Die Allgemeine Bevölkerungsumfrage
der Sozialwissenschaften

"40 Jahre Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften" - Ringvorlesung

Wintersemester 2021/2022

Mittwochs, 12:15-13:45 Uhr

Start: 27. Oktober 2021

Ort: online

Anlässlich des 40jährigen Bestehens der ALLBUS Befragung im Jahr 2020 veranstaltet das Forschungsdatenzentrum ALLBUS eine Ringvorlesung. Die Referentinnen und Referenten der Ringvorlesung verdeutlichen die Bedeutsamkeit des ALLBUS als Datengrundlage der sozialwissenschaftlichen Forschung und zeigen anschaulich den gesellschaftlichen Wandel in Deutschland über die vergangenen vier Jahrzehnte.
Nach einem erfolgreichen Auftakt der Reihe im Sommer 2021 wird die Reihe als regelmäßige Vortragsreihe im Wintersemester 2021/2022 fortgeführt.

Hinweise zum Ablauf und zur Anmeldung:

Die Online-Reihe wird über Zoom stattfinden. Sie werden jeweils einen Link mit Passwort erhalten. Ihre Kontaktdaten werden wir nach der Veranstaltung/den Veranstaltungen, zu denen Sie sich angemeldet haben, löschen. Informationen zum Datenschutz bei GESIS finden Sie auf unserer Datenschutzseite.

Termine im Wintersemester 2021

Vortragende:

  • Ayline Heller, M.Sc. (Psych.), ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

In den letzten Jahrzehnten kam es in den meisten westlichen Nationen zu einer Liberalisierung der Rollenvorstellungen, bei der der Vater als „Brotverdiener“ in den Hintergrund rückte und das Ideal der Mutter neben der sog. „Care-Arbeit“ vermehrt auch den beruflichen Erfolg umfasste. Im internationalen Vergleich dieser zeitlichen Trends fällt auf, dass post-sozialistische Staaten der Berufstätigkeit der Frau klassischerweise offener gegenüberstehen. Bisherige Analysen legen jedoch auch nahe, dass es zuletzt zu einer Retraditionalisierung der Rollenvorstellungen bspw. in Polen und Ostdeutschland kam, die sich primär in der Generation ohne Sozialismuserfahrung finden lässt. Neben diesen Zeit- und Generationeneffekten wurden reine Alterseffekte bisher kaum untersucht, die z.B. mit kognitiver Rigidität in Verbindung gebracht werden und sich daher auf verschiedene Einstellungsdimensionen auswirken können. Statistisch stellt die simultane Untersuchung von Alters-, Zeit- und Kohorteneffekten eine große Herausforderung dar, da die drei Faktoren perfekt kollinear sind (Kohorte = Erhebungszeitpunkt – Alter) und somit nicht unabhängig geschätzt werden können. In diesem Vortrag werden ostdeutsche Stichproben der ALLBUS aus den Jahren 1992-2016 genutzt, um ein Verfahren zur Age-Period-Cohort Analyse vorzustellen, kritisch zu beleuchten und Implikationen zu diskutieren.

Vortragender:

  • Rolf Becker ist Professor für Bildungssoziologie an der Universität Bern und Direktor der Abteilung Bildungssoziologie am Institut für Erziehungswissenschaft

Ziel der vorliegenden Kohortenanalyse ist es, die frühere Studie von Meulemann (1982) über den Wandel von Bildungsverständnis und Bildungsvorstellungen zu reanalysieren. Unter Kontrolle unterschiedlicher Zeitdimensionen (Alter, Periode, Kohorte) wird seine These, die Bildungsexpansion in den 1970er Jahren sei der „Motor“ für den sozialen Wandel subjektiver Interpretationen von Wert, Inhalt und Zielen der Bildung gewesen, direkt überprüft. Dazu werden nicht nur die gleichen Datensätze, sondern auch aktuelle Daten verwendet. Für das folglich längere Zeitfenster werden alternative theoretische Argumente berücksichtigt. Es gibt Hinweise auf Effekte der Bildungsexpansion. Subjektiv wahrgenommene Bildungschancen, beurteilte Ziele von Bildung und die legitime Rolle von Bildung als Mittel für den sozialen Aufstieg werden aber angesichts der Generationeneffekte vermutlich eher durch verschiedene gesellschaftliche Ordnungen in der deutschen Geschichte nach 1908 geprägt.

