Anlässlich des 50. Jahrestages des Internationalen Jahres der Frau veranstaltet das Archiv der deutschen Frauenbewegung (AddF) in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Neueste Geschichte der Universität Bayreuth und dem LWL-Institut für Regionalgeschichte (IfR) Münster eine eintägige Tagung, um aktuelle Forschungsarbeiten zum IJdF aus zeithistorischer Perspektive zu diskutieren und Machtdynamiken in West- und Ostdeutschland zwischen staatlicher und zivilgesellschaftlicher Frauenpolitik sichtbar zu machen.
Es war ein Meilenstein und Wendepunkt in der Geschichte der internationalen Frauenbewegung: Das Internationale Jahr der Frau (IJdF) wurde 1975 von den Vereinten Nationen (UNO) ausgerufen. Ziel war es, die Aufmerksamkeit weltweit auf die Gleichstellung der Geschlechter, die Rechte von Frauen und deren Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung zu lenken. Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, dass über dieses Ereignis in der Geschichte des geteilten Deutschlands bisher vergleichsweise wenig bekannt ist.
In den beiden deutschen Staaten wurde der Auftrag des IJdF sehr unterschiedlich umgesetzt. Denn die jeweiligen staatliche Stellen nutzten das Ereignis, um ihre Vorstellungen von der ‚richtigen Emanzipation der Frau‘ vor dem Hintergrund der Systemkonkurrenz im Kalten Krieg zu präsentieren. Initiativen einer liberal-westlichen Frauenbewegung, die für eine politisch-rechtliche Gleichstellung und für Selbstbestimmung eintraten, trafen auf Initiativen des globalen Südens und des Sowjetblocks, die auf eine Emanzipation setzten, die sich stark mit sozioökonomischen Faktoren verband. In der BRD nutzten Fraueninitiativen und -verbänden für ihre Forderungen nach effektiverer Gleichberechtigung das UN-Ereignis, wohingegen die autonomen Frauenbewegungen das Jahr als Instrumentalisierung von Fraueninteressen boykottierten.
Das Archiv der deutschen Frauenbewegung (AddF) in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Neueste Geschichte der Universität Bayreuth und dem LWL-Institut für Regionalgeschichte (IfR) Münster lädt im Rahmen einer eintägigen Tagung am 13. November 2025 nach Kassel ein, um aktuelle Forschungsarbeiten zum IJdF aus zeithistorischer Perspektive zu diskutieren und Machtdynamiken in West- und Ostdeutschland zwischen staatlicher und zivilgesellschaftlicher Frauenpolitik sichtbar zu machen.
Die Teilnahme ist kostenfrei; um Anmeldung bis zum 07. November 2025 wird gebeten. Anmeldung bei Mette Bartels (bartels(at)addf-kassel(dot)de).
Das Programm und alle weiteren Informationen finden Sie hier.