialstruktur der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland. Die Erhebungen werden seit 1980 in zweijährigem Abstand durchgeführt. In persönlichen Interviews wird jeweils ein repräsentativer Querschnitt der bundesdeutschen Bevölkerung befragt. Als Serviceleistung für die sozialwissenschaftliche Forschung und Lehre werden die ALLBUS-Daten unmittelbar nach der Aufbereitung und Dokumentation allen interessierten Personen und Institutionen für Analysen zur Verfügung gestellt.

Mit dem ALLBUS wird eine methodisch anspruchsvolle, reichhaltige Datenbasis bereitgestellt, die für zahlreiche Analysezwecke genutzt werden kann:

  • Die einzelnen Querschnittsdatensätze, die jeweils einen eigenen inhaltlichen Schwerpunkt haben, dienen der Untersuchung von Einstellungen und Verhaltensweisen der deutschen Bevölkerung.
  • Die Replikation von Fragekomplexen aus dem ALLBUS und aus anderen Studien ermöglicht die Analyse von Entwicklungsprozessen und gesellschaftlichem Wandel. Für die Analyse von Trends steht ein kumulierter Datensatz zur Verfügung, der sämtliche Merkmale enthält, die mindestens zweimal im ALLBUS erhoben wurden.
  • Die Kooperation mit dem US-amerikanischen General Social Survey (GSS) und mit Forschergruppen aus weiteren Ländern sowie insbesondere die Einbindung des International Social Survey Programme (ISSP), dessen deutsche Studien als drop-off des ALLBUS durchgeführt werden, bieten die Möglichkeit, international vergleichende Gesellschaftsanalysen durchzuführen.
  • Methodische Fragestellungen können zum Teil mit den ALLBUS-Umfragen selbst untersucht werden (z.B. Tests auf Reihenfolgeeffekte oder Effekte unterschiedlicher Frageformulierungen durch den Einsatz von Split-Versionen), zum Teil anhand begleitend durchgeführter Methodenstudien, für die gesonderte Datensätze im GESIS Datenarchiv verfügbar sind (z.B. zu Interviewereffekten, zur Test-Retest-Reliabilität, zur Nonresponse-Problematik).

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Stichproben- und Erhebungsdesign des ALLBUS

Die Grundgesamtheit der ALLBUS-Umfragen bestand bis einschließlich 1990 aus allen wahlberechtigten Personen in der (alten) Bundesrepublik und West-Berlin, die in Privathaushalten leben. Seit 1991 - als aufgrund der deutschen Vereinigung eine zusätzliche Umfrage außerhalb des zweijährigen Turnus durchgeführt wurde - besteht die Grundgesamtheit aus der erwachsenen Wohnbevölkerung (d.h. Deutschen und Ausländern) in West- und Ostdeutschland.

Die Stichprobengröße betrug bis 1990 3000 Befragte. In der ALLBUS-Baseline-Studie 1991 wurden jeweils 1500 Interviews in West- und in Ostdeutschland durchgeführt. Seit 1992 beträgt die angestrebte Nettofallzahl 2400 Interviews in den alten und 1100 Interviews in den neuen Bundesländern, d.h. Ostdeutsche sind in der ALLBUS-Stichprobe überrepräsentiert.

Die Stichproben der Umfragen in den Jahren 1980 bis 1992 sowie 1998 wurden nach dem ADM-Stichprobendesign gebildet (mit den Auswahlstufen Wahlbezirke – Haushalte – Personen). 1994 und 1996 sowie in allen Erhebungen seit 2000 wurde dagegen das methodisch anspruchsvollere Verfahren einer Stichprobe aus Einwohnermelderegistern verwendet (mit den Auswahlstufen Gemeinden – Personen).

Die vollstandardisierten ALLBUS-Interviews werden persönlich-mündlich durchgeführt. Im Jahr 2000 erfolgte der - von einem Methodenexperiment begleitete – Umstieg von traditionellen Papierfragebögen (paper and pencil interviewing - PAPI) zur computerunterstützten Befragung mit Laptop (computer assisted interviewing – CAPI).

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Institutionelles

Der ALLBUS ist ein Vorhaben der GESIS, das in Kooperation mit einem wissenschaftlichen Beirat realisiert wird. Die Arbeitsgruppe ALLBUS bei der GESIS-Abteilung Dauerbeobachtung der Gesellschaft ist für Konzeption, Design, Frageprogramm und Durchführung (in Kooperation mit dem beauftragten privaten Umfrageinstitut) der Erhebungen zuständig. Die Codebucherstellung, die Aufbereitung und Kumulation von Datensätzen, der Datenvertrieb und die Archivierung erfolgen durch die GESIS-Abteilung Datenarchiv und Datenanalyse in Köln.

