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Kompetenz­zentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung

Mehr Frauen in neurologische Führungspositionen! Eine Initiative der DGN


Kategorien: Geschlechterverhältnisse; Gleichstellungspolitik; Wissenschaft Aktuell

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie hat sich dem Thema Gender Equality gewidmet und eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von DGN-Past-Präsidentin Prof. Dr. Christine Klein, Lübeck, gegründet. Hintergrund ist, dass der Anteil von Klinikerinnen in Führungspositionen weiterhin niedrig ist und deutlich unter dem Anteil männlicher Kollegen liegt. Das gilt für nahezu alle Disziplinen, mit Ausnahme der Gynäkologie und Dermatologie .

Nach Eigenrecherche der Arbeitsgruppe besetzen lediglich neun Frauen eines der 63 Ordinariate in der Neurologie – das sind rund 15 Prozent. In den kommunalen Häusern sieht es sogar noch schlechter aus: Von 252 Chefarztpositionen sind 20 von Frauen besetzt, das ist als weniger als 10 Prozent. „Das muss uns zu denken geben, und zwar insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Hälfte der Mitglieder unser Fachgesellschaft weiblich ist und im Medizinstudium und der Weiterbildungszeit Frauen bei Weitem in der Überzahl sind“, erklärt Prof. Christine Klein. „Wir müssen uns fragen: Warum kommen Frauen nicht ‚oben‘ an?“

Um diese Frage zu beantworten, hat die Arbeitsgruppe eine Befragung der DGN-Mitglieder durchgeführt. Von 9.600 DGN-Mitgliedern mit E-Mail-Adresse haben 499 den Fragebogen ausgefüllt und zurückgeschickt, die Rücklaufrate lag also bei 5,2 Prozent. Hinsichtlich der Karrierestufenverteilung repräsentieren die Umfrageteilnehmenden in etwa die DGN-Mitgliederstruktur, lediglich der Anteil der Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung war etwas geringer als in der Fachgesellschaft. Auffällig war aber, dass sich mehrheitlich weibliche DGN-Mitglieder (69,6 Prozent) an der Umfrage beteiligt haben.

Die Befragung ergab, dass Frauen und Männer am Anfang der Karriere prinzipiell gleich motiviert sind, weit zu kommen. Doch im Verlauf der Karriere kommt es im Zuge der Familiengründung bei Frauen zu einer stärkeren Orientierung aufs Private – gerade Frauen mit kleinen Kindern können und/oder möchten oft nicht Vollzeit arbeiten, wenn es kein familiäres „Back-up“ durch Partner oder Eltern gibt. Die Befragung zeigte, dass Frauen sehr viel häufiger als Männer in Teilzeit arbeiten – und das über alle Karrierestufen hinweg. Besonders oft waren Frauen, die in Partnerschaft leben und mindestens ein Kind haben, in Teilzeit (fast 60 Prozent), bei in Partnerschaft lebenden Männern mit mindestens einem Kind gaben hingegen nur 15 Prozent an, in Teilzeit zu arbeiten. Das zeigt, dass in Partnerschaften lebende Männer weniger häufig die Karriere für die Kinder zurückstellen als Frauen. „Es ist schwierig zu beurteilen, wie viele Frauen das aus ‚systemischen Gründen‘ machen, einfach weil der Mann vielleicht mehr verdient oder sich keine Betreuung für die Kinder organisieren lässt, und wie viele Frauen ganz bewusst und aus eigenem Willen ihre Prioritäten verändern und die eigene Karriere der Familie unterordnen.“

Quelle, weitere Befragungsergebnisse und Informationen: PM - Deutsche Gesellschaft für Neurologie, 04.11.2022