Center für Geschlechterverhältnisse in der Wissenschaft

11. Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Geschlechterforschung: "Gender_Queer Worldings: Gewalt, Bündnisse, Zukunftsentwürfe", Innsbruck

Zeitraum:
Veranstalter: Österreichische Gesellschaft für Geschlechterforschung (ÖGGF)
Ort: Innsbruck
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In einer Welt, die durch das Aufeinandertreffen multipler ökonomischer, demokratiepolitischer und ökologischer Krisen und durch das Erstarken autokratischer Systeme gekennzeichnet ist und in der Angriffe auf das Leben von Frauen∗, trans∗, inter∗, non-binären und queeren Personen sowie auf feministische, queere und trans∗ Politiken zunehmen, sind die Gender Studies mehr denn je gefordert, gesellschaftliche Veränderungen zu analysieren sowie alternative Zukunftsszenarien zu entwickeln. Die 11. Konferenz der ÖGGF befasst sich unter dem Titel Gender_Queer Worldings mit den vielfältigen Weisen, wie Welten geschaffen und gestaltet werden. Unter Worlding verstehen wir Formen der Weltgestaltung und -erzeugung und somit die dynamischen Prozesse, durch die Realitäten ins Leben gerufen, aufrechterhalten, angefochten und neu gedacht werden. Welt(en) verstehen wir dabei nicht als gegeben, sondern durch Beziehungen von Macht, Sorge, Gewalt und Widerstand hervorgebracht und auch veränderbar. Im Zentrum der Konferenz stehen die Fragen, wie Welten durch gewaltförmige Strukturen wie Patriarchat, Cis-Heteronormativität, Rassismus, Kolonialismus, Kapitalismus und Ableismus erzeugt und aufrechterhalten werden und wie feministische, crip, queere, trans∗, inter∗ sowie post- und dekoloniale Praktiken, Politiken, Aktivismen und Wissenschaften Räume für denk- und lebbare Utopien und Zukunftsvisionen eröffnen können. Vor dem Hintergrund der aktuellen Transformationsprozesse möchte die Konferenz einen Raum für kritische und kreative Dialoge über die Gegenwart, über bestehende und mögliche Bündnisse sowie über Widerstände und Solidaritäten schaffen. Dabei soll es auch um Reflexionen der Errungenschaften und Grenzen der Gender Studies und Sozialer Bewegungen sowie des Potentials von „unseren“ Theorien, Ansätzen und Praktiken für das Schaffen von gender_queeren Weltentwürfen gehen. Das Thema der Konferenz – Worlding – bezieht sich auf die vielfältigen, immer auch verkörperten Prozesse des Herstellens und Gestaltens von Welt(en) und des Lebens in diesen – in Konstellationen des Gestaltens, der Sorge, der Imaginationen und des Werdens. Worlding ist dabei in einem Spannengsfeld von drei Perspektiven gefasst: Gewalt, Bündnisse und Zukunftsentwürfe. Die Konferenz möchte Austausch und Diskussionen über Analysen und Instrumentarien anregen, mit denen sich Formen von Worlding erfassen lassen: mit Fokus auf macht- und gewaltvolle Strukturen, auf Bündnisse und auf widerständige und solidarische Praxen und Imaginationen.

