Historical Social Research

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Wilhelm Heinz Schröder, Sozialdemokraten in den Reichs- und Länderregierungen der Weimarer Republik 1918/19-1933. Eine Kollektivbiographie [Abstract]

Die (fiktive) Anrede ‚Genosse Herr Minister‘ drückte in pointierter Weise das Spannungsverhältnis aus, in dem sich die neuen sozialdemokratischen Minister, Volksbeauftragten oder Senatoren in den Reichs- und Länderregierungen der Weimarer Republik befanden, denn die neue Regierungsaufgabe traf die führenden Sozialdemokraten bzw. Minister weitgehend unvorbereitet. Der ‚Genosse Minister‘ steht hier für jene Sozialdemokraten, die das Ministeramt vor allem als Parteiamt und als Teil ihrer Parteikarriere betrachteten. Ihre Amtsführung war ‚parteilich‘, das heißt politisch und wirkungsorientiert geprägt. Der ‚Herr Minister‘ steht dagegen für jene Sozialdemokraten, die das Ministeramt als öffentliches politisches Amt und als Teil einer Karriere im öffentlichen Dienst betrachteten. Ihre Amtsführung war ‚überparteilich‘, das heißt fachlich und verwaltungsorientiert geprägt. Das Ziel der vorliegenden kollektiv-biographischen Studie besteht darin, die sozialdemokratischen Minister im Spannungsfeld dieser beiden Idealtypen zu verorten. – Der Beitrag ist in fünf Abschnitte geteilt: 1) wird nach der Regierungsfähigkeit der politischen Parteien in der Weimarer Republik im allgemeinen und der SPD im besonderen gefragt; 2) wird nach den verfassungsmäßigen Grundlagen der Regierungsfähigkeit gefragt und das Parlamentarische Regierungssystem im Reich und in den Ländern vorgestellt; 3) werden die Reichs- und Landtagswahlergebnisse als die wichtigsten Determinanten der Regierungsfähigkeit zusammenfassend genannt und die Regierungsbeteiligung der Sozialdemokratie im Reich und in den Ländern beschrieben; 4) werden im Hauptteil ausgewählte Ergebnisse einer Kollektivbiographie der insgesamt 213 sozialdemokratischen Regierungsmitglieder in Form eines kommentierten typischen Lebenslaufs vorgestellt und anhand einer Einzelfallstudie illustriert; 5) wird schließlich die zentrale Frage nach der Regierungsfähigkeit des sozialdemokratischen Regierungspersonals beantwortet und dabei auch das spezielle Verhältnis von SPD und öffentlichem Dienst diskutiert.