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Hasskommentare in der politischen Social-Media-Kommunikation


Kategorien: Diversity, Antidiskriminierung, Intersektionalität; Wissenschaft Aktuell

Wirtschaftswissenschaftler der Justus-Liebig-Universität Gießen untersuchen Häufigkeit von Hasskommentaren auf Twitter – Abhängig von Parteizugehörigkeit, sexueller Orientierung und Ethnizität.

Hasskommentare in den sozialen Medien sind zu einem Problem geworden, das in einem besonderen Maße auch Politikerinnen und Politiker betrifft. Wissenschaftler des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) haben sich in einer aktuellen Studie mit Hate Speech auf Twitter beschäftigt und analysiert, welche persönlichen Merkmale mit dem Auftreten von Hasskommentaren zusammenhängen. „Das Risiko, Opfer von Hate Speech auf Social Media zu werden, ist bei Politikerinnen und Politikern auch von Parteizugehörigkeit, sexueller Orientierung und Ethnizität abhängig“, sagt Prof. Dr. Nicolas Pröllochs, Professor Data Science & Digitalisierung.

Die zentralen Ergebnisse der Studie zeigen: Tweets von Demokratinnen und Demokraten erhalten – im Vergleich zu Republikanerinnen und Republikanern – einen um 3,67 Prozent höheren Anteil an Hasskommentaren; Politikerinnen bekommen für ihre Tweets – im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen – 7,71 Prozent mehr Hasskommentare. Besonders hoch ist der Anteil von Hasskommentaren bei Tweets von nicht-weißen Politikerinnen und Politikern: Der Anteil ist um 37,75 Prozent höher als bei Weißen.

Prof. Pröllochs und sein Mitarbeiter Kirill Solovev haben über einen Zeitraum von sechs Monaten die Tweets von 541 Mitgliedern des US-Kongresses und die Reaktionen analysiert. Methodisch nutzten sie maschinelles Lernen und ein sogenanntes hierarchisches Regressionsmodell, um zu bestimmen, welche Auswirkungen Parteizugehörigkeit, sexuelle Orientierung und Ethnizität einer Politikerin oder eines Politikers auf die Inhalte und den Tonfall von negativen Kommentaren in Social Media haben.

„Es wäre aus unserer Sicht ein falsches Signal, aus Angst vor Hasskommentaren Social Media als Dialogmedium nicht mehr zu nutzen“, betont Pröllochs. „Stattdessen empfehlen wir, die Follower aktiv zu einer sachlichen Diskussion zu ermutigen, die auf persönliche Anfeindungen verzichtet. Mainstream-Social-Media-Plattformen setzen zudem zunehmend auf Content Moderation, so dass Hate Speech gemeldet werden kann und gegebenenfalls gelöscht wird. Zudem können Betroffene von Hate Speech auch rechtliche Schritte erwägen.“

Originalpublikation:

Kirill Solovev and Nicolas Pröllochs. 2022. Hate Speech in the Political Discourse on Social Media: Disparities Across Parties, Gender, and Ethnicity.
In Proceedings of the ACM Web Conference 2022 (WWW '22). Association for Computing Machinery, New York, NY, USA, 3656–3661.
DOI: https://doi.org/10.1145/3485447.3512261

Quelle und wissenschaftliche Ansprechpartner: PM - JLU, 07.09.2022