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Geflüchtete geben Auskunft zum Hochschulzugang und Studium in Deutschland

| Kategorien: Diversity, Antidiskriminierung, Intersektionalität; Geschlechterverhältnisse; Hochschulen, Hochschulforschung; Migration; Wissenschaft Aktuell

Im März und April 2019 führte uni-assist e. V. in Kooperation mit der Humboldt-Universität zu Berlin eine ausführliche online-Befragung unter 19.500 geflüchteten Studieninteressierten durch. Das Ergebnis: 6.340 Personen gaben Einblick in ihre Erfahrungen mit dem Hochschulzugang und ihre ersten Schritte im Studium. Die Befragung liefert belastbare Zahlen zur Situation von Geflüchteten mit Studieninteresse in Deutschland.

Die Arbeits- und Servicestelle für internationale Studienbewerbungen uni-assist e. V. ist eine von über 185 Hochschulen in Deutschland getragene Einrichtung zur Vorprüfung internationaler Studienbewerbungen. Für Geflüchtete in Deutschland prüft uni-assist im Rahmen des kostenfreien Prüfverfahrens Studienbewerbungen kostenlos. Voraussetzung für eine kostenlose Studienbewerbung über uni-assist ist der Nachweis des Fluchthintergrunds über den Aufenthaltsstatus. Das kostenfreie Prüfverfahren wird finanziert vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) aus Mitteln des Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Die ersten Auswertungen der Befragung zeigen: Rund 73 % der befragten geflüchteten Studienbewerber*innen im kostenfreien uni-assist Prüfverfahren haben eine Zulassung zu einem Studium erhalten. Übertragen auf alle Bewerber*innen im kostenfreien Prüfverfahren dürften damit fast 13.000 geflüchtete Personen aktuell eine Zulassung für ein Studium in ganz Deutschland haben. „Diese Größenordnung lässt vermuten, dass die Zahl immatrikulierter Geflüchteter in Deutschland deutlich höher ist, als bisher durch andere Analysen vorgestellt“, sagt Nora Sinemillioglu, Projektleiterin des kostenfreien Prüfverfahrens für Geflüchtete in Deutschland.

19.500 Personen, die einen Antrag auf Kostenbefreiung bei uni-assist eingereicht haben, wurden aufgefordert an der Befragung teilzunehmen. Nach Abschluss der Befragung hatten 6.340 Menschen mit Fluchthintergrund vollständig ausgefüllte Fragebögen eingereicht. Der anonyme online-Fragebogen mit rund 100 Fragen war auf Deutsch, Englisch und Arabisch verfügbar. Er enthielt Fragen zu allgemeinen demographischen Angaben, zur uni-assist Kostenbefreiung, zur Bewerbungsvorbereitung, zur Studienbewerbung selbst und zum Studium.

Die Befragten gaben mehrheitlich an, aus Syrien zu stammen (81 %); jeweils 2–3 % gaben an, ihre Staatsangehörigkeit sei afghanisch, irakisch, iranisch, türkisch oder sie seien staatenlos. 81 % gaben an, dem männlichen Geschlecht anzugehören, 19 % dem weiblichen. Hinsichtlich des Alters befanden sich knapp 95 % im Alter zwischen 17 und 34 Jahren. Die große Mehrheit kam im Jahr 2015 oder früher nach Deutschland: Fast 70 % gaben als Ankunftsjahr 2015 an, jeweils etwa 15 % sagten, bereits davor oder danach eingereist zu sein.

Interessante Einblicke gab es auch bei den ersten Studienerfahrungen von Geflüchteten. Während der Großteil im Studium zufrieden ist und auch angibt, gut zurecht zu kommen, scheint vor allem die Fachsprache den Studienabschluss verzögern oder gar gefährden zu können. Denn 61,5 % gaben an, dass sie die Fachsprache im Studium vor Probleme stelle. Auch gaben die Befragten an, dass die Wohnsituation (23,8 %) sowie vor allem die Finanzierung (56,2 %) des Studiums einen erfolgreichen Studienabschluss gefährden. Ihre finanzielle Lage schätzten 86,4 % der Befragten im Studium als eher prekär ein. „Diese Ergebnisse machen deutlich, dass zusätzliche Unterstützungsprogramme, auch finanzielle, notwendig sein könnten, um geflüchteten Studierenden die Sicherheit für einen erfolgreichen Studienabschluss zu geben“, erläutert Nora Sinemillioglu.

Als zentrale Prüfstelle von internationalen Studienbewerbungen für Mitgliedshochschulen in allen deutschen Bundesländern verfügt uni-assist über eine in Deutschland einzigartige Datenlage zu geflüchteten Studieninteressierten und Akademiker*innen. „Die vorliegende Datenbasis kann für die weitere Flüchtlingsforschung aber auch für die Forschung zu internationalen Studieninteressierten sehr gewinnbringend sein“, betont Sinemillioglu.

Weiterführende Befragungsergebnisse wurden im Magazin Flucht und Studium veröffentlicht.

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin: Nora Sevbihiv Sinemillioglu, Projektleiterin Kostenfreies Prüfverfahren für Geflüchtete in Deutschland, uni-assist e. V., n.sinemillioglu(at)uni-assist(dot)de

Weitere Informationen:

http://www.uni-assist.de/gefluechtete/infos-fuer-institutionen/informationsmater..

Quelle: PM - uni-assist e. V., 17.07.2019

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