Das System Sozialer Indikatoren - eine Einführung

Die knapp 400 Indikatoren und über 3000 Zeitreihen, die das System sozialer Indikatoren gegenwärtig umfasst, vermitteln ein empirisches Bild der Veränderung der Lebensbedingungen der Bevölkerung und des Wandels von Makrostrukturen der Gesellschaft. Der Beobachtungszeitraum erstreckt sich vom Beginn der fünfziger Jahre bis zur Gegenwart und umfasst damit die gesamte Zeit der Existenz der Bundesrepublik Deutschland. Das Indikatorensystem als eine systematische und sowohl theoretisch als auch gesellschaftspolitisch begründete Auswahl von Indikatoren ist in erster Linie für die Wohlfahrtsmessung ausgelegt. Unter Wohlfahrt verstehen wir dabei die das "individuelle Wohl" bestimmenden objektiven Lebensbedingungen wie auch die darauf bezogenen subjektiven Bewertungen der Bürger. Die Mehrzahl der Indikatoren in dem vorliegenden Indikatorensystem misst den Grad, zu dem wohlfahrtsbezogene gesellschaftliche Werte und Ziele in den jeweiligen Lebens- oder Politikbereichen erreicht werden. Das System sozialer Indikatoren erhebt keinen Anspruch auf vollständige Erfassung aller wohlfahrtsrelevanten Tatbestände, aber es wird angenommen, dass die ausgewählten Bereiche für die individuelle Wohlfahrt von zentraler Bedeutung sowie von gesellschaftspolitischem Interesse sind und die konstruierten Indikatoren sich jeweils auf konkrete und repräsentative Wohlfahrtsziele beziehen, über die es in Politik und Gesellschaft einen breiten Konsens gibt. Das Indikatorensystem bietet daher eine Datenbasis, die es erlaubt, eine Bewertung der Lebensbedingungen der Bevölkerung und deren Wandel über die Zeit im Sinne eines Soll-Ist-Vergleichs vorzunehmen und die zu beobachtenden Entwicklungstrends als Verbesserung oder Verschlechterung beziehungsweise als sozialen Fortschritt oder Rückschritt zu interpretieren. Das System Sozialer Indikatoren basiert auf dem in den siebziger Jahren entwickelten SPES-Indikatorensystem (Sozialpolitisches Entscheidungs- und Indikatorensystem für die Bundesrepublik Deutschland), das nicht nur aktualisiert und um zusätzliche Bereiche erweitert, sondern auch in wesentlichen Aspekten modifiziert und weiterentwickelt wurde. Dazu gehört unter anderem die systematische Einbeziehung subjektiver Wohlfahrtskomponenten und Indikatoren der wahrgenommenen Lebensqualität.