Vortragende:

  • Bettina Westle ist Professorin für Politikwissenschaftliche Methoden und empirische Demokratieforschung an der Philipps-Universität Marburg

Man kann vielleicht ohne politisches Wissen Politik „machen“ – aber mit ist es besser! Kenntnisreiche Bürger*innen sind stärker willens und besser in der Lage, komplexe politische Strukturen und Vorgänge zu verstehen, sich fundierte Meinungen zu bilden, die Politik zu kontrollieren und selbst an Politik zu partizipieren. Insbesondere der Systemtypus „Demokratie“ gewinnt mit einer gut informierten und kenntnisreichen Bevölkerung an Qualität. Im ALLBUS 2008 und 2018 wurden unterschiedliche Wissensfragen implementiert, die es teilweise erlauben Stabilität und Veränderung der Wissensstände zu untersuchen. Der Beitrag dokumentiert erstens das Wissensniveau der Bevölkerung in Deutschland 2008 und 2018 anhand einer einheitlichen Skala. Zweitens wird die Rolle zentraler Determinanten und damit von Verteilungsunterschieden in der Bevölkerung dokumentiert. Drittens wird analysiert, inwieweit das individuelle Niveau politischer Faktenkenntnisse Folgen für politische Einstellungen wie politische Unterstützung und Populismus hat.

Vortragender:

  • Gert Pickel ist Professor für Religions- und Kirchensoziologie am Institut für Praktische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig

Seit mehr als vierzig Jahren wird über Abbruchsprozesse des Religiösen und eine voranschreitende Säkularisierung diskutiert. Während die einen diesen Prozess als ungebrochen voranschreitend ansehen, erkennen andere eher Prozesse der Individualisierung, die sich in Spiritualität, neuen Formen des Religiösen und Bastelreligiositäten ausdrücken. In den letzten Jahren ließ sich zudem verstärkt eine Pluralisierung des Religiösen feststellen. Damit in Zusammenhang wurde sogar eine Rückkehr des Religiösen oder der Religion diskutiert. Hinreichend Bewegungen in der deutschen Gesellschaft, um sich einmal ausführlich mit der Entwicklung des Religiösen in Deutschland zu beschäftigen. Im Vortrag wird mit Daten des ALLBUS die Entwicklung des Religiösen der letzten 40 Jahre in Deutschland aufgezeigt und nach Gründen für die Entwicklungen gesucht. Dabei wird deutlich, dass die religiöse Entwicklung vielschichtig ist, aber Säkularisierungsprozesse doch eine dominante Stellung einnehmen. Gleichzeitig wird deutlich, dass Religion, als Merkmal der Zuschreibung für kulturelle Eigenschaften, an Bedeutung für die politische Debatte zugenommen haben.

Vortragender:

  • Ulrich Rosar ist Universitätsprofessor für Soziologie am Institut für Sozialwissenschaften der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Dass schöne Menschen es im Leben leichter haben als ihre weniger ansehnlichen Zeitgenossen ist ein empirisch gut dokumentierter Befund. Sie finden dabei nicht nur leichter Sexual- und Lebenspartner*innen, haben größere soziale Netzwerke, bei denen sie oft eine zentrale Position einnehmen, und können darauf bauen, dass ihr soziales Umfeld ihnen bereitwilliger und mehr Anerkennung entgegenbringt. Sie erhalten zudem auch in Schule und Hochschule die besseren Noten, bekommen vor Gericht die milderen Strafen und können bei Wahlen höhere Stimmenanteile erzielen. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich die äußere Anmutung auch im Berufsleben auswirkt. Eine ganze Reihe an Studien hat nachgewiesen, dass bei attraktiven Menschen der Berufseinstieg und -aufstieg besser gelingen, dass berufliche Leistung mehr Wertschätzung erfahren und dass das Einkommen signifikant höher ausfallen kann. Viele dieser Studien basieren jedoch auf einem experimentellen Design, sind nicht selten allein auf den anglo-amerikanischen Raum bezogen oder basieren auf veralteten Daten. Der Vortrag wird daher auf Basis von aktuellen ALLBUS-Daten überprüfen, ob sich auch für Deutschland und auf der Basis repräsentativer Umfragedaten ein Zusammenhang zwischen Schönheit und Einkommen nachweisen lässt. Dabei wird zugleich eine Stärke des ALLBUS genutzt und geprüft, ob etwaige Zusammenhänge über die verschiedenen Erhebungswellen hinweg replizierbar sind.

