Inhalt: In der Soziologie bezeichnet der Begriff der Ambivalenz gegensätzliche, konflikthafte oder widersprüchliche kulturelle Ziele einer Gesellschaftsstruktur. Dieser Beitrag wendet den Begriff auf die im Europäischen Forschungsraum institutionalisierten kulturellen Normen und Werte an, um eine strukturelle Ambivalenz europäischer Integration in der Wissenschaft zu untersuchen. Ziel ist eine Analyse des Verhältnisses von Gleichstellungsnormen und Exzellenzidealen am Beispiel der durch den European Research Council (ERC) repräsentierten europäischen Exzellenzinitiative. Die These ist, dass das aktuell dominante Exzellenzparadigma eine Umsetzung supranationaler Gleichstellungsnormen in der Wissenschaft erschwert. Diese These wird anhand sekundärstatistischer Analysen und qualitativer Befunde zu geförderten Forschungsprojekten einer Überprüfung unterzogen. Die Ergebnisse zeigen, dass es u. a. aufgrund existierender Widerstände gegen die Umsetzung von Gleichstellungsstandards unwahrscheinlich ist, dass es dem ERC in naher Zukunft gelingen wird, seine selbst gesetzten Gleichstellungsziele zu erreichen.
Schlagwörter:ERC; europäischer Forschungsraum; Exzellenz; Forschungsförderung; Gleichstellung
CEWS Kategorie:Europa und Internationales, Geschlechterverhältnis
Dokumenttyp:Zeitschriftenaufsatz