Beraten wird die GESIS bei der Durchführung des ALLBUS von einem wissenschaftlichen Beirat, dem ALLBUS-Ausschuss, dem momentan folgende Personen angehören:

Prof. Dr. Andreas Diekmann (ETH-Zentrum Zürich)
Prof. Dr. Detlef Fetchenhauer (Universität Köln)
Prof. Dr. Steffen Kühnel (Universität Göttingen)
Prof. Dr. Stefan Liebig  (Universität Bielefeld, Vorsitzender)
Prof. Dr. Rüdiger Schmitt-Beck (Universität Mannheim)
Prof. Dr. Heike Trappe (Universität Rostock)
Prof. Dr. Michael Wagner (Universität Köln)

Die Umfragen in den Jahren 1980 bis 1986 und die Baseline-Studie 1991 wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft aufgrund von Einzelanträgen gefördert. Seit 1987 ist der ALLBUS im Rahmen der Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen (GESIS) institutionalisiert. Die GESIS als Leibniz-Institut wird von dem für Bildung und Forschung zuständigen Bundesministerium und von den Ländern finanziert.

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Literatur zum ALLBUS

Koch, A. & Wasmer, M. (2004)

Der ALLBUS als Instrument zur Untersuchung sozialen Wandels: Eine Zwischenbilanz nach 20 Jahren. In: Schmitt-Beck, R.; Wasmer, M.; Koch, A. (Hrsg.): Sozialer und politischer Wandel in Deutschland. Analysen mit ALLBUS-Daten aus zwei Jahrzehnten. 2004, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 13-41, Blickpunkt Gesellschaft, Band 7.

Abstract: "Achim Koch und Martina Wasmer erläutern die Grundphilosophie des ALLBUS und arbeiten die keineswegs trivialen methodischen Probleme heraus, mit denen sich eine Befragungsreihe konfrontiert sieht, die das Ziel längsschnittlich vergleichbarer Messungen verfolgt. Wie dieses Kapitel ebenfalls dokumentiert, entwickelte sich der ALLBUS rasch zu einer der meistgenutzten Erhebungen für sozialwissenschaftliche Forschung in Deutschland. Mit der wachsenden Zahl der Erhebungswellen rückten dabei zunehmend die längsschnittlichen Auswertungsmöglichkeiten des ALLBUS in den Vordergrund. Zur Jahrtausendwende stellt die ALLBUS-Datenbasis einen unersetzlichen Datenfundus dar, der es erlaubt, 20 Jahre deutscher Politik- und Zeitgeschichte aus der Optik der empirischen Sozialforschung nachzuvollziehen."

Braun, M., & Mohler, P.Ph. (1991)

Die Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS). Rückblick und Ausblick in die neunziger Jahre. ZUMA-Nachrichten, 29, 7-28.

Abstract: "Mit der Durchführung der Umfrage 1990 hat der ALLBUS seit seinem Start im Jahre 1980 einen Zeitraum von 10 Jahren zurückgelegt. Dies - und auch die Veränderungen, die mit der Vereinigung beider deutscher Staaten verbunden sind - ist Anlaß für eine ausführliche Darstellung des ALLBUS in den ZUMA-Nachrichten. Im ersten Teil wird die Grundkonzeption des ALLBUS beschrieben und das bisher Erreichte bilanziert. Im zweiten Teil werden einige Entwicklungslinien der Gestaltung der Umfrage sowie Planungen für die nächsten Erhebungen vorgestellt."

Mayer, K.U., & Schmidt, P. (1984)

Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften - Beiträge zu methodischen Problemen des ALLBUS 1980. ZUMA- Monographien Sozialwissenschaftliche Methoden. Frankfurt/New York: Campus.

Abstract: Inhalt: 1. Karl Ulrich Mayer: Zur Einführung: Die Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften als eine Mehrthemen-Wiederholungsbefragung. 2. Hartmut Esser: Determinanten des Interviewer- und Befragtenverhaltens: Probleme der theoretischen Erklärung und empirischen Untersuchung von Interviewereffekten. 3. Volker Schanz und Peter Schmidt: Interviewsituation, Interviewermerkmale und Reaktionen von Befragten im Interview: eine multivariate Analyse. 4. Hans-Peter Kirschner: ALLBUS 1980: Stichprobenplan und Gewichtung. 5. Jürgen H.P. Hoffmeyer-Zlotnik: Erfassen von Wohnquartiersvariablen - ein Mittel zur soziologischen Zuordnung der Wohnbevölkerung. 6. Manfred Küchler: Eine soziodemographische Beschreibung der Träger post-materialistischer Einstellungen. 7. Cornelia Krauth und Rolf Porst: Sozioökonomische Determinanten von Einstellungen zu Gastarbeitern. 8. Peter Schmidt und Gunter Wolf: Sozialstrukturelle und individuelle Determinanten von subjektiver Schichtidentifikation und politischen Einstellungen. 9. Andreas Diekmann: Einkommensdiskriminierung von Frauen - Messung, Analyseverfahren und empirische Anwendungen auf Angestellteneinkommen in der Bundesrepublik.

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© GESIS Michael Blohm 01.09.2008