Vortragende:

  • Andrew Bell ist Senior Lecturer in Quantitative Social Sciences am Sheffield Methods Institute, University of Sheffield, UK

  • Peter Schmidt ist Professor emeritus am Institut für Politikwissenschaft und Mitglied des Zentrums für Internationale Entwicklung und Umwelt (ZEU) der Universität Gießen

  • Oshrat Hochman, PhD, ist Teamleiterin bei GESIS ­– Leibniz-Institut für die Sozialwissenschaften.

This paper considers how attitudes towards foreigners in Germany changed between 1980 and 2018. Our special focus is the extent of age, period, and cohort (APC) variation in attitudes. In contrast to other APC analyses we firstly test the configural, metric and scalar invariance over this time to make valid inferences concerning changes in means and coefficients. Centrally for our approach is a distinction between long-run gradual change that could occur in Germany and discrete event-driven change, relating to specific national events in a specific year. We use the ALLBUS (German General Social Survey) 1980-2018 and an adapted version of the Hierarchical Age-Period-Cohort model that makes explicit assumptions about APC. To compare the developments over time in West Germany alone we use the full-time frame from 1980 till 2018. For comparing the developments in East and West Germany, we analyse the data available since the unification from 1991 till 2018. Furthermore, we will compare one sample including persons without German citizenship and those with citizenship but with migration background with a sample of persons who have German citizenship and no migration background. We employ an assumption driven approach to APC analysis where we estimate multiple models that make contradictory plausible assumptions to assess a range of possible APC trends on their conceptual merits.

Diskutanten:

  • Karl Ulrich Mayer ist Direktor Emeritus am Max Planck Institut für Bildungsforschung und Stanley B. Resor Emeritus Professor of Sociology der Yale University

  • Florian Keusch ist Professor of Social Data Science and Social Research Methods (Interim) an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Mannheim

  • PD Dr. Merja Mahrt ist Akademische Oberrätin am Lehrstuhl Kommunikations- und Medienwissenschaft II der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

  • Christof Wolf ist Präsident von GESIS-Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften und Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Sozialstrukturanalyse an der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Mannheim

In Zeiten stetig sinkender Rücklaufquoten und mit dem Aufkommen von neuen Datentypen wie digitalen Verhaltensdaten stellen sich viele Praktiker der Umfrageforschung die Frage, ob klassische Befragungsstudien wie der ALLBUS „ausgedient haben“, beziehungsweise was diese heute noch zu leisten vermögen. Diesen Fragen widmen sich im Rahmen der Veranstaltung Karl Ulrich Mayer, Florian Keusch, Merja Mahrt und Christof Wolf im Rahmen von Impulsvorträgen mit anschließender gemeinsamer Diskussion.

Vortragender:

  • Andreas Diekmann ist Seniorprofessor für Soziologie an der Universität Leipzig und Professor em. für Soziologie der ETH Zürich

In der Psychologie ist die «Replikationskrise» noch keineswegs ausgestanden; immer wieder kommen neue, oft spektakuläre Betrügereien ans Licht. Weitaus häufiger treten aber fragwürdige Forschungspraktiken auf, auch in empirischen Sozialwissenschaften wie Soziologie, Politik und empirischer Wirtschaftsforschung. «Public use files» wie der ALLBUS sind nicht nur wichtige Elemente der sozialwissenschaftlichen Dateninfrastruktur; diese großen Datenerhebungsprojekte erleichtern auch die Reproduktion von Studien und tragen damit wesentlich zur Kontrolle und Qualitätsverbesserung der Forschung bei. Welche Maßnahmen wichtig sind, um das Vertrauen in die empirische Forschung zu stärken, kommt in diesem Vortrag zur Sprache.

