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Teilzeit: Im Job etabliert, im Studium noch nicht

| Kategorien: Wissenschaftspolitik, Vereinbarkeit, Studium, Wissenschaft Aktuell

Mehr als ein Drittel aller Menschen in Deutschland arbeitet nicht in Vollzeit. Im Studium ist das Thema Teilzeit dagegen noch nicht weit verbreitet. Nur 6,8 Prozent der Studierenden studieren offiziell in Teilzeit. Nur 12,8 Prozent aller Studiengänge stehen explizit auch Studierenden in reduziertem zeitlichem Umfang offen. Dies zeigt eine Analyse des CHE Centrum für Hochschulentwicklung.

Die Nachfrage nach einem offiziellen Teilzeit-Studium ist überschaubar. Zum Wintersemester 2015/16 studierten laut Statistischem Bundesamt rund 190.000 Studierende nicht in Vollzeit. Der seit Jahren steigende Anteil Teilzeit-Studierender liegt aktuell bei 6,8 Prozent. Der Anteil der „de facto“-Teilzeitstudierenden, die zwar in einen Vollzeit-Studiengang eingeschrieben sind, aber weniger intensiv und länger als vorgesehen studieren, weil sie etwa nebenbei arbeiten müssen, dürfte deutlich höher liegen.

„Anders als im Berufsleben ist die Option Teilzeit an staatlichen Hochschulen in Deutschland leider immer noch keine Selbstverständlichkeit“, bilanziert Frank Ziegele. Hinzu kämen Nachteile für Studierende, etwa bei der Studienfinanzierung. „So lange es im Teilzeit-Studium keinen Anspruch auf BAföG gibt, erscheint es als Studium zweiter Klasse. Das ist ein fatales Signal. Denn der Anteil an Studierenden, deren Lebensmittelpunkt nicht die Hochschule, sondern Beruf und Familie ist, wird stetig größer“, so der CHE Geschäftsführer.

Im Ländervergleich verzeichnet Hamburg die höchste Quote an Teilzeit-Studierenden. Im Stadtstaat studiert rund jeder fünfte Studierende nicht in Vollzeit. Das liegt u.a. an zwei dort beheimateten privaten Fern-Hochschulen, deren rund 16.000 Studierende überwiegend ein Teilzeit-Studium absolvieren.

Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland in punkto Teilzeit schlecht ab. Nach OECD-Berechnungen liegt die deutsche Studierendenquote im Bachelorbereich mit 10 Prozent deutlich unter dem OECD-Schnitt von 18 Prozent.

„Länder wie Schweden zeigen, was unter den entsprechenden politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen möglich ist. Dort studiert jeder Zweite nicht in Vollzeit“, veranschaulicht Studienautor Cort-Denis Hachmeister den Unterschied zu Deutschland. Ein Grund dafür könnte sein, dass schwedische Teilzeit-Studierende finanzielle Unterstützung erhalten.

Der niedrige Anteil von Studierenden in Deutschland, die offiziell einen Teilzeit-Studiengang belegen, dürfte auch am geringen Angebot entsprechender Studiengänge liegen. Jeder achte Studiengang in Deutschland steht nach den Angaben im HRK Hochschulkompass auch Studierenden in Teilzeit offen. Die Quote an Teilzeitstudiengängen liegt im aktuellen Wintersemester 2017/18 bei 12,8 Prozent. Sie ist im Vergleich zum Wintersemester 2015/16 (10,6 Prozent) leicht gestiegen.

Die höchste Quote an Teilzeit-Studiengängen weist das Saarland auf, wo rund zwei Drittel aller Studiengänge in Teilzeit studiert werden können. Dahinter folgen Hamburg und Brandenburg mit 54 und 35 Prozent. In sieben Bundesländern liegt der Anteil an Teilzeit-Angeboten unter 10 Prozent. Schlusslicht ist Bremen, wo nur einer von fünfzig Studiengängen auch in geringerem Umfang pro Semester absolviert werden kann.

Insgesamt ist das Teilzeit-Angebot an Universitäten mit 14,6 Prozent etwas umfangreicher als das an Fachhochschulen mit 11,1 Prozent. Auch im Masterbereich (15,7 Prozent) haben Menschen, die etwa parallel zum Beruf ein Studium absolvieren möchten, eine größere Auswahl als im Bachelor-Bereich (11,1 Prozent).

In den Gesellschafts- und Sozialwissenschaften besteht die Teilzeit-Option in jedem sechsten Studiengang. Gleiches gilt auch für die Sprach und Kulturwissenschaften sowie die Medizin und Gesundheitswissenschaften. Die geringste Quote an Teilzeit-Angeboten gibt es mit 5,8 Prozent im Fachbereich Kunst, Musik und Design.

Über diese Studie:

Im Auftrag des CHE Centrum für Hochschulentwicklung analysierte CHE Consult die Entwicklung von Teilzeit-Studienangeboten in Deutschland. Die Analyse umfasste die Studienangebote der Hochschulen, die Nachfrage bei den Studierenden sowie ausgewählte internationale Beispiele. Grundlage für die Teilzeit-Angebots-Quote sind die Daten des Hochschulkompasses der Hochschulrektorenkonferenz für das Wintersemester 2017/18. Die Anteile der Teilzeit-Studierenden beruhen auf Angaben des Statistischen Bundesamtes für das Wintersemester 2015/16. Verfasser(innen) der Studie „CHE Teilzeitstudium-Check 2017/18 – Teilzeit-Studiengänge und Teilzeit-Studierende in den einzelnen Bundesländern“ sind Anna Gehlke, Cort-Denis Hachmeister und Lars Hüning. Die Publikation ist Teil des CHE Themenschwerpunktes „Hochschulbildung wird zum Normalfall“. Die wichtigsten Informationen zum Thema, Checklisten und eine kommentierte Linkliste findet sich unter: www.che.de/teilzeit.

Ansprechpartner: Cort-Denis Hachmeister, Tel. 05241-976135, E-Mail cort-denis.hachmeister(at)che(dot)de

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