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Emma Goldman Award für Anelis Kaiser Trujillo


Kategorien: Frauen- und Geschlechterforschung; MINT; Wissenschaft Aktuell

Prof. Dr. Anelis Kaiser Trujillo von der Professur Gender Studies in MINT am Institut für Informatik der Universität Freiburg hat den mit 50.000 Euro dotierten Emma Goldman Award erhalten. Der Preis wird an Wissenschaftlerinnen vergeben, die zu Ungleichheit und Feminismus in Europa forschen.

Bei der Preisvergabe am Institut für die Wissenschaft von Menschen (IWM) in Wien wurde ihre innovative Arbeit, bei der sie sich mit Geschlecht in der Neurowissenschaft beschäftigt, gewürdigt. Neben empirischer Sprachforschung, bei der sie fMRI, die funktionelle Magnetresonanztomographie einsetzt, analysiert sie, wie sex/gender als Variable in der kognitiven Neurowissenschaft operationalisiert und gemessen wird.  Dabei untersucht sie, wie sich das biologische mit dem sozialen Geschlecht im Experiment überschneidet und gegenseitig beeinflusst. Kaiser Trujillo verlässt in ihrer Forschung oft die Grenzen der Naturwissenschaften, um mit sozialwissenschaftlichen Methoden ihren Ansatz zu erweitern. Umgekehrt bringt sie biologische und naturwissenschaftliche Elemente in die Gender Studies hinein.

Durch ihre Arbeit gelangte sie zu der Erkenntnis, dass bei den Unterschieden des Gehirns weitere Variablen eine entscheidende Rolle spielen, wie zum Beispiel die Ethnie, die Herkunft, eine Behinderung oder die Sexualität. Folglich war es nicht ausreichend, lediglich weibliche Gehirne mit männlichen zu vergleichen, sondern es musste ein interdisziplinärer Ansatz für diese Art der Forschung gefunden werden. In ihrer Lehre trägt sie ein kritisches feministisches Denken in technische Fächer. Für ihren fächerübergreifenden Ansatz ist sie an der Uni Freiburg in Projekten in der kognitiven Neurowissenschaft, der Informatik, der Umweltforschung, der Biotechnologie sowie den Gender Studies und der Wissenschaftsforschung beteiligt.

Kaiser Trujillo studierte Psychologie in Basel und promovierte dort 2008 mit Studien im Bereich der Neurolinguistik und Sex/Gender in der fMRI-Forschung. Seit April 2017 ist sie Professorin für Gender Studies in MINT am Institut für Informatik der Universität Freiburg. Sie ist Mitbegründerin des Netzwerks Neurogenderings: Critical Studies of the Sexed Brain und engagiert sich für die Erhöhung des Frauenanteils in den MINT-Fächern.

Zum Preis: Der Emma Goldman Award wird jährlich zum Gedenken an die amerikanische Feministin Emma Goldman (1869-1940) von der niederländischen FLAX-Stiftung vergeben. Das Preisgeld wird direkt in Forschungsprojekte investiert. Auswahlkriterien für den Preis sind Originalität, Zukunftspotenzial und Relevanz für die Wissenschaft sowie der Bezug zu den Themen Feminismus und Ungleichheit in Europa.

Quelle, Kontaktadressen und weitere Informationen: PM - Universität Freiburg, 29.09.2021