Vortragende:

  • Rüdiger Schmitt-Beck ist Professor für Politikwissenschaft - Politische Soziologie an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Mannheim

  • Dr. Christian Schnaudt ist Akademischer Mitarbeiter am Lehrstuhl für Politikwissenschaft - Politische Soziologie, Universität Mannheim

In der Repräsentativitätsforschung werden die politischen Einstellungen von Entscheidungsträger*innen mit denen der Bürger*innen verglichen, um abzuschätzen, inwieweit erstere für letztere "repräsentativ" sind (im selben Sinne wie das in der Umfrageforschung verstanden wird). Ein ähnlicher Ansatz wurde von Verba et al. in der Partizipationsforschung entwickelt, um zu beurteilen, ob diejenigen Aktivbürger, die auf bestimmte Formen der politischen Partizipation zurückgreifen und dadurch mutmaßlich mehr Einfluss auf politische Entscheidungen ausüben als diejenigen, die passiv bleiben, in ihren sozialen und attitudinalen Charakteristika der Gesamtbevölkerung entsprechen oder von dieser abweichen. Bekanntlich ist letzteres tatsächlich der Fall, was impliziert, dass von Ausweitungen der Beteiligungsmöglichkeiten vor allem die Mittelschicht profitiert. Die deliberative Demokratie - das aktuell am intensivsten diskutierte normative Alternativmodell zur liberalen Repräsentativdemokratie - möchte Wahlen als deren zentrale Institution der Bürgerbeteiligung zwar nicht abschaffen, sieht aber in der politischen Diskussion der Bürger in der formalisierten Gestalt sogenannter deliberativer Mini-Publics, aber auch des informellen politischen Alltagsgesprächs den Königsweg zu besseren politischen Entscheidungen. Doch wie repräsentativ sind die politischen Diskussionen der Bürger*innen? Wir werden diese Frage auf Basis des ALLBUS 2018 mittels der in der Partizipationsforschung entwickelten Methoden untersuchen. Wir verwenden dazu in dieser Welle des ALLBUS enthaltene Instrumente, welche die Beteiligung an formellen und informellen politischen Diskussionen abbilden.

Vortragender:

  • Dr. Markus Tausendpfund ist akademischer Mitarbeiter an der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften, FernUniversität Hagen

Politische Unterstützung ist eine wichtige Voraussetzung für die Stabilität eines politischen Systems. In der empirischen Sozialforschung stellt die Zufriedenheit mit der Demokratie zwar einen zentralen, aber durchaus umstrittenen Indikator der politischen Unterstützung dar. Mit Daten der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften kann die Entwicklung der Zufriedenheit mit der Demokratie in Deutschland seit der Wiedervereinigung nachgezeichnet und zentrale (individuelle) Bestimmungsfaktoren identifiziert werden. Dabei wird zum einen untersucht, wie sich die Zufriedenheit mit der Demokratie in den alten und neuen Bundesländern entwickelt hat, und zum anderen, ob und wie sich die Erklärungskraft der individuellen Bestimmungsfaktoren im Zeitverlauf verändert hat.

Vortragende:

  • Karin Kurz ist Professorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt Sozialstrukturanalyse an der Fakultät für Sozialwissenschaften, Georg-August-Universität Göttingen

 

Termine im Sommersemester 2021

Vortragende:

  • Reinhard Pollak ist Professor für Soziologie an der Universität Mannheim und Leiter der Abteilung Dauerbeobachtung der Gesellschaft bei GESIS.
  • Walter Müller ist Professor (em.) für Soziologie an der Universität Mannheim. Seit 1999 ist er Mitglied der Leopoldina und seit 2007 Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften.

Vortragende:

  • Susanne Rippl ist Professorin für Soziologie an der Technischen Universität Chemnitz mit dem Schwerpunkt Politische Soziologie.

Ostdeutschland steht aufgrund der deutlich höheren Wahlergebnisse der AfD, als Ursprungsort von Pegida und nicht zuletzt wegen der Ereignisse von Chemnitz 2018 im Fokus politischer Analysen. Die Gruppe der 40-60 Jährigen erweist sich dabei als besonders offen für die Angebote rechtspopulistischer Akteure. Eine Generation, die zur Zeit des Mauerbaus geboren wurde und zur Wendezeit ihre Jugend bzw. ihr junges Erwachsenenalter durchlebte. Die Einstellungen dieser Altersgruppe werden daher im Zentrum der Analyse stehen. Es werden Wandlungsprozesse seit 1990 betrachtet - im Vergleich zu den gleichaltrigen Westdeutschen und zu den jüngeren Ostdeutschen der Nachwendegeneration. Dabei wird es auch um die Frage gehen, welche Erfahrungen diese Generation prägten und inwieweit diese eine Erklärung für die heute gefundenen Einstellungsmuster sein könnten.

Vortragende:

  • Karl-Dieter Opp, Universität Leipzig (Emeritus), University of Washington, Seattle (Affiliate Professor)
  • Peter Schmidt, Universität Gießen (Zentrum für Entwicklung und Umwelt) und Institut für Politikwissenschaften (Emeritus)

Gegenstand dieses Beitrags ist die Überprüfung eines Erklärungsmodells politischen Protests mit den Daten des Allbus 2018. Zur Erklärung politischen Protests gibt es mehrere theoretische Ansätze. Wir gehen davon aus, dass die Theorie kollektiven Handelns eine fruchtbare Theorie zur Erklärung von Protest ist. Diese Theorie wird zuerst kurz dargestellt. Wir werden dann ein theoretisches Modell zur Erklärung von Protest skizzieren, das wir mit den Daten des Allbus überprüfen. Dieses Modell wurde bereits mit Daten, die sich auf die Proteste in der DDR im Jahre 1989 beziehen, überprüft (Kittel und Opp 2019). In diesem Beitrag soll analysiert werden, inwieweit die Daten des Allbus 2018 dieses Modell erneut bestätigen. Ein erneuter Test dieses Modells mit dem Allbus ist ein besonders strenger Test, da sich die beiden Datensätze auf sehr unterschiedliche Situationen beziehen: zum einen auf Proteste in dem sich bereits in Auflösung befindlichen autoritären Regime der DDR im Jahre 1989, und zum anderen auf die Situation eines demokratischen Staates fast 30 Jahre später. Allerdings unterscheiden sich die Operationalisierungen der theoretischen Variablen. Zuerst wird die angewendete Theorie kollektiven Handelns und das auf dieser basierende Protestmodell dargestellt. Sodann werden die Operationalisierungen der Variablen des Allbus 2018 behandelt. Wir vergleichen diese dann mit den Operationalisierungen der DDR-Studie. Es folgt die Beschreibung der Ergebnisse unserer Analysen zur Überprüfung des Messmodells und der darauf aufbauenden Pfadmodelle. Abschließend weisen wir auf Grenzen unserer Arbeit sowie auf weitere unseres Erachtens erforderliche Forschungen hin.

 

Vortragende:

  • Elmar Schlüter ist Professor für Methoden der international vergleichende Sozialforschung an der Justus-Liebig-Universität Giessen.

Eine äußert umfangreiche Literatur widmet sich der Untersuchung individueller Bestimmungsfaktoren der Unterstützung rechtspopulistischer Parteien. Über seit langem bekannte – und teilweise gut bewährte – Faktoren wie ökonomische Deprivation, ausländerfeindlichen Einstellungen und Politikverdrossenheit hinaus richtet sich das Forschungsinteresse in jüngerer Zeit insbesondere auf das Konstrukt populistischer Demokratiekonzeptionen. Wie aber können diese Faktoren im Rahmen eines integrativen theoretischen Modells verknüpft und empirisch angemessen überprüft werden? Die Bearbeitung dieser Frage steht im Zentrum des Vortrages, der hierzu auf die besonders reichhaltigen Querschnitt-Daten des ALLBUS 2018 zurückgreift.