Erstens möchte die Konferenz gewaltvolle Formen von Worlding in den Blick nehmen. Hier sollen vor allem die aktuellen tiefgreifenden Transformationsprozesse analysiert werden, die zu einer Verdichtung der gewaltvollen Strukturen der Moderne und mithin von globaler Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Krisen führen. Aus verschiedenen Perspektiven sollen macht- und gewaltvolle Formen von Worlding erfasst werden, um zu kritischen Gegenwartsanalysen zu gelangen. Dabei soll auch eruiert werden, welche Theorien, Konzepte und Analysen feministische Wissenschaften, Gender, Queer, Trans∗ und Inter∗ Studies anbieten, um zu analysieren, wie gewaltvolle Formen von Worlding Alltag, Wohlbefinden und Gesundheit, Arbeits- und Sorgeverhältnisse sowie Rechte und Zugehörigkeiten in der Vergangenheit und Gegenwart präg(t)en. Zudem soll diskutiert werden, wie ein zunehmend autoritärer rassifizierter Kapitalismus, globale rechte Politiken und präfaschistische Angriffe auf Demokratie und Menschenrechte gewaltvolle Konfigurationen von Geschlecht, Sexualität, Körper, Begehren und Zugehörigkeit verstärken. Zweitens verstehen wir Worlding auch als Effekt multipler Relationen und Bündnisse, die weder stabil noch unumstritten sind: zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Strukturen und Praktiken, Menschen und Nicht-Menschen, Körpern und Communities, Sozialen Bewegungen und Imaginationen sowie sozialen und politischen Akteur:innen. Hier soll die Rolle neuer und sich wandelnder Bündnisse bei der Gestaltung der Welt in den Blick genommen werden: Sie können hegemoniale Formen des Worlding verstärken – wie etwa in Bündnissen zwischen extrem rechten Akteur:innen, konservativen und religiösen Kräften, aber auch feministischen Bewegungen wie „trans-exklusiven Feminismen“. Bündnisse haben aber auch das Potenzial, gegenwärtige gewaltvolle Transformationsprozesse zu stören, neu zu konzeptualisieren und umzulenken, etwa durch kollektive feministische, queere, trans∗, inter∗, post-, anti- und dekoloniale, intersektionale Aktivismen, Praktiken, Streikbewegungen, Proteste und Widerstandsformen. Vor dem Hintergrund, dass Bündnisse als zentral für die Gestaltung von Welt erachtet werden, befasst sich die Konferenz damit, wie bestimmte Bündnisse zur Vertiefung von Ungleichheit, Ausbeutung, Nekropolitik und dystopischen Zukunftsentwürfen beigetragen haben und beitragen, aber auch damit, wie neue Bündnisse und sich verbindende Kämpfe für eine lebenswerte und utopische Zukunft entstehen bzw. entstehen könnten. Ebenso soll diskutiert werden, wie und inwieweit feministische, queere, trans∗, inter∗, postkoloniale, dekoloniale und crip Bewegungen, Aktivismen, Kunst- und Wissenschaftsbeiträge heterosexistische, koloniale, rassistische, ableistische, speziesistische und andere Normativitäten herausgefordert haben und weiterhin herausfordern – und wie sie womöglich selbst darin verstrickt bleiben. Drittens sehen wir Worlding auch im Zusammenhang mit Zukunftsentwürfen. Denn trotz und in gewaltvollen Formen von Worlding haben feministische, queere, trans∗, inter∗, postkoloniale, dekoloniale und crip Bewegungen, Aktivismen, Kunst und Wissenschaft immer auch alternative Welten imaginiert, gelebt und geformt. Daher wollen wir auf der Konferenz auch Formen von Solidarität, Sorge und Widerstand in den Blick nehmen, die sowohl bestehende Welten lebbarer und lebenswerter machen als auch die Vorstellung neuer, anderer Welten möglich gemacht haben und weiter möglich machen. Die Konferenz möchte auch ausloten, welche alternativen Zukunftsentwürfe wir angesichts von Autoritarimus, ökologischem Kollaps und sozialer Fragmentierung heute erdenken und verwirklichen können. Zudem will die Konferenz danach fragen, wie Praktiken der Sorge, der Solidarität und der radikalen Imagination neue Formen des Seins, Wissens und In-Beziehung-Tretens inspirieren können.

Wir laden zu Beiträgen aus einem breiten Spektrum wissenschaftlicher Disziplinen ein und freuen uns über Einreichungen, die eine inter- und transdisziplinäre Perspektive einnehmen. Ausdrücklich erwünscht sind auch aktivistische und künstlerische Zugänge, die die Bedeutung unterschiedlicher Wissensformen stärken. Einreichungen können sich – unter anderem – mit den unten angeführten Themenfelder rund um das Konferenzthema Worlding und die Dimensionen Gewalt, Bündnisse und Zukunftsperspektiven auseinandersetzen. Gender_Queer Studies sollen dabei Gegenstand oder Ausgangspunkt von Beiträgen sein, mit deren Hilfe wir über vergangene, gegenwärtige und zukünftige Formen von Worlding nachdenken wollen.

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