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Keine einzige Universitätsleitung stammt aus Ostdeutschland

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Die typische Universitätsleitung ist männlich, deutsch und 59 Jahre alt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des CHE Centrum für Hochschulentwicklung. Die Auswertung der Lebensläufe von Universitätspräsident(inn)en und – rektor(inn)en zeigte zudem ein starkes regionales Gefälle: Jede dritte Führungskraft stammt aus Nordrhein-Westfalen, keine einzige aus einem ostdeutschen Bundesland.

Im Durchschnitt sind die Rektor(inn)en oder Präsident(inn)en an staatlichen Universitäten 59 Jahre alt. 95 Prozent der Universitätsleitungen kommen aus Deutschland, lediglich bei vier Personen liegt der Geburtsort im Ausland. Rund ein Drittel stammt aus Nordrhein-Westfalen. Keine Führungskraft einer staatlichen Universität wurde dagegen in Ostdeutschland geboren.

„Es ist nur eine Momentaufnahme - aber 30 Jahre nach der Wiedervereinigung ist eine Universitätslandschaft ohne Top-Führungskräfte mit ostdeutschen Wurzeln schon bemerkenswert“, urteilt Frank Ziegele. Der CHE Geschäftsführer wünscht sich dabei generell eine größere Heterogenität auf allen Ebenen: „Bei den studentischen Bildungsbiografien ist die Vielfalt auf dem Campus angekommen, warum nicht auch mehr Vielfalt in den Führungspositionen?“

Ein klares Bild zeigt sich auch noch beim Geschlechterverhältnis: Drei Viertel aller Universitäten werden aktuell von Männern geleitet. Zuvor war die Quote noch höher, denn jede vierte Universitätspräsidentin oder – rektorin ist erst 2018 neu ins Amt gekommen.

Deutlich differenzierter sind die Ausbildungswege der Führungskräfte. „Unter den heutigen Hochschulleitungen finden sich neben Juristen auch Sportwissenschaftler und ehemalige Lehramtsstudenten“ merkt Studienleiterin Isabel Roessler an.

Positiv neben dieser biografischen Fächervielfalt bewertet die Senior Projektmanagerin beim CHE auch die Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb der Hochschullandschaft: „Die Zeiten, bei denen man nach Führungsjobs an der Hochschule wieder ins zweite Glied zurücktreten musste, scheinen vorbei zu sein. Jede zweite Hochschulleitung hat bereits zuvor Erfahrungen als Vizepräsident oder Vizepräsidentin im Präsidium gesammelt.“ Sechs Personen haben bereits zuvor eine andere Universität geleitet.

Ziel der CHE Analyse ist es, Transparenz über die Situation der Führungskräfte an deutschen Hochschulen zu schaffen. „Universitäten zählen oft zu den größten Arbeitgebern einer Stadt oder Region. Auch deshalb tragen Hochschulleitungen eine mindestens so große Verantwortung wie CEOs in Unternehmen“, konstatiert CHE Geschäftsführer Frank Ziegele. Deshalb sei es wichtig, die speziellen Karrierewege im Hochschulmanagement zu analysieren und besser zu verstehen. Im Herbst 2019 werden die vorliegenden Daten vom CHE um Führungskräfte von Fachhochschulen und Hochschulen für angewandte Wissenschaften ergänzt.

Über diese Publikation
Autorin der Publikation „CHECK – Universitätsleitung in Deutschland“ ist Isabel Roessler. Die mehr als 2.500 analysierten Daten stammen aus im Netz veröffentlichten Lebensläufen der Hochschulleitungen, ergänzt durch Nachfragen bei Präsidien und Rektoraten. Enthalten sind die Daten aller 81 öffentlich-rechtlichen Universitäten – ausgenommen Pädagogische Hochschulen und Kunstuniversitäten. Stand der Erhebung ist Dezember 2018.

Roessler, Isabel: CHECK - Universitätsleitung in Deutschland, Gütersloh, CHE, 15 Seiten, ISBN 978-3-947793-19-8

http://www.che.de/downloads/CHECK_Universitaetsleitung_in_Deutschland.pdf

Quelle: PM - CHE, 07.02.2019

Pressestimme:

59, männlich, westdeutsch

Die deutschen Universitäten wollen dynamisch sein, vielfältig, international. Eine Studie zeigt nun die Realität in ihren Chefetagen.

Blog, JAN-MARTIN WIARDA, 07.02.2019

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