Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung

Antifeminismus – eine alte Ideologie und ihre Rolle in modernen Kämpfen um Gleichheit

Zeitraum: 14.09.20 - 25.09.20

Ort: digital

Ad-hoc-Gruppe auf dem 40. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie vom 14.-25. September 2020 in Berlin (digital)

Organisation: Mara Simon (Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM)) und Raphael Kohl (Charité – Universitätsmedizin Berlin)

"Misogynie und Antifeminismus spielen eine zentrale Rolle in den Ideologien und Mobilisierungsversuchen antiegalitärer Akteur*innen, Netzwerke und Gruppen. In dieser Ad-Hoc-Gruppe sollen Forschungen zusammengetragen werden, welche zeitgenössische misogyne und antifeministische Erscheinungsformen und deren Verschränkungen mit anderen abwertenden und antiegalitären Ideologien untersuchen.

Die Ad-Hoc Gruppe widmet sich mit der Betrachtung von antiegalitären Ideologien dem zentralen Thema des Kongresses „Gesellschaft unter Spannung“, indem sie die Abwehrkämpfe gegen eine offene, egalitäre Gesellschaft betrachtet. Antifeminismus und Misogynie nehmen hierbei als Brückennarrative eine zentrale aber bisher weitgehend unterforschte Rolle der Kämpfe gegen egalitäre Gesellschaftsentwürfe ein. Mit sich verändernden gesellschaftlichen Realitäten und Normen hin zu einer egalitäreren Gesellschaft hat sich auch der Antifeminismus gewandelt und gängige Argumentationsmuster haben sich verschoben. Heute wird nicht mehr davor gewarnt, dass das Wahlrecht für Frauen zum Verfall der patriarchal organisierten Familie führt. Vielmehr wird in einer modernisierten Form antifeministischer Argumentationen behauptet, dass die Gleichstellung der Geschlechter schon längst umgesetzt sei, mehr noch die Geschlechterordnung sich längst gedreht habe. Bestimmte Akteure wie Incels (involuntary celibate) und Männerrechtsaktivisten sehen Männer als das vom Feminismus und von Frauen unterdrückte Geschlecht, eine Ordnung gegen den Widerstand geleistet werden muss. Terroristen wie Breivik und der Attentäter von Christchurch beschreiben den Feminismus als Bewegung die „den großen Austausch“ vorbereitet, da er für sinkende Geburtenraten bei weißen Frauen verantwortlich wäre. Als Brückennarrativ verbindet Antifeminismus verschiedene antiegalitäre Akteur*innen und bietet da er in seiner rhetorisch gemäßigteren Form in breiten Teilen der Gesellschaft anschlussfähig ist, einen niedrigschwelligen Zugang in die extreme Rechte. Trotz der zentralen Rolle, welche antifeministische Ideologie innerhalb rechter Weltbilder bis hin zur Legitimation von Terror spielt, werden diese oft nur Randständig behandelt."

Kontakt: raphael.kohl@charite.de
https://medizinsoziologie-reha-wissenschaft.charite.de/