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Bericht der AllBright Stiftung zum Frauenanteil in Führungspositionen: "Schlusslicht Deutschland"

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Deutschland ist Schlusslicht: Vergleicht man den Frauenanteil in den Vorständen der 30 führenden Börsenunternehmen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Polen, den USA und Schweden, belegt Deutschland den letzten Platz.

Zwar sind die Vorstände der großen DAX - Konzerne schon weiblicher und internationaler als die kleinen und mittleren deutschen Börsenunternehmen, doch erreichen sie am 1. April 2018 nur einen Frauenanteil von 12 Prozent.

Die USA und Schweden sind Deutschland weit voraus, der Frauenanteil in den Vorständen ist in diesen Ländern doppelt so hoch.

Unternehmen wie Apple, IBM, Volvo, Coca-Cola oder Hennes & Mauritz haben zum Teil bereits deutlichmehr als 30 Prozent Frauen in ihren Vorständen. Ebenso L’Oréal und Danone in Frankreich, Unilever in Großbritannien oder Energa in Polen.

Deutschland ist das einzige Land in diesem Vergleich, in dem keines der großen Börsenunternehmen überhaupt einen Frauenanteil von 30 Prozent im Vorstand erreicht. 90 Prozent der großen Börsenunternehmen in den USA haben mehrere Frauen im Vorstand – in Deutschland ist das die Ausnahme und gelingt nur Allianz, Daimler, SAP und Siemens. Und eine Frau kann in Deutschland Bundeskanzlerin werden, aber nicht CEO: Deutschland ist das  einzige Land im Vergleich, in dem kein einziges der großen Börsenunternehmen einen weiblichen CEO hat.

Gute gesellschaftliche Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind wichtig für einen hohen Frauenanteil im Management. Der Ländervergleich zeigt jedoch: Wirklich entscheidend ist die Einstellung der Unternehmen – wenn Frauen und Vielfalt im Top-Management strategisch gewollt sind, steigt der Anteil signifikant, unabhängig von den Rahmenbedingungen. In Schweden stieg der Frauenanteil in den Vorständen trotz jahrzehntelang bester Bedingungen erst, als die Unternehmen die betriebswirtschaftliche Relevanz gemischter Unternehmensführung realisierten. Die USA sind das Land mit den schlechtesten Rahmenbedingungen, doch nutzen die Unternehmen die weiblichen Ressourcen am konsequentesten und erreichen so den höchsten Frauenanteil in den Vorständen.

„Das Festhalten am Gewohnten und verkrustete Strukturen bremsen nicht nur die Entwicklung des Frauenanteils in deutschen Konzernen. Ein weiteres Zurückbleiben bei Diversität und Digitalisierung wäre mit Blick auf den internationalen Wettbewerb gefährlich“, kommentieren die Geschäftsführer der AllBright Stiftung das Ergebnis der Studie. „Es braucht einen grundsätzlichen Change of Mindset in deutschen Konzernen, und ein höherer Frauenanteil in den Vorständen kann ein hervorragender Treiber des notwendigen Wandels sein.“

Kontakt: Geschäftsführerin Wiebke Ankersen, Mobil: 0173-27 77 389; wiebke.ankersen(at)allbright-stiftung(dot)de

Geschäftsführer Christian Berg, Mobil: 0173-565 33 40; christian.berg@allbright-stiftung.de

Erscheinungsdatum: 14. Mai 2018

Quelle, Pressemeldung und Download ab 14. Mai: http//www.allbright-stiftung.de/allbright-berichte

Pressestimme:

Deutschland hat die wenigsten Frauen in Führungspositionen
Ein Beitrag von Henrike Roßbach, Berlin auf sueddeutsche.de.

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