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Kulturwandel hin zu mehr Geschlechtergerechtigkeit: Good Practice in der Hochschulmedizin

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Vom 20. bis 22. Juni 2018 fand an der Universitätsmedizin Göttingen die 27. Jahrestagung der bukof-Kommission „Gleichstellungsarbeit an medizinischen Fakultäten und Universitätsklinika“ statt. Im Zentrum der Diskussionen stand die Frage, welche Maßnahmen und Instrumente dazu beitragen können, den Gender Gap in der Hochschulmedizin zu verkleinern.

Mit drei Stellschrauben Kultur verändern!

Rund zwei Drittel der Studierenden im Fach Humanmedizin sind weiblich – in der Zahnmedizin liegt der Anteil noch höher – der Professorinnenanteil beträgt jedoch nur 16 %. In den letzten zehn Jahren wurde dieser Anteil zwar gesteigert, aber die Entwicklung geht nur langsam voran. Im Rahmen der Tagung wurden drei Stellschrauben für Verbesserungen identifiziert:

  •    Wissenschaftskarrieren müssen planbarer sein.
  •    Arbeitsbedingungen verbessert werden.
  •    Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie muss strukturell ermöglicht werden.

„Der Anfang ist längst gemacht und ein Kulturwandel wird sichtbar – obwohl Frauen aktiver auf sich und ihre Ziele aufmerksam machen müssen. Eine Wissenschaftskarriere in der Medizin wird bei Männern häufiger als selbstverständlich angenommen“, so Dr. Beate Kortendiek in ihrem Bericht über den aktuellen Gender Report zu nordrhein-westfälischen Hochschulen mit dem Schwerpunkt des Gender Gaps in der Hochschulmedizin. Damit macht sie auf den besonderen Karriereweg in der Medizin aufmerksam, der neben Forschung und Lehre auch die fachärztliche Weiterbildung und die Krankenversorgung umfasst.

Einige medizinische Fakultäten und Universitätsklinika haben bereits neue Wege beschritten und innovative Maßnahmen für einen Kulturwandel hin zu mehr Geschlechtergerechtigkeit erprobt: So hat die Medizinische Fakultät Würzburg mit der Einführung einer geteilten W3-Professur für Allgemeinmedizin gezeigt, dass das Tabu der Nichtteilbarkeit von Leitungspositionen durchbrochen werden kann. Dabei sind ein gemeinsames Konzept, gute Absprachen und die Unterstützung der Fakultät bei der Umsetzung wichtig.

Mit einem anderen Good-Practice Beispiel geht die Universitätsmedizin Göttingen voran: Zusammen mit Ärztinnen und Ärzten sowie dem Betriebsärztlichen Dienst hat sie erfolgreich die Möglichkeit umgesetzt, trotz Schwangerschaft im OP arbeiten zu können.

Zu guten Arbeitsbedingungen gehört auch der Schutz vor sexualisierter Belästigung und Diskriminierung. Eine Studie an der Charité geht auf Grenzüberschreitungen in Unternehmen ein und hat dafür 120 Betriebs- und Dienstvereinbarungen ausgewertet. Damit ist eine gute Datengrundlage für alle Institutionen geschaffen, um Verantwortung in diesem Bereich zu übernehmen und zielgerichtet Instrumente einzusetzen.

Geschlechtergerechtigkeit erreichen!

„Die benannten Institutionen haben es vorgemacht. Nun ist es an der Zeit, dass andere Institutionen folgen und ebenfalls an den Stellschrauben drehen. Die Maßnahmen sind zentrale Schritte, um einen Kulturwandel zu initiieren und zu befördern. Mittel- und langfristig müssen die darin enthaltenen Ideen und Modelle zu einer gelebten Selbstverständlichkeit im Alltag der Hochschulmedizin werden“, fassen die Sprecherinnen der Kommission Klinika Anja Lipschik, Maike Busson-Spielberger und Bettina Pollok die Ergebnisse der dreitägigen Tagung zusammen.

Kontakt: geschaeftsstelle(at)bukof(dot)de

Quelle: https://bukof.de/wp-content/uploads/18-06-28-PM-JT-Klinika.pdf

 

 

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