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Das Geschlechter-Kliff: Warum Frauen in einer Partnerschaft selten mehr verdienen als die Männer

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In vielen europäischen Ländern gilt: Bei der Hälfte des Haushaltseinkommens ist für die meisten Frauen Schluss. Es scheint, als würde noch immer die Einstellung vorherrschen, dass der Mann den Löwenanteil nach Hause bringen müsse. Doch eine neue Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung zeigt: Dass der Mann in der Regel mehr verdient als seine Partnerin, kann auch andere Gründe haben.

In den letzten Jahren und Jahrzehnten wurde in Sachen Gleichstellung viel erreicht: Frauen haben die Männer in der Bildung ein-, teilweise überholt, haben männlich dominierte Branchen erobert und auch Ehen werden gleichberechtigter geführt. Nach wie vor halten sich aber noch einige deutliche Geschlechterunterschiede in Familien: Dazu gehört, dass Männer in der Regel noch immer den größeren Anteil zum Haushaltseinkommen beitragen.

Die Daten aus 27 europäischen Ländern, die André Grow vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung und Jan Van Bavel von der Katholischen Universität Löwen (KU Leuven) für ihre Studie analysiert haben, zeigen dies eindrucksvoll (vgl. ein Auswahl hierzu in Abb.1): Die relative Einkommensverteilung steigt zunächst deutlich an – von dem Punkt, an dem Frauen gar nichts zum gemeinsamen Haushalt beitragen, bis zu dem Punkt, an dem Frauen und Männer gleich viel verdienen. Doch nach diesem 50:50-Punkt geht die Kurve steil nach unten. Während es also durchaus viele Partnerschaften gibt, in denen die Frauen fast so viel oder genauso viel wie die Männer verdienen, gibt es nur sehr wenige Paare, bei denen die Frau mehr verdient als der Mann. Eine Erklärung für dieses Einkommens-„Kliff“ scheint nahezuliegen: Eine Frau, die mehr verdient als der Mann, verstößt noch immer gegen soziale Normen, gegen die Rollenvorstellung vieler Menschen.
Tatsächlich aber lässt sich noch eine ganz andere Ursache für die gläserne Decke beim Einkommensanteil der Frauen finden. Grow und Van Bavel zeigen in einer aktuellen Studie, dass sich das Kliff auch einfach auf die unterschiedlichen Einkommenshöhen von Männern und Frauen zurückführen lässt. Schließlich verdienen Frauen im Schnitt immer noch deutlich weniger als die Männer.
Geht man nun davon aus, dass Männer und Frauen Partner mit hohem Einkommen gegenüber solchen mit niedrigem Einkommen vorziehen, dann werden sich Männer beim Einkommen ihrer Partnerin in der Regel mit weniger zufrieden geben müssen. Denn selbst ein gering verdienender Mann wird in der Regel mehr verdienen als eine gering verdienende Frau. Es gibt zwar dann auch viele Frauen, die besser verdienen als dieser Mann. Diese werden sich aber in der Regel auch besser verdienende Partner suchen – so die Vermutung. Auf diese Weise könnte ein Einkommens-„Kliff“ entstehen, ohne dass die Partner bewusst eine Situation vermeiden, in der die Frau mehr verdient.
Um diese These zu untermauern, haben die beiden Demografen eine Simulation durchgeführt. Etwas vereinfacht ausgedrückt, nahmen Sie die Einkommensdaten von 25- bis 45-jährigen Männern und Frauen aus 27 verschiedenen europäischen Ländern und schickten diese Datenpunkte auf einen virtuellen Heiratsmarkt.

Quelle, weitere Informationen zur Simulation und den Forschungsergebnissen sowie Abbildungen: PM - Max-Planck-Institut für demografische Forschung, 23.04.2020

Originalpublikation:

Grow, A.; van Bavel, J.:
The gender cliff in the relative contribution to the household income: insights from modelling marriage markets in 27 European countries
European Journal of Population Online First, 1–23. (2020)

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