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BuKoF: Koalitionsverhandlungen: Geschlechtergerechtigkeit in der Wissenschaft ernst nehmen!

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Geschlechtergerechtigkeit in der Wissenschaft hat in den Sondierungsgesprächen von CDU/CSU und SPD keine Rolle gespielt – so legen es die Ergebnisse nahe. Vor diesem Hintergrund fordert die Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen (bukof) die beteiligten Parteien nachdrücklich auf, das Thema in den anstehenden Koalitionsverhandlungen ernst zu nehmen und sich hier für die Umsetzung von Geschlechtergerechtigkeit in Hochschulen auf Basis des gesetzlichen Auftrages einzusetzen.

Die geringen Anteile von Wissenschaftlerinnen auf hochdotierten Professuren und in Leitungsfunktionen sind hinlänglich bekannt. Zu den Ursachen des Gender-Bias in der Wissenschaft liegen diverse Analysen vor. Ebenso viele Vorschläge für Maßnahmen und Instrumente stehen zur Verfügung. Es ist einiges passiert in den letzten Jahren. Doch nun muss es entschieden weitergehen, um das Ziel der Geschlechtergerechtigkeit an Hochschulen tatsächlich zu verwirklichen [1].

Förderprogramme für Geschlechtergerechtigkeit und Gleichstellungsarbeit dauerhaft und umfänglich finanzieren

Wir fordern die an den Koalitionsverhandlungen beteiligten Parteien auf, eigenständige gut ausgestattete Programme zur Förderung von Geschlechtergerechtigkeit und Gleichstellungsarbeit in den Hochschulen dauerhaft fortzuführen und neu aufzulegen.

Hierzu gehören beispielsweise das Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder und die Förderlinie des BMBF „Frauen an die Spitze“. Das Professorinnenprogramm trägt maßgeblich dazu bei, den Anteil von Wissenschaftlerinnen auf W3-Professuren zu erhöhen und eine geschlechtergerechte Hochschulkultur zu etablieren. Die Ergebnisse der geförderten Projekte aus der Förderlinie „Frauen an die Spitze“ liefern wertvolle Ansatzpunkte für innovative und wirksame geschlechterpolitische Maßnahmen in den Hochschulen. Das Wissenschaftsministerium sollte zudem ein eigenes Programm zur Förderung der Geschlechterforschung auflegen.

Geschlechtergerechtigkeit als Querschnittsthema in alle Bund-/Länderprogramme sowie bundesfinanzierte Forschungsförderung integrieren

Der Bund muss mit gutem Beispiel vorangehen und Geschlechtergerechtigkeit als Querschnittsthema in alle Bund-/Länderprogramme, die die Hochschulen adressieren, sowie in die bundesfinanzierte Forschungsförderung aufnehmen.

Es liegt in der Verantwortung der neuen Regierung, Qualitätsstandards für die bundeseigenen Aktivitäten zu definieren und umzusetzen. Wir fordern: Geschlechtergerechtigkeit muss integraler Bestandteil der Förderziele, Förderkriterien und Begutachtungsleitlinien aller Programme und Förderlinien sein.

Allgemeine Gleichstellungsstandards für alle Hochschultypen und Statusgruppen einführen

In Anlehnung an die Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards der Deutschen Forschungsgemeinschaft sprechen wir uns nachdrücklich dafür aus, „Allgemeine Gleichstellungsstandardsfür die Wissenschaft einzuführen.

Als Vorgaben von Bund und Ländern beziehen die Allgemeinen Standards alle Hochschultypen, alle Handlungsfelder und alle Mitgliedsgruppen an Hochschulen ein. Die bisher für die außeruniversitären Forschungseinrichtungen selbstverpflichtenden Zielquoten werden in die Allgemeinen Gleichstellungsstandards überführt und dort integriert. Die verbindliche Einführung Allgemeiner Gleichstellungsstandards muss von Seiten des Bundes und der Länder mit finanziellen Ressourcen unterlegt werden, so dass alle Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen – unabhängig von ihrer Größe, dem Sitzbundesland, ihrem Grundhaushalt und Drittmittelaufkommen – in die Lage versetzt werden, diese nachhaltig umzusetzen.

Bundesweiten Gleichstellungsrat einrichten

Vor dem Hintergrund der wenig synchronisierten Steuerung und Verbindlichkeit von Geschlechterpolitik in der Wissenschaft halten wir die Einrichtung eines hochrangig mit nationaler und internationaler Expertise besetzten Gleichstellungsrats für zukunftsweisend.

Seine Aufgabe wäre es, geschlechterpolitische Entwicklungen in Hochschulen und außeruniversitären Forschungsorganisationen zu beobachten, Empfehlungen für Programme und Maßnahmen auszusprechen und deren themen- und sachgerechte Umsetzung zu gewährleisten.

Kontakt: bukof Geschäftsstelle, Caren Kunze: geschaeftsstelle(at)bukof(dot)de

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[1] Siehe hierzu ausführlich die Stellungnahme der bukof im Rahmen des Öffentlichen Fachgesprächs im Bundestag zum Thema „Chancengerechtigkeit im Wissenschaftssystem“ am 19.10.2016 (Ausschussdrucksache 18(18)270).

Quelle: PM - BuKoF, 22.01.2018

http://www.bukof.de/tl_files/Veroeffentl/18-01-22-PM-bukof-Koalitionsverhandlungen.pdf

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