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Rat für Migration veröffentlicht Stellungnahme zur Diskreditierung rassismuskritischer Forschung und Forscher*innen

| Kategorien: Diversity, Antidiskriminierung, Intersektionalität; Migration; Wissenschaft Aktuell

Der Rat für Migration hat am 3. Februar 2021 eine Stellungnahme zur Diskreditierung rassismuskritischer Forschung veröffentlicht.

In der aktuellen Stellungnahme des Rates heißt es:

"Die Kritik an Wissenschaft, das Hinterfragen von wissenschaftlichen Befunden, Theorien und Analysen ist konstitutiver Bestandteil der wissenschaftlichen Praxis und genuines Element einer akademischen Streitkultur, die das Ziel verfolgt, die Angemessenheit  der jeweils ausgewählten Theorien und empirischen Methoden für die Erforschung naturwissenschaftlicher und sozial- und gesellschaftswissenschaftlicher Phänomene zu befragen. Begründete akademische Kritik dient der Qualität der Forschung, der Zuverlässigkeit der Ergebnisse und der Transparenz der Analyseschritte. In Bezug auf andere gesellschaftliche Bereiche hat Wissenschaft zudem die Aufgabe, ihre Ergebnisse zu kommunizieren und diese in gesellschaftliche Gestaltungsprozesse einfließen zu lassen.  Auch diese Prozesse leben in einer demokratischen, pluralistischen Wissensgesellschaft von offen ausgetragenen Kontroversen."

Von einer so verstandenen konstruktiven Wissenschaftskritik abzugrenzen sei die interessengeleitete Diskreditierung von Wissenschaftler*innen und Forschungstraditionen.  Aktuelles Beispiel hierfür sei der der Versuch der AfD, den angeblich „gesellschaftsspaltenden Auswirkungen des allgegenwärtigen Rassismusvorwurfs“ ein Ende setzen zu wollen, indem kurzerhand wissenschaftliche Befunde zur Existenz des strukturellen Rassismus in Deutschland und zu rassistischen Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft als ideologisch verbrämt und unhaltbar dargestellt werden. In einem Beschlussantrag hatte die AFD den Deutschen Bundestag zudem aufgefordert, den Nationalen Aktionsplan gegen Rassismus aufzuheben.

"In jüngster Zeit häufen sich Versuche der Diskreditierung der Rassismusforschung durch gezielte Diffamierung ausgewiesener Rassismusforscher*innen. Mit Unterstellungen wird nicht nur ihre wissenschaftliche Integrität in Zweifel gezogen, sondern ihnen werden in verschwörungstheoretischer Manier gesellschaftszersetzende Intentionen untergeschoben. Die dabei bemühte Argumentation ereifert sich in kaum verhüllten, rassistisch grundierten Phantasmen, etwa in den Anwürfen des Sprechers der Fraktion der AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt gegen Professorin Maisha Maureen Auma" stellt der Rat in seiner Stellungnahme fest.

Quelle: PM - Rat für Migration, 03.02.2021

Kontakt: info(at)rat-fuer-migration(dot)de