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Aktuelle OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" erschienen - Akademikerinnen weiter deutlich benachteiligt

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"Bildung zahlt sich aus – je höher der Abschluss, desto besser im Schnitt die Berufs- und Verdienstaussichten. Das gilt für Deutschland und OECD-weit, so die aktuelle Ausgabe der OECD-Studie Bildung auf einen Blick, deren Ergebnisse für Deutschland am 10. September 2019 in Berlin vorgestellt wurden. Die wachsende Nachfrage nach höherer Bildung ist demnach eine positive Entwicklung, die allerdings durch kluge Maßnahmen für die Zukunftsfähigkeit der verschiedenen Bildungsangebote begleitet werden sollte.

Die Studie Bildung auf einen Blick ist Teil der OECD-Kampagne „I am the Future of Work“ zur Zukunft der Arbeit. Sie vergleicht Bildungssysteme und Bildungsausgaben der 36 OECD-Länder und zehn weiterer Länder.

Die höhere akademische und berufliche Bildung ist der diesjährige Schwerpunkt der Studie. Sie wird OECD-weit immer stärker nachgefragt: 2018 hatten in den OECD-Ländern im Schnitt 44 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 25 und 34 Jahren einen solchen tertiären Abschluss. Zehn Jahre vorher waren es nur 35 Prozent. In Deutschland hatten im vergangenen Jahr 32 Prozent der jungen Erwachsenen einen tertiären Bildungsabschluss, gegenüber 24 Prozent im Jahr 2008. Dass Deutschland hier weit unter dem OECD-Durchschnitt liegt, geht weitgehend auf die starke Stellung der dualen Berufsausbildung zurück.

Die Studienergebnisse zeigen, dass trotz steigender Studierendenzahlen an Fach- und Hochschulen und in der höheren beruflichen Bildung das Angebot die Nachfrage nach höheren Qualifikationen nicht überschreitet. Im Gegenteil: Wer einen höheren Bildungsabschluss besitzt, verdient im Schnitt mehr – und zwar über alle Fachrichtungen hinweg – und ist seltener arbeitslos..."

"Geschlechtergefälle: Unter den jungen Erwachsenen sind es OECD-weit vor allem Frauen, die über eine tertiäre Ausbildung verfügen. Im Schnitt der OECD-Länder haben 51 Prozent der Frauen im Alter zwischen 25 und 34 Jahren einen tertiären Abschluss, bei Männern der gleichen Altersgruppe sind es 38 Prozent. In Deutschland ist dieser Geschlechterunterschied kleiner: 34 Prozent der jungen Frauen haben einen tertiären Abschluss und 31 Prozent der jungen Männer. Gleichzeitig verdienen aber besonders höherqualifizierte Frauen deutlich weniger als Männer mit vergleichbarem Abschluss. Ein Grund dafür mag sein, dass Frauen eher in Bereichen arbeiten, in denen niedrigere Gehälter gezahlt werden, wobei bei der Berufswahl oft auch Stereotype zu männlichen oder weiblichen Berufen eine Rolle spielen. Dem kann durch Programme zur Förderung von Frauen und Männern in Feldern, in denen sie bisher unterrepräsentiert sind, begegnet werden. Zudem steigen Frauen auch häufiger aus familiären Begründen eine Zeit lang aus dem Arbeitsleben aus oder arbeiten mit reduzierter Stundenzahl, was zu geringerer Bezahlung aber auch zu schlechteren Aufstiegschancen im späteren Berufsleben führen kann. Hier sind Anreize sinnvoll, die Auszeiten zur Kindererziehung für beide Geschlechter in ähnlicher Weise attraktiv machen, aber auch Maßnahmen, die eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern."

Quelle und weitere Informationen: PM - OECD, Berlin Centre, 10.09.2019

"Frauen sind insbesondere in den höchsten akademischen Positionen nach wie vor unterrepräsentiert. In den europäischen Ländern stellen Frauen nur ein Drittel der Forscher, und sie belegen nur ein Viertel der leitenden akademischen Positionen (European Commission, 2019[15]), während sie bei den Doktoranden noch fast die Hälfte stellen (s. Indikator B7). Forscherinnen arbeiten mit einer höheren Wahrscheinlichkeit unter Vertragsverhältnissen, die als „prekäre Beschäftigung“ gelten, und es bestehen weiterhin große Gehaltsunterschiede bei einer Tätigkeit in der wissenschaftlichen Forschung und Entwicklung (European Commission, 2019[15]). Auch in anderen Ländern sind Frauen ähnlich benachteiligt, z. B. in Australien (Winchester and Browning, 2015[16]) und den Vereinigten Staaten (Curtis, 2011[17]). In einigen Fächergruppen ist das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern noch ausgeprägter, wie z. B. in den MINT-Fachrichtungen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Es besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass familiäre Verpflichtungen und eine fehlende formelle Politik bzw. fehlende Programme zur Verringerung der Geschlechterkluft die Karriere und die berufliche Weiterentwicklung von Frauen im akademischen Bereich einschränken (Winslow and Davis, 2016[14]). Kürzlich erfolgte politische Bestrebungen in den OECD-Ländern zielen auf einen Strukturwandel ab, um den Anteil von Frauen im akademischen Bereich zu erhöhen. So hat beispielsweise die Europäische Union stark in das Projekt Institutional Transformation for Effecting Gender Equality (INTEGER)investiert, um den Karriereweg von Forscherinnen in europäischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu verbessern (European Commission, 2016[18])..."
(Auszug der Studie, http://www.oecd-berlin.de/download/OECD_2019_Final.pdf , S. 513)

Pressestimme:  Studium lohnt sich für Männer mehr als für Frauen. 
"Frauen werden schlechter bezahlt als Männer - vor allem dann, wenn sie einen akademischen Abschluss haben, zeigt eine neue OECD-Studie." Ein Beitrag von Susanne Klein auf sueddeutsche.de

 

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