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acatech und TU9 liefern neue Erkenntnisse zum Studienabbruch in den Ingenieurwissenschaften

| Kategorien: Geschlechterverhältnisse, Hochschulen, Hochschulforschung, Studium, MINT, Wissenschaft Aktuell

Eine am 1. Dezember 2017 erschienene Studie von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und TU9, dem Verbund führender Technischer Universitäten in Deutschland, zeigt: An Universitäten ist die Studienabbruchquote in den Ingenieurwissenschaften mit 21 bis 23 Prozent niedriger als bisher angenommen.

Ein Ergebnis: In den analysierten technischen Studiengängen beenden Frauen das Studium nicht häufiger vorzeitig als die Gesamtheit der Studierenden.

Der Grund: Im Vergleich zu früheren Untersuchungen konnten Fach- bzw. Hochschulwechsler berücksichtigt werden, die nicht als Studienabbrecher zählen. Trotz des positiven Befundes sprechen sich acatech und TU9 in einer gemeinsamen Position für eine weitere Senkung der Quote aus – und geben entsprechende Handlungsempfehlungen. 

Hinter jedem Studienabbruch steckt eine individuelle Geschichte: Nicht selten stehen die Betroffenen vor einer schwierigen Phase der Neuorientierung und müssen feststellen, dass sie wertvolle Lebenszeit in eine Ausbildung investiert haben, die nicht zu ihnen passt. Ganz anders bei Fachwechslern – etwa von Maschinenbau zu Elektrotechnik – oder Hochschulwechslern, die ihr Studium an einer anderen Einrichtung fortsetzen: sie gehen ihren Weg weiter und haben womöglich nur eine kleine Kurskorrektur vorgenommen.

In einer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten und von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und TU9 durchgeführten Untersuchung wurde nun zwischen Studienabbrechern, Fach- und Hochschulwechslern unterschieden; die Daten von rund 50.000 Studierenden, die zwischen Wintersemester 2008/09 und 2011/12 ein ingenieurwissenschaftliches Studium an einer Universität aufgenommen haben, wurden erfasst und ausgewertet. Das Ergebnis: Die Abbruchquote liegt zwischen 21 und 23 Prozent und damit deutlich niedriger als bislang angenommen. In der Studie wurde darüber hinaus erhoben, welche Rahmenbedingungen und Voraussetzungen sich mindernd auf die Abbruchquote auswirken. Best-Practice-Beispiele belegen, dass Eignungsfeststellungsverfahren, Online-Self-Assessments und integrierte Programme zur Studienunterstützung hier wirksame Mittel sein können. Auf Basis der Befunde richten acatech und TU9 in einem Positionspapier Empfehlungen an Hochschulen, Studierende und Politik.

acatech und TU9 geben u.a. folgende Empfehlungen:

  • Viele Studierende stellen erst im Studium fest, dass das Fach nicht zu ihnen passt, weil ihnen Qualifikationen fehlen oder weil sie das Curriculum nicht motiviert. Schon vor Studienbeginn sollten sie sich daher möglichst genau über Studieninhalte informieren können (z.B. im Rahmen eines Orientierungssemesters).
  • Die Länder müssen Hochschulen mehr Freiheiten bei der Ausgestaltung von Studien- und Prüfungsordnungen sowie der Auswahl von Studierenden zugestehen. Hochschulen sollten entlang ihres individuellen fachlichen Profils und unter Berücksichtigung ihrer regionalen Lage Eignungsfeststellungsverfahren, Orientierungsprüfungen, verpflichtende Vorkurse, Anwesenheitspflicht oder eine Studienhöchstdauer einführen dürfen. Laut Studie wirken sich diese Maßnahmen positiv auf die Studienabbruchquote aus.
  • Ein später Studienabbruch ist besonders problematisch für Studierende. Hochschulen und Unternehmen sollten abbruchwilligen Studierenden höherer Semester Alternativen anbieten – so können auch Studienabbrecher gefragte Fachkräfte werden.
  • Hochschulen und Politik müssen bei der Entwicklung von Maßnahmen zur Senkung der Studienabbruchquote enger zusammenarbeiten sowie die systematische Analyse hochschulübergreifender Daten vorantreiben.

Im Hinblick auf die Studienabbruchquote von Frauen wird in der Studie festgestellt: „In der Öffentlichkeit wird nicht nur über hohe Studienabbruchquoten in den Ingenieurwissenschaften diskutiert, sondern speziell auch über Benachteiligung von Frauen in technischen Studienfächern. Zahlenmäßig sind weibliche Studierende in den Ingenieurwissenschaften nach wie vor deutlich in der Minderheit. So auch in den in der vorliegenden Studie betrachteten Studiengängen: Der Anteil weiblicher Studierender liegt hier bei durchschnittlich 12 bis 19 Prozent. In den analysierten technischen Studiengängen beenden Frauen das Studium allerdings nicht häufiger vorzeitig als die Gesamtheit der Studierenden (siehe Abbildung 7). Höhe und Zusammensetzung des Schwundes unterscheiden sich in allen vier Anfängerkohorten kaum. Ausdiesem Grund werden folgend keine gesonderten Analysen für weibliche Studierende vorgenommen."

Download der Studie:

Klöpping, Susanne; Scherfer Marlene; Gokus, Susanne; Dachsberger, Stephanie; Krieg, Aloys; Wolter, Andrä et al.: Studienabbruch in den Ingenieurwissenschaften. Empirische Analyse und Best Practies zum Studienerfolg. München: Herbert Utz Verlag (acatech Studie).

Quelle, weitere Informationen und Stellungnahmen: PM - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, 01.12